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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Die Handschrift sagt etwas über uns aus. Sie ist etwas sehr persönliches, und unverkennbar. Lehrer in der Schule – die mühen sich manchmal redlich ab, um die Handschriften ihrer Schüler zu entziffern. Und können die Schüler meist doch an ihrer Handschrift erkennen. Aber Schreibschrift wird immer weniger unterrichtet. Ob es in 50 Jahren überhaupt noch Handschriften gibt? Es gibt viele Menschen, die in Zeiten von e-mail und WhatsApp  gar keine Briefe mehr schreiben oder bekommen.

Ich finde das schade. Wie persönlich ist doch eine handgeschriebene Postkarte!
Was wir allerdings noch eine Weile sicher schreiben müssen, ist unsere Unterschrift, unser Name. Unterschriften besiegeln etwas, und unsere Namen sind unverwechselbar in ihrer Handschrift. Maler haben oft ihr Bild signiert. Und durch diese Unterschrift  wird deutlich: Das Bild ist echt, je nach Namenszug sogar sehr wertvoll.

Gott scheint auch so etwas wie eine Handschrift zu haben. Aber nicht, um seinen eigenen Namen zu schreiben. Vielmehr schreibt er unsere Namen. So steht in der Bibel: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Jesus sagt diesen Satz zu seinen Jüngerinnen und Jüngern, als sie zu ihm zurückkommen. Sie sind unterwegs gewesen in seinem Namen. Haben Kranke geheilt und gepredigt. Sie sind sehr erfolgreich gewesen auf ihrer Reise und nun ganz begeistert.

Aber Jesus lenkt den Blick auf etwas ganz anderes  – nicht auf diese Erfolge und Leistungen kommt es an, sondern darauf: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Ganz abgesehen von Scheitern oder Erfolg kommt es nur darauf an: Gott kennt Euch und liebt Euch. Eure Namen hat er fest bei sich bewahrt und aufgeschrieben. Schriftlich festgehalten -das ist verbindlich und unumstößlich!

Was Jesus seinen Freunden gesagt hat, das gilt auch für uns heute. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.
Wenn ich das nächste Mal meinen Namen schreibe, denke ich an daran. Mein Name ist auch noch woanders geschrieben. Von Gott. Unverkennbar und persönlich. Er meint uns, jeden einzeln, und lädt uns zu sich ein – immer wieder neu.

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Manchmal kann eine schwere Erfahrung ein Geschenk mit im Gepäck haben. Davon erzählt mir eine Patientin, die ich besuche. Eine Krebserkrankung liegt hinter ihr. Die Diagnose kommt wie ein Donnerschlag. Sie war immer gesund. Vielleicht mal eine Erkältung. Und jetzt: Die Diagnose Krebs verändert ihr Leben total.

Als sie mir das erzählt, steckt ihr die schwere Zeit noch in den Knochen. Sie ist nicht mehr die, die sie vor drei Jahren gewesen ist, das ist deutlich. Trotzdem ist da ein unglaubliches Leuchten in ihren Augen. Fast ein Strahlen! Denn jetzt kommt sie bei der Erzählung zum wichtigsten Punkt. Findet sie jedenfalls.

„Sie glauben es nicht“,  sagt sie, „aber bei meinem zweiten Krankenhausaufenthalt, da kam ich in dieses Zimmer. Da lag eine Frau im Bett daneben, die kam mir irgendwie bekannt vor. Wir erzählten ein bisschen.

Und dann ist herausgekommen, dass wir uns schon mal im Café begegnet sind. Wir sind uns auf den ersten Blick sympathisch gewesen. Doch damals haben wir nicht miteinander gesprochen. Und jetzt: Jetzt sind wir uns tatsächlich wieder begegnet. Auch noch in einem Zimmer!

Seitdem sind wir beste Freundinnen. Sie hat mir in der Erkrankung so geholfen und ich ihr auch. Wir unternehmen viel zusammen. Und jeder spürt, wie es der anderen geht. Es ist so ein Geschenk. Manchmal bin ich gar nicht böse um die Erkrankung, so schlimm das auch war. Meine Freundin hätte ich sonst nie gefunden.“ Das hat sie mir berichtet.

Manchmal kann eine schwere Erfahrung ein Geschenk mit im Gepäck haben. Manchmal schenkt uns Gott im tiefsten Tal einen Engel, der auch weiter an unserer Seite bleibt.  Die leuchtenden Augen der Frau haben diese Geschichte erzählt. Nichts ist leicht, wenn man schwer krank ist. Aber vieles ist leichter zu tragen, wenn man nicht alleine ist.

