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Übers Singen in der Kirche
Singen macht Spaß. Besonders, wenn man es gemeinsam tut.
Nahezu 11000 Menschen singen im Bereich der Pfälzischen Landeskirche in einem Chor, und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Was bewegt diese Menschen da mitzutun? Was bringt ihnen das Singen in der Kirche und für die Kirche? Was macht Singen mit ihnen?
In einem Kirchenchor in der Saarpfalz habe ich mich umgehört.

 

Teil I
Einsingprobe bei der Ev. Kantorei im saarpfälzischen St. Ingbert.....
Jeden Dienstagabend kommen sie zusammen: zwischen 50 und 70 Sängerinnen und Sänger. Und dann wird gut 2 Stunden lang konzentriert geübt für die Auftritte, die anstehen. Es gibt viel zu tun:
Die St. Ingberter Kantorei singt regelmäßig in den Gottesdiensten der beiden protestantischen Stadtgemeinden.
Darüber hinaus bringt der Chor jährlich ein bis zwei große Werke der Kirchenmusik zur Aufführung: Passionen, Oratorien, Messen, im vergangenen Jahr Joseph Haydn Schöpfung.
Demnächst steht ein Sommerkonzert auf dem Programm, unter anderem mit der Lutherischen Messe von Bach. Und dafür muss noch einiges getan werden.

Kantor: „Einmal die Bässe bitte im Takt 82.....

Die Ev. Kantorei hat in der Saarpfalz einen guten Ruf, ihre Aufführungen füllen die Kirche. Viele, die mitsingen, haben hier mehr als eine musikalische Heimat gefunden.

Leben ohne Chor kann ich mir überhaupt nimmer vorstellen. Ich bin im Chor seit wir hier in St. Ingbert wohnen, hab das angefangen einfach, um Leute kennen zu lernen, und das sind eigentlich meine hauptsozialen Kontakte
Mit großen Unterbrechungen bin ich seit rund 50 Jahren hier in diesem Chor. Wir singen in 2 Kirchen: in einer ganz neuen und in einer ganz alten, in der schon meine Urgroßeltern verheiratet worden sind.
Das Singen ist ein guter Ausgleich für meine berufliche Tätigkeit, sowohl musisch als auch in einem gewissen Sinne sportlich.
Also ich bin ja schon seit 39 Jahren im Chor. Letztes Jahr, als die Stimme weg war, war ich todunglücklich.
Ich kam eigentlich unfreiwillig rein, auf Geheiß meiner Frau. Ich dachte, ich könnte nicht singen, hab's dann im Chor gelernt. Und irgendwann ist das dann gekippt und jetzt macht's halt einfach Spaß.

Das Chorsingen schafft zwischen Menschen ganz unterschiedlicher Art eine eigentümliche Verbindung, auch zwischen den Generationen.
Natürlich überwiegt - wie in den meisten Chören mit klassischem Repertoire - auch in der St. Ingberter Kantorei die Generation 50 plus.
Doch in den letzten Jahren sind wieder jüngere Stimmen dazu gekommen
Die Musik an sich bedeutet mir ganz viel, besonders halt diese alte Musik und diese geistliche Chormusik, da bin ich wirklich absolute Liebhaberin seit ich 15 bin. Ich bin damals aufgenommen worden, alle haben mich begrüßt und haben sich gefreut. Diese ganze Stimmung hat sich eigentlich die ganzen Jahre über so gehalten, dass es eine sehr gute Stimmung ist unter den Leuten, dass es eine sehr schöne Gemeinschaft ist und dass trotzdem kein Zwang dahinter steckt.
Martin Luther hat einmal gesagt:
„Es besteht kein Zweifel, dass viele Ansätze zu guten Eigenschaften in solchen Gemütern bestehen, die von der Musik ergriffen werden. Von denen, die aber dadurch nicht angerührt werden, glaube ich, dass sie Klötzen und Blöcken ganz ähnlich sind".

Teil II
Singen verbindet Menschen miteinander, und: es hat eine wohltuende Wirkung auf unser Gemüt.
Helmut Haag ist Chorleiter der Ev. Kantorei im saarpfälzischen St. Ingbert:

Das Singen ist etwas ganz Ursprüngliches im Menschen. Es hilft ihm, da denk ich auch an ganz früher, über Dinge hinwegzukommen, die ihn belastet haben. Die Leute haben früher viel gesungen, viel mehr gesungen als wir heute. Wir hören uns heute alles an, sind eingespannt in einen engen Rahmen im Alltag, und das Singen hat etwas Befreiendes. Es ist kein Instrument, das man bedient, ein äußerliches Instrument, wie eine Geige oder ein Klavier, sondern es ist ja alles nicht so ganz greifbar, was in einem drin ist.

Singen und Musizieren rührt Tiefenschichten der Seele an und öffnet uns.
Es trägt uns über die eigene kleine Welt, die manchmal eng werden kann, hinaus.
Menschen, die regelmäßig in Kirchenchören mitsingen, erleben diese erhebende Wirkung bei gemeinsamen Proben und Aufführungen.

Eine Chorsängerin:

Ich komme hierher, ich habe acht Stunden Schule hinter mir, zwischendurch schnell Unterrichtsvorbereitung, ich hole meine Kinder vom Kindergarten ab, mach schnell was zu Essen, wir trinken gemeinsam Kaffee, ich les ihnen was vor, ich bring sie ins Bett. Dann denk ich: O je! Jetzt auch noch los in den Chor, und ich raff mich jedes Mal auf, jedes Mal bin ich kurz davor zu sagen, oaaah, soll ich mich jetzt nicht lieber aufs Sofa setzen, und dann raff ich mich auf und fahre in den Chor, und dann, ja, und dann singe ich und mach in der Zeit eigentlich nichts anderes.

Und hinterher ist alles wie verwandelt!
Martin Luther hat die verwandelnde Energie, die vom Singen und Musizieren ausgeht, so beschrieben:
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik."
Singen und Musizieren haben bei Luther einen ganz hohen Stellenwert.
Die Musik kommt für ihn direkt nach dem Evangelium, der frohen Botschaft.
Gott kann sich nämlich der Musik bedienen - auch unserer Stimmen, mit denen wir singen - , um auf unser Innerstes Einfluss zu nehmen. Eine Chorsängerin:

Musik macht glücklich, befreit die Seele, macht den Kopf frei und am Ende der Chorstunde bin ich ausgeglichen und zufrieden.

Von der nahezu exorzistischen Kraft, die vom Singen und Musizieren ausgeht, erzählt auch eine uralte biblische Geschichte

Teil III
Bis heute gehen von den Kirchen starke Impulse aus für das Singen und Musizieren in der Gesellschaft. Wer singt und musiziert, kommt in Kontakt mit sich selbst und mit anderen.
Und wer in einer Kirche singt, kommt in Kontakt mit der Melodie des Lebens, die von Gott selbst komponiert worden ist.
Das Kyrie, das die Ev. Kantorei St. Ingbert hier probt und schon in unzähligen Varianten gesungen hat, ist ein alter Gebetsruf, der die Bedürftigkeit des Menschen auf den Punkt bringt.
Kyrie eleison heißt: Erbarme dich, Herr! Nimm dich meiner Situation an!
In einer erbärmlichen Lage, erzählt die Bibel, war der König Saul.
Ein mächtiger Mann im alten Israel, aber an einer Stelle seines Lebens ist er ganz klein und hilflos, steht nicht souverän über den Dingen, wie sich das für einen König gehört.
Er ist etwas Schwerem ausgeliefert, das hat ihn besetzt und nimmt seiner Seele die Lebenslust. Die Bibel spricht von einem „bösen Geist", der ab und an über Saul kommt.
Und dann leidet der ganz Hof unter seiner düsteren und aggressiven Innenwelt, vor allem aber er selbst.

Saul ist vor allem nicht mächtig genug, um sich mit eigner Kraft dieses nach unten Ziehende aus der Seele heraus zu schaffen.
Da braucht es eine Art Exorzismus!
Ein Harfenspieler namens David beherrscht den.
Es ist ein musikalischer Exorzismus:
Und die Bibel erzählt:
„Sooft nun der böse Geist von Gott über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand, da wurde es Saul leichter, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm."
David gilt als der Urvater der Kirchenmusik.
David mit der Harfe und all die andern, die musizieren oder singen - Singen ist ja nichts anderes als Musizieren mit der eigenen Stimme! - , sie bauen mit dem, was sie da machen, ein eigentümliches Kraftfeld auf.
Einen Klangraum, unsichtbar aber hörbar.
Eine Atmosphäre, in der die Melodie des Lebens erklingt.
Und die macht etwas mit denen, die sich ihr aussetzen.
Die sog. „Musica sacra", die „heilige" Musik, also die geistliche Musik und das Singen in der Kirche lässt die Melodie des Lebens in unsrer Welt laut werden.
Diese Melodie hat sich seit Ostern als unzerstörbar erwiesen.
Sie vermag bis heute dunkle Klänge aus unserem Herzen auszutreiben!
Martin Luther hat gesagt:
„Wir wissen, dass die Musik den Dämonen verhasst und unerträglich ist. Und ich scheue mich nicht zu behaupten, dass es nach der Theologie keine Kunst gibt, die der Musik gleichgestellt werden könnte. Sie allein bringt nach der Theologie das zuwege, nämlich ein ruhiges und fröhliches Herz. Dafür ist ein klarer Beweis, dass der Teufel, der Urheber trauriger Sorgen und beängstigender Unruhen, beim Klang der Musik fast genau so wie beim Wort der Theologie flieht."

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8384
„Leben miteinander teilen – bis zuletzt“.
Das ist das Motto der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Hospiz.

Seelsorge im Hospiz bedeutet nicht nur, dass man immer mit Tod und Sterben befasst ist. Es entfalten sich auch ganz bunte Lebensbilder vor einem, wo ich manchmal ganz fasziniert bin, was die Frau und der Mann alles erlebt hat.

Die Pfarrerin Gudrun Fahrner-Pippart arbeitet als Seelsorgerin im Haus Magdalena in Pirmasens. Das ist das erste stationäre Hospiz für die Region Weltpfalz.


Teil I
Der Flachbau mit den bodentiefen Fenstern hat etwas von einem Hotelbungalow, in dem Menschen ihren Urlaub verbringen. Draußen eine Grünanlage mit Teich, drinnen eine geschmackvolle Einrichtung. Große Ruhe empfängt einem, wenn man das Foyer betritt. Waisenhausstraße 1 in Pirmasens.
In der ehemaligen Schuhmetropole ist hier vor einem Jahr das Haus Magdalena eröffnet worden. Das stationäre Hospiz gehört zum Diakoniezentrum Pirmasens, eine traditionsreiche Einrichtung tätiger Nächstenliebe, die einst im 19. Jahrhundert als Prot. Waisenhaus gegründet wurde und mittlerweile Generationen umgreifend arbeitet.

Pfr. Norbert Becker, der theologische Vorstand des Diakoniezentrums:
„Leben teilen bis zuletzt“ ist unser Motto im Diakoniezentrum. Uns ist es wichtig, dass wir am Leben von anderen Menschen teilhaben. Wie es auch immer wieder deutlich wird, dass es ein Geben und ein Nehmen ist. Darin bildet sich für uns etwas ab, was wir glauben, dass Gott selbst unser menschliches Leben trägt. Und dass wir im Gegenzug dazu Anteil haben am göttlichen Leben. Und somit auch der Tod nicht das Letzte ist, was uns bevorsteht, sondern wir aus Gottes Hand kommen und in Gottes Hand gehen.

Im Pirmasenser Hospiz können sechs Menschen für die letzte Wegstrecke ihres Lebens aufgenommen werden. Das Haus ist fast durchweg belegt. Die Nachfrage nach einem Platz ist groß, es gibt Anfragelisten. Insgesamt verfügt Rheinland-Pfalz nur über 60 Betten in stationären Hospizen, und erst in Speyer, Saarbrücken und St. Wendel finden sich die nächsten Einrichtungen der stationären Hospizarbeit.
Aufgenommen werden können Menschen, die so krank sind, dass eine Heilung nach menschlichem Ermessen nicht zu erwarten ist. Das unterscheidet das Hospiz von einem Krankenhaus.

Die Hospizfachkraft Anita Stuppy:
Im Krankenhaus unterliegen die Menschen oft so einer ganz festgefahrenen Struktur, dass viele Dinge auch laufen müssen diagnostisch. Und es ist für Menschen, die jetzt eine unheilbare Erkrankung haben, einfach nimmer Thema. Die sind dort, weil es ihnen körperlich schlecht geht, weil sie Schmerzen haben oder andere Einschränkungen durch die Erkrankung und möchten natürlich auch geholfen kriegen, aber nicht mehr in der Weise, dass viele Untersuchungen laufen sollten, sondern eher, dass man Dinge macht, die erleichternd sind.

Das Hospiz bietet ist Palliativmedizin an. In dem Begriff steckt das lateinische Wort „pallium“, zu deutsch „Mantel“. Also eine medizinische Betreuung, die dem kranken Menschen einen bergenden Mantel umlegt, ihm in der letzen Phase seines Lebens einen Raum gibt, in dem er geschützt sterben darf.

Wer im Hospiz einen Platz findet, wird deshalb auch nicht Patient genannt, sondern ist ganz bewusst: ein „Gast“.

Anita Stuppy:
Für mich macht das ganz deutlich, dass es eine gleiche Ebene hat zwischen denen, die versorgen, und den Menschen, die da sind, die ein Stück weit ja auch ihre Bedürfnisse und Wünsche äußern dürfen. Für mich ist es eine Aussage der Beziehung zwischen den Menschen, die wir aufnehmen und uns als die Begleiter und Betreuer.

Teil II
Das Pflegeteam, das sich um die sechs Hospizgäste kümmert, besteht zurzeit aus 10 Personen. Sie kommen alle aus der Krankenpflege und haben sich z. T. durch eine palliativmedizinische Zusatzausbildung weiterqualifiziert. Eng arbeiten sie zusammen mit den Hausärzten der Gäste, mit Schmerztherapeuten und einer Seelsorgerin.
Auf was kommt es an bei der Versorgung der Menschen, die im Haus Magdalena leben und hier nicht Patienten, sondern Gäste genannt werden?

Anita Stuppy, Hospizfachkraft, erzählt mir die Geschichte einer sechzigjährigen Frau, die sie im letzten Jahr begleitet hat. Diese Frau kam direkt nach ihrem Krankenhausaufenthalt ins Hospiz, weil klar war, dass die Familie zuhause die anstehende Pflege nicht bewältigen konnte.

