Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Vergänglich und ewig – diese beiden Worte bringen auf den Punkt, worum es im heutigen Lied zum Sonntag geht. Alles ist vergänglich und letztlich bleibt nichts von dem übrig, was mir heute etwas bedeutet. Mit dieser Sicht auf die Welt beginnt der Dichter Andreas Gryphius die erste Strophe des Gedichtes „Die Herrlichkeit der Erden“.

Die Herrlichkeit der Erden
muss Rauch und Asche werden,
kein Fels, kein Erz kann stehn.

Dies, was uns kann ergötzen,
was wir für ewig schätzen,
wird als ein leichter Traum vergehn.

Andreas Gryphius hat vor 400 Jahren gelebt. Seine Eltern sterben früh. Er selbst ist immer wieder krank. Und er leidet daran, dass er im 30jährigen Krieg seine Heimat verlassen muss. All das hat ihn geprägt und seinen Gedichten merkt man es an.
Ganz Kind seiner Zeit nutzt er die starke Bildersprache des Barock, um immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Mensch nicht ewig auf der Erde lebt. Strophe für Strophe zählt er auf, was alles vergänglich ist: Ruhm, Wissen, Besitz. Das, wofür ich hart arbeite und mich anstrenge – all das nützt mir nicht, um dem Tod auszuweichen. Und egal in welchem Alter man stirbt, am Ende steht immer die Bahre, die jedem vor die Tür gebracht wird.

Wir rechnen Jahr auf Jahre;
Indessen wird die Bahre
uns vor die Tür gebracht.

Drauf müssen wir von hinnen
und, eh wir uns besinnen,
der Erde sagen: Gute Nacht!

Andreas Gryphius bleibt allerdings nicht bei der Vergänglichkeit stehen. Es geht ihm nicht darum, depressive Stimmung zu verbreiten. Im Gegenteil, er richtet den Blick weiter: auf das, was „ewig ist“. Auf Gott. Der Mensch, der auf Gott vertraut, vergeht eben nach dem Tod nicht. Selbst wenn alles, was ich im Leben erreicht oder gemacht habe, irgendwann nicht mehr sein wird. Mein Leben, das ich von Gott habe, bleibt. Wenn auch verändert. Diese Hoffnung trägt den Dichter.

In der letzten Strophe des Liedes kann man erkennen, wie sehr Andreas Gryphius auf diese Hoffnung vertraut hat und wie sie ihn bestärkt. Dort heißt es:

Wohl dem, der auf ihn trauet!
Er hat recht fest gebauet,
und ob er hier gleich fällt,
wird er doch dort bestehen
und nimmermehr vergehen,
weil ihn die Stärke selbst erhält.

Für mich bedeutet das: ich genieße, was im Leben schön und froh ist. Denn von der „Herrlichkeit der Erden“ gibt es in meinem Leben viel zu sehen. Aber ich weiß auch, dass ich diese Momente nicht festhalten kann. Dass es Zeiten gibt, in denen die Vergänglichkeit mir schwer zu schaffen macht. Und dass mein Leben irgendwann zu Ende sein wird. Aber ich bin sicher, das ist nicht alles. Das, was Andreas Gryphius über die Stärke, die uns erhält, schreibt, passt auch für mich: Gott ist diese Stärke. Und Gott ist ewig und hat mir mein Leben geschenkt. Ich glaube fest daran, dass er auch nach dem Tod etwas Schönes für mich bereithält.

Wohl dem, der auf ihn trauet!
Er hat recht fest gebauet,
und ob er hier gleich fällt,
wird er doch dort bestehen
und nimmermehr vergehen,
weil ihn die Stärke selbst erhält.

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Musikangaben:

„Die Herrlichkeit der Erden“ für Chor a cappella
CoroPiccolo Karlsruhe; Raiser, Christian-Markus, M0472059

Isaac, Heinrich; N. N. „Innsbruck, ich muss dich lassen“ Volkslied. Fassung für Violine und Klavier
Busch, Christine; Ruf, Juliane, M0261857

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