Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

Am Sonntag ist der 1. Advent. Endlich – denken sich vielleicht die einen: Advent Advent ein Lichtlein brennt! Schon wieder denken andere. Es ist doch immer das gleiche.
Ich liebe die Adventszeit. Überall die schönen Lichter, die das grau und das dunkle dieser Jahreszeit ein bisschen heller machen. Die Plätzchen und Stollen, Glühwein und Teepunsch. Jetzt kommt die Zeit, in der man besonders an die Menschen denkt, die einem wichtig sind. In der man sich überlegt, wie man anderen eine kleine Freude machen kann. Und passend dazu wird jeden Sonntag eine Kerze mehr am Kranz für Licht sorgen.
Aber ich glaube, das Licht soll nicht nur die grauen Tage ein bisschen heller machen. Und ein Vorbote sein für die große Weihnachtsfreude. Das Licht soll auch nach innen strahlen, in mein Herz. Das wünsche ich mir jedenfalls. Auch – oder gerade – dann, wenn ich mich vielleicht überhaupt nicht freuen kann, oder möchte. Wenn es auch in mir grau und dunkel und vielleicht traurig aussieht. Wenn es mir eher nach Fastenzeit als nach Freudenzeit zu Mute ist. Auch das hat seinen Platz im Advent.
Denn der Advent – ist auch die Zeit der Besinnung und des Wartens. Gott kommt zu den Menschen – so wie an Weihnachten Jesus zu den Menschen gekommen ist. Gerade zu denen, die damit eigentlich wirklich nicht gerechnet hatten. Daran soll die Adventszeit erinnern. So wie es in dem Bibelvers heißt: „Das Volk, das im Dunkeln wandelt sieht ein großes Licht.“
Gott kommt! Wenn Menschen sich Zeit füreinander nehmen. Sich eine Freude machen. Zusammenrücken und sich gegenseitig Mut machen. Da kann man spüren: Gott selbst kommt und lässt die nicht allein, die im Dunkeln sitzen.
Er kommt zu mir und zu Ihnen. Zu dem Mann, der gerade seine Frau verloren hat. Gott kommt zu uns. Und mit ihm kommt die Freude darüber, dass wir Menschen nicht allein sind.
Das kann man in der Weihnachtszeit oft erleben: Du bist nicht allein. Gott steht dir bei. So kommt Gott und mit ihm Hoffnung und Trost für die Menschen, die sich vielleicht dieses Jahr nicht am Advent freuen können. Daran erinnert die 1. Kerze, die am Sonntag brennt. Ich wünsche Ihnen allen einen schönes erstes Adventswochenende.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16493

Vier Pfoten, treuherziger Blick und der Schwanz wedelt hin und her. Seit ein paar Wochen bin ich auf den Hund gekommen. Ich hatte mir schon lange einen Hund gewünscht. Und jetzt habe ich eine Hundedame. Ich weiß. Es mögen nicht alle Menschen Hunde. Und das kann ich auch gut verstehen. Aber mir tut Sanya gut.
Vor allem, weil ich jetzt plötzlich mehr Zeit habe – wirklich. Wir gehen zweimal am Tag spazieren. Das erste Mal gleich morgens. D. h. ich stehe ein bisschen früher auf. Und das zweite Mal entweder nachmittags oder auch abends. Da nehme ich mir die Zeit. Und das verschafft mir, wie man so schön sagt, mehr Luft. Zeit um Durchzuatmen, Zeit um Nachzudenken, Zeit zum Beten.
Wenn mir vor ein paar Wochen jemand gesagt hätte, dass ich freiwillig eine dreiviertel Stunde früher aufstehen würde. Dass ich freiwillig in die Kälte rausgehen würde und dass ich das Ganze auch noch genießen würde. Den hätte ich wirklich für verrückt erklärt.
Aber es ist so.
Wenn wir morgens loslaufen, dann ist es noch dunkel und es wird langsam hell. Mir geht dann alles Mögliche durch den Kopf. Wie ich heute was mache. An was ich heute alles denken muss. Und wie dankbar ich Gott für diesen Tag bin. Abends ist es dann genau dasselbe. Was war heute alles. Wie ist es gelaufen. Und Danke Gott für diesen Tag. Ohne den Hund hätte ich keine Zeit für solche Gedanken.
Ich habe für mich gemerkt. Das tut mir wirklich gut. Das alles geht viel besser, wenn ich mir diese Zeit am Tag nehme. Schön ist auch, wenn gerade abends mal der Fernseher nicht läuft. So kann mein Tag wirklich ausklingen.
Sicher - man kann das auch bei einer guten Tasse Kaffee und dem Blick aus dem Fenster tun. Oder im Auto auf der Heimfahrt, wenn man durch die Landschaft fährt. Aber, ehrlich gesagt: Ich habe das bisher nicht hingekriegt. Schön, dass es dieser kleine Vierbeiner war, der mich darauf gebracht hat. Ich denke mir inzwischen: Manchmal braucht der liebe Gott auch eines seiner vierbeinigen Geschöpfe, wenn er uns Menschen etwas mitteilen will.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16492

