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Woche vom 17.04.2011 bis 23.04.2011




Kalle Grundmann

Von Kalle Grundmann, Koblenz, Katholische Kirche

Der Freund ist tot

Samstag, 23. April 2011     [Druckversion]

Der Freund ist tot. Gestern haben wir ihn zu Grabe getragen. Heute am frühen Morgen bin ich noch mal zum Friedhof gegangen. Ich stehe vor seinem Grab. Der sanfte Tau eines Morgens im Frühling hat sich über die Blumen und Kränze gelegt. Die Sonne bricht sich durch den Nebel, es wird ein schöner Tag werden. Alles drum herum ist voller Leben, blüht und grünt, aber mein Freund ist tot. Niemals mehr werd' ich seine Stimme hören, ein Glas Wein mit ihm trinken, ihn umarmen. Der Gedanke schmerzt und ich will ihn nicht zulassen. Aber ich komme nicht daran vorbei. Zu groß ist das Grab, das vor mir liegt. Ich zupfe ein wenig an den Blumen herum und lege die Kranzschleifen gerade. Dabei werden Erinnerungen an den Freund wach werden. Die machen ein wenig warm ums Herz. Nicht so, dass ich den Schmerz vergessen kann, aber doch so, dass ich ihn besser aushalte. Ein ganz seltsames Gemisch von Gefühlen entsteht: Trauer und Schmerz aber auch ein bisschen Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, für jedes gute Wort, jedes gemeinsame Glas Wein und jede Umarmung. So oder so ähnlich wird auch die Stimmung der Jüngerinnen und Jünger Jesu gewesen sein, heute am Karsamstag. Der Freund Jesus ist tot. Auch wenn es noch so schmerzt, die brutale Realität des Todes am Kreuz kann durch nichts aus der Welt geschafft werden. Sie kann nur ausgehalten werden. Aushalten, dass der Freund Tod ist, das ist Karsamstag. Von Ostersonntag, von der Auferstehung des Freundes haben die Jüngerinnen und Jünger an Karsamstag nichts gewusst, diese Hoffnungsperspektive hat es für sie nicht gegeben. Je älter ich werde, umso öfter stehe ich am Grab eines guten Freundes oder einer guten  Freundin. Umso öfter habe ich Karsamstag, muss ich mich im Aushalten üben. Und mit der Hoffnungsperspektive? Auch für mich ist es von Karsamstag bis Ostersonntag ein weiter