Aufgrund ihrer Erkrankung hieß es, sie kann nicht mehr sprechen. Sie kann nicht mehr schlucken. Sie ist fest bettlägerig. Kam auch entsprechend versorgt mit einer Ernährungssonde bei uns an, auch mit nem Katheder. Und ja, wir wussten ja net mehr als die Erkrankung, das Alter und was so in den letzten Tagen war.

Die Frau hat das, was um sie herum vorging, und die Menschen, die für sie da waren, genau beobachtet. Und Anita Stuppy hat den Eindruck gewonnen, dass sie auch vieles versteht, was mit ihr gesprochen wird.

Nach einigen wenigen Tagen haben wir gespürt, dass sich was verändert, und sie hat eigentlich uns angedeutet, dass sie manche Dinge, die wir tun, so nicht möchte. Sie wollte nicht diese Ernährung über die Sonde, sie wollte, dass der Arzt kommt, dass sie dem das nochmals klar machen kann. Sie hat auch angefangen zu sprechen, in wenigen Worten, wo wir sehr drüber erstaunt waren.

Und schließlich konnte diese Frau nochmals aus dem Bett aufstehen, war gehfähig. Der Hausarzt hat ihr versprochen, dass die Sonde nicht bedient wird, wenn sie das nicht will. Sie hat angefangen zu essen und zu trinken. Und konnte sogar noch dreimal für wenige Stunden nachhause.

Diese Erfahrung zeigt: Im Hospiz gibt es kein festes Schema, nach dem mit den Sterbenskranken umgegangen wird. Kein „richtiges“ oder „falsches“ Sterben.
Die Kranken selbst geben die Richtung an, in die es gehen soll. Sie geben das Tempo vor. Sie sind diejenigen, die führen. Die Mitarbeiter begleiten. Sie helfen dabei, dass jeder Gast auf seine ganz persönliche Art und Weise seinen Frieden findet. Und deshalb ist das Wichtigste bei der Betreuung im Hospiz: präsent und aufmerksam sein, und jeden Tag neu hingucken:

Was ist dran? Was ist bei dem Mensch dran, wo steht er in seiner Entwicklung, was benötigt er, wo müssen wir auch gucken, dass unsre Therapie, unsre Vorgabe vielleicht gar nicht so stimmt.

Erspüren, was dran ist. Das ist im Haus Magdalena nicht nur die Sache von hauptamtlichen Hospizfachkräften wie Anita Stuppy. Viele Ehrenamtliche arbeiten zwischenzeitlich im Pirmasenser Hospiz aktiv mit.

Teil III
Achtzehn Ehrenamtliche unterstützen mittlerweile die Hospizfachkräfte bei ihrer Arbeit. Sie kommen nach einem festgelegten Dienstplan regelmäßig vormittags und nachmittags ins Haus und stehen teilweise auch nachts als Sitzwache zur Verfügung.

Eine davon ist Christa Huck:
Ehrenamtlich bin ich seit Januar dabei. Bin einmal die Woche vier Stunden da.....Ich finde es sehr wichtig, dass man bei den Gästen sitzen kann, ihnen zuhören kann, einfach nur da sein, mal die Hände halten oder was zu trinken reichen.

Sieben Jahre lang hat sie ihren Schwiegervater daheim gepflegt. Inzwischen ist er verstorben, die Kinder sind aus dem Haus, und sie hat Zeit gefunden, sich in der Hospizarbeit zu engagieren. In einem Seminar, das über mehrere Monate gelaufen ist, hat sie sich zur Hospizhelferin ausbilden lassen.

Oft erzählen die Gäste von ihren Familien oder ihren Interessen, eigentlich sehr selten von ihrer Krankheit.... Das, was sie noch bewegt. Dass sie sich freuen, wenn ihre Kinder oder ihre Partner kommen.

Was die Ehrenamtlichen im Haus Magdalena tun, ist sehr wertvoll und wichtig. Bringen sie doch oft ein Stück Alltag in das Hospizleben hinein. Ob jemand einen bunten Blumenstrauß für die Wohnküche besorgt, die Spülmaschine ausräumt, mit jemandem, der noch mobil ist, draußen einen kleinen Spaziergang macht, wie immer die Ehrenamtlichen sich auch einbringen, sie erleben die Stunden im Hospiz als eine Bereicherung fürs eigene Leben.

Also für mich ist es eigentlich ein Wunder, dass ich net nur geb, wenn ich im Hospiz bin, sondern auch unwahrscheinlich viel zurückkriege. Von kranken Menschen, von diesen Gästen bekomm ich Kraft.

Die Kraft geht dabei manchmal sogar von den Situationen aus, denen viele normalerweise am liebsten ausweichen möchten.

Also letztes Jahr bei der Hospitation hab ich das Sterben einer Frau miterlebt. Dieses würdevolle Sterben und dieses Danach, wie die Frau gewaschen wurde, frisch angezogen wurde. Und wie die Frau Stuppy halt immer mit ihr weiter erzählt hat, diese Frau war gestorben, aber trotzdem noch präsent. Also ich bin nach Hause gegangen und hab zu meinem Mann gesagt: Wenn ich schwer krank bin, bring mich bitte dorthin! Dieses würdevolle Gehen, das hat mich sehr berührt.

Natürlich, auch im Haus Magdalena stirbt nicht jeder Gast in Frieden mit Gott und Welt. Manche hadern und kämpfen bis zum Schluss, sind am Ende ihres Lebens voller Angst. Und das ist für ehren- wie hauptamtliche Begleiter eine der größten Herausforderungen, meint die Hospizfachkraft Anita Stuppy:

Für uns heißt es: trotzdem da zu bleiben, obwohl‘s manchmal fast unerträglich ist. Und mir hilft dann auch einfach, so bei mir zu gucken: Wo hab ich meinen Halt, wo ist mein Grund? Damit ich an diesem Bett auch weiter bleiben kann.

In der Überlieferung des Evangeliums stirbt Jesus mit einem verzweifelten lauten Schrei. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Und doch war Gott da, sagt der Glaube. Und er ist dabei geblieben, auch wenn vordergründig nichts von ihm zu spüren war. Es ist Ostern geworden. Das mag mit der Grund sein, warum man dem Pirmasenser Hospiz den Namen „Haus Magdalena“ gegeben hat.

Norbert Becker, der theologische Vorstand des Diakoniezentrums:
Magdalena, Maria Magdalena ist eine Frau, die Jesus begleitet hat. Die auch unter dem Kreuz stand. Und die durch dieses Leiden hindurch zur ersten Zeugin für den Auferstandenen, für das Leben wurde. In ihrer Person selbst: einmal das Leiden bildet sich ab. Aber auch die Treue zum Leben. https://www.kirche-im-swr.de/?m=7787
- Eberhard Cherdron im Portait -


Eberhard Cherdron blickt zurück, bis Ende letzten Jahres stand er als Präsident an der Spitze der Ev. Kirche der Pfalz.

Also beides gehört für mich zusammen: Weltverantwortung und Frömmigkeit. Und beides würde ich gerne auch noch in den nächsten Jahren meines Lebens an bestimmten Stellen immer wieder auch zum Ausdruck bringen können.

Als einen Kirchenmann, dessen gelebtes soziales Engagement auch ins Land hinein ausgestrahlt hat, hat ihn Ministerpräsident Kurt Beck bei seiner Verabschiedung gewürdigt.
Was für ein Mensch steckt hinter dem ehemaligen Kirchenpräsidenten?
Wo schlägt sein Herz?
Welchen Weg ist er gegangen?
Und was bewegt Eberhard Cherdron heute, wenn er zurückblickt auf seine Arbeit in Kirche und Gesellschaft?

Teil I
10 Jahre lang war er der oberste Repräsentant der rund 600 000 Pfälzer Protestanten zwischen Rhein und Saar. Kirchenpräsident Eberhard Cherdron. Seit einem knappen Jahr hat er mehr Zeit für sich, seine Frau, die Kinder und Enkelkinder. Als Pensionär hat er auch Zeit, Bilanz zu ziehen.

Was wirklich prägend für mich war aus der Familie heraus,...ist das Wissen und die Zuversicht, dass Gott durch das ganze Leben hindurch tragen wird. Und das hat mir immer wieder auch Mut gemacht in meinem Dienst als Pfarrer, in meinem Dienst in den verschiedenen Aufgaben dieser Landeskirche, und das hat mir zugleich ermöglicht, ganz unverkrampft mit sehr frommen Menschen auch singen und beten zu können, und zugleich aber auch etwa, was wir in der Jugendarbeit auch immer wieder heftig debattiert haben, dieses Stichwort der Weltverantwortung des Christen sehr ernst zu nehmen.

Fromm sein und sich einsetzen für andere Menschen.
Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Eberhard Cherdron.
Schon auf seiner ersten Pfarrstelle hatte er das im Blick.

Für mich war ....... die Arbeit mit den Kindertagesstätten in Neuhofen was ganz Zentrales...
Wir hatten drei Kindertagesstätten, das bedeutete eine große Verantwortung, es gab auch
Neubauten, wir mussten sehen, wie wir das alles miteinander organisieren. Und für mich ist
Kindertagesstättenarbeit etwas ganz wichtiges gewesen.


Junge Familien muss die Kirche unterstützen. Und wenn Menschen krank werden,
muss es auch Mittel und Wege geben, ihnen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft
Hilfe anzubieten.

Im gleichen Zeitraum, als ich in Neuhofen gearbeitet habe, haben wir wieder begonnen mit der Krankenpflegearbeit in den Gemeinden. Damals gab es noch keine Sozialstation, die
Krankenpflegevereine waren mehr oder weniger eigentlich ohne Aufgaben, weil die
Diakonissen nicht mehr da waren. Und wir fingen schon mal an mit einer freien Schwester die Krankenpflege in der Gemeinde neu zu organisieren.


Für den Pfarrerssohn, der als eines von vier Geschwistern in Hochstadt und Kandel aufgewachsen ist, war die Gemeindearbeit des Vaters prägend für die eigene Entscheidung, Theologie zu studieren.
Es kam aber noch etwas hinzu:
Er hat gemerkt, man muss als Pfarrer über den Tellerrand der Kirche hinausblicken,
wenn man soziale Probleme, die Menschen haben, wirklich verstehen will.
Und so hat Eberhard Cherdron noch ein Zweitstudium absolviert:
Er hat Wirtschaftswissenschaften studiert.

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Studium noch gemacht habe. Ich habe auch dadurch viele Freunde gefunden. Und es war für mich auch von den Inhalten, die ich dort erarbeitet habe, ganz wichtig, weil die Fragen der Wirtschaftsethik, der Sozialethik eigentlich meine ganze berufliche Laufbahn auch immer wieder begleitet haben.

Theologie und Volkswirtschaft:
Das war sein theoretisches Rüstzeug für den Weg in die Praxis der Kirche.

Teil II
Seine berufliche Laufbahn hat Cherdron in der Gemeinde begonnen, in Neuhofen bei
Ludwigshafen. Drei Jahre war er dort.
Dann hat ihn die Kirchenleitung in das Amt des Landesjugendpfarrers berufen.
Eine besondere Herausforderung in einer Zeit, in der kirchliche Jugendarbeit ständig Zerreißproben ausgesetzt war.
Auf der einen Seite die pietistisch Frommen, auf der anderen Seite die fortschrittlich Kritischen, die für mehr gesellschaftspolitisches Engagement der Kirche plädierten,
als Jugendpfarrer musste er sie miteinander ins Gespräch bringen.
Wichtig war ihm dabei immer auch die Frage:
Wie kann man jungen Leuten das Evangelium so verkündigen, dass der Funke des Glaubens überspringt.

Wir hören ja sehr oft von Jugendlichen, auch heute noch, dass ihnen die Gottesdienste viel zu langweilig sind, Lieder zu altmodisch, die Formulierung der Gebete, die Predigt wenig
ansprechend. Und damals standen wir natürlich schon vor der Frage: Gibt es neue
Liedformen? Da ist mir sicherlich auch meine Musikalität etwas zugute gekommen. Das war
selbstverständlich, dass ich solche neuen Lieder etwa eingebracht habe. Aber auch die
Versuche, gemeinsam liturgische Teile im Gottesdienst miteinander zu formulieren mit den
Jugendlichen, mit denen wir die Gottesdienste machten, auch das war sehr wichtig.


Im Jahre 1984 wurde Eberhard Cherdron die Leitung des Diakonischen Werkes der Pfalz übertragen. Das hing sicherlich auch damit zusammen, dass man ihm als Pfarrer und Volkswirt zutraute, auch wirtschaftliche Entwicklungen in diakonischen Unternehmungen abschätzen zu können.
Im „Unternehmen“ Diakonie hat sich Cherdron stark gemacht für die Sozialarbeit der
Kirchengemeinden in Kindertagesstätten und ambulanter Krankenpflege. Dass hier
die Kirche auch künftig Verantwortung übernehmen muss, das hat er gerade aus der
jüngeren Geschichte gelernt.

Der Nationalsozialismus hat eigentlich versucht, die Kirchen möglichst aus dem gesellschaftlichen Leben zu entfernen, die gleiche Entwicklung hatten wir dann in der DDR. Und ich sehe es sehr deutlich, dass die Kirche, gerade, weil wir dem Staat nicht alles überlassen dürfen, auch Aufgaben im Sozialbereich wahrzunehmen hat. Auch an den Stellen,.......wo‘s Geld kostet, auch da müssen wir rein, und da, wo vielleicht auch schwierige Arbeitsbedingungen sind, weil wir den Menschen helfen wollen.

Eberhard Cherdron hat eine besondere Kompetenz:
Er kann gut auf andere Menschen zugehen, sie miteinander ins Gespräch bringen,
wo sie unterschiedliche Positionen vertreten, und auf den Punkt bringen, worum es
geht. Die unterschiedlichen Gaben, die Menschen mitbringen, wahrzunehmen und
sie miteinander zu vernetzen, das liegt Eberhard Cherdron.
Und deswegen war er wohl auch der richtige Kandidat für die Position des Kirchenpräsidenten, in die er im Jahre 1998 gewählt wurde.

Es geht nicht um die Person des Präsidenten selbst, sondern es geht darum, dass er es schafft, ein Zusammenarbeiten in den einzelnen Organen und Einrichtungen hinzubekommen, das war mir eigentlich die ganze Zeit sehr wichtig gewesen. Es setzt allerdings auch wirklich voraus, dass man selbst auch weiß, um was es geht, dass man durchaus auch einen eigenen Standpunkt hat, aber versucht ihn mit dem, was die andern wollen, zu vermitteln.

Teil III
Menschen, die mit ganzem Herzen Christen sind, die haben ihn geprägt. Allen voran sein Vater.