Bei uns sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht – wirklich. Denn direkt hinter unserem Garten beginnen die Felder und dann kommt auch bald schon der Wald. Und auch sonst. Auf dem Dorf ist abends einfach alles still und ruhig. Nur hier und da brennt noch Licht in den Wohnzimmern. Man sieht, wo ein Fernseher läuft und wer vielleicht gerade noch den Müll vor die Türe bringt.
Wenn ich abends noch unterwegs bin, ist mir dabei schon oft die Zeile von einem Abendlied eingefallen: „Abend ward, bald kommt die Nacht. Schlafen geht die Welt …“ Ja genau so fühlt es sich hier auf dem Dorf an. Als ob die Welt schlafen gehen würde. Ich finde, das ist eine schöne Vorstellung.
Ich weiß natürlich auch, dass es in der Stadt um diese Zeit oft erst richtig los geht. Und dass nachts viel gearbeitet wird. In den Krankenhäusern, den Notdiensten und an vielen Schreibtischen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die wichtigsten Posten ständig besetzt sind. Irgendjemand ist immer wach. In vielen Dingen ist das notwendig geworden. Hoffentlich finden die später auch Ruhe, die jetzt noch unterwegs sind oder arbeiten müssen.
Denn ich glaube, dass es wichtig ist, dass es eine Zeit gibt, in der ich loslassen kann. In der alles ruht, was mich tagsüber so beschäftigt hat. Und mich eben auch die Welt mal in Ruhe lässt. Da wird nicht mehr an meiner Haustür geklingelt, das Telefon hat mal Pause und ich muss keine Termine einhalten.
In dem Lied heißt es weiter: „Einer wacht und trägt allein unsre Müh und Plag, der lässt keinen einsam sein, weder Nacht noch Tag.“
Ich vertraue darauf, dass Gott für alle Menschen sorgt. Für die, die schon im Bett sind. Für die, die nicht schlafen können, weil sie ihr Alltag nicht loslässt. Und für die, die noch arbeiten müssen. Das alte Lied sagt mir. Ich darf abends einfach loslassen. Alles für diese Nacht vergessen. Schlafen und Kraft schöpfen für den nächsten Tag.
Sicher. Am nächsten Morgen ist mein Alltag natürlich wieder da. Aber erst einmal kann ich ausruhen. Soll ich ausruhen. Zu Ruhe kommen. Gott nimmt mir die Mühe und die Plage ab. Und morgen wird er mir Kraft geben für den neuen Tag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16491

„Papa, das ist unfair, sie hat mich doch auch nass gespritzt“, protestiert mein Sohn. Ich habe ihn im Schwimmbad davon abgehalten, seine kleine Schwester nass zu spritzen.
Ich weiß, dass er eigentlich recht hat: Wer mit Wasser spritzt, muss damit rechnen auch nass zu werden. „Wer austeilt muss schließlich auch einstecken können.“ Aber ich weiß auch, dass dieses Prinzip im Schwimmbad bei kleinen Schwestern mit Tränen endet.
„Wer austeilt muss auch einstecken können.“ Diese Erfahrung müssen Erwachsene häufig machen. Sie steht schon in der Bibel, im Alten Testament. Da heißt sie: „Auge um Auge - Zahn um Zahn.“
Und Jesus hat dieses Prinzip anscheinend auch gekannt. Denn er nimmt genau diesen Satz: „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ auf und formuliert ihn neu. Nein. Er sagt nicht, dass der Satz nicht mehr gilt. Damit rechnen muss man immer. Aber er macht noch einen anderen Vorschlag: Er sagt: „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke Backe hin.“

