Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Ich bin sehr froh, wenn ich von jemand, der nicht mehr lebt, etwas Schriftliches habe. Wenn es bloß ein paar Zeilen sind. Notizen von meinem Vater. Wenn ich die lese, kommt es mir vor, als ob ich ihn höre. So ein Vermächtnis tröstet.

Manche helfen mir auch zu glauben. Bücher zB. Vor 8 Tagen ist Kurt Marti gestorben. Pfarrer und Dichter war er, ich habe von ihm viel gelernt für meinen Glauben. Mein liebstes Vermächtnis von ihm heißt „Gott im Diesseits.“ Das war ihm ganz wichtig. Gott gehört ins Leben: „Hier. Jetzt. Gott für unser Leben, Lieben, Wirken im Diesseits!“ sagt er da.

Menschen auf den Himmel zu vertrösten, während ihnen das Leben hier vorenthalten wird, das war Kurt Marti ein Gräuel. Ein Christentum, das Gott allein im Himmel finden will und ihn nicht im Leben sucht, warfür ihn falsch.

Was falsch? Viel mehr. Es würde Jesus Christus verraten. Der ist ja der Grund, dass man das überhaupt glauben kann: ‘Gott ist mitten drin im Leben.’

Er hat das gelebt, ist dafür gestorben und auferstanden.
Das ist Jesu Vermächtnis bis heute.

Aber Jesus hat doch vor 2000 Jahren gelebt.
Ja, aber er ist lebendig, wenn ich von ihm lese. In seinen Gleichnissen kann man erleben, wie Gott drin ist hier im Diesseitsleben. In den Gleichnissen erzählt Jesus aus dem Leben fürs Leben.
Eins ist heute in den evangelischen Gottesdiensten dran. Jesus zeigt da einen Landwirt:

‚Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern:
Er streut die Körner auf das Land, dann legt er sich schlafen und steht wieder auf –tagaus, tagein.
Und die Saat geht auf und wächst – der Bauer weiß nicht wie.
Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor. Zuerst den Halm, dann die Ähre, zuletzt den reifen Weizen in der Ähre.
(Mk 4,26-29). Soweit Jesu Gleichnis.

Ich finde, es kann das Leben leichter machen, was er da erzählt.
Wenn ich es mir zu Herzen nehme. Ich verstehe ihn so:
Ein lebenskluger Mensch tut, was er kann, arbeitet, engagiert sich.
Und: Er kann es auch gut sein lassen. Was anderes machen. ZB ausruhen. Mit anderen ein gutes Glas trinken. Einen schönen Sonntag haben. Ohne sich Sorgen zu machen. Es nützt nichts, das Gute erzwingen zu wollen.

Ein kluger Mensch weiß, Gott ist in der Welt. Weil es seine ist. Die Erde gehört nicht uns Menschen. Wir können sie pflegen, damit sie uns geben kann, was in ihr steckt: Leben für so viele Lebewesen, genug damit wir in Frieden und Gerechtigkeit leben können.
Aber dass am Ende alles gut wird, das ist nicht unser Ding.
Das kann Gott. Er bleibt mitten drin. Bis alles gut ist.

 

Das Gleichnis ganz:
Und Jesus sagte:
‚Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern:
Er streut die Körner auf das Land, dann legt er sich schlafen und steht wieder auf –tagaus, tagein.
Und die Saat geht auf und wächst – der Bauer weiß nicht wie.
Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor.
Zuerst den Halm, dann die Ähre, zuletzt den reifen Weizen in der Ähre.
Wenn die Frucht reif ist, schickt er sofort die Erntearbeiter los, denn die Erntezeit ist da.‘

Markus 4,26-29

 

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