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Ein Zebrastreifen, der zu schweben scheint. Künstler haben ihn geschaffen. Durch die 3D Optik sieht der Zebrastreifen so plastisch ist, dass Autofahrer automatisch abbremsen. Als wäre er nicht auf den Asphalt gemalt, sondern ein reales Hindernis. Ganz schon pfiffig. Fußgänger werden geschützt, weil Autofahrer von ganz alleine langsam machen.

Leider entspricht das nicht den Normen. Weil die Gesetze anders sind, kann dieser Zebrastreifen nicht bleiben. Er muss wieder weg.
Schade, habe ich gedacht. Wie oft stehen unsere Bestimmungen einer guten Sache im Wege. Ich möchte nirgendwo anders leben als in einem Rechtsstaat. Aber was tun, wenn Gesetze das Zusammenleben nicht erleichtern, sondern erschweren?

Die Frage ist alt. Schon bei Jesus gab es dieses Dilemma. Als er mal Menschen geheilt hat an dem Tag, an dem jede Arbeit verboten war, am Sabbat: Da war der Aufschrei groß. Jesus hat gegen das Gesetz verstoßen – so lautete der Vorwurf. Jesus hat darauf souverän geantwortet: Die Gesetze sind für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für das Gesetz. Das war seine Antwort. Sie sind ein Raum der Freiheit. Und ein Menschenleben geht allemal vor.
Starke Worte  - und sicher kein Freibrief für Gesetzesübertretungen. Im Blick ist der Mensch, der etwas braucht. Nicht die eigene Willkür.

Auch heute gilt: Gesetze darf man nicht willkürlich brechen. Aber in der Demokratie es gibt es Gott sei Dank politische Prozesse, die zu Gesetzesänderungen führen. Diese Prozesse sind oft langatmig und auch mir geht es oft  zu langsam. Aber anstatt mich zu ärgern frage ich mich eher, was ich selber durch  meine Stimme beitragen könnte, dass die Gesetze den Menschen dienen und nicht der Bürokratie.

Vielleicht wird auf diesem Weg auch bald der schwebende Zebrastreifen erlaubt. Ich fände das gut! Jede Gesetzesänderung, die Leben schützt,  gefällt mir. Da kann noch viel passieren – und jeder von uns Bürgern kann mitwirken.
Damit Gesetze nicht zum Gefängnis werden, sondern dazu, wie auch Jesus es gemeint hat: Zum Raum der Freiheit, der Leben ermöglicht.

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Eine Bekannte von mir kann an keinem kranken Tier vorbeigehen. Ihr ist es ein Herzensanliegen, zu helfen. Und ihre Hilfsbereitschaft kennt kaum Grenzen. Da kann es passieren, dass ein krankes Tier aus dem Urlaub mitgenommen wird, um es zu Hause weiter zu versorgen. Sie kennt mittlerweile einen Haufen Tierarztpraxen im In –und Ausland, Tierschutzvereine und Hilfsorganisationen. Und sie engagiert sich, wo sie kann. Ihre Familie hat allen Protest aufgegeben. Sie wissen: Sie kann nicht anders. Sie hat eine Schwäche für das Schwache.

Zuerst habe ich gedacht: Ganz schön extrem! Aber dann ist mir ein Bibelspruch in den Sinn gekommen, der gut zu dieser Frau passt. Der Prophet Jesaja beschreibt Gott so: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Gott hat wohl auch eine Schwäche für das Schwache. Die Not in der Welt ist Gott nicht egal. Und da, wo noch ein Funken Hoffnung ist, soll man alles dafür tun, dass diese Hoffnung genährt wird. Dass ein Licht wieder leuchten kann oder eine Pflanze wieder wachsen kann.
Hoffnung stärken durch tätige Nächstenliebe. Nicht wegschauen, sondern etwas tun. Das geht auf vielfältige Weise.

Die Meisten machen das ganz unaufgeregt in ihrem täglichen Leben – jemanden besuchen, für jemand Kranken etwas kochen, einen Anruf, eine Spende. „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Durch Hoffnung kann Schwäche zu Stärke werden – gut, dass manche Menschen sich nicht beirren lassen, eine Schwäche für das Schwache zu haben. Gott nachzueifern.

Zuletzt hat meine Bekannte einem Vogel geholfen, der aus dem Nest gestoßen wurde. Der hätte keine Chance gehabt. Da war das Glimmen des Lebenslichtes weniger als schwach. Liebevoll hat sie sich um ihn gekümmert. Bis er wieder wegfliegen konnte. Ein kleines Wunder, selten genug. Er ist in die Freiheit geflogen und lebt. Und nur, weil jemand eine Schwäche für das Schwache hatte.