Nicht immer einfach zu leben, finde ich:
Denn: wenn ich nach diesem Prinzip lebe, dann bin ich doch immer der Dumme, oder? Schließlich bin ich doch dann derjenige, der immer nachgibt. Der sich nie wehrt und alles mit sich machen lässt.
Ich glaube nicht, dass Jesus das hier so gemeint hat. Ich glaube eher, dass er für einen dritten Weg war. Also nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Aber auch nicht klein bei oder nachgeben.
Jesus erinnert daran: Es ist manchmal nicht klug  Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Das führt oft zu einer Spirale, in der alles immer schlimmer wird. Ich versuche mir das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Gerade dann, wenn mir jemand blöd kommt. Trete ich innerlich einen Schritt zurück. Und versuche dann herauszufinden, was derjenige eigentlich gerade will. Vielleicht ist er einfach nur unsicher ist. Oder er wollte einen Scherz machen, der gründlich missglückt ist. Dann ist es keine Schwäche, auf Vergeltung zu verzichten. Sondern im Gegenteil: Eine Stärke – finde ich.
Unser Sohn hat übrigens auch einen dritten Weg entdeckt. Er ist vom Beckenrand gehüpft und dabei sind wir alle nass geworden. Und haben herzlich gelacht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16490

Das Leben ist wie eine Wäscheleine. Finden Sie nicht?
Na ja stimmt doch. Stellen Sie sich das doch mal vor. Eine lange Wäscheleine. Das ist Ihr Leben. Und immer das, was gerade dran ist, das hängt ganz am Ende. Da, wo ich gerade stehe. Also jetzt vielleicht gerade die Schürze um das Abendessen herzurichten. Oder vielleicht der gemütliche Hausanzug mit Fernbedienung. Eines kommt nach dem anderen, wie es in dem Spruch aus der Bibel heißt: „Alles hat seine Zeit. Lachen hat seine Zeit, weinen hat seine Zeit. Streiten hat seine Zeit und Vergeben hat seine Zeit“ und so weiter und so weiter.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was das eine mit dem anderen zu tun hat.
Für mich ist das so: Meine Lebenswäscheleine zieht sich eben wie ein roter Faden durch mein Leben. Und sie wird immer voller. Es kommt im Laufe meines Lebens immer mehr dazu. Da hängt alles dran, von den Babyschuhen bis heute. Auch meine Hoffnungen hängen dran. Meine Wünsche. Und das, was ich in meinem Leben erreichen möchte. Auch der Kummer und die Sorgen. Deshalb wird meine Leine immer voller. Manches schiebt sich immer mehr nach hinten und manches habe ich vermutlich schon längst vergessen.
Genau so stelle ich mir den Menschen vor, der diesen Abschnitt in der Bibel geschrieben hat. „Alles hat seine Zeit“. Er läuft an seiner Lebenswäscheleine entlang und schaut sich die Sachen an, die da hängen. Die schönen Sachen direkt neben dem, was ihm zu schaffen gemacht hat. Er pickt sich nicht das eine oder andere raus. Sondern er sagt einfach: das alles gehört zu meinem Leben.
Ich finde, das ist ganz schön viel, was sich da im Laufe meines Lebens ansammelt. Ich glaube unter der Last der ganzen Wäsche, wäre die Gefahr groß, dass ich zusammenbreche. Weil ich das alles gar nicht alleine tragen kann. Und ich muss das alles auch nicht alleine tragen. Ich habe die Erfahrung gemacht: Gott trägt mit. Er hilft mir, den Überblick nicht zu verlieren. Damit ich mir für alles, was dran ist, Zeit nehmen kann. Gott ist der, der meine Lebens-Leine gespannt hat, glaube ich. Mit ganz viel Platz. Für alles, was mein Leben ausmacht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16489