Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Lied zum Sonntag

GL neu 417

CD: Chormusik zum Gotteslob, Carus 2.160/99, Track 21

Musik

1. Strophe: Stimme, die Stein zerbricht, · kommt mir im Finstern nah,

jemand, der leise spricht: · Hab keine Angst, ich bin da.

Grabesstille: Zu diesem Bild greift unsere Sprache, wenn es irgendwo völlig lautlos ist. Etwas Unheimliches, Furchteinflößendes schwingt da mit, vor allem, wenn wir uns vorstellen, dass es auch noch dunkel ist.

In dem Lied, dessen erste Strophe wir gehört haben, steht ein Mensch im Dunkeln. Aber er ist nicht allein. Eine Stimme erreicht ihn, und sie hat die Kraft, Felsen zu sprengen: Stimme, die Stein zerbricht, kommt mir im Finstern nah. Diese Nähe ist gleichzeitig zart; es ereignet sich eine Begegnung, die Mut macht: jemand, der leise spricht: Hab keine Angst, ich bin da.

Dieser Jemand, der leise dazu einlädt, keine Angst zu haben, war immer schon da. Er liegt den Rhythmen der Welt und den Entscheidungen des Menschen voraus. Deshalb ist diese Stimme auch der tragende Grund: Sprach schon vor Nacht und Tag, vor meinem Nein und Ja, Stimme, die alles trägt: Hab keine Angst, ich bin da. Die zweite Strophe schließt mit der gleichen Einladung, keine Angst zu haben.

Musik

2. Strophe: Sprach schon vor Nacht und Tag, · vor meinem Nein und Ja,

Stimme, die alles trägt: · Hab keine Angst, ich bin da.

3. Strophe: Bringt mir, wo ich auch sei, · Botschaft des Neubeginns,

nimmt mir die Furcht, macht frei, · Stimme, die dein ist: Ich bin’s.

Die Stimme fordert nicht nur auf Hab keine Angst! Sie selber nimmt die Furcht, und sagt einen neuen Anfang zu. Diese Zusage reicht überall hin: wo ich auch sei. Es soll etwas neu anfangen. Bisher war der Mensch angesprochen, jetzt antwortet er; er hört nicht nur eine Stimme, sondern weiß: Es ist deine Stimme, die mir sagt: Ich bin’s.

Wäre das nicht ein schöner Schluss? Aber das Lied hat noch eine letzte Strophe, und sie klingt so, als sei wie ein Spuk verflogen, wovon bisher die Rede war: Den Sänger überfällt eine gähnende Leere; Hören und Sehen vergehen ihm. Doch die Beziehung, die er in den ersten drei Strophen erfahren hat, hält stand und hält ihn. Auch wenn es dann wieder leer wird – er kann diese Leere teilen. Darin liegt schon ein wir; das ist im wahrsten Sinn des Wortes besser als Nichts. Bangemachen gilt nicht mehr. Selbst wenn es wieder ganz lautlos wird – es herrscht jetzt keine Grabesstille mehr; denn da ist jemand gegenwärtig: Du bist hier.

 Musik

4. Strophe: Wird es dann wieder leer, · teilen die Leere wir.

Seh dich nicht, hör nichts mehr · und bin nicht bang: Du bist hier.

 Der schwedische Dichter des Liedes, Anders Frostenson, und sein norwegischer Komponist Hans Kverno sind beide Pfarrer, der deutsche Übersetzer auch. In ihrem Lied kommt das Wort „Gott“ nicht vor. Doch Ich bin da ist im Alten Testament der Name, mit dem Gott sich zu erkennen gibt; und Habt keine Angst, ich bin’s sagt im Neuen Testament Jesus zu den Jüngern, als er im Seesturm zu ihnen kommt. Das Lied hilft mir, die Antwort des Vertrauens buchstabieren zu lernen: Du bist hier.

MUSIK: Orgel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17123