Für ihn war bis zu seinem Sterben hin eine entscheidende Aussage: Wir kommen auch im Tod zu Gott. Und das hat er durchgehalten, durchgehalten in seinen Predigten, es war das, was ihn als Gemeindepfarrer geprägt hat: Aufgehoben sein in Gottes Hand bis zum Sterben hin. Das hat er uns auch als Familie noch sagen können „Seid nicht traurig, wir werden uns wiedersehen“, war so sein letzter Satz.

Dieser weite Horizont hat ihn auch geprägt in der Art, wie er mit den verschiedensten
Christenmenschen umgegangen ist.

Ich hab gemerkt: es gibt andere Menschen in unserer Kirche, für die ist zum Beispiel die
Friedensthematik das A und O. Für die ist diese Erfahrung gar nicht so wichtig, die wollen
kämpfen, die wollen dafür sorgen, dass es auf dieser Welt besser wird. Und ich kann diese
Menschen genau so ernst nehmen in dem, was sie glauben, wovon sie überzeugt sind, wie
etwa das, was mein Vater in seinem Glaubenserlebnis zum Ausdruck gebracht hat.


Wir müssen uns also nicht trennen, wenn wir in unterschiedlicher Weise unser Christ-Sein leben. Ich darf anders leben und anders glauben als du, und trotzdem gehören wir zusammen. Das zu vermitteln, ist Eberhard Cherdron immer wichtig gewesen.
Der Apostel Paulus hat das so ausgedrückt:

„Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht. Oder auch der Kopf zu den Füßen: Ich brauche euch nicht.“ (Kor 12,21).

Ja, wir brauchen einander, so wie gute Nachbarn einander brauchen.
Von diesem Hintergrund her versteht Cherdron dann auch die Ökumene.
Protestanten und Katholiken pflegen in Speyer eine gute Nachbarschaft.
Am Domplatz stehen Bischofshaus und Landeskirchenrat vis a vis.
Nicht nur zwischen den Gemeinden, sondern auch zwischen den beiden Kirchenleitungen, ist im Laufe der letzten Jahrzehnte ein vertrauensvolles Miteinander gewachsen. Und genau das lässt es zu, dass man auch einmal unterschiedliche Auffassungen hat und theologische Kontroversen austragen kann.
Und deswegen blickt der ehemalige Kirchenpräsident der Zukunft der evangelischen Kirche gelassen entgegen.

Ich glaube, wir sollten uns auch nicht von solchen Wellenbewegungen, die wir in der
Geschichte immer wieder erleben, allzu stark beeindrucken lassen, im Sinne von „Der
Protestantismus wird absterben“, weil die Menschen etwa eher die Bilder lieben, auch die
schönen Gottesdienste, wie wir sie im katholischen Raum ja erleben können.
Wir brauchen uns da überhaupt nicht zu verstecken und ich bin auch der Meinung, dass der
schwarze Talar des protestantischen Pfarrers durchaus ansehnlich ist. Und die Schönheit des
Gottesdienstes, eines evangelischen Gottesdienstes, die kann sehr wohl sich auch entfalten,
auch wenn wir keine Messgewänder tragen und wenn wir sehr sorgsam darauf achten, was
wir miteinander feiern.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6400
Ungewöhnliche Wege der Verkündigung geht die evangelische Kirche im südwestpfälzischen Pirmasens in den kommenden Wochen.
In einer ehemaligen Schuhfabrik wird zurzeit ein Ostergarten aufgebaut.
Wer dort hingeht, soll hören, sehen, riechen, schmecken und fühlen,
was an Ostern geschehen ist, die Osterbotschaft also mit allen Sinnen erfahren.

Teil 1

Wir machen uns miteinander auf eine ganz besondere Reise. Wir fühlen, hören, sehen und schmecken, was damals geschah. Wir ziehen uns historische Gewänder an, und so reisen wir in ein fernes Land, in das Land Israel und in die Stadt Jerusalem....

Die Erzieherin Gudrun Anderie bereitet sich auf ihre Rolle vor:
sie ist zuständig für Kinderführungen durch den Ostergarten,
und arbeitet in der Projektgruppe mit, die zur zeit in einer ehemaligen Schuhfabrik die Stationen der Passion Jesu in Szene setzt.
Die Weihnachtsgeschichte ist uns allen vertraut, nicht zuletzt auch durch die volkstümlichen Krippendarstellungen.
Schon im Jahre 1223 hat Franz von Assisi im mittelitalienischen Greccio das Geschehen um die Geburt Jesu mit lebenden Tieren und Menschen nachgestellt.
Die Idee, etwas Ähnliches auch zu Ostern aufzubauen und den Menschen auf diese Weise die Leidensgeschichte Jesu nahe zu bringen, ist jung.
Etwa seit dem Jahr 2000 gibt es Ostergärten in verschiedenen Orten in Deutschland, ausgelöst durch Impulse, die aus der badischen Landeskirche kamen.
Vor 2 Jahren
hat man im Kirchenbezirk Pirmasens angefangen, sich damit zu beschäftigen. Szenen und Bilder aus den letzten Tagen im Leben Jesu sind in einigen Gemeinden damals schon entstanden.
In diesem Frühjahr ist es gelungen, das, was bereits ausprobiert wurde, zusammen zu tragen und es weiter auszubauen.
Und vor allem haben sich inzwischen mit Hilfe der Stadt geeignete Räumlichkeiten gefunden, um einen Ostergarten im großen Stil anzulegen.

Der Pirmasenser Dekan Dr. Michael Diener:
Ein Hoffnungsprojekt für die ganze Stadt ist die ehemalige Schuhfabrik Rheinberger, die nun nicht mehr als Ruine verfällt und leer steht, sondern auf vielfältige Weise gemeinsam von der Stadt und einer Investorengesellschaft betrieben und genutzt wird. Und uns war es ganz wichtig als Kirche, den Kirchenraum zu verlassen und da, wo die Menschen hingehen, da wo sie staunen, da, wo sie auch Hoffnung schöpfen aufgrund des Wandels, den sie in ihrer eigenen Stadt wirklich erleben können, auch mit der hoffnungsvollen Osterbotschaft präsent zu sein.

Das Faszinierende am Rheinberger-Gebäude sind die immensen Hallenfluchten auf unterschiedlichen Stockwerken.

Und im Rahmen dieses riesengroßen Gebäudes haben wir die Möglichkeit, eine ehemalige Schuhfabrikhalle jetzt farbenfroh umzugestalten. Ein Ostergarten lebt von den Stimmungen, die für alle Sinne greifbar sind......, d.h. wir werden mit bunten Tüchern und Stoffen arbeiten, wir werden Impulse in den einzelnen Räumen da haben in Form von Gegenständen und auch von Materialien, die die Menschen teilweise mit der Hand berühren und selbst auch mitnehmen können.

Für viele Menschen sind die biblischen Worte oft nur noch verstaubte Glaubensformelnzu denen sie wenig Zugang haben.
Selbst bei bewussten Christen kann durch die Gewöhnung an die biblische Sprache das, was Ostern wirklich beinhaltet, verblassen:
Ach ja, das kenn ich schon! Gleichzeitig trifft man im säkularen Bereich, vom Duschgel bis zur Schokolade, ständig auf Angebote, die mit dem Versprechen, „für alle Sinne“ etwas zu bieten, Interesse wecken.
Hieran knüpft der Ostergarten an.

Dekan Diener:
Wenn es im Johannesevangelium heißt, dass das Wort bei Gott war, und Gott war das Wort, heißt es zugleich auch „das Wort ward Fleisch“, es hat Gestalt angenommen. Nichts anderes versuchen wir: dem Wort, das natürlich das Entscheidende ist, eine Gestalt und unterschiedliche Gestalten zu geben, so dass die Menschen, so wie sie von Gott geschaffen wurden, in ihrer Sinnenhaftigkeit, dieses Wort besser verstehen und annehmen können.

Teil II

Das Projekt wird von 10 Gemeinden im Kirchenbezirk organisiert.
Gut 50 Leute arbeiten daran mit, Hauptamtliche, Ehrenamtliche, von den Handwerkern angefangen, die die Kulissen zimmern, bis zu den Kreativen, die sich überlegen, wie die einzelnen Stationen aussehen sollen.

Pfarrer Bernd Rapp von der Projektgruppe:
Also, es ist ein Projekt, bei dem ganz viele Menschen sich jetzt schon angesprochen fühlen, bei dem ganz viele Menschen jetzt schon für sich die Osterbotschaft neu erleben und das Projekt wird mit Sicherheit deshalb auch ausstrahlen auf ganz viele andere Leute, die die Osterbotschaft dann mit allen Sinnen erleben und erfahren können.

Am 22. März öffnet der Ostergarten seine Pforten und wird dann täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr besucht werden können.
Wer kommt, begibt sich auf eine Zeitreise.

Bernd Rapp:
Die Zeitreise beginnt mit einem, der die Gruppe dann auch führt in einem historischen Kostüm, vor den Toren Jerusalems. Man wird einen Esel sehen, man wird Palmzweige sehen, man wird die Stadtsilhouette sehen, und man wird Stimmen hören von der Straße, die auf Jesus warten, auf den König, von dem die Leute .... sehr viel erhofft haben, dass er ihnen hilft gegen die Besatzung der Römer.

Mit dem Einzug des Arme-Leute-Königs, der sich als gar nicht so mächtig entpuppen wird, beginnt der Leidensweg.
Und die Besucher begleiten Jesus dann in seinen letzten Stunden, schlüpfen in die Rolle seiner Jünger damals und nehmen auch Abschied von ihm.

Die Menschen werden eingeladen, wirklich mit das Passahfest zu feiern, mit Brot und Saft, und gehen von dort aus in den Garten Gethsemane, den Ort der Anfechtung, der Stille und des Gebets. Dort wird auch Zeit sein für die Stille und für das Gebet, und auch das mal auszuprobieren, wie das ist, wenn man da wirklich in der Stille vor Gott ist und auch betet.

Jeder Mensch hat sein eigenes Gethsemane, hat mal jemand gesagt.
Das sind die Augenblicke im Leben, wo wir lernen, das was wir wollen, mit dem, was Gott will, zusammen zu bringen.
Die Angst, die Jesus in dieser Stunde durchlitten hat, wird den Besuchern des Ostergartens eindrücklich vor Augen bzw. Ohren geführt.

Mit Zwischenstationen geht’s dann weiter. Das ist: die Verleugnung des Petrus wird dargestellt, die Verurteilung vor Pilatus, die Dornenkrone, die Geißelung. Und am Kreuz selber wird der Hauptmann, der damals auch dabei war, berichten aus seiner Sicht, wie er die Kreuzigung erlebt hat und welches Wunder dabei geschah.

Eine düstere Atmosphäre prägt die Kreuzigungsstation,
greift die Empfindungen auf, die die Besucher aus den Kreuzessituationen ihres eigenen Lebens kennen. Aber das Kreuz ist nicht das Ende.

Pfarrer Bernd Rapp:
Danach gehen die Leute durch eine Grabeshöhle zum Auferstehungsbereich, also durch den Tod und durch das Dunkel zu neuem Leben, zu neuem Licht, zu neuer Hoffnung, werden dort ein Blumenkreuz sehen, werden, wenn sie möchten, ... einen Freudentanz mit aufführen und werden dort auch die Möglichkeit haben, danach ihren eigenen Gedanken noch einmal nachzuspüren, was das jetzt mit ihnen selbst auch angestellt hat und was das vielleicht für Auswirkungen haben kann für die Zukunft.

Das Leben siegt, und daraus kann ich Kraft schöpfen!
Das möchten die Ostergartenmacher in Pirmasens den Besuchern vermitteln.
Nicht zuletzt auch durch das künstlerische Begleitprogramm, das für die Karwoche geplant ist.

Teil III

Dekan Michael Diener:
Das Ostergartenprojekt wird für viele Menschen ein Hoffnungszeichen sein. Für die, die mitarbeiten, ist es ganz wichtig, dass sie merken: die christliche Botschaft, die ist auch heute vermittelbar. Und unsere größte Erwartung ist, dass, wenn die Menschen den Ostergarten verlassen, sie mit der Osterbotschaft, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, dass er lebt und unser Leben hoffnungsvoll begleitet, ganz neu etwas anfangen können.

In der Karwoche verdichtet sich das Geschehen im Ostergarten.
Für Pfarrerin Barbara Traub, die in der Projektgruppe für das künstlerische Begleitprogramm zuständig ist, wird der Auftritt des aus Bosnien stammenden und in der Schweiz lebenden Schauspielers Damir Dantes ein Höhepunkt im Ostergarten werden:

In 12 Szenen wird er allein mit der Sprache seines Körpers und mit Gestik den Besuchern die Leidensgeschichte Jesu vor Augen führen. Die Pantomime ist ja eine universelle Sprache, die einfach jeder versteht, ob jung oder alt, und sogar Gehörlose.

Mit weiß geschminktem Gesicht, mal im fliegenden dunklen Gewand, mal im weißen Lendentuch, verkörpert Damir Dantes insgesamt 23 verschiedene Charaktere aus der Passionsgeschichte.
Von Karsamstag auf Ostersonntag bleibt der Pirmasenser Ostergarten die ganz Nacht über geöffnet.
Die ungewöhnliche Zeit soll den Besuchern dann eine ungewöhnliche Erfahrung vermitteln: Die Nachtwache beim Gekreuzigten
im Gedenken an die Kreuzesstunden, die Menschen heutzutage durchmachen.
„Bleibet hier und wachet mit mir“, ist das Motto.
In der Morgendämmerung, als nach der biblischen Erzählung die drei Frauen sich aufmachten zum Grab Jesu und es leer fanden, wird dann im Atrium des Ostergartens - das ist der überdachte lichtdurchflutete Innenhof der ehemaligen Schuhfabrik -der Sieg Gottes über die Mächte des Verderbens gefeiert.
Für die Mitgestaltung dieses Gottesdienstes konnte die Stuttgarter Choreografin und Tänzerin Katja Erdmann-Rajski gewonnen werden.

Dazu Pfarrerin Barbara Traub:
Die Tänzerin Katja Erdmann-Rajski wird in diesem Gottesdienst einen Verwandlungstanz zeigen. Für mich ist dieser Tanz so etwas wie die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling, so möchte ich ihn einmal beschrieben. Aus der Starre eines Kokons wird sich ihr Körper immer mehr herauswinden. Er entpuppt sich sozusagen einem Schmetterling gleich. Und das drückt für mich die Osterbotschaft aus.

