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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Den Treppenaufgang zur Heilig-Rock-Kapelle des Trierer Doms schmücken zwei beindruckende Statuen. Links – in feierlicher Pose – der römische Kaiser Konstantin und rechts daneben Helena, seine Mutter. In umfangreichen Ausstellungen wird Konstantin in diesem Jahr in Trier gewürdigt. Für die Geschichte des Christentums ist er wichtig geworden. Anfang des vierten Jahrhunderts ordnet er an: Das Christentum ist eine gleichberechtigte Religion, die Christen können öffentlich ihren Glauben bekennen. Die Christenverfolgungen seiner Vorgänger sind damit beendet. Und Helena, warum ist sie wichtig? Die Katholische Kirche sieht in der hl. Helena eine Frau, die in den wichtigen Jahren ihres Lebens unterwegs war in „Sachen Glauben“. Das war ihr keineswegs in die Wiege gelegt. Um das Jahr 250 wird sie geboren – als Tochter einer Gastwirtsfamilie. Die junge Frau lernt einen römischen Offizier kennen und lieben. Der gemeinsame Sohn Konstantin kommt zur Welt – unehelich. Der Offizier wird Kaiser, Konstantin kommt zu seinem Vater. Nach dem Tod des Vaters übernimmt er dessen Heer, wird zum Kaiser ausgerufen und wählt Trier zu seinem Regierungssitz, jedenfalls für ein paar Jahre. Seine Mutter Helena holt er zu sich. Nachdem sie den christlichen Glauben angenommen hat, reist sie als eine der ersten Frauen ins Heilige Land. Es ist ihr wichtig, auf den Spuren Jesu unterwegs zu sein. Das wird in vielen Legenden ausführlich gewürdigt. So wird erzählt, sie habe in Jerusalem das Kreuz Jesu aufgefunden. Zudem habe sie die Kreuznägel und das Gewand Christi selbst nach Trier gebracht. Dem Trierer Bischof Agritius soll Helena ihren Palast geschenkt haben. An seiner Stelle wird dann die große Doppelkathedrale errichtet – die Keimzelle des heutigen Doms. Die hl. Helena ist eine der eindrucksvollsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Christentums. Heute ist ihr Namenstag. Herzlichen Glückwunsch allen, die Helena oder Helene heißen.
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Ich bin am Ende der Welt - im „Finistère“. So heißt die Landschaft der Bretagne. Weiter westlich geht‘s nicht mehr. Früher, bevor Amerika entdeckt wurde, war hier die Welt zu Ende. Eine wunderschöne Gegend, in der auch der Glaube Spuren hinterlassen hat. Die kleine Kirche von Tronoen ist Maria, der Mutter Gottes, geweiht. „Kathedrale der Dünen“ wird sie genannt. Viele kommen hierher in diese verlassene Gegend. Das liegt vor allem an einem Kunstwerk, das direkt neben der Kirche steht. Ungefähr 500 Jahre ist es alt. Aus schwarzem Granit gehauen, an vielen Stellen verwittert und von Moos überdeckt. „Kalvarienberge“ so nennt man diese steinernen Kunstwerke. Der Name erinnert an die Stelle in Jerusalem, an der Jesus hingerichtet wurde. Der Kalvarienberg von Tronoen ist der älteste in der Bretagne. Und er ist Vorbild geworden für viele andere Versuche, die Lebens- und Leidensgeschichte des Jesus von Nazareth in Bildern nachzuerzählen. Es ist die dramatische Geschichte von einem, der zum Opfer geworden ist. Sie zeigen auch die vielen, die ihn zum Opfer machten. Dabei fehlt es nicht an Versuchen, dem Mann zu helfen, dem es so schlecht geht, der gefoltert wird, der ein riesiges Holzkreuz schleppen muss - bis auf dem Kalvarienberg, wo er schließlich hingerichtet wird. Gott sei Dank – die Geschichte geht gut aus. Der Gekreuzigte bleibt nicht im Tod. So sagt es unser Glaube. Gott macht mit Jesus einen neuen Anfang. Jesus begegnet Menschen – Maria aus Magdala zum Beispiel. Die Künstler haben den Auferstandenen als Gärtner in den Stein gehauen – mit einem Spaten in der Hand. Ein schönes Bild für diese Geschichte vom neuen Anfang. Davon können sogar Steine erzählen – wie die „Kalvarienberge“ in der Bretagne – am „Ende der Welt“.


