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SWR2 Lied zum Sonntag

„Der geht mir auf den Geist," stöhnt unsere Tochter. Sie meint ihren Lehrer.

„Die Talksendung war ohne jeden Esprit", sagt eine Freundin, als wir uns über ihren Fernsehabend unterhalten.

„Geistreich war das nicht", kriege zu hören, als ein Witz von mir leider knapp daneben geht.

In der Alltagssprache ist der »Geist« immer noch zu Hause. Geistlos, geistig umnachtet, Geistesblitz, geistig rege. Mehr als nur Worte. Sie machen deutlich: Geist wird gebraucht. Um etwas zu sehen, zu erkennen, Neues zu entdecken.

Geist wird gebraucht. Auch die ersten Christen waren davon überzeugt. Und erlebten diesen Geist: An Pfingsten. Das erzählt auch das Lied »Der Geist des Herren erfüllt das All« 

1. Der Geist des Herrn erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten; / er krönt mit Jubel Berg und Tal, er lässt die Wasser fluten. / Ganz überströmt von Glanz und Licht / erhebt die Schöpfung ihr Gesicht, / frohlockend: Halleluja. 

Es ist kaum zu glauben, aber die Melodie, die hier so luftig und mit einer ordentlichen Portion Jazz gespielt wird, ist über 400 Jahre alt. Melchior Vulpius (1570-1615) schrieb sie 1609. Das Arrangement des Mainzer Kirchenmusiker Thomas Gabriel lässt hören, wie es ist, wenn Geistesblitze das Leben erhellen. Der Geist ist stürmisch und überströmend, funkelndes Licht und prasselndes Feuer. Wie in einem geistreichen Gespräch. Aber so leicht die Rede von diesem Geist fällt - so schwer fällt die Rede vom Heiligen Geist. Denn von dem ist an Pfingsten die Rede.

Maria Luise Thurmair schrieb den Text dieses Kirchenliedes Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie versucht deutlich zu machen, wie der Geist Gottes zu verstehen ist. 

2. Der Geist des Herrn erweckt den Geist in Sehern und Propheten, /der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten. / Seht, aus der Nacht Verheißung blüht; / die Hoffnung hebt sich wie ein Lied / und jubelt: Halleluja. 

Ich stelle mir das so vor. Da rennen einige Menschen einem anderen Menschen hinterher. Ein, zwei, drei Jahre. Sie hängen an seinen Lippen. Und sehen, was er kann: Er erfüllt sie mit Hoffnung. Gibt ihnen neue Perspektive. Die Rede ist von Jesus und seinen Anhängern. Aber dann die Katastrophe. Jesus wird gekreuzigt. Und die Fragen stellen sich ein: Waren alle Hoffnungen auf Sand gebaut? Ist alles aus?

Und dann spüren die Freunde Jesu, dass er sie begleitet - über den Tod hinaus. Dass er bei ihnen ist. In seinen Worten. In ihrer Erinnerung. Und die werden so mächtig, dass die Trauer verfliegt. Die Freunde Jesu spüren: Sie müssen von diesem Jesu weitererzählen. Und an Pfingsten beginnen sie damit. Geistreich. Wortgewandt. Mit Esprit. Ihre Hoffnung kriegt Flügel und fliegt zu anderen Menschen. 

4. Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig / wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig. / Da schreitet Christus durch die Zeit / in seiner Kirche Pilgerkleid, / Gott lobend: Halleluja.

 Voll Geist sein, das kommt nicht von allein. Da braucht es einen Anstoß - von außen. Thurmair, die Texterin, findet dafür einen spannenden Ausdruck: durchwehen. Ich kenne das vom Urlaub an der Küste. Da kann ich mir so richtig das Hirn durchpusten lassen. So ist der Geist Gottes: Er sorgt dafür, dass neue Gedanken Platz gewinnen, dass neue Ideen kommen, dass ich geistreich lebe. Pfingsten erzählt davon - und das Lied »Der Geist des Herrn erfüllt das All« fasst das in Töne und Worte.

 »Der Geist des Herrn erfüllt das All«In:

„Wenn der Geist sich regt..."" : Arbeitshilfe zur Gestaltung von Gottesdiensten zur Feier der Firmung und Einladung zum diözesanen Austausch. Hrsg.: Bischöflichen Ordinariat Mainz, Referat Gemeindekatechese, und Institut für Kirchenmusik des Bistums Mainz

Verlag Engelsklang, Seligenstadt

SHK 075 / 2007/1525

CD A 033

Track 05

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15336