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SWR2 Lied zum Sonntag

Und unser lieben Frauen
der traumet, traumet ihr ein Traum :
wie unter ihrem Herzen gewachsen wär,
gewachsen ein Baum.                 

Und wie der Baum ein Schatten gäb
wohl über alle, alle Land :
Herr Jesus Christ der Heiland also ist er,
ist er genannt.                           

Herr Jesus Christ der Heiland ist
Unser Heil und Trost,
mit seiner bittern Marter
hat er uns all erlöst.          

Einspielung : Chormusik zu Advent und Weihnachten, Orpheus-Vokalensemble, Ltg. Michael  Alber, Carus

Dieses Lied greift eine alte Marienlegende auf. Danach träumte Maria von einem Baum, der unter ihrem Herzen empor wuchs. Max Reger  hat dieses Lied vertont,, das in einem alten Gesangbuch  aus dem 17. Jhd.  überliefert worden ist.  Wie aus dem Nichts beginnt das Lied, zart und innig. Was bedeutet diese alte Legende vom Traum Mariens? Der Baum, der aus ihr wächst, ist nicht irgend ein Baum. Er wirft seinen Schatten „über alle Land“, wie es in der 2. Strophe heißt. Er gibt Schutz und Lebensraum, und Menschen finden bei ihm Halt und Orientierung. Er ist ein Symbol für eine Welt, in der für alle ein gutes Leben möglich ist.

Der altertümliche Ausdruck, dass etwas unter dem Herzen Mariens wächst, weist darauf hin, dass sie schwanger ist. Das Kind unter ihrem Herzen wird einmal zu diesem „Baum“ werden, von dem ihr Traum erzählt.

Und wie der Baum ein Schatten gäb
wohl über alle, alle Land :
Herr Jesus Christ der Heiland also ist er,
ist er genannt.        

Das Lied zeigt uns Jesus Christus im Bild des Baumes: in der Erde verwurzelt und zugleich in den Himmel ragend.  Jesus verbindet Himmel und Erde, Gott und die Menschen. Wie ein Baum, der groß ist und fest steht . In seinem Schatten finden Menschen zu einem guten Leben.

Viele Menschen sehnen sich nach solch einem guten, beschützten Leben. Aber sie fühlen sich einsam. Jeder ist auf sich selbst geworfen und muss für sein eigenes Leben sorgen – daraus entsteht schnell ein Gegeneinander, ein Kampf um die knappen Ressourcen. Und es fehlt auch  die Verbindung zu Gott.

In diese heillose, hartherzige Welt ist Jesus gekommen. Dadurch hat er die Verbindung zu Gott wieder möglich gemacht . Der  Bruch zwischen den Menschen und Gott wurde geheilt „durch seine bittre Marter“ , so heißt  es in der 3. Strophe.

Der romantische Komponist Max Reger hat diese 3. Strophe in einem ganz anderen Charakter vertont: hochromantisch,  expressiv, in komplexen Harmonien. Was als Traum und Ahnung begann kommt in die Zerrissenheit unserer Welt und muss ihr Stand halten. Der Lebensbaum wird zum Kreuzesbaum. Am Ende jedoch findet die Musik zurück in die Tonlage des Anfangs.  Das Kreuz wird zum Lebensbaum- - aus seinem toten Holz treibt neues Grün.

Herr Jesus Christ der Heiland ist
Unser Heil und Trost,
mit seiner bittern Marter
hat er uns all erlöst.         

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