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SWR3 Gedanken

Eine Mutter hat drei Kinder.
Der Mann schlägt sie und schläft dann mit ihr,
als wäre alles normal.
Die Mutter hat Angst und noch ein Kind im Bauch.
Die Angst wächst: vor dem Mann und
vor den Kindern des Mannes.
Wie gefangen ist sie.
Was wird sie tun?

Der Geist der Furcht ist stark
Angst frisst die Seele von innen auf.

Angst trennt die Menschen,
die Religionen, die Kulturen voneinander.
Angst hat Methode.
Sie hält Menschen klein und dumm
Angst bricht tief aus unserem Inneren hervor
und wird uns von außen eingeflößt.
Die Weltgesundheitsorganisation sagt:
Angst ist die drittgrößte Krankheit unserer Zeit
sie entsteht aus Kriegen und auf der Flucht
aber auch durch Arbeitslosigkeit und soziale Ungerechtigkeit.
Die Frau mit dem Kind im Bauch und dem prügelnden Mann
vielleicht gelingt es ihr, aus dem Gefängnis auszubrechen.
Wenn jemand kommt und sie in den Arm nimmt, ihr Mut macht
Und sie vielleicht bei sich versteckt eine Zeitlang.
Dann ist das, als ob sich Gott selbst zu ihr setzt und sie in den Arm nimmt.
„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, ich bin dein Gott.
Ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.
Gott will nicht, dass Menschen gefangen bleiben.
Und Jesus sagt:
„Ich gebe euch Frieden, meinen Frieden,
das ist anders, als wenn die Welt Frieden gibt;
euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1368
Immer neu gilt es anzufangen und miteinander zu reden.
Gerade da, wo Konflikte Beziehungen zerrissen haben.
Gerade auch zwischen den Religionen
Manche meinen, wo drei Religionen sind
gibt es verschiedene Wahrheiten, die nichts anderes können, als miteinander zu streiten.
Dabei ist es doch so,
dass wo fünf Protestanten beisammen sind
mit zehn Meinungen zu rechnen ist.
Deswegen gibt es auch so viele evangelische Kirchen,
jede Auseinandersetzung brachte die Gründung
einer neuen Kirche hervor.
Juden sind stolz auf ihre Streitkultur, die ihnen sagt:
die Wahrheit kann man nie nur auf eine Weise denken.
Und die katholische Kirche eint unter einem Dach
Meinungen und Richtungen, die gar nicht zusammengehen,
es sei denn mit einer gelungen Kultur des Dialogs.
Muslime sind keineswegs einfach dogmatisch einlinig.
Der Koran fordert auf zum selbst studieren und denken
und sieht keineswegs eine Autorität vor,
die den anderen sagt was sie zu denken haben.

In sich also ringen die Religionen um Wahrheit.
Miteinander zu reden über das was wir Wahrheit nennen,
gelingt da, wo einer sich einlässt auf sein Gegenüber.
Um Muslime zu verstehen
dürfen wir nicht auf das schauen,
was Islam genannt wird.
Es gilt zu versuchen
die Welt mit muslimischen Augen anzuschauen,
und das geht auf unterschiedliche Weise
denn es gibt viele Muslime mit je eigenem Blick.
Anders herum:
wer Christen verstehen will
darf nicht auf das schauen
was Christentum genannt wird,
sondern muss die Welt mit christlichen Augen sehen.
Auch davon gibt es viele.
Wer also einen anderen verstehen will
kann mit ihm ein Stück Weg gehen
sich von ihm seine Welt zeigen lassen.
Und wenn ich dabei noch seine Schuhe anziehe,
kann ich vielleicht verstehen wo ihn der Schuh drückt.
Das ist es was Jesus meinte, als er sagte:
Selig sind die Frieden stiften! https://www.kirche-im-swr.de/?m=1367
ARM IM MAI? blöd.
Wer hat da Lust zu spenden?
Weihnachten ist so fern.
Im Mai- außer am Maifeiertag, wenn die Gewerkschaften sich um Gerechtigkeit bemühen- haben alle Lust endlich in die Freibäder zu gehen,machen den Obdachlosen in den Fußgängerzonen
die Bänke streitig.
Aber: Im Mai sind nicht weniger Menschen arm
als im Dezember oder im Januar.
Wie geht arm im Mai?
Arm im Mai heißt:
Kein Geld für Selbstbräuner
aber viel Zeit in der Sonne zu liegen
allerdings nicht auf einem eigenen Balkon
mit Frühlingsblumen und so.
Arm im Mai
heißt: trotz anziehender Konjunktur
keine schönen Sommerkleidchen kaufen
und keinen leichten Leinenanzug
vielleicht weiter immer alles mit sich herumschleppen
was man im Winter so braucht.
Arm im Mai heißt: wenn ein Job, dann Spargelstechen
und krummer Rücken vom Erdbeeren ernten.
Arm im Mai heißt:
Frühlingsgefühle ohne Parfum, ohne Kinogang mit der Angehimmelten und danach Einladung zum Eis.
Arm im Mai
heißt Biergartensaison ohne dich, kein Wochenendtripp
nach Mallorca, Himmelfahrt ohne Vatertagsausflug
mit Fahrrädern und Freunden.
Arm im Mai heißt: jetzt kann man endlich
sparen bei den Stromkosten, weil man weniger Licht braucht und weniger Heizung,
dafür fällt der Kühlschrank auf der Fensterbank aus.
und es gibt keine Milch mehr in den Kaffee.
Arm im Mai.
Gut zu wissen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1366
„Du sollst dir kein Bildnis machen“
Christen, Juden und Muslime
teilen in je unterschiedlicher Weise das Bilderverbot.