Dann wird auch ein Lied erklingen, in dem das ganze Leben mit einem Tanz verglichen wird. Es handelt von Christus, der durch den Tod hindurch gegangen ist zu neuem Leben:

Sie begruben meinen Körper und sie dachten „alles klar“,
aber ich bin der Tanz, es geht weiter ja.
Sie schlugen mich klein, doch ich sprang hoch herauf.
Ich bin das Leben, darum gebt euch niemals auf.
Ich tanze in dir, so tanz du jetzt für mich,
ich bin der Herr, komm und tanz für mich.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5593
Am kommenden Sonntag, dem 1. Advent, wählen die evangelischen Christen in der Pfalz ihre Leitungsgremien neu, die so genannten Presbyterien.
Eine Woche später, am 2. Advent, wird in Speyer der designierte Kirchenpräsident Christian Schad in sein neues Amt eingeführt.
Damit bricht die evangelische Kirche der Pfalz auf zu neuen Ufern.
Was das bedeutet
und was ist den Protestanten der Pfalz wichtig?

Teil I
Alle sechs Jahre werden in den Gemeinden der Ev. Kirche der Pfalz die Leitungsorgane neu gewählt.
Am ersten Advent ist es wieder so weit.
Mehr als eine halbe Million Christen sind aufgerufen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und den Weg mitzubestimmen, den die Kirche vor Ort gehen soll.
Für eine protestantische Kirche ist die Wahl zum Presbyterium ein ganz wichtiges Ereignis, das meint der designierte Kirchenpräsident Christian Schad aus Speyer:

Presbyter .... kommt von einem griechischen Wort und heißt eigentlich „der Älteste, die Älteste“. Damit ist gemeint, dass wir neben den hauptamtlichen Theologinnen und Theologen, Pfarrerinnen und Pfarrer eine Kirche sind, die eben vom Priestertum aller Glaubenden herkommt. Die sagt, dass im Grunde alle Menschen, die getauft sind, auch die sind, die auskunftsbereit sein müssen im Blick auf ihren Glauben, die aber auch Verantwortung übernehmen, die Pflichten und Rechte haben.

„Pfarrerinnen und Pfarrer und Presbyterinnen und Presbyter leiten gemeinsam die Kirchengemeinde“, heißt es im § 13 der pfälzischen Kirchenverfassung:
Das Presbyterium, dem auch der jeweilige Gemeindepfarrer angehört, ist sozusagen das Basisorgan des kirchlichen Lebens.

Christian Schad:
Und es besagt eben, dass im Blick auf alle Grunddimensionen kirchlichen Handelns, im Blick auf den Gottesdienst, im Blick auf die diakonische Arbeit, im Blick auf die missionarische Arbeit, die kirchenmusikalische Arbeit eigentlich das Presbyterium dasjenige Gremium ist, in dem die Dinge strukturiert, vorbesprochen aber auch entschieden werden.

Der demokratische Grundzug steckt bereits in den Anfängen der Pfälzischen Unionskirche drin.
Denn sie ist entstanden durch eine Art Volksbefragung, wie wir heute sagen würden.
Man hat schon im Jahre 1818 die damals reformierten und lutherischen Christen der Region abstimmen lassen über ihre Vereinigung zu einer einzigen protestantischen Kirche, und eine überwältigende Mehrheit hat sich damals für eine solche Union ausgesprochen.
Das war die Geburtsstunde der Pfälzischen Landeskirche.

Heute gehören ihr rund 610 000 Menschen an.
Ihr Gebiet erstreckt sich auf der linken Rheinseite von Ludwigshafen bis in den Saarpfalzkreis hinein.
Sie untergliedert sich in 20 Kirchenbezirke mit fast 400 Gemeinden in Rheinland-Pfalz und 32 im Saarland.

Für viele junge Menschen ist die Wahl zum Presbyterium die erste in ihrem Leben.
Wer 14 Jahre alt ist, darf wählen.
Wählbar ist, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat und konfirmiert ist. Nach „oben hin“ gibt es keine Altersbegrenzung.

Christian Schad, seit Mai dieses Jahres neuer Kirchenpräsident der Pfalz:
Ich bin sehr sehr dankbar, dass sich Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Generationen, aber auch unterschiedlicher Professionen bereit erklärt haben. Auch, dass es Menschen gibt, die bisher eher distanziert zu Kirche stehen....sagen: Nein, es ist ein wichtiges Amt, und ich bin bereit, auch als jemand, der etwas den Blick von außen hat, in diesem Gremium mitzutun.

Insgesamt 5359 Männer und Frauen stellen sich am kommenden Sonntag als Kandidaten zur Verfügung.
So viel Bereitschaft zum Ehrenamt ist ein hoffnungsvolles Zeichen.

Teil II
Wie kommt jemand dazu, sich für die Wahl in das Leitungsorgan einer Kirchengemeinde zur Verfügung zu stellen?
Unter einigen Kandidaten aus der Region der Saarpfalz habe ich mich umgehört:

Hauptmann
Ich kandidiere, weil ich merke, dass es wichtig ist, sich in der Kirche mit einzubringen, um sie am Leben zu erhalten, um sie den Leuten näher zu bringen, vermittelnd noch tätig zu sein zwischen Leuten, die eben noch keinen Bezug zur Kirche haben...

Marx
Ich kandidiere für das Presbyterium, weil ich in den bereits abgelaufenen 2 Perioden, denen ich dem Presbyterium angehört habe, festgestellt habe, dass viele praktische Fragen hier einer entsprechenden Betreuung bedürfen. Bei einer Gemeinde sind bautechnische Fragen und finanzielle Fragen ständig akut.

Hauptmann
Was ich auf keinen Fall machen möchte, ist, mich an Finanz- und Bauausschüssen beteiligen, das ist gar net mein Ding. Was mir liegt, ...ist die Mitarbeit in Organisationsteams.

Reich
Ich kandidiere für das Presbyterium, weil ich der Ansicht bin, dass die Gemeinde nur von den Mitgliedern getragen wird. Und jeder soll seinem Wissen und Können nach etwas einbringen, und das möchte ich tun.

Jörg Henschke ist einer von 13 Kandidaten, die sich am kommenden Sonntag in der Martin-Luther-Kirchengemeinde im saarpfälzischen St. Ingbert zur Wahl stellen.
Für den 38-jährigen kommunalen Jugendpfleger war seine Konfirmation eine Einsegnung auch ins kirchliche Engagement.

Henschke
Nach meiner Konfirmandenzeit wollte ich in der Kirche was weitermachen. Und ich bin dann im Kindergottesdienst-Team in meiner alten Gemeinde eingestiegen und hab dann über 15 Jahre Kindergottesdienst .... gemacht, kam dann beruflich hierher nach IGB, und bin wiederum hier in die Kindergottesdienstarbeit eingestiegen und über die Kindergottesdienstarbeit dann auch hier ins Presbyterium gekommen.

Unterschiedliche Begabungen werden auch nach der Wahl am Sonntag im Presbyterium wieder aufeinander treffen.
Und auf die Mischung wird es ankommen! Aufgabenteilung hat sich als sinnvoll erwiesen.
Wenn die neu Gewählten demnächst in einem Gottesdienst offiziell in ihr Amt eingeführt werden, dann wird ihnen feierlich folgende Frage gestellt:

Wollt ihr dieses Amt in unserer Kirchengemeinde führen gemäß dem Evangelium, wie es die heilige Schrift bezeugt, damit durch euren Dienst die Gemeinde wachse in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, so antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe.

Wer Ja sagt, übernimmt Verantwortung. Und zwar für Organisatorisches und Geistliches, beides lässt sich in einer Kirchengemeinde ja nicht trennen.
Es müssen Entscheidungen gefällt werden:
Wofür wollen wir Geld ausgeben?
Sind wir eine offene, einladende Gemeinde, in der auch Neuzugezogene Kontakt finden?
Sind wir eine Gemeinde, die sich um Kinder, um Jugendliche, um alte Menschen kümmert?

Die neu gewählten Presbyterien stehen in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Wie der designierte Kirchenpräsident Christian Schad darüber denkt, das erfahren Sie gleich.

Teil III
Am Sonntag wählen die protestantischen Gemeinden in der Pfalz ihre Leitungsgremien, die Presbyterien.

Christian Schad, der designierte Nachfolger von Eberhard Cherdron im Amt des pfälzischen Kirchenpräsidenten:
Was ich mir erhoffe ist, dass viele Protestantinnen und Protestanten wählen! Und das heißt, dass wir eine hohe Wahlbeteiligung haben. Wir standen schon vor 6 Jahren im Blick auf die Evangelische Kirche in Deutschland an der Spitze mit 32 % Wahlbeteiligung. Und meine Hoffnung ist, dass wir dieses gute Ergebnis auch am ersten Advent wieder bekommen werden, vielleicht sogar noch etwas steigern können.

Und das in einer Situation, in der vieles im Umbruch begriffen ist.
Nicht nur in der Kirche, wo aufgrund eines gewissen Alters- und Sterbeüberhanges die Zahl der Mitglieder von Jahr zu Jahr abnimmt und somit auch das Geld weniger wird.

Was für mich sozusagen die Herausforderung darstellt.... ist das, was ich eine Orientierungskrise bezeichnen möchte, die damit zusammenhängt, dass die Weitergabe des Evangeliums und auch Kirche als Institution nicht mehr selbstverständlich im Erbe sind. Und das bedeutet: Dass wir ganz neu fragen müssen, wo finden Menschen, die auf der Suche sind, nach Antworten, nach Halt, nach Orientierung für ihr Leben, wo finden sie bei uns Antworten! Und zwar Antworten, die auch so etwas wie Resonanz in ihrem Leben auslösen und die sie als Lebensgewinn wahrnehmen können.

Der 50- jährige frisch gewählte Kirchenpräsident beobachtet ein neu erwachtes Interesse an Fragen des Glaubens. Und darum muss die Kirche überlegen- auch die Presbyterien - auf welche Weise man heutzutage Menschen mit dem Evangelium vertraut machen kann.
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat in diesem Zusammenhang für Christian Schad einen ganz hohen Stellenwert.
Hier will er als Präsident Prioritäten setzen und wünscht sich das natürlich auch von den Presbyterien.

Es ist wohl Erfahrung, dass Menschen, die als Kinder überhaupt keinen Bezug sowohl zur Sinn- und Wertetradition des christlichen Glaubens bekommen haben als auch zur Kirche selbst, dass sie dann später als Erwachsene sehr schwer auf religiöse Themen oder auch die Kirche ansprechbar sind....

Weil religiöse Erziehung in der Familie heute nicht mehr selbstverständlich ist, sollte die Kirche ergänzend tätig werden. Sie kann zwar nicht das religiöse Moment in einer Familie ersetzen...

... Aber wir haben etwa durch unsere 242 evangelischen Kindergärten, oder auch durch eine breite Kindergottesdienstarbeit die Chance,.... Kinder zu beheimaten in religiösen Landschaften, sie auch mit biblischen Geschichten, mit Liedern bekannt zu machen. Und meine Erfahrung ist, dass häufig die Kinder die Missionare ihrer Eltern sind.

Wenn der Glaube auf diese Weise in den Familien wieder neu zum Thema wird, dann wird sich bei uns etwas verändern, nicht nur unter den Protestanten.
Ich freue mich,
dass sich in der Pfalz so viele ehrenamtlich engagieren.
Denn dadurch bekommt Gottes Freundlichkeit ein ganz menschliches Gesicht. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4933
Ein Unfall, eine bedrohliche Erkrankung ein unerwarteter Tod –
all das kann ein geordnetes Leben völlig aus der Spur bringen.
Als Pfarrer begegne ich immer wieder Menschen, denen das passiert ist.

Wie kann man mit Schicksalsschlägen umgehen?
Wie mit so unabänderlich erscheinenden Situationen zurechtkommen?


Teil I
„Womit habe ich das verdient?“
Als Pfarrer werde ich manchmal so gefragt,
etwa bei einem Krankenbesuch.
Da hat jemand immer ordentlich und gesund gelebt.
Und auf einmal fängt ein Tumor zu wachsen an,
oder es kommt ein Herzinfarkt.
Und nichts ist mehr wie es vorher einmal war.

Manchmal wird die Frage nicht direkt gestellt,
sondern kaum hörbar,
versteckt in einer unglücklich gelaufenen Lebensgeschichte,
die mir jemand erzählt.
Warum passiert so etwas gerade mir?!

Was soll ich da antworten?
Gibt es überhaupt eine Antwort darauf?

In der Bibel, im Neuen Testament, finde ich die Spur einer Antwort.

Als Jesus einmal mit seinen Jüngern unterwegs ist, sehen sie am Straßenrand einen Bettler sitzen. Der ist von Geburt an blind. Da fragen seine Jünger:
„Meister, wer ist schuld daran,
er oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“
Da antwortet Jesus:
„Weder er noch seine Eltern sind schuld daran.
Sondern: es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm“. (nach Joh 9,1-3)


Warum ist das gerade mir passiert?
Wer ist schuld?
Was haben wir falsch gemacht?
Jesus macht beim Grübeln über diese Fragen nicht mit.
Etwa: Wenn ich damals dieses oder jenes unterlassen hätte,
dann wäre mir das, was mir zugestoßen ist, vielleicht erspart geblieben!
Oder:
Wenn die sich anders verhalten hätte, würde es ihr jetzt auch besser gehen!

Über das eigene Geschick
- oder auch über das Geschick anderer Leute - spekulieren,
das ist gefährlich.
Denn es nimmt die Energie, die Lebensfreude.
Es macht bitter und neidisch und auch ängstlich dem Leben gegenüber.

Denn man fordert damit ja unausgesprochen einen Ausgleich,
man will so etwas wie Gerechtigkeit,
die Waage soll wieder im Gleichgewicht pendeln:
Wenn du Schweres durchmachen musst,
hast du dann nicht endlich einmal ein bisschen Glück verdient?
Oder umgekehrt:
Wenn es mir wirklich gut geht und das schon eine Weile anhält,
muss ich da nicht mit einem Schicksalsschlag rechnen? Denn soviel Schönes habe ich doch gar nicht verdient!?

„Stimmt!“, sage ich, wir haben es nicht verdient.
Niemand kann es sich verdienen, dass sein Leben glücklich verläuft.
Es ist ein Geschenk.
Niemand kann es sich aber auch verdienen,
dass ihm ein Schicksalsschlag widerfährt.
Sicher,
es kann Verhaltensweisen geben, die ein Unglück befördern:
Wenn man ungesund gelebt hat oder allzu große Risiken eingegangen ist.
Doch selbst wenn man die Ursachen für eine unglückselige Situation kennt,
das hilft nicht, aus der Situation herauszukommen.
Ich muss nach vorne schauen!

So sieht Jesus das:
Nicht in dem herumstochern, was war.
Sondern Gott suchen in dem, was auf mich zukommt.