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Heute hat Heidi Geburtstag. Eigentlich nicht Heidi direkt, aber Ihre Erfinderin: Die Schriftstellerin Johanna Spyri. Die Frau Stadtschreiberin von Zürich, 1827 geboren, eine Frau, die Schwangerschaftsdepression und Ehekrise kannte, Hausarbeit hasste und viele Bücher und Geschichten schrieb. So auch den weltberühmten Roman „Heidi“. Ein heimatloses Waisenkind. Ein Junge, der Ziegen hütet, und Heidis Opa, der als Aussteiger in den Bergen lebt. Außerdem ein paar Frankfurter Reiche mit dem gehbehinderten Sorgenkind Klara. Das sind die Zutaten zum Roman Heidi.

An Kitsch denken da manche oder an einen Kinderbuchschinken aus uralten Zeiten. Mir klingt noch das Lied zu der nicht enden wollenden Zeichentrickserie im Ohr. Doch bei allen Klischees: Für mich hat Heidi etwas mit dem Wort Resilienz zu tun. Und das ist gar nicht kitschig. Resilienz, das heißt psychische Widerstandskraft oder innere Stärke. -  eine Kraft, die hilft, Krisen zu bestehen. Etwas, das viele Menschen haben, oft ohne es zu merken. Man kann Resilienz auch fördern.

Heute geht es oft um die Frage, wie Kinder zum Beispiel resilient werden können. Was macht Kinder stark? So stark, dass sie auch mit heftigen Problemen fertig werden? Heidi hat denkbar schlechte Startbedingungen:
Keine Eltern, arm, herumgeschoben, keine Bildung und auch noch ein Mädchen.
Aber Heidi ist ganz schön zäh oder resilient, könnte man sagen. Heidi kann in jedem etwas Gutes erkennen und schafft es, auch in der Fremde Helfer zu finden.

Was Heidi stark macht ist auch ihr Glaube. Den bekommt sie vor allem von Klaras Oma mit auf den Weg, die es auch nicht leicht hatte. Aber sie glaubt an Gott. So lernt auch Heidi: Gott ist auf meiner Seite, so unberechenbar mein Leben auch ist: Auf ihn kann ich vertrauen!

Für Heidi geht die Geschichte am Ende gut aus. Vielleicht ein bisschen kitschig. Aber mit einer tiefen Botschaft. Nicht aufgeben lohnt sich. Auf Freunde bauen lohnt sich. Und Glauben trägt - selbst wenn es manchmal dauert.

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Ohne Lachen fehlt etwas, finde ich. Auch in der Kirche. In der Bibel kommt Lachen nicht so oft vor. Aber doch manchmal. Da heißt es zum Beispiel: Es gibt eine Zeit zum Weinen. Und es gibt eine Zeit zum Lachen. Ja, ich glaube: Gott hat Humor!

Dazu gibt es eine Geschichte aus Irland, die steht nicht in der Bibel, aber atmet doch den Geist eines humorvollen Gottes.  Einmal ist ein Ire plötzlich gestorben. Nun steht er vor Jesus. Jesus muss entscheiden, ob er in den Himmel kommt. Viele sind vor ihm an der Reihe.  Jesus liest in einem Buch und sagt zu einem:  „Hier steht: Ich hatte Hunger und du hast mir zu essen gegeben. Bravo, ab in den Himmel!“ Zum Zweiten sagt er: „Hier steht: Ich hatte Durst und du hast mir zu trinken gegeben!“  Und zum Dritten: „Ich war krank und du hast mich besucht! Ihr beiden kommt in den Himmel.“ Jedes Mal fragt sich unser Mensch ängstlich: „Und ich? Ich hab all das nicht gemacht. Dann  kommt er dran.“ Jesus blättert in dem Buch, blickt auf und sagt: „Da steht nicht viel. Aber etwas schon: Ich war traurig und du hast mir Witze erzählt. Du hast mich zum Lachen gebracht, mir Mut gegeben. Ab in den Himmel!“ Und freudestrahlend kam der Ire in den Himmel.

Für mich zeigt diese Geschichte: Zum Leben gehört neben Essen und Trinken und manchem mehr auch das Lachen. Ohne Lachen fehlt etwas. Schon bei Kindern ist das erste Lachen ein Meilenstein.
Wenn ein Baby lächelt, dann schmilzt jeder dahin, da kann man nur zurücklächeln. Wenn größere Kinder von Herzen lachen, dann steckt das an! Lachen befreit und verbindet. Eine Gabe Gottes, die niemandem schadet, sondern alle erfreut, wenn sie von Herzen kommt.

Daher passen Lachen und der christliche Glaube gut zusammen. Von Gott geliebte Menschen nehmen sich selbst nicht so ernst. Sie können Tod und Teufel, Angst und manches andere ab und zu weglachen. Am Ende hat gut Lachen, wer auf Gott vertraut.

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