Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

„Wann kommt das Reich Gottes?“ …“Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch“. (Lk 17, 20f)

Wann kommt das Reich Gottes? Seit Jahrtausenden fragen sich das die Leute. Irgendwann muss doch mal Schluss sein mit all dem, was einem das Leben so schwer macht. Die Sehnsucht nach ungetrübtem Glück steckt dahinter. Die verstehe ich gut. Die habe ich auch.
Irgendwann muss doch mal Schluss sein damit, dass die einen alles haben und den anderen kaum was zum Leben bleibt. Irgendwann muss doch mal Schluss sein mit dem Leid, das aus heiterem Himmel über einen kommen kann. So verstehe ich diese Frage: Wann kommt das Reich Gottes?
Was wir allerdings schon hatten und in manchen Ländern noch immer haben, das sind Gottesstaaten. Da haben Führer und Parteien ihre Vorstellungen von einer neuen Welt mit aller Macht durchgesetzt. Und wer da nicht mitmachen wollte, der wurde und wird aus dem Weg geräumt. Solche Gottesstaaten können einem Angst machen. Das ist bestimmt nicht der Platz, wo die Welt besser werden kann.
Aber die Sehnsucht nach Glück bleibt. So vieles ist eigentlich unerträglich. Was aus einem Kind werden kann, hängt zum großen Teil davon ab, in welche Familie es hinein geboren wird und ob in Schweden, oder in Burkina Faso. Und was Menschen anderen antun, weil sie ihren Vorteil suchen, – davon kann fast jeder seine schlimme Geschichte erzählen.
Irgendwann muss doch Schluss sein damit! Irgendwann muss die Welt doch anders werden. Irgendwann muss es doch Frieden geben und Gerechtigkeit und Glück für alle. Muss ich mich wirklich damit abfinden, dass es das nur im Paradies gibt oder im Himmelreich?
Wann kommt das Reich Gottes? Jesus hat darauf geantwortet: „Es ist schon mitten unter euch“. Und er hat Geschichten vom Himmelreich erzählt. Manchmal hat er es auch „das Reich Gottes“ genannt. Er hat erzählt, dass dort alle Menschen von ihrer Arbeit leben können. Jeder wird haben, was er braucht. Man wird niemandem die Tür vor der Nase zuschlagen, weil er einen Fehler gemacht hat. Sondern Gott selbst wird dafür sorgen, dass ein neuer Anfang möglich wird. Und alle werden gemeinsam am selben Tisch sitzen. Es wird niemand ausgeschlossen, weil er zu alt ist oder ein bisschen einfältig, weil er schwarz ist oder nicht so gut laufen kann wie die anderen. So ist die Welt, die Gott für seine Menschen will, hat Jesus erzählt. So wird es sein, wenn diese Welt mit ihrem Leid zu Ende ist.
Aber ich glaube: Er hat das nicht erzählt, damit wir geduldig darauf warten. Sondern damit wir Bilder vor Augen haben, an denen wir uns orientieren können. Damit wir sehen können, wie das Glück aussehen kann. Und anfangen damit, so gut wir können. Mitten unter uns. https://www.kirche-im-swr.de/?m=7087

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