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In Oberammergau werden nicht nur Passionsspiele inszeniert, sondern auch andere biblische Themen stehen auf dem Programm. In diesem Jahr geht es um den Propheten Jeremias.
Oberammergau ist bekannt für seine Passionsspiele. Alle zehn Jahre finden sie statt. Aber auch zwischendurch wird eifrig Theater gespielt – meistens Geschichten mit bedeutenden Gestalten der Bibel. Vor Jahren war es ein Stück über den König David. In diesem Sommer hat man einen der großen Propheten des Alten Testamentes auf die Bühne gebracht – Jeremias. Den Text hat Stefan Zweig geschrieben, ein bekannter österreichischer Schriftsteller. 1918 hat er sein Bibeldrama „Jeremias“ veröffentlicht. Die Geschichte spielt etwa 600 Jahre vor Christus. Worum geht’s? Der König von Jerusalem hat sich mit Ägypten gegen den König von Babylon verbündet. Wie im Rausch ziehen sie in den Krieg. Rachsucht, Eitelkeit und Siegesgewissheit treiben sie an. Dabei müssten sie eigentlich wissen: Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen. Der Gegner ist viel zu stark. Friedensverhandlungen, die wären jetzt wichtig. Es gibt allerdings nur einen, der in diesem Sinn den Mund aufmacht. Es ist der Prophet Jeremias. Der macht nicht mit bei den Kriegsvorbereitungen. Er weiß: Krieg bedeutet vor allem „geborstene Steine und gebrochene Seelen“. Und er ist davon überzeugt: Der Gott, an den er glaubt, ist ein Gott, der Frieden will – nicht Krieg. Jeremias steht mit seiner Überzeugung allein auf weiter Flur. Er nimmt sogar einiges in Kauf: Mobbing, Erniedrigung, Folter. Aber er bleibt konsequent in seinem Kampf gegen Unvernunft, Kriegstreiberei und den Glauben an einen gottgewollten Krieg. Ich finde: Keine leichte Kost, die in Oberammergau auf der Bühne präsentiert wurde, aber eine, die es in sich hat. Die Botschaft des Propheten Jeremias ist aktuell – damals und heute.

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Für alle Autofahrer hat der Vatikan jetzt eine Hilfe. Der Päpstliche Rat für Migration, also die Behörde, die sich um die Seelsorge für Menschen unterwegs kümmert, hat „Zehn Gebote für Autofahrer“ veröffentlicht. Das erste: „Du sollst nicht töten.“. Klar, das steht ja auch in den „offiziellen“ 10 Geboten und ist Leitbild für alles weitere. Lebensschutz an Nummer eins. Und dann: 2. Die Straße sei für dich ein Mittel für Gemeinschaft zwischen Menschen und nicht für tödlichen Schaden. Nummer 3: Höflichkeit, Korrektheit und Klugheit sollen dir helfen, überraschende Situationen zu meistern. 4. Sei barmherzig und hilf dem Nächsten in der Not, besonders wenn er Opfer eines Unfalls ist. Das 5. Gebot der Straße heißt: Das Auto sei für dich kein Ausdruck von Macht und Herrschaft und kein Anlass zur Sünde. 6. Überzeuge in Liebe die jungen Menschen - und auch die nicht mehr jungen -, sich nicht ans Steuer zu setzen, wenn sie nicht fahrtüchtig sind. Nummer 7 sagt: Biete den Familien von Unfallopfern Unterstützung. Nummer 8: Sorge dafür, dass sich Opfer und Verursacher eines Unfalls in einem geeigneten Moment begegnen, damit sie die befreiende Erfahrung der Vergebung machen können. 9. Auf der Straße schütze die Schwächsten. Und schließlich das 10. Gebot: Fühle dich verantwortlich für die anderen.
Klingt vielleicht etwas einfach, was da als „Zehn Gebote für Autofahrer“ vom Vatikan veröffentlicht wurde. Natürlich hat dieses Schreiben keinen Dogmencharakter, sondern will – wie viele andere Vatikandokumente auch - eine Hilfe sein. Wer auf den Straßen unterwegs ist, der soll sich bewusst sein, dass er da nicht alleine ist, gerade jetzt in der Urlaubszeit. Dass es Menschen gibt, die Hilfe brauchen; dass man selbst schnell in so eine Situation kommen kann, in der man Hilfe braucht. Da helfen dann vielleicht die Zehn Gebote für Autofahrer. In diesem Sinn: Mit Gottes Schutz und Segen - Allzeit Gute Fahrt!

