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SWR2 Lied zum Sonntag

GL 552 / EG 154  

„Es ist eine Welt gegen die Welt zu halten!“

Das schreibt der deutsche Schriftsteller Uwe Johnson Mitte des letzten Jahrhunderts. Ihm ist diese Welt, in der wir leben, nicht genug. Er will eine gerechtere, lebensfreundlichere Welt dagegen halten.

Wenn ich sehe, was derzeit in der Welt alles geschieht – Kriege, Flüchtlingsströme, Bombenattentate, Geiselnahmen – dann kann ich Uwe Johnson nur zustimmen: es kann nicht sein, dass diese Welt alles ist. Es kann und darf nicht sein, dass Menschen ungestraft anderen das Leben nehmen, nur um Angst und Schrecken zu verbreiten. Eine andere Welt ist gegen die Welt zu halten!

Das heutige Lied zum Sonntag erzählt von solch einer völlig anderen Welt. Einer Welt, die kommen wird und von der schon jetzt erste Spuren zu sehen sind – trotz allen Leids, aller Ungerechtigkeit und allem Tod.

Tief liegt des Todesschatten auf der Welt.
Aber dein Glanz die Finsternis erhellt.
Dein Lebenshauch bewegt das Totenfeld.
Halleluja, halleluja.

Die Erde als Totenfeld; der Todesschatten, der auf der Welt liegt. Im ersten Moment verstört das Weltbild der Liedtextdichterin, denn die Gegenwart wird nur mit düsteren Bildern beschrieben. Und dennoch ist das Lied nicht depressiv. Es redet von etwas anderem, was dieser dunklen Welt entgegensteht. Nämlich vom „Glanz, der die Finsternis erhellt“ und vom „Lebenshauch, der das Totenfeld bewegt“. Ich vermute, dass die Dichterin dafür bewusst diese biblischen Bilder ausgesucht hat. Bilder, die mich hoffen lassen, von wem dieses Andere kommt. Nämlich von Gott. Gott überlässt die Welt, die er geschaffen hat, nicht sich selbst. Gott will nicht, dass die Welt dunkel bleibt. Und auch dem Tod setzt er etwas entgegen: ein ewiges Leben bei ihm.

Ewiges Leben – für mich ist das die Hoffnung und die Sehnsucht, dass irgendwann einmal alles gut werden wird. Eine Sehnsucht, die jetzt in der Adventszeit ihren Platz hat.
Und zugleich bleiben wir das ganze Leben adventliche Menschen. Menschen, die auch über das jährliche Weihnachtsfest hinaus noch etwas erwarten.

Im Lied hat diese Sehnsucht ihren Platz. Gleich zweimal lautet die Bitte: „Lass uns dich schaun im ewigen Advent“.

Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt,
dass unser Licht vor allen Menschen brennt!
Lass uns dich schaun im ewigen Advent.
Halleluja, halleluja.

„Es ist eine Welt gegen die Welt zu halten!“

Als Christin glaube ich, dass es diese Welt schon gibt. Jesus hat mit seinem Leben dafür einen Anfangspunkt gesetzt. Seine Liebe zu den Menschen hat den Kreislauf der Macht unterbrochen. Ab und zu kann ich auch heute davon etwas erahnen. Zum Beispiel dann, wenn Menschen auf Gewalt nicht mit Gewalt antworten. Dann ist etwas von dieser anderen Welt spürbar.

Doch ganz werde ich diese andere Welt wohl erst nach meinem Tod erfahren können.
Aber ich hoffe fest, dass diese Welt dann so wunderbar ist, dass selbst die, die jetzt unschuldig leiden, aus dem Jubel nicht herauskommen werden.

Noch kann auch ich mir schwer vorstellen, wie das gelingt. Doch die Hoffnung bleibt, Gott von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen zu können.

Welch ein Geheimnis wird an uns geschehn!
Leid und Geschrei und Schmerz muss dann vergehn
wenn wir von Angesicht dich werden sehn.
Halleluja, halleluja.
 

 

Alle drei Musikeinspielungen aus: 

Chormusik zum Gotteslob – Carus 2.160/99

CD-Track 33 – Lied „Herr, mach uns stark“

Regensburger Domspatzen, Kölner Dommusik, Limburger Domchor,
Figuralchor Köln, Münchner Dommusik

Carus Verlag 2013

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20992