Ein Schicksalsschlag ist kein Zeichen dafür,
dass Gott sich aus deinem Leben verabschiedet hat.

Meister Eckehart, der mystische Theologe aus dem Mittelalter, hat einmal gesagt:

„Der Mensch soll sich in keiner Weise je als fern von Gott ansehen. Weder eines Gebrechens wegen noch wegen einer Schwäche, noch wegen irgendetwas sonst. Und wenn dich auch je irgendetwas so weit abbringen möge, dass du dich nicht als Gott nahe ansehen könntest, so solltest du doch Gott als dir nahe annehmen“
(Deutsche Predigten und Traktate, hg. von Josef Quint, München 1985, S. 77f)


Teil II
Unabänderlich – aber nicht aussichtslos!
Wie sollen wir mit den Dingen umgehen,
an denen wir nichts ändern können?

Menschen, die mit einem Schicksalsschlag leben müssen,
also mit etwas, was nicht zu ändern ist,
die brauchen genau das, was mit dem alten Wort „Trost“ gemeint ist.

Aber was tröstet jemanden, der im Rollstuhl sitzt?
Wie tröstet man jemanden, der seinen Partner verloren hat?

Aus dem Judentum ist eine alte Trauersitte überliefert,
die sicher nicht nur im Trauerfall beherzigenswert ist.
Daniel Steuben, ein aus dem Elsass stammender Jude,
berichtet in seinen Reiseerinnerungen von diesem Brauch
(Eine Reise zu den Juden auf dem Lande, Augsburg 1986, S. 71):



„Während der achttägigen Trauerzeit kommen Männer und Frauen der Gemeinde, um ihr Beileid auszusprechen. Man betritt die Wohnung, grüßt sich wortlos, holt sich einen Stuhl und setzt sich zu denen, die man trösten will. Man seufzt, um zu zeigen, dass man den Schmerz teilt. Doch spricht man nur mit den Angehörigen, wenn sie das Wort an einen richten. Dann aber darf man über nichts anderes als den Gegenstand ihres Kummers sprechen“.

Das ist Trösten.
Das Einfachste ist wohl das Schwerste in einer solchen Situation.
Trösten heißt nämlich zunächst und vor allem anderen:
Da sein!
In dem Augenblick da sein, wo man da sein muss.
Dem Anderen seine Zeit schenken.
Und in dieser Zeit ganz aufmerksam sich ihm widmen.

Jeder kennt Menschen, auf die man gewartet hat, dass sie Zeit für einen haben,
und sie waren nicht da.
Und andere, mit denen man nicht gerechnet hat,
die waren da. Das war tröstlich.

Trösten ist: etwas aushalten helfen.
Und dann braucht man auch nicht viel zu sagen.
Man soll sparsam sein mit Worten.
Aus Verlegenheit neigen wir ja manchmal dazu,
etwas zu sagen, damit eben etwas gesagt ist.

Auch von Gott braucht man da nichts zu sagen,
und trotzdem ist der dann ganz nahe.

Wenn ich einen Schicksalsschlag verkraften muss,
brauche ich etwas anderes als einen Ratschlag.
Ich brauche Lebenskraft, um tragen zu können, was nicht zu ändern ist.
Diese Kraft bekomme ich nicht, wenn ich mir anhöre, was andere mir zu raten wissen.

Wahrscheinlich, wenn überhaupt,
bekomme ich diese Kraft
- den Trost -
nur, wo andre Menschen mir weder etwas einreden noch ausreden wollen,
sondern mich mit dem, was nicht zu ändern ist, gelten lassen.
Und bei mir bleiben.

Teil III
Menschen, die mit einer unabänderlichen Lebenssituation zu Recht kommen müssen,
dürfen sich nicht verlieren im Grübeln über das, was geschehen ist.
In dem, was ihnen begegnen wird, liegt die Kraft.
Menschen, die ein Schicksalsschlag getroffen hat, brauchen keine Ratschläge.
Sie brauchen Trost.
Trost, um neue Lebenskräfte zu sammeln.

Doch wie kann man die wenige Kraft,
die man in so einer Situation noch hat,
sinnvoll einsetzen?

Wie viel Energie bietet manchmal jemand auf,
um etwas aus seiner Welt zu schaffen,
was man im Grunde nicht,
oder nicht mehr,
aus der Welt schaffen kann:
eine Erkrankung, die sich als chronisch herausgestellt hat;
eine Behinderung, die dauerhaft an den Rollstuhl fesselt;
der Verlust eines lieben Menschen, der nicht mehr zurückkehren wird.
Und an meinem Leben, wie es bisher verlaufen ist,
kann ich auch nichts mehr rückgängig machen..

Jedes Lebensgeschick hat ja etwas Besonderes.
Und da gehört auch das, was mir zu schaffen macht, hinzu.
Gerade auch das Schlimme, was mir zusetzt,
macht mich zu dem einen besonderen Menschen, der ich bin.
Und diese Besonderheit kann ich nicht loswerden.

Das ist nicht einfach zu verkraften.
Selbst Jesus hat mit seinem Schicksal gehadert.
Als ihm klar wird, dass er bald verhaftet werden soll,
ringt er mit seinem Schicksal.
Aber er fragt auch nach dem, was wohl sein Weg, was der Wille Gottes sein könnte. Als er im Garten Gethsemane sich in diesen Willen Gottes hinein ringt,
sagt er am Ende:
„Nicht wie ich will, sondern wie Du willst!“ (Matth.26.39).
So lernt er, anzunehmen, was ist. Und darin etwas Gutes und Sinnvolles für sich zu finden.
Das möchte ich auch lernen:
Die Energie, die ich am liebsten einsetzen möchte, um ein Kreuz abzuschütteln,
darauf verwenden, es zu tragen.

Und das wünsche ich auch Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer,
wenn Sie in diesen Tagen einen Schicksalsschlag zu verkraften haben.

In einem Lied von Paul Gerhardt heißt es:

Gib dich zufrieden und sei stille
in dem Gottes deines Lebens!
In ihm ruht aller Freuden Fülle,
ohn‘ ihn mühst du dich vergebens;
er ist dein Quell und deine Sonne,
scheint täglich hell zu deiner Wonne.
Gib dich zufrieden!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4441
Ist Ihnen schon einmal einer begegnet: ein Engel?
Ich meine nicht in der Weihnachtszeit,
sondern so richtig, im wirklichen Leben:
ein Engel im Juni zum Beispiel.
Es hat einmal jemand gesagt:

„Alle Vernunft ist dagegen,
und alles gesunde Empfinden spricht dafür“ (Samuel Butler).



Teil I

Wenn Engel in unser Leben hineinfunken,
dann sind das sehr persönliche Erfahrungen.

In einem Brief
hat mir vor einiger Zeit eine junge Frau von einer solchen Erfahrung erzählt:

„Als meine Mutter noch eine Jugendliche war, da bekam sie in dem Kindergarten, in dem sie arbeitete, drei Bilder mit Bibelversen geschenkt. Mir, der Tochter, vermachte sie das Bild, auf dem ein kleines Mädchen über eine schmale Holzbrücke geht. Die führt über eine Schlucht. Das Mädchen scheint nichts davon zu bemerken, es strahlt und geht fröhlich seinen Weg. Denn ein Engel geht hinter ihm und breitet seine Flügel aus, um es vor dem Sturz in den Abgrund zu bewahren. Und unter diesem Bild stehen die Worte: Der Herr hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen (Ps 91,11). Dass dies nicht bloß leere Worte waren, sondern dass sie in meinem Leben wirklich und wahr geworden sind, das wird mir bewusst, wenn ich an den schweren Unfall denke, den ich als vierjähriges Kind hatte. Meine Mutter erzählte, ich habe damals schon mit einem Fuß im Grab gestanden, und die Ärzte hätten es als ein Wunder angesehen, dass ich davon kam“.

Engel haben ihre ganz eigene Stunde.
Sie machen sich bemerkbar in kritischen Augenblicken des Lebens.
Wenn es gefährlich wird,
tauchen sie auf und tun das, wozu sie von Gott beauftragt sind:
sie gehen mit,
führen hindurch,
sie tragen über eine abgründige Situation hinüber.
Und wie sie aufgetaucht sind, verschwinden sie auch wieder,
wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben.
Doch sie hinterlassen Spuren in uns,
- zum Beispiel eine tief empfundene Dankbarkeit -
nachhaltige Spuren, die den Menschen prägen,
der so etwas erlebt hat.
Natürlich kann man da nichts verallgemeinern und zu einer Glaubensnorm erheben.
Engel, so überraschend und flüchtig wie sie sind,
lassen sich nicht einfangen in einem Netz theologischer Sätze.
Und doch sind ihre Geschichten in sich gültig und wahr.
Der Mystiker Swedenborg hat einmal gesagt:
„Viele glauben, es sei alles ausgedacht.
Aber ich lasse mich nicht verunsichern,
denn ich habe gesehen,
ich habe gehört und ich habe gefühlt“.

Davon ist auch die Rocksängerin Jule Neigel überzeugt,
in einem ihrer Lieder heißt es:

Ich hab da plötzlich das Gefühl,
Sie sind ganz sicher um uns rum.
Du glaubst, es gibt sie nur im Traum
und im Evangelium.
Sie tragen keine weißen Flügel
und auch keinen Heiligenschein.
Sie sind gekommen auf die Erde,
um für uns alle da zu sein.

Sie folgen dir auf Schritt und Tritt
und schützen dich vor der Gefahr.
Sie schweben ständig in der Luft,
doch für deine Augen sind Sie unsichtbar.
Sie sorgen sich um unseren Frieden,
um zu helfen sind Sie hier.
Sie schauen uns von oben zu,
weil Sie weiter sehen als wir.

Wenn die Engel reisen geh’n,
dann wandern sie ganz leis‘
von Tür zu Tür.
Wenn die Engel reisen geh’n,
dann klopfen Sie auch irgendwann bei dir.
Wenn die Engel reisen geh’n,
dann lass‘ Sie rein zu dir.


Die Engel gehören in den reichen Schatz religiöser Erfahrungen der Menschheit.
Gleich erzähle ich Ihnen,
wie die christliche Vorstellung von den Engeln uns bis heute prägt.


Teil II
Die Kirche hat dem Gedächtnis der Engel einen eigenen Tag gewidmet.
Es ist Michaelis, der 29. September:
„Tag des Erzengels Michael und aller Engel“
vermerkt der liturgische Kalender der evangelischen Kirche.
Die katholische Kirche begeht am gleichen Tag
das „Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Raffael“
und drei Tage später, am 2. Oktober, das Schutzengelfest.

In der christlichen Vorstellung von den Engeln
sind zwei verschiedene religiöse Erfahrungen aus biblischer Zeit zusammen gekommen.

Da sind einmal die „Diener Gottes“,
der Prophet Jesaja vermittelt uns eine Ahnung davon:

„In dem Jahre, da der König Usia starb, sah ich den Herrn auf einem hohen und erhabenen Throne sitzen, und seine Säume füllten den Tempel. Seraphe standen über ihm. Ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien bedeckte er sein Angesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße, mit zweien flog er. Und einer rief dem anderen zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen! Die ganze Erde ist seiner Herrlichkeit voll“ (Jesaja 6,1-3).

Die himmlischen Heerscharen halten sich in Gottes allernächster Umgebung auf:
Vor dem Thron
- das ist das Zentrum der Macht schlechthin,
also genau die Stelle,
an der die Fäden der Welt, die wir Menschen nie zusammen bekommen,
zusammen laufen -
dort beten sie unaufhörlich den Herrn der Welt an.

Diese Engel strahlen etwas von der Unnahbarkeit Gottes aus,
von seiner Fremdheit.
Sie machen uns sensibel für die machtvollen Energien, die von Ihm ausgehen,
ja auch für das Unheimliche in Ihm, das uns manchmal zu schaffen macht.
Gott ist das Geheimnis,
das über unserem Leben und der ganzen Welt waltet.
Vor diesem Geheimnis
können wir uns,
zusammen mit den „Himmlischen Heerscharen“,
nur ehrfürchtig verneigen.

Daneben erzählt die Bibel in ihren ältesten Schichten
von sehr alltäglichen Begegnungen mit Engeln.
Die suchen die Menschen dort auf,
wo sie sich gerade aufhalten.
Etwa den müden Elia,
als er sich in die Wüste zurückgezogen hat und nichts mehr hören und sehen will:

„Da wünschte sich Elia den Tod und sprach: Es ist genug! So nimm nun, Herr, mein Leben hin.... Dann legte er sich unter einen Ginsterstrauch schlafen. Auf einmal aber rührte ihn ein Engel an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und als er sich umschaute, siehe, da fand sich zu seinen Häupten ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und Elia stand auf, aß und trank und wanderte dann kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg“ (nach 1. Könige 19,4-8).

Gott kann Menschen jemanden über den Weg schicken,
gleichsam inkognito,
um ihnen für einen kurzen aber entscheidenden Augenblick ihres Lebens
nahe zu kommen und herauszuhelfen.
In einem Lied von Rolf Krenzer heißt es:

Hände wie deine,
wie du sein Gesicht.
Und er kommt von Gott,
und du weißt es noch nicht
und wirst nie sicher sein.
Das kann ein Engel, wirklich ein Engel
gewesen sein.



Wir Menschen leben niemals unter einem abgeschlossenen Himmel nur mit uns selbst allein.
Unsre Welt ist durchlässig von oben her.
Gott besucht uns.
Darüber gleich mehr.

Teil III
Ich bin davon überzeugt:
Gott schickt auch heute Engel zu uns.
Er überrascht uns mit ihnen.

Manchmal fühlt man ja richtig eingezwängt in seiner kleinen Welt,
und es scheint sich überhaupt nichts zu bewegen,
so verschlossen zeigt sich der Himmel.
Und dann kommt jemand zu mir,
besucht mich,
wir kommen ins Gespräch,
es geht mühsam und schleppend,
aber ich fasse Vertrauen.
Und während wir so miteinander reden, spüre ich plötzlich, wie sich etwas verwandelt.

Es löst sich etwas, wo eben noch alles zu war.
Und im Nachhinein scheint es ganz seltsam:
Dass ausgerechnet dieser Mensch da bei dir gewesen ist,
und dass sich das Gespräch mit ihm gerade so jetzt ergeben hat,
das ist etwas ganz Besonderes.
„Dich hat der Himmel geschickt“,
diese Redewendung drückt es aus.
Da ist jemand aus einer anderen Welt zu mir gekommen.
Von dorther, wo man weiter sieht, als ich momentan gesehen habe.War es Zufall? Oder Gottes Engel, der da bei mir war?
Ich kann nie sicher sein.