Du sollst dir kein Bildnis machen, heißt es bei uns in den zehn Geboten.
Und zwar nicht nur von Gott, sondern von allem, was im Himmel
auf der Erde, unter der Erde und im Meer ist.
Bleibt nicht mehr viel übrig.

Weil Menschen besser gucken als hören oder denken können.
Deshalb meinen sie auch: das was sie sehen
sei wichtiger als Worte
oder als das, was sie nicht sehen.
Aber nun ist der eine Gott, an den wir glauben eben einer,
der sich verborgen hält, den man nicht sehen kann.

Martin Luther allerdings sagt: Gott hat uns ein Bild von sich gegeben
und zwar seinen Sohn Jesus Christus, auf den sollen wir sehen.
Wenn wir das tun, erkennen wir in jedem Menschen ein Abbild Gottes.
Natürlich: Es hat immer Bilder gegeben
auch Muslime kennen Darstellungen des Propheten.
Orthodoxe Christen haben Ikonen
Gott selbst habe sie gemalt, sagen sie.
Katholische Kirchen sind angefüllt von Gemälden und Skulpturen von Heiligen und Maria.
Allein die evangelischen Kirchen
reduzieren sich zumeist auf schlichte Kreuze aus Holz, Metall oder Stein.
Alles Äußere lenke nur den Blick und die Gedanken ab.

Bilder in der Synagoge, in einer Kirche, und einer Moschee
gibt es jetzt in Mannheim, eine Ausstellung im Rahmen der
Meile der Religionen, die wir noch bis Ende Juli in der Innenstadt haben:
Fotos aus Moscheen, Kirchen und Synagogen
Moscheebilder in der Synagoge
Synagogenbilder in der Kirche
Kirchenfotos in der Moschee...

Das ist für manche keine leichte Kost
aber der mutige und zugleich vorsichtige Versuch
die Augen wieder zu gewinnen
zum Denken und Hören und Beten-
hart an den Grenze eines Verbots und darüber hinaus https://www.kirche-im-swr.de/?m=1365
WER HAT DIE MACHT IN EUROPA?

Die reichen Länder im Westen
Oder die kleinen in Osten...

Beim European Song Contest war die Macht in Europa auf einmal
auf den Kopf gestellt!
Wie in der Geschichte vom Riesen Goliath
Den der kleine David besiegt.
Länder, die es früher nicht gab,
weil sie Teil der UDSSR waren,
Hauptstädte, deren Namen früher keiner kannte,
hier waren sie wichtig.
Wer wusste schon, wo Moldawien liegt,
Mazedonien vielleicht schon eher
aber wo um des Himmels willen liegt Georgien und Armenien?


