Manuskripte

SWR3 Worte

Es ist immer gefährlich, sich auf den Heiligen Geist einzulassen, denn wenn der wirklich kommt, könnte er einen neuen Schwung, neue Dynamik, neue Kreativität in ihr Leben bringen. Eben all das, was das bequeme, langsame und gewohnte "Christsein" oder gar das "Atheistsein" in Frage stellt und durcheinanderbringt. … Ich möchte, dass Sie berührt werden und anders zu leben beginnen als vor diesen Zeilen.
Was Ihnen das bringt?
… Jeden neuen Tag nehmen Sie als Geschenk an. Sie wissen sich zutiefst geliebt und gewollt. Sie werden ihr bester Freund und ein besserer Freund für andere. Sie fühlen sich angenommen und wertvoll. Sie erfinden zauberhafte Worte, um andere zu beglücken. … Sie werden von Heiligkeit berührt. Sie verlieren die Angst. … Genügt das?
Sr. Teresa Zukic, Abenteuer Christsein

(in: Sr. Teresa Zukic, Abenteuer Christsein, 5 Schritte zu einem erfüllten Leben, Leipzig St. Benno 2009, Vorwort).
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6142
Im Innersten (bin ich) ganz deine Schöpfung,
du hast mich gemacht
im Bauch meiner Mutter.
Ich danke dir, dass du etwas so
Merkwürdiges geformt hast wie mich!
Ich weiß, dass es wunderbar ist,
was du tust.
Als ich da im Dunkel entstand,
war nichts an mir dir verborgen.
Deine Augen haben gesehen,
wie ich wuchs.
In deinem Buch war schon alles verzeichnet.
Meine Tage standen schon fest,
als noch keiner von ihnen da war.
Wie unausdenklich sind für mich
deine Gedanken, Gott,
wie ohne Ende ihre Zahl!
Wollte ich sie zählen:
die Atome des Universums wären nichts dagegen.
Und sollte ich dabei zu einem Ende kommen,
wäre ich immer noch bei dir.

Die Bibel – Psalm 139 – über das Wunder auch meiner Menschwerdung
(übertragen von Arnold Stadler, in: „Die Menschen lügen. Alle“ und andere Psalmen. Insel Frankfurt 92004 – S. 101)



https://www.kirche-im-swr.de/?m=6141
Schon als Kind war sie ständig gescheitert, weil sie versucht hatte, sich alles konkret vorzustellen. Am schlimmsten war der Gedanke an die Unendlichkeit gewesen. Der Gedanke an die Unendlichkeit hatte sie krank gemacht. Jeder Teller hatte einen Rand, jedes Fußballfeld eine Torlinie. Alles hörte irgendwo auf, das Zimmer, die Straße. Jeder See hatte ein Ufer, und selbst Ozeane stießen irgendwann an Land. Es war schon schwer genug gewesen, sich damit abzufinden, daß die Erde eine Kugel war. Und dann sollte das Weltall auch noch unendlich sein? Keine Wand, keine Tür? … Und wo war in dieser ganzen Unendlichkeit Gott? ... Heute stellte sie sich Gott vor wie eine Datei im Internet, einen Link, der bei allem, was man suchte, vorhanden war.
Kathrin Aehnlich: Die Frage nach der Unendlichkeit und nach Gott

(in: Kathrin Aehnlich, Alle sterben, auch die Löffelstöre. Piper München Zürich 2008, S. 9/10
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6140
Freude ist Gebet. Freude ist Kraft. Freude ist Liebe. Sie ist wie ein Netz aus Liebe, das Seelen fängt. „Gott liebt einen fröhlichen Geber“ (heißt es in der Bibel). Die mit Freude geben, geben das meiste. Es gibt keine bessere Art, Gott und den Menschen unsere Dankbarkeit zu bekunden, als alles mit Freude anzunehmen.
Ein Herz, das vor Liebe brennt, ist notwendigerweise ein fröhliches Herz. Gebt der Traurigkeit nie soviel Raum, dass Ihr die Freude (an Gott) vergesst.
Die selige Mutter Teresa von Kalkutta – über die wirkliche Kraft der Freude

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6139
Wenn man den Weinstock aufbindet, richtet er sich auf. Wenn man ihn beschneidet, dann nicht in der Absicht, ihn klein zu halten, sondern ihm zu einem kräftigeren Wachstum zu verhelfen. Das Gleiche gilt für das Volk Gottes: wenn man es bindet, macht es sich frei; wenn man es erniedrigt, richtet es sich auf; wenn man es beschneidet, setzt man ihm in Wirklichkeit eine Krone auf...
Der Winzer jätet seinen Weinstock regelmäßig, er bindet ihn auf und schneidet ihn zu... Bald lässt er uns … unter der heißen Sonne eintrocknen, bald lässt er über uns regnen. Es liegt ihm daran, dass sein Terrain gejätet wird, damit die Dornen nicht die Knospen verletzen. Und er achtet darauf, dass die Blätter nicht zu viel Schatten werfen... (dass also Nebensachen) unseren Tugenden nicht das Licht entziehen und so das Reifen unserer Früchte behindern.

Ambrosius von Mailand im vierten Jahrhundert – Über die Arbeit der Winzer und der Kirche
(Ambrosius von Mailand, Kommentar zum Lukas-Evangelium, Bibliothek der Kirchenväter, Kösel-Verlag München)

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Es ist schön, ein hungerndes Kind zu sättigen, ihm die Tränen zu trocknen, ihm die Nase zu putzen, es ist schön, einen Kranken zu heilen. Ein Bereich der Ästhetik, den wir noch nicht entdeckt haben, ist die Schönheit des Rechts. Über die Schönheit der Künste, eines Menschen, der Natur können wir uns halbwegs einigen. Aber – Recht und Gerechtigkeit sind auch schön, wenn sie vollzogen werden. Schön für uns alle, die wir uns aufmachen, weil wir unseren Reichtum, Wohlstand und Luxus nicht mit uns herumtragen wollen wie ein erworbenes Eigentum…


Heinrich Böll – Es ist schon, ein hungerndes Kind zu sättigen
in: Magna Charta für „Cap Anamur“
zit: nach Rupert Neudeck – Christ in der Gegenwart 20/2009, S. 218

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6137
Zukunftsfähig ist die EU … nur, wenn sie vom Vertrauen der Menschen getragen und von allen gesellschaftlichen Kräften aktiv unterstützt wird. …
Zentrale Maßstäbe für jede europäische Politik müssen … die Achtung der Menschenwürde, der Schutz des menschlichen Lebens, die Freiheit des Einzelnen, die Förderung von Ehe und Familie, Verantwortung für die Schöpfung, Solidarität mit den Benachteiligten in der Gesellschaft, das Engagement für die Ärmsten in der Welt sowie der Einsatz für eine globale Ordnung im Dienst für Frieden und Gerechtigkeit sein. … Wir … rufen … alle Wahlberechtigten dazu auf, sich am 7. Juni an den Wahlen zum Europäischen Parlament zu beteiligen, … um in diesem Sinne die weitere Entwicklung Europas mitzubestimmen.
Die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland rufen auf, heute wählen zu gehen.

(Pressedienst der Deutschen Bischofskonferenz vom 13. Mai 2009)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6136