Engel haben etwas Schwebendes.
Nicht wegen ihrer Flügel.
Sondern weil das, was sie tun, sich ganz und gar den Möglichkeiten Gottes verdankt.
Ich kann sie nicht herbeizitieren,
sie kommen einfach, wenn Gott sie schickt.

Im hebräischen Namen des Erzengels „Michael“ ist diese Erfahrung festgehalten.
Sein Name ist nämlich eine Frage:
Mi-cha-el heißt auf deutsch „Wer ist wie Gott?“.
Die Antwort darauf geben wir mit unserem Leben.
Sie hängt davon ab, wie offen wir sind für das, was Gott kann.
Welchen Stellenwert gebe ich den Dingen,
die mir zu schaffen machen?
Wie gehe ich mit Problemen um, die immer mehr werden
und mein Denken und Fühlen zuwuchern wie ein undurchdringliches Dickicht?

Lasse ich mich davon einschüchtern,
verkrieche mich und werde darüber ganz klein und ängstlich?
Oder sage ich mir:
Wer sitzt wirklich auf dem Thron?
Michael! Denn: Wer ist wie Gott!

Nichts und niemand, der mir das Herz schwer macht,
ist so mächtig wie Gott.
Keine Macht der Finsternis kann ernsthaft und auf Dauer mit ihm konkurrieren.

Mir gibt das Kraft, schwere Zeiten durchzustehen.
Und ich kann, solange die Kraft reicht,
mich wehren und kämpfen.
Und selbst wenn meine Kraft verbraucht ist,
bin ich nicht am Ende.
Davon bin ich überzeugt:
Die guten Mächte, die Gott schickt,
seine Engel,
hüllen mich ein,
wie ein Mantel aus Licht.
Darauf hat auch Martin Luther vertraut.
Und am Abend gebetet:

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,
dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast,
und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich Unrecht getan habe,
und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten.
Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.
Dein heiliger Engel sei mit mir,
dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3826
Ich war 14 Johr alt, wie de Krieg ausgebroche ist, und wie mein Vadder eirücke hat müsse. Er war erscht Ausbilder, und dann isser nach Oberotterbach komme in än Bunker. Und dann hot er den Bunker do befehligt. Und es war dann in der Silveschdernacht, die warn beinandgesesse in dem Bunker und hän Karte gespielt und hän sich erzählt.....

So beginnt eine pfälzisch-elsässiche Versöhnungsgeschichte,
sie ist Teil eines grenzüberschreitenden Projektes von Protestanten
in der Südpfalz und im Nordelsass.
„Wege der Versöhnung“, heisst das Projekt,
und an Pfingsten wird es von den Dekanaten Bad Bergzabern und Wissembourg
der Öffentlichkeit vorgestellt.

Teil 1
Heute über grenzüberschreitende „Wege der Versöhnung“
in der Region Bad Bergzabern / Wissembourg.

Vor drei Jahren haben der Bad Bergzaberner Dekan Manfred Sutter
und sein Weißenburger Kollege Marc Seiwert von der Protestantischen Kirche im Elsass
angefangen ihre Zusammenarbeit zu intensivieren.

Manfred Sutter:
Wir beide, der Marc Seiwert und ich, wir waren uns einig, gerade bei unserem Jugendprojekt, dass die Generation unsrer Väter und Mütter stark beseelt war - viele jedenfalls, nicht alle – von Versöhnung aufgrund der langen schweren Auseinandersetzungen mit dem Franzosen und dem Deutschen als Erzfeind. Gleichzeitig haben wir festgestellt, die Generation unsrer Kinder, da ist eher Gleichgültigkeit. Trotz zusammenwachsendem Europa, gibt es a) Grenzen in den Köpfen und b) so ein Stück Desinteresse aneinander.

Das ist eine Herausforderung gewesen für die beiden Theologen,
und sie haben überlegt:
Was können die Kirchen in dieser Tourismusregion konkret dazu beitragen,
dass die Menschen,
die diesseits und jenseits der deutsch-französischen Grenze leben oder Urlaub machen,
wieder stärker aufeinander zugehen?
So ist das Projekt „Wege der Versöhnung“ geboren worden.

Marc Seiwert, der Inspecteur, das heißt: Dekan, von Weißenburg:
Am Anfang, als wir von Versöhnung gesprochen haben, hat man uns sogar gesagt: Wie wollt ihr überhaupt von dem sprechen? Die Versöhnung, die ist ja geschehen, das ist nicht mehr nötig und so. Und dann haben wir haben gesagt:....... Es genügt nicht, dass die Leute auf beiden Seiten der Lauter beim andern einkaufen gehen, denn sie sagen........ : Ich brauch die Deutschen ja nicht zu treffen am Wochenende, ich seh sie auf der Arbeitsstelle oder im Einkaufszentrum, und man geht nicht weiter. Für uns war klar: Es ist nicht weil man sich trifft irgendwo zB in einem Einkaufszentrum, dass man sich kennt und dass man ein Stück Weg miteinander geht. Und dass man miteinander lebt. Und das ist eigentlich Ziel auch von dieser Sache, dass man weiter geht.

Deutschland und Frankreich sind seit mehr als einer Generation befreundete Nachbarn.
Freundschaft aber muss gepflegt werden,
auch zwischen Völkern.
Sonst schläft sie ein,
und es entstehen neue Ressentiments.

Wenn z. B ein Autofahrer sich nicht gut verhält auf der Straße, sagt man normalerweise: „Ah schau, wie der schlecht fährt“. Aber wenn er jetzt ne französische Nummer hat, sagt man; „Ah, das ist ein Franzos“. Oder umgekehrt: „Ah, das ist ein Schwob oder ein Pälzer“. Und das ists....

Bei solchen Dingen merkt man:
Die deutsch-französische Freundschaft
kann nicht bloß von offenen Grenzen und einer gemeinsamen Währung leben.

Manfred Sutter:
Als die Grundstückspreise im Elsass günstiger waren...., da gab‘s fast schon eine Invasion von Deutschen. Und eine Kollegin aus Niederroeteln hat mir erzählt: es gibt einen Straßenzug dort, da wohnen nur Deutsche und die machen ein Straßenfest auf deutsch und laden ihre Nachbarn nicht ein, das heißt sie wohnen in Frankreich! Und so stellen wir uns Versöhnung und Integration nicht vor.... Wenn man Europa will, dann muss man wirklich miteinander leben. Und wenn man in Frankreich wohnt, dann muss man sich dort integrieren.

Das Projekt „Wege der Versöhnung – Chemins de la réconciliation“ möchte helfen,
die Menschen in der pfälzisch-elsässischen Grenzregion wieder mehr zueinander hinzuführen.
Entstanden ist ein grenzüberschreitender Reiseführer,
zweisprachig und handlich,.
mit Überblickskarten und Routenbeschreibungen.
13 pfälzische Pfarrer und ein Ruhestandgeistlicher aus dem Elsass
haben daran mitgearbeitet
und Informationen zu 135 Kirchen der Region Nordelsass – Südpfalz zusammengestellt.
Diese Gotteshäuser sind für sich schon Orte der Versöhnung,
wenn man sich etwa die Kirche im französischen Froeschwiller anschaut,
die im Krieg zerstört war und danach wieder aufgebaut wurde.

Aber dieser ungewöhnliche Kirchenreiseführer erzählt auch von persönlichen Versöhnungsgeschichten.

Teil 2
Heute über das pfälzisch-elsässische Projekt „Wege der Versöhnung“.
Unter diesem Titel
haben der Bad Bergzaberner Dekan Manfred Sutter
und sein Weißenburger Kollege von der Protestantischen Kirche von Elsass und Lothringen, Marc Seiwert,
einen Kirchenreiseführer herausgegeben.
Das knapp 150 Seiten starke, in einer Auflage von 5000 Stück erschienene Buch enthält nicht nur Wissenswertes über evangelische Gotteshäuser diesseits und jenseits der Grenze.
Es stellt darüber hinaus auch Geschichten vor.
Wie zum Beispiel diese:

Wir sind von Hatten... von dere schwere Panzerschlacht nach Landau evakuiert worre ins Vincentiuskrankenhaus.... Und no isch de 18. März ... Landau schwer gebombardiert worre, und da ware mer noch emol im Feuer.

Die Elsässerin Colette Eisele war ein Kind,
als sie mit ihrer Familie die Schrecken des Krieges am eigenen Leib zu spüren bekam.

Und no simmer in de Schulkaller evakuiert worre, und s’nachts ist e Auto komme mit e paar Soldate und han mini Mutter und Großmutter mit ihre Kinder, die schwer verletzt gewan sin, nach Essingen geführt. Und es war midde in de Nocht, ich war 8 Johr, und dann haw ich geklopft annerer Tür. Und dann hät ma die Tür aufgemacht, das war das evangelische Pfarrhaus von Essingen. Und über Nocht simmer no im Pfarrhaus gebliwwe. Und der ondre Dah hawe se no e Zimmer gsucht, e Unterkunft für uns, un do hat die Frau Gerthäfner uns aufgenomme.

Eine Geschichte mit einem versöhnlichen Ausgang.
Eine von 20 Versöhnungsgeschichten zwischen Elsässern und Pfälzern,
die in dem grenzüberschreitenden Kirchenreiseführer gesammelt worden sind.
Zeitzeugen kommen hier zur Wort.
Nicht nur aus der Kriegszeit.

Manfred Sutter, Dekan von Bad Bergzabern:
Der Bogen spannt sich von 1870 bis 2008... also, das ist uns sehr wichtig, dass man nicht nur in die Vergangenheit schaut und was sie dort erlebt haben, sondern dass man sieht, wo gelingt das heute auch.

Ganz aktuell ist etwa die Geschichte über den allmählichen Wandel im Umgang mit dem 8. Mai.
Das ist in Frankreich der nationale Gedenktag zum Kriegsende.
Bis heute ein ganz wichtiger Feiertag,

Marc Seiwert, Dekan von Wissembourg:
Es war vor ein paar Jahren undenkbar, dass man einen grenzüberschreitenden Gottesdienst am 8. Mai feiert. Einen Gottesdienst fürn Frieden ja, aber unter uns, nicht mit Pfälzern und Elsässern zusammen. Und da muss ich sagen, dass wirs einfach gewagt haben... .. Jedes zweite Jahr feiern wir miteinander Gottesdienst. Auch in Bergzabern haben wir 8. Mai gefeiert. Und als Sieg eigentlich über die Mächte der Finsternis, nicht als Sieg über ein anderes Volk.

Von einem Sieg der Menschlichkeit in einem einst hart umkämpften Landstrich
weiß auch die Pfälzerin Hermine Lösch geborene Imhoff zu berichten.
Sie war 14 Jahre alt, als der Krieg ausgebrochen ist.
Ihr Vater hat damals als Feldwebel in einem Westwallbunker bei Oberotterbach
einen Trupp Soldaten befehligt.
Und es war in der Silvesternacht, hat er später erzählt....

.... Und plötzlich is enner von denne Wachmänner in de Bunker reinkomme und hat gesat: „Feldwebel Imhoff, es kommen feindliche Gestalde, die hän weiße Fahne“. Dann is mei Vater naus und wie se dann in Reichweite ware, hot er gerufe „Parole!“. Und die Soldate hän die Gewehre in Anschlag genomme. Und dann rufen die: „Kamerad, Kamerad! Bitte nicht schießen! Wir kommen in guter Absicht und mer wen den Krieg genau so wenig wie ihr“. Aller, und wie se dann sich näher gsehne hän, hot mei Vadder halt gsacht „Die Gewehre weg!“ und hat dann gesehne, dass die wirklich in guter Absicht kommen. Und dann hän die not mitnanner es Neijohr 39 uff 40, die Deitsche un die Franzose, im Bunker gefeiert.

In einem aggressionsgeladenen Umfeld
werden verfeindete Soldaten für kurze Zeit zu Freunden.
Eine Versöhnungsgeschichte, die zu Herzen geht,
nachzulesen in dem deutsch-französischen Reiseführer
der Dekanate Bad Bergzabern und Weißenburg,
Teil des Projektes „Wege der Versöhnung“.

An Pfingsten sollen diese Wege nun
zusammen mit der Eröffnung eines grenzüberschreitenden Bilderzyklus in Kirchen der Region offiziell vorgestellt werden.

Teil 3
Drei Jahre lang haben der pfälzer Dekan Manfred Sutter aus Bad Bergzabern
und der elsässische Inspecteur Marc Seiwert aus Weißenburg
Versöhnungsgeschichten gesammelt
und Informationen über die evangelischen Kirchen der Region zusammengetragen.
Aus diesem Material haben sie den Reiseführer „Wege der Versöhnung“ erstellt
mit Routen, die die Bauwerke miteinander verbinden.

Einen künstlerischen Rahmen für diese Wege
schafft ein Bilderzyklus des Malers Claude Braun,
der bei Wimenau, einem Dorf in den Nordvogesen, lebt:
Die Freske der Versöhnung.
Das sind elf Bildtafeln mit Versöhnungsmotiven,
die künftig in neun Kirchen diesseits und jenseits der Grenze dauerhaft zu sehen sein werden.

Marc Seiwert, der Dekan von Weißenburg:
Die Freske der Versöhnung, das ist ein ganzer Zyklus. Und auch anhand der Bibel. Und es geht darum, zu erklären, wie die Menschen von der Schöpfung erst miteinander gelebt haben in Frieden. Und dann kommt auch ein Bruch, und dann gibt’s Kämpfe zwischen den Menschen. Und die Menschen werden versöhnt durch den Knecht Gottes, durch Christus, durch die Bergpredigt. Das sind konkrete Schritte. Also, es geht nicht einfach so um Frieden. Frieden ist etwas so Statisches, man sagt „Sie leben in Frieden“, aber hier geht’s um einen ganzen Prozess.


1 ½ Meter hoch und bis zu drei Meter breit
sind die beschichteten Gipsplatten des Versöhnungszyklus,
Claude Brauns stilisierte Figuren darauf strahlen etwas sehr Dynamisches aus:
sie gehen aufeinander zu, reichen sich die Hände oder bilden Gemeinschaften.
Wer die farbenprächtigen Bilder alle sehen will, muss sich auf den Weg machen.
Denn sie sind auf 9 Kirchen verteilt. Auf der pfälzischen Route liegen die Marktkirche in Bad Bergzabern, die evangelischen Kirchen in Klingenmünster und Steinweiler sowie die Martinskirche in Billigheim.
In der Inspection Wissembourg werden neben der Weißenburger Johanneskirche die evangelischen Kirchen in Sesenheim, Hunspach, Niederbronn und Obersteinbach jeweils mit einer Bildtafel von Claude Braun ausgestattet.