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13AUG2007
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Dieses Jahr hat’s mich im Urlaub erwischt. Ich hatte einen Unfall, bin am Strand auf Steinen rumgeklettert und abgerutscht, blöd aufgeschlagen und hab mir die Bänder in der Schulter gerissen. Sehr schmerzhaft und sehr langwierig.
Mit der immer noch lädierten Schulter war ich vor kurzem in der Kirche von Münstermaifeld in der Eifel zu Besuch. Dort ist an der Wand ein überlebensgroßes Porträt des Heiligen Christophorus zu sehen: Der bärenstarke Mann, der das Jesuskind auf den Schultern trägt und durchs Wasser zum anderen Ufer bringt. Tja, den hätte ich am Strand gebraucht, so einen Schutzpatron, der mich auf den Schultern trägt, damit ich nicht stürze. Hab ich im ersten Moment gedacht.
Der Heilige Christoph wird als himmlischer Helfer angesehen, als so etwas wie ein Schutzengel, der einen vor Unglück und Unfall bewahren soll. Deshalb wird er auch gerne in Autos als Plakette ans Armaturenbrett geheftet. So einen wie Christophorus hätte ich also gebraucht, dachte ich, dann wär‘ der Unfall vielleicht nicht passiert.
Wenn ich es mir dann aber näher überlege, dann war der heilige Christoph vielleicht gar nicht so weit weg. Der Unfall hätte viel schlimmer kommen können; ich hab es überlebt, bin nicht schlimmer verletzt, der Kopf blieb weitgehend verschont. Ich hatte schnelle Helfer, die mich aus dem Wasser gezogen haben, ich hatte hilfsbereite Anwohner, die mich ins Krankenhaus gebracht haben, Ärzte, die mich versorgt haben; ich hatte einen Freund, der die Nacht an meinem Bett gewacht hat, meine Frau und meine Tochter, die rund um die Uhr für mich da waren. Ich hatte viel Glück, kann ich sagen. Oder einen guten Schutzengel. Einen, wie Christophorus, mit vielen Gesichtern: Den Gesichtern von all den genannten und weiteren Helfern.
Mögen auch Sie einen guten Begleiter haben, wenn Sie unterwegs sind, damit Sie heil und gesund heimkommen. Einen wie den Heiligen Christophorus. Und mögen Sie auch einen finden, der Sie trägt, wenn es im Alltag zu schwer wird!

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12AUG2007
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Mögen Sie das auch so? – Schwimmbad, Therme, Sauna. Wasserspaß pur. Die Freizeitbäder schießen wie Pilze aus dem Gras. Das Wasser dort hat eine super Wirkung. Wellness ist zum Modewort geworden. Und ich kann das gut verstehen, denn für mich ist das auch immer sehr entspannend, in der Sauna oder im Freizeitbad. Auch die Badeseen, die Schwimm- und Freibäder haben in dieser Sommerzeit wieder Hochkonjunktur.
Heute ist der Beginn einer weltweit ausgerufenen „Wasserwoche“. Und das Statistische Bundesamt teilt passend dazu mit: Die Strecke der Abwässerkanäle umspannt dreizehn Mal die Erde. Da sieht man auch, wie viel Wasser man so tagtäglich verbraucht: Fürs Duschen am Morgen, fürs Wäschewaschen, fürs Trinken und Kochen und für so alles Mögliche.
Nun kann man sich darüber aufregen, was für eine Verschwendung mit dem Wasser geschieht. Oft würde es nämlich auch mit deutlich weniger gehen. Von den Kosten für die Stadtwerke ganz zu schweigen. Man könnte auch beklagen, dass sauberes Wasser ungerecht verteilt ist und viele Menschen, etwa in Afrika, große Not leiden, weil sie nicht genügend sauberes Wasser haben.
Alternative wäre aber, das Wasser ganz neu schätzen zu lernen: Was für ein gutes Tröpfchen Nass der liebe Gott sich da ausgedacht hat! Einer, der das aus dieser christlicher Überzeugung getan hat, war Pfarrer Sebastian Kneipp, der „Wasserdoktor“. Die Kneipp-Kuren helfen bis heute bei allen möglichen Zipperlein. Pfarrer Kneipp sagt über das Wasser in der Sprache des 19. Jahrhunderts: „Alles was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt ... Für den gesunden Menschen ein vorzügliches Mittel, seine Gesundheit und Kraft zu erhalten, so ist es auch in der Krankheit das erste Heilmittel. Das Wasser ist mein bester Freund und wird es bleiben, bis ich sterbe." Soweit Pfarrer Kneipp. Das Wasser ist also die beste Medizin und Wohlfühlgarant Nummer eins, sagt der Wasserdoktor Kneipp. Also Vorsicht am Hahn: Wär doch viel zu schade, so was Gutes zu verschwenden!

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