Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Es gibt Worte, die begleiten einen durchs Leben. Der Taufspruch. Ein Konfirmationsvers. Ein Segenswort zur Hochzeit. Oft sind solche Wort in dem Moment, wo sie ausgesucht wurden, noch ohne Bedeutung. 

Irgendwann später aber treffen sie auf eine Situation, wo mir dieses Wort plötzlich einfällt. Einfällt wie ein Geistesblitz. Vielleicht, weil ich   gerade etwas erlebt habe, für das mir eigene Worte fehlen. 

Und plötzlich blüht dieses fast vergessene Wort auf. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. Oder „Er hat seinen Engeln befohlen über dir... Oder: „Befiehl du deine Wege...“

Es sind Worte, die ich mir nicht selber sagen kann. So wenig, wie man sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen vermag. So ein biblisches Wort aber bringt zur rechten Zeit etwas in mir zum Blühen. Und spricht mich ganz direkt an.

In dem Lied, das ich Ihnen heute mitgebracht habe, geht es um den „Schatz“, den das biblische Wort  darstellt. Ein Wort, das kostbarer ist als „tausend Welten“. So hat es Nikolaus Graf von Zinzendorf, der tatkräftige Gründer der Herrenhuter Brüdergemeinde und Dichter vieler Kirchenlieder, gesagt. Und  bittet in seinem Lied:'
„Herr, dein Wort die edle Gabe, diesen Schatz, erhalte mir!“             

1. Herr, dein Wort, die edle Gabe,
diesen Schatz erhalte mir;
denn ich zieh es aller Habe

und dem größten Reichtum für.
Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,

worauf soll der Glaube ruhn?
Mir ist's nicht um tausend Welten,

aber um dein Wort zu tun.

Nikolaus Graf von Zinzendorf hat dieses Lied im Jahr 1725 gedichtet. Er spricht darin von der fundamentalen Bedeutung des Wortes. Wichtiger als „der größte Reichtum“! Und er beschreibt damit, lutherisch-pietistischer Theologe, der er war, als eigene Erfahrung, was am Anfang des Johannes-Evangelium steht: „Am Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort.“

Dieses Wort als Grundton des Lebens, als Fundament, auf dem der Glaube ruht, gilt es zu hören. Für Nikolaus Graf von Zinzendorf war Jesus das Wort Gottes, das die Menschen wieder an die Grundmelodie des Lebens erinnerte. 

Und wie können wir dieses göttliche Wort aufnehmen und empfangen? Das sagt Zinzendorf im zweiten Vers seines Liedes. Er denkt dabei an die biblische Geschichte von Maria und Martha, zwei Schwestern, bei denen Jesus eines Tages zu Gast ist.

Die eine, Martha, stellt sich auf den Kopf, um alles im Hause recht zu machen, schiebt und rückt, putzt und macht. Maria hingegen lässt die Dinge sein, wie sie sind. Und setzt sich lieber zu Jesus, um seine Worte zu hören, förmlich aufzusaugen, was er sagt.

Nikolaus Graf von Zinzendorf hat Maria in seinem Lied einen unvergänglichen Platz gesichert. „Lass mich eifrig sein beflissen“, dichtet er,  „dir zu dienen früh und spat und zugleich zu deinen Füßen sitzen, wie Maria tat.“ 

Hören können wie Maria. Zuhören können.  Auf die Worte achten, die wegweisend sind...

Mich regt dieses Lied Zinzendorfs dazu an, darüber nachzudenken, welches Wort, welche Worte, mir eine „edle Gabe“ sind. Und dem Wort nachzuhören und nachzuspüren, das mich in meinem Leben begleitet und mir Kraft und Trost geschenkt hat.

2. Halleluja, Ja und Amen!
Herr, du wollest auf mich sehn,
daß ich mög in deinem Namen

fest bei deinem Worte stehn.
Lass mich eifrig sein beflissen,

dir zu dienen früh und spat
und zugleich zu deinen Füssen

sitzen, wie Maria tat.

aus der CD: Herz und Heuz vereint zusammen.
DIe schönsten Zinzendorflieder

Solistenensemble Gerhard Schnitter
Verlag Hänssler

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