Manfred Sutter:
Unsere Wege sind ja sowohl mit dem Auto erfahrbar - manche muss man auch mit dem Auto erfahren, der Freskenweg ist 175 Kilometer lang - manche kann man mit dem Rad .... fahren. Und einen, den würd ich besonders empfehlen: von Bad Bergzabern nach Wissembourg... an der Weinstraße entlang, dann Schweigen, durchs Hasselbacher Tälchen am Pauliner Stift vorbei, mitten durch die Weinberge....

Am kommenden Pfingstsonntag
soll das Projekt „Wege der Versöhnung“ mit Gottesdiensten in den Kirchen,
in denen die Fresken zu sehen sind, eröffnet werden

Marc Seiwert:
Pfingsten ist ja das Fest des Geistes und auch ein Fest, das über die Grenzen hinweggeht. Menschen verbinden sich mit verschiedenen Sprachen und sie können sich verständigen. Also wenn’s ein Fest gibt, wo die Grenzen gesprengt sind, also für uns auf jeden Fall als Christen - wo man auch in der Bibel liest, es soll keine Griechen mehr geben, keine Juden, aber vor allem Kinder Gottes - dann ist es an Pfingsten.

Der Heilige Geist, der an Pfingsten gefeiert wird,
führt Menschen zueinander,
wie unterschiedlich sie auch immer sein mögen.
Denn in den Augen Gottes
bin ich zunächst einmal weder ein Deutscher noch ein Franzose,
sondern in erster Linie bin ich schlicht und einfach ein Mensch. https://www.kirche-im-swr.de/?m=3667
Mehr als eine viertel Million Jugendliche feiern um Ostern ihre Konfirmation.
Ein Fest mit einer über 460-jährigen Tradition,auch heute noch ein großer Tag für die 13- bis 14-Jährigen.
Die Konfirmation gehört zu den gefragtesten Amtshandlungen der evangelischen Kirche.
Offenbar bringt sie denen etwas, die sich konfirmieren lassen.

Aber was ist das?

Konfirmation: ist das heute eher nur Konvention und Konsumfeier oder eine Sache mit Tiefgang?!

Teil I

Heute über die Konfirmation,
die in den Wochen vor Ostern in vielen Kirchengemeinden unserer Region vorbereitet wird.

Kennen Sie den?

Zwei Pfarrer unterhalten sich über die Fledermäuse, die sich im Kirchturm eingenistet haben.
Wie man die schnell und sicher wieder rausbekommt.
Und da sagt der eine:
Ich habe ein Super-Rezept dafür.
Ich habe die Fledermäuse getauft,
und danach habe ich sie konfirmiert.
Und weg waren sie.


Ein Witz, der nicht nur unter Pfarrern kursiert.

„Ich geh zum Konfirmandenunterricht,
damit ich am Ende die Geschenke und das Geld kriege.“,
das sagen Jugendliche inzwischen manchmal ganz offen.
Omas und Opas sind geschockt,
Eltern halten sich etwas heraus und sagen:
Das musst du selbst wissen,
es ist deine Entscheidung, ob du dich konfirmieren lässt.
Andere winken ab und haben’s ja schon immer gewusst.

Aber die Konfirmanden sind offener als viele glauben.
Das ist meine Erfahrung als Gemeindepfarrer über die Jahre hin.

Konfirmation nur der Kohle wegen?!
Man muss aufpassen, dass man nicht auf ein Klischee hereinfällt.
Die Wahrheit ist, wie immer, vielschichtiger.
Viele Jugendliche sind nämlich durchaus interessiert an der Religion.
Doch sie finden, wie die meisten Erwachsenen auch, nur schwer Worte dafür. Hinzu kommt:
Mit 13, 14 Jahren ist vieles im Umbruch begriffen.
Der geht bei einigen rascher, bei anderen langsamer.
Die Hormone spielen verrückt:
aus Kindern werden Erwachsene,
körperlich wie auch im Glauben.
Und auch das Bild vom „lieben Gott“ wandelt sich in dieser Zeit sehr.
Da schützt man sich,
indem man „cool“ bleibt und eben nicht das Innerste nach außen kehrt,
redet lieber von tollen Geschenken und Geld
als von sich selber und dem, was einem wirklich berührt.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an diese Zeit der Pubertät.
Sofern Sie damals konfirmiert wurden,
wissen Sie noch, warum Sie dabei waren?

Ich vermute, dass Sie schon eine Weile nachdenken müssen,
um sich heute an das Motiv von damals zu erinnern.

Ich habe mich damals konfirmieren lassen,
- es war im Jahre 1968 -
weil es alle gemacht haben, natürlich.
Aber auch, weil ich es selbst wollte
und das starke Bedürfnis verspürte, mit Gott in Kontakt zu kommen,
was auch immer ich mir als 14-Jähriger darunter vorgestellt habe.
In dieser Zeit habe ich oft heimlich gebetet,
habe versucht, das, was mich bewegt hat, Gott irgendwie mitzuteilen.
Und bin gerne mit meiner Oma, die eine tiefgläubige Frau war, in die Kirche gegangen.
Aber davon erzählt habe ich damals nie jemandem etwas,
schon gar nicht im Unterricht.
Da haben wir die vorgefertigten Antworten des Katechismus gepaukt
und ein bisschen Kirchengeschichte gelernt.

Offen miteinander über das zu sprechen, woran man glaubt
oder auch über die Dinge, die man anzweifelt,
dazu braucht man eine vertrauensvolle Atmosphäre.
Die entsteht manchmal, manchmal aber auch nicht.
Das hängt von der Konfirmandengruppe ab, in die man geraten ist,
auch von der Situation, in der die Jugendlichen daheim in der Familie leben.
Und natürlich auch von der Person des Pfarrers.
Das war früher nicht anders als heute.

Albert Schweitzer erzählt in seinen Lebenserinnerungen (Aus meiner Kindheit und Jugend, 1924):
„Für den Konfirmandenunterricht wurde ich zum alten Pfarrer Wennagel getan. Ich hatte große Ehrfurcht vor ihm. Aber auch ihm gegenüber verschloss ich mich. Ich war ein fleißiger Konfirmandenschüler. Nie jedoch hat der gute Pfarrer geahnt, was mein Herz bewegte. Und auf so vieles, was mein Gemüt beschäftigte, gab mir sein an sich gediegener Unterricht keine Antwort. Wie manche Frage hätte ich ihm gerne gestellt. Aber man durfte es nicht.“

Inzwischen darf man mehr als zu Albert Schweitzers Konfirmandenzeit.
Wie sich die Dinge verändert haben, darüber gleich mehr.

Teil II
Heute zum Thema Konfirmation,
ein Fest mit Tradition.

Wenn ich das Foto,
das vor 40 Jahren von mir und meinen Mitkonfirmanden gemacht wurde,
mit einem Gruppenbild meiner heutigen Konfirmanden vergleiche,
dann merke ich sofort:
Da hat sich einiges verändert!

Früher war’s eine Konfirmandenklasse,
die in einem Schulsaal frontal unterrichtet wurde.
Heute ist es eine Jugendgruppe.
Wenn ich mich mit ihnen treffe, dann ist das im Gemeindehaus oder in der Kirche,
wir sitzen in einer großen Runde im Stuhlkreis,
reden über Gott und die Welt,
und manchmal kochen wir auch was zusammen oder gehen miteinander Eis essen.

Natürlich bekommen auch meine Konfirmanden
ab und zu etwas zum Auswendiglernen auf,
und ich höre es auch ab.
Kernbestand sind noch immer:
die Zehn Gebote, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis,
die Worte bei Taufe und Abendmahl, und der Psalm 23.
Dieser eine Psalm gehört nach wie vor zur eisernen Ration für alle Lebenslagen,
sage ich den Konfirmanden, der muss sein!
Aber der Stil ist ein anderer geworden.

Heute ist klar:
Sie sollen freiwillig kommen,
denn nur dann kommen sie gern.

Darauf lege ich großen Wert.
Und sag’s ihnen gleich am Anfang:
Überlegt euch gut, ob ihr wirklich mitmachen und dafür Zeit investieren wollt;
es gibt eine Schulpflicht, aber keine Konfirmationspflicht.
Wenn ihr aber mitmachen wollt,
müsst ihr es durchziehen und etwas dafür tun.
Und das verstehen sie,
das kennen sie vom Sportverein, da gelten ähnliche Regeln:
Nur wer trainiert, kann aufgestellt werden!Der alte Pfälzische Katechismus aus dem Jahr 1869 hält fest,
was im Konfirmationsgottesdienst geschehen soll:


„In der Konfirmation bestätigen die Getauften nach vorangegangenem christlichem Unterricht durch ihr eigenes Bekenntnis den Bund ihrer Taufe und verpflichten sich zu einem frommen Leben nach Christi Lehre und Vorbild.“

Die Jugendlichen werden als mündige Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen.
Damit ist auch die Zulassung zum Abendmahl verbunden
und das Recht Taufpate oder –patin zu werden.

Als Vater der Konfirmation
gilt der elsässische Reformator Martin Bucer (1491 bis 1551),
der sie seit 1534 forderte
und zuerst in der sog. "Ziegenhainer Zuchtordnung" in der hessischen Kirche verwirklichte.
Nach und nach setzte sie sich durch,
seit dem 19. Jahrhundert ist die Konfirmation in ganz Deutschland üblich.

Warum war sie so erfolgreich? könnte man fragen.
Weil sie bis heute den Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenleben markiert:
Die Konfirmation ist ein Schwellenritual, wie die Religionssoziologen das nennen.


Früher begann mit 14 für viele der Eintritt ins Berufsleben,
man kam in die Lehre.
Eine neue Kleiderordnung war angesagt,
das sieht man deutlich auf alten Konfirmationsfotos:

die ersten langen Hosen für die Jungs,
das erste lange schwarze Kleid für die Mädchen,
und die ersten Schuhe mit höheren Absätzen!
Nach dem Gottesdienst war es mancherorts sogar üblich,
die Neukonfirmierten öffentlich mit „Sie“ anzusprechen.

Die Zeiten haben sich gewandelt:
Geblieben ist ein Familienfest in einer kritischen Lebensphase,
das gleichzeitig ein Kirchenfest ist und bis heute gern gefeiert wird.
Dass es dabei wirklich um mehr geht als ums Essen, das Geld und die Geschenke,

das erfahren Sie gleich.

Teil III
Was bringt die Konfirmation denen, die mitmachen?

Für die meisten, die sich anmelden,
treffen zu Beginn der Konfirmandenzeit ja Welten aufeinander.
Hier: die lockere Welt der „Kids“ unserer Tage.
Und dort: die Welt der Kirche,
für viele erst einmal eine angestaubte Institution mit der schweren Tradition der Jahrhunderte,
da sind ganz andere Klänge zu hören sind als dort,
wo man in Deutschland die Superstars sucht.

Ob diese Welten irgendwie zusammengebracht werden können!?
Und ob die Jugendlichen spüren:
Unter dem Ballast, den die Kirche mit sich schleppt,
liegt tatsächlich eine Quelle verborgen liegt,
aus der Menschen bis heute Lebenskraft schöpfen können!

Für mich als Pfarrer ist es immer wieder eine spannende Sache,
jungen Menschen beim Suchen nach dieser Quelle behilflich zu sein!
Dazu brauche ich jedes Jahr neu viel Geduld und gute Nerven.
Und vor allem muss ich offen bleiben für das,
was in Kindern, die eigentlich keine Kinder mehr sind, vorgeht.

Aufgeregt und mit feuchten Händen werden sie am Palmsonntag vor mir stehen,
- manche haben Probleme mit Eltern, die sich getrennt haben,
andre stehen in der Schule auf der Kippe,
wieder andere finden sich unattraktiv und haben Liebeskummer.
Und überhaupt: so im Mittelpunkt zu stehen, das ist für manche mehr als peinlich.

Jedem werde ich seinen Konfirmationsspruch zusprechen.
Dann werden sie niederknien.

Und ich erkläre ihnen vorher immer:
Ihr kniet nicht nieder vor mir,
sondern vor einer unsichtbaren Größe: vor Gott.
Der hat gewollt, dass es euch gibt.
Und Er wird euch nie im Stich lassen,
was immer auch geschehen mag auf eurem Lebensweg.
Das berührt die jungen Leute immer wieder.
Und noch etwas ist mir wichtig:
Wer vor diesem Gott niederkniet, sage ich den Kids,
braucht vor nichts und niemandem den Rücken zu beugen,
kann aufrecht durchs Leben gehen.

Dann lege ich ihnen meine Hände auf den Kopf
und segne sie mit folgenden Worten:

Nehmt hin den Heiligen Geist,
Schutz und Schirm vor allem Argen,
Stärke und Hilfe zu allem Guten,
durch die gnädige Hand Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.


Ob die 25 Mädchen und Jungen, die sich dies Jahr von mir einsegnen lassen,
davon was begreifen?

Ich bin mir sicher, sie ahnen etwas davon.
Und sie haben ja ein ganzes Leben lang Zeit, um es nach und nach zu verstehen.
Wenn man es denn überhaupt verstehen kann!

Noch einmal soll Albert Schweitzer (Aus meiner Kindheit und Jugend, 1924) zu Wort kommen.
Aus seiner Konfirmandenzeit berichtet er eine Begebenheit,
die offen macht für junge Menschen in diesem komplizierten Alter
und alle Skeptiker nachdenklich stimmen sollte.

„In den letzten Wochen des Unterrichts behielt Pfarrer Wennagel nach jeder Stunde einige von uns zurück, um mit jedem unter vier Augen über die Konfirmation zu reden. Als die Reihe an mich kam und er von mir erfahren wollte, mit welchen Gedanken und Entschlüssen ich der heiligen Stunde entgegenginge, fing ich an zu stottern und ausweichend zu antworten. Es war mir unmöglich, so gern ich ihn hatte, ihn in mein Herz blicken zu lassen. Die Unterhaltung nahm ein trauriges Ende. Ich wurde kühl entlassen. Bekümmert sagte Pfarrer Wennagel nachher zu meiner Tante, dass ich als ein Gleichgültiger zur Konfirmation gehe.

Was der alte Pfarrer gleichgültig nennt,
dazu würden heutige Jugendliche vielleicht „cool“ sagen:
Die Seele versteckt sich hinter einer betont lässigen Fassade.