Nicht alle finden diese Umkehrung der Verhältnisse richtig und gut: der Moderator der deutschen Show konnte
im Verlauf der Punkteverteilung kaum an sich halten.
und auch in den Medien wird seither heftig diskutiert:
Wie kann es sein, dass die Leute aus den kleinen Ländern im Osten
genauso viele Stimmen haben wie die großen im Westen.
Das ist nicht repräsentativ, erklärte empört der deutsche Moderator des Abends.
dabei hatten die kleinen Länder im Westen:
Schweiz und Luxembourg immer schon genauso viele Stimmen
wie Franzosen, Engländer, Spanier, Italiener und Deutsche.
Nur dass sie eben nicht so viele sind, wie die vielen kleinen aus dem Osten.
Das Ergebnis: Deutschland auf Platz 19!
So viele sind wir in diesem Europa, dass Deutschland auf Platz 19 landen kann!
Unerforschte Weiten!
Ich weiß dass da in den Karpaten noch die Wölfe lauern
und dass vielerorts wo der eiserne Vorhang gefallen ist
jetzt mafiotische Strukturen herrschen und die Menschen noch immer nicht wissen, was Demokratie und Wohlstand sind ist.
Aber im Europa des European Song Contest gewinnen die Armen über die Reichen,
Leute die die Fahrtkosten selbst bezahlen mussten...
Mir imponiert das und ich finde es wunderbar, dass all die west- und osteuropäischen Länder
ein riesiges Fest miteinander feiern und dass eine Frau mit einer guten Stimme gewonnen hat. Mit einem Lied, dessen Titel einfach „Gebet“ heißt. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1364
Frieden stiften kann so schön sein.
Wir in Mannheim haben dazu etwas erfunden:
Die „Meile der Religionen“!
Juden Christen und Muslime haben sie gemeinsam
letzten Mittwoch abend eröffnet. Einen Abend lang über hundert Tische, eine lange festliche Tafel mitten durch die Häuserblocks der Mannheimer Innenstadt aufgestellt.
Hunderte von Ehrenamtlichen aus fünfzig verschiedenen Gemeinden, Schulklassen, Kindergärten und soziale Einrichtungen haben gekocht. Kurpfälzer, bosnische und türkische Muslime, griechische Orthodoxe und finnnische Lutheraner, italienische und kroatische Katholiken waren da. Alle haben sie für Tausende von Gästen gekocht.
Eine Straße verwandelt sich in ein buntes Gastmahl!
So hatten wir das geplant.
Dann hat es geregnet, Hunde und Katzen.
Und so haben wir kurzerhand Tische und Bänke in Kirchen und die Synagoge geräumt.
Im Altarraum der CityKirche Konkordien haben Muslime den Tisch gedeckt, zwischen den Bänken gab es schwäbische Maultaschen. In der Synagoge gab es koscheres Essen und viele, die da noch nie waren ließen sich durch die Räume führen und die Synagoge erklären. In der katholischen Marktkirche Sankt Sebastian waren für viele Gäste die Tische gedeckt. Die Moscheen waren geöffnet und auch da lauter Neugierige. Und überall waren Menschen miteinander im Gespräch, nicht nur die Wichtigen und die Funktionäre, Alte und Junge, die vielen Frommen aus den verschiedenen Gemeinden.
Alle waren hell begeistert
Fast zwei Jahre haben wir das alles miteinander geplant- Vertreter der Kirchen, der jüdischen Gemeinde und von zwei Moscheegemeinden.
und jetzt war da viel mehr als wir zu hoffen gewagt hätten, mehr Gäste, mehr Essen, und so viel Interesse und Begeisterung, dass wir das bestimmt wieder machen, das nächste Mal mit Sonne und auf der Straße, damit noch mehr Leute kommen. Wir machen das wieder - hier in Mannheim.
Ich kann Ihnen das sehr ans Herz legen:
Frieden stiften kann wunderschön sein und macht wahnsinnig viel Spaß!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1363
Himmelfahrt war, Pfingsten kommt
Heute ist Exaudi.
Einer meiner liebsten Sonntage im Kirchenjahr,
ein bisschen sinnlos
oder zumindest nicht so bedeutungsschwer
wie manch andere. Der Sonntag, der Gott eine Pause einräumt.

Es gibt Kirchen in denen hängt das ganze Jahr
eine hölzerne Taube vom Dach
als Symbol für den Geist Gottes
der bei der Gemeinde ist.
Die Taube wird nach Himmelfahrt nach oben gezogen
vom Kirchendiener in einer staubigen Ecke auf dem Dach verstaut
und erst an Pfingsten wieder heruntergelassen...

Gott macht Pause
Vielleicht legt er die Füße hoch
geht ein wenig im Himmel spazieren
plaudert mit den Engeln
hält sich mal raus für einen Moment.
Schaut vielleicht zurück auf all das was war.
Ob er alles richtig gemacht hat?
Ob er es wieder so machen würde?

Vielleicht ist dieser seltsamste aller Sonntage im Kirchenjahr
auch ein guter Augenblick für uns
einmal alles wegzulegen.
Hinsetzen, Luft holen, sich umsehen, warten.
Warten, dass Gott kommt.

Warten ist geschenkte Zeit.
Ich muss nichts tun.
Ich kann alles mögliche tun.
Wie Gott
Füße hochlegen
Spazieren gehen
aus dem Fenster gucken
ein langwieriges neues Kochrezept ausprobieren
mal wieder Tante Luis’ anrufen
oder ein paar alte Briefe lesen.

und nebenher
warten
und in das Warten schleicht sich Gottes Geist ein
und ich werde wieder Feuer und Flamme...
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1362