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SWR2 Lied zum Sonntag

Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bonae voluntatis. (01)  

So klingen die ersten Takte des Gloria aus der Spatzenmesse von Wolfgang Amadeus Mozart. „Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bonae voluntatis.“ Einer der meistvertonten Texte der Musikgeschichte. Kein Wunder. Die ersten Zeilen des Glorias sind fast 2000 Jahre alt. Sie stammen aus der biblischen Weihnachtsgeschichte. Da kommen die Engel zu den Hirten und singen: „Gloria – Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“ (Lk 2,14)

Oft vertont wird das Stück, weil es zum sogenannten Ordinarium gehört. Das sind die gleich bleibenden Texte einer Messe. Dazu gehören auch das Kyrie oder das Credo. Und eben das Gloria. 

Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bonae voluntatis. (02) 

Schon erstaunlich, wie der gleiche Text Komponisten durch die Jahrhunderte hindurch inspiriert hat. So auch Arvo Pärt. Der österreichisch-estnische Komponist hat das Gloria für seine Berliner Messe 1992 vertont. Da liegen Welten zwischen Mozart und Pärt. Aber beide greifen auf denselben Text zurück. Ein Text mit einer spannenden Geschichte. Das Gloria geht eigentlich auf einen alten christlichen Hymnus zurück, auf ein gesungenes Gebet. Es beginnt mit den Worten: „Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an, …“. Doch schon im 4. Jahrhundert beschließt das Konzil von Laodicea: Selbstgeschriebene Hymnen werden verboten. Es sollen im Gottesdienst nur überlieferte Texte gesungen werden. Um den alten Hymnus zu retten, wird er deshalb mit den Zeilen »Gloria in excelsis deo ..“ aus dem Weihnachtsevangelium kombiniert. Ein raffinierter Trick, der funktioniert.

Viele Jahrhunderte wurde dieser lateinische Text gebetet, gesungen und vertont. Seit vielen Jahrzehnten haben sich aber auch deutsche Fassungen des Glorias eingebürgert. Eine davon stammt von der Musikerin Kathi Stimmer-Salzeder. 

Gloria, Ehre sei Gott und Friede den Menschen seiner Gnade. /Gloria, Ehre sei Gott; er ist der Friede unter uns.

1. Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an. Wir rühmen dich und danken dir, denn groß ist deine Herrlichkeit. (03) 

Die Texterin und Komponistin Kathi Stimmer-Salzeder interpretiert den nicht nur die Musik, sondern auch den Text neu. Sie nimmt die alten Zeilen »Gloria, Ehre sei Gott und Friede den Menschen seiner Gnade« und ergänzt sie um den Satz „Gloria, Ehre sei Gott; er ist der Friede unter uns.“ Stimmer-Salzeder stellt so den Frieden in den Mittelpunkt dieses Gebets. Dieser Friede erzählt etwas über Gott und den Menschen. Gott, das ist nichts abstraktes, sondern ist ganz konkret zu verstehen.

Gnade heißt nämlich nichts anderes wie: Gott meint es gut mit dem Menschen. Was aber tut dem Menschen wirklich gut? Es ist Friede – als Zustand, der alles umfasst und gut macht. Und so singt das Gloria von einem Gott, der dem Menschen nahe kommt, bei ihm ist, ihm Gutes will. 

Gloria, Ehre sei Gott und Friede den Menschen seiner Gnade. /Gloria, Ehre sei Gott; er ist der Friede unter uns. (04) 

(01)

Wolfgang Amadeus Mozart

Gloria aus: Spatzenmesse KV 220 (196b)

Rafael Kubelik / Symphonie Orchester des BR / Regensburger Domchor

Deutsche Grammophon / Polydor 419060-2

Track 7 (3:02) / LC 0173

 

(02)

Arvo Pärt: Gloria aus: Berliner Messe (red. V/1992)

Noel Edison / Elora Festival Singers und Orchestra

Naxos 8.557299 / Track 3 (3:57)

 

(03)

Text und Musik Kathi Stimmer-Salzeder: Gloria, Ehre sei Gott (1992/2008)

© Aufnahme bei Musik und Wort, Aschau a. Inn

 

(04)

Text und Musik Kathi Stimmer-Salzeder: Gloria, Ehre sei Gott (1992/2008)

Chor der Schülerinnen und Dozentinnen des Instituts für Kirchenmusik, Mainz

In: Eingeladen zum Fest des Glaubens. 63 neue und alte Lieder für den Gottesdienst

Institut für Kirchenmusik (Hg.), Mainz

BM 1299 / CD 1, Track 25 (1:26)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20323