Albert Schweitzer:
In Wirklichkeit ....war ich in jenen Wochen von der Heiligkeit der Zeit so bewegt, dass ich mich fast krank fühlte. Die Konfirmation war ein großes Erlebnis für mich....(Später) als Vikar von St. Nicolai in Straßburg habe ich an die zehn Jahre lang Konfirmandenunterricht erteilt. Wie oft habe ich da, wenn mir einer gleichgültig schien, an den lieben Pfarrer Wennagel und an mich denken müssen und mir dann immer gesagt, dass in einem Kinderherzen viel mehr vorgeht, als es ahnen lässt!“ https://www.kirche-im-swr.de/?m=3238
Würden Sie gerne ab und zu in einer jungen Familie Kinder hüten
und dafür jemanden haben, der Ihnen Einkäufe abnimmt?
Im südwestpfälzischen Pirmasens
gibt es seit kurzem ein Wohnprojekt,
das jüngere und ältere Menschen wieder mehr zusammen bringen will:
„PS: Patio - Lebensraum für Generationen“,
so heißt es.

Gefördert wird das Modell im Rahmen des Bund-Länder-Projektes Soziale Stadt.
Auch die Diakonie macht mit.
Es könnte zukunftsweisend sein
für neue Formen des Zusammenlebens der Generationen.
Wie dieses generationenübergreifende Wohnprojekt aussieht,
das möchte ich Ihnen in der nächsten halben Stunde erzählen,
hier in unserem SWR 4 Blickpunkt Kirche

Teil I
Marlies und Heinz Schultz leben in einem Dorf bei Pirmasens.
Sie haben ein großes Anwesen zu bewirtschaften.
Noch schaffen sie es,
aber sie machen sich seit einiger Zeit Gedanken über ihre Wohnsituation.

Als wir vor 30 Jahren geheiratet haben, sind wir zu den Schwiegereltern ins Haus gezogen und haben diese dann auch später bis zum Tode versorgt. Bei uns wird das nicht der Fall sein, weil unsre Tochter in Mannheim wohnt und beruflich auch bei uns nicht tätig sein kann. Und dadurch sind wir allein und müssen auch gucken, dass für unsre Tochter die Belastung später nicht so groß wird, dass sie sich Sorgen machen muss, wie es uns im Alter geht

Marlies Schultz ist 55 Jahre, Hausfrau und nebenher noch berufstätig,
ihr Mann 64 und in Rente.

Durch meine schwere Erkrankung sind wir eigentlich auf diesen Gedanken gekommen, uns zu verändern..... man weiß ja nicht, wie das dann ja wieder wird .... ... bleibt alles am Partner dann hängen. ... .

Seine Frau sieht das genauso.

Durch die Erkrankung meines Mannes macht mich sich dann schon Gedanken, dass man dann später versorgt ist und auch jetzt noch selbst Entscheidungen treffen kann und nicht alles anderen überlassen muss und auch dann nehmen muss, was man vielleicht gar nicht will.... es ist schön, wenn man das jetzt noch selbst entscheiden kann und das dann vielleicht auch noch genießen kann. .

Über die Kirchengemeinde sind die Schultzens aufmerksam geworden
auf das Projekt „Wohnen für Generationen“ im Winzler Viertel in Pirmasens.
Und sie haben konkrete Erwartungen:

Also unsre Vorstellung ist so, dass es einfacher wird, ohne Treppe, für später und auch vielleicht eine Eigentumswohnung, aber auf jeden Fall auch mit Terrasse und dass man raus kann und auch ein bissel grün drum herum. Also nicht nur eingeschlossen in vier Wänden.

Auch vom Zusammenleben mit anderen verspricht sich Marlies Schulz einiges:
Wir denken, dass jüngere Leute dann auch für uns etwas machen, zum Beispiel einkaufen und schwere Getränkekästen oder so was mal besorgen, oder, wenn man krank ist, auch mal in die Apotheke geht, oder vielleicht auch mal nur reinguckt und fragen, wies geht und dass einem das dann vielleicht, auch hilft eine Krankheit besser zu bewältigen.

Pfarrer Norbert Becker,
der Vorstand des Diakoniezentrums Pirmasens und Mitinitiator
des generationenübergreifenden Wohnprojektes
ist davon überzeugt, dass es funktionieren wird,
was das Ehepaar Schulz sich vorstellt.

In früheren Zeiten hat man sich gegenseitig in der Familie geholfen. Die Großeltern haben auf die Kinder aufgepasst, und die waren im Gegenzug da, wenn die alt gewordenen Eltern dann Hilfe und Pflege brauchten. Für vieles, was früher innerhalb der Familie geregelt wurde, ist in der langen Epoche in unsrer Gesellschaft der Staat und seine Institutionen, die Kirchen und andere Verbände eingesprungen. Und wir haben inzwischen ein großes Geflecht von Beratungszentren und Institutionen, wo Menschen sich Hilfe abrufen können. In Zukunft wird es wieder wichtiger werden, weil wir weniger über verwandtschaftliche Beziehungen verfügen, dass es so etwas wie Wahlverwandtschaften gibt. Wo Menschen sich mit anderen Menschen anfreunden und sich gegenseitig beim Leben helfen.

Nicht nur Blutsverwandtschaften können tragen,
auch Wahlverwandtschaften tun das.
Daran glaubt Pfarrer Becker.
Und darum ist auch die Diakonie in dieses Wohnprojekt eingestiegen.
Dazu gleich mehr nach der Musik.

Teil II
Wohnen im Alter –
das kann mehr heißen als nur das „betreute Wohnen“ oder die herkömmlichen Pflegeheime.
Wohnen als Alleinerziehende
- das könnte auch entspannter sein, als es für viele ist.
Im Winzler Viertel in Pirmasens ist das Projekt „Wohnen für Generationen“ angelaufen.
Vom Baby bis zur Oma sollen zwar nicht alle unter einem Dach,
aber doch in einem gemeinsamen Gebäudekomplex leben
und dadurch voneinander profitieren..

Pfarrer Norbert Becker vom Diakoniezentrum Pirmasens:
Das Winzler Viertel in PS war ehedem ein intaktes Wohnviertel, in dem es angenehm zu leben war. Alles, was für die Infrastruktur notwenig war, Einkäufe, Arztbesuche, Kirchengemeinden, all dies war und ist auch vor Ort. Über das Projekt PS: Patio in Verbindung mit der „Sozialen Stadt“ wollen wir den Versuch unternehmen, dieses Viertel wieder zu seinem alten Leben zu erwecken, so dass es also auch in Zukunft wieder schön sein wird in diesem Viertel zu leben.

Die Einwohnerzahl von PS ist seit Jahren rückläufig:
die amerikanischen Streitkräfte, einmal ein wichtiger Arbeitgeber,
sind inzwischen abgezogen;
die Stadt ist auch nicht mehr die Schuhmetropole, die sie einst war.
Das hat dazu geführt,
dass sehr viele Menschen ihre Arbeit anderswo gesucht haben und weggezogen sind.

In PS hat man sich aber dieses Problem derart zu eigen gemacht, dass man es als eine Chance sieht - man spricht ja in PS auch von „Schrumpfen mit Qualität“ - und hat ein besonderes Augenmerk auf die Stadtentwicklung gelegt. Und dieses Projekt PS: Patio, an dem die Bauhilfe, die städtische Wohnungsbaugesellschaft in PS, und das Diakoniezentrum PS, beteiligt sind, geschieht ja in enger Zusammenarbeit und auch auf Anregung der Stadt PS, die sich sehr stark auf dem Gebiet der Stadtentwicklung engagiert.

Die städtische Bauhilfe verfügte über eine große Anzahl von Wohnungen,
die am Markt nicht mehr zu vermieten waren und abgerissen wurden;
zurück blieb eine große Freifläche mit altem Baumbestand.
Das Diakoniezentrum brachte seine Erfahrungen in der Alten- und Jugendhilfe ein.
Und so wurde dieses Wohnprojekt – Lebensraum für Generationen –
aus der Taufe gehoben.
Der Name Patio erinnert dabei an das Stadthaus in der Antike.
Pfarrer Becker, der Mitinitiator des Projektes:

Um einen Patio, um einen Innenhof herum, gruppierten sich verschiedene Räume. Und aus den unterschiedlichen Räumen ist man sich in diesem Patio, im Innenhof begegnet. Und so geht dieses Wohnprojekt für verschiedene Generationen davon aus, dass Menschen sich gegenseitig beim Leben helfen, unterstützen können. Und dass das Ganze nicht aus Zwang heraus geschieht, sondern mit einem hohen Maß an Freiwilligkeit.

Geplant sind etwa 70 Wohneinheiten.
Und zwar in Modulform,
das heißt:
die Wohnungen oder auch Einfamilienhäuser sind in Größe und Ausstattung variabel,
sie können gemietet oder gekauft werden, je nach Gusto und Geldbeutel.

Es geht darum, Dinge, die früher ganz üblich waren, dass man sich gegenseitig half über die Gartengrenze hinaus, ... dass man also ein kleines Schwätzchen hielt, dass man diese Dinge wieder neu ins Leben ruft.

Nicht nur alte Menschen,
auch junge Familien, Alleinerziehende oder Singles
benötigen ein intaktes Lebensumfeld, das trägt.
Und darum geht es beim Wohnen für Generationen:
um aktive, lebendige Nachbarschaftshilfe.
Um künftige Nachbarn jetzt schon miteinander in Verbindung zu bringen,
gibt es eine Anlaufstelle mitten im Viertel:
der Projektladen.
Hier schlägt das Herz des Projektes.
Darüber gleich mehr.

Teil III
„Gemeinsam planen, bauen, wohnen und leben!“
Das steht in großen Lettern auf sattgrünem Hintergrund
an der Hauswand über dem Schaufenster eines ehemaligen Küchenstudios.
Geht man hinein,
betritt man einen hellen freundlichen Raum mit Sitzgruppe, Schautafeln und einem Tresen:
der Laden zu dem Projekt „Wohnen für Generationen“.

Die Stadt PS hat im Rahmen des Bund-Land-Förderprogramms „Soziale Stadt“
mit dem Projektladen das erste Bürgerbüro in einem Stadtteil geschaffen.
In der Winzler Straße 107,
ganz nahe beim Diakoniezentrum,
sind die Quartiersmangerinnen Cornelia Schwarz und Heike Sprau
die ersten Ansprechpartner für die Bewohner des Viertels.
Hier können sich die Leute informieren,
hier soll eine Drehscheibe sein für Ideen,
hier trifft man sich.

Es kommen Menschen hierher, die zum Beispiel ne Wohnung suchen..... Es gibt Leute, die Arbeit suchen, die hierher kommen. Wir haben Menschen dabei, die sich ... für das Patio-Wohnprojekt interessieren. Dann gibt es Leute, die einfach nachfragen, wo sie helfen können, anderen Menschen helfen können, die selber Hilfe brauchen, ob man da was vermitteln kann.

Das Vermitteln steuern helfen soll eine Quartiersbörse.
Ein schwarzes Brett, wo die Leute aufschreiben können,
was sie suchen bzw. anzubieten haben.
Kürzlich hat der Projektladen zum ersten Stammtisch für Interessenten
an dem Wohnprojekt eingeladen.

Die Leute sollten sich kennen lernen, das werden wahrscheinlich zukünftige Nachbarn sein. Es war wichtig für uns, dass die Leute einfach mal schnuppern, reinschnuppern, mal gucken, wer kann mein nächster Nachbar sein. Es waren 80 Gäste geladen, 40 etwa sind gekommen davon. Es war ne sehr lustige Runde. Die Leute waren sehr interessiert.


Darum sollen künftig regelmäßig solche Interessenten-Stammtische stattfinden.
Damit die Wohnprojekt-Idee publik wird
und die Leute wissen, worauf sie sich einlassen.

Die Quartiersmanagerin Cornelia Schwarz:
Spezielle Fragen gab es zum Beispiel: Wie groß werden die Häuser sein? Was wird man bezahlen müssen? Dann: Gibt es Balkon, gibt es Gärten? ..... Werden wir dazu verpflichtet, gemeinschaftlich zu leben? Und da muss man natürlich ganz klar sagen: das werden sie nicht.

Denn es geht darum:
Frei leben können und auch die Tür hinter sich zuziehen können,
wenn man das möchte.
Und doch nicht isoliert sein und vereinsamen,
sondern aufeinander zugehen!
Im Winzler Viertel leben viele alteingesessene Pirmasenser,
und darum auch eben viele alte Menschen.
Manche kommen kaum noch aus ihren Wohnungen heraus.

Ein großes Problem ist die Möglichkeit einzukaufen für die alten Menschen. Es ist zwar in unmittelbarer Nähe, aber eher für uns junge Menschen, denen das gar nicht auffällt. Wir setzen uns ins Auto, fahren da hin, gehen einkaufen und denken, das ist nahe. Für die alten Menschen, die hier leben, ist es zu Fuß furchtbar weit. Es wäre schön, wenn wir zum Beispiel einen Bus-Shuttle-Service einrichten könnten, der zweimal in der Woche die alten Menschen zum Einkaufen fährt, dass es ihnen einfacher fällt

Der Projektladen hat inzwischen schon gute Kontakte zur Nachbarschaft geknüpft:
gegenüber ist eine Bäckerei
daneben eine Apotheke,
da gehen ständig viele Menschen ein und aus,
und manche sind neugierig und gucken einfach mal vorbei.
Und auf die, die sich nicht reintrauen, muss man halt zugehen:

Zum Beispiel haben wir hier ne Metzgerei, wo man Mittagessen kann. Da gibt’s hinten dran ne kleine Kneipe, wo die Leute aus dem Winzler Viertel sitzen, ihr Mittag essen. Und ich denke, wir werden es so machen, dass wir jetzt im Laufe der Zeit ab und zu auch unseren Mittag dort essen. Dass wir mal einfach hören, was ist los im Winzler Viertel, vielleicht mal Probleme raushören, wo kann man helfen, was kann man machen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Projektladen liegt auch das Gelände,
wo die neuen Wohneinheiten für Generationen gebaut werden sollen.
Noch ist es eine schön begrünte Wiese.

Wir werden Spielnachmittage dort stattfinden lassen, wir werden vielleicht mal ein Picknick für Senioren dort machen, mit Kindern zusammen. Dass man einfach sieht: dieses Wohngelände ist schon ein Anfang .... wir verbinden Sachen, es soll nicht einfach ne tote brache Stelle sein,... sondern wir werden dort schon jetzt anfangen, bevor die Häuser stehen, um zu zeigen, da lebt was. .

Wenn die Häuser demnächst stehen und die ersten Bewohner einziehen,
wird sich bewahrheiten, was das Evangelium sagt:
„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“.
Geteilte Freude wird zur doppelten Freude,
wenn man aneinander interessiert ist.
Und an geteilten Lasten trägt man leichter,
wenn man bereit ist, verbindlich miteinander zu leben.
Christus hat es vorgelebt.
Und Menschen, die auf diese Weise das Leben miteinander teilen,
sind auf seinem Weg,
ob sie es wissen oder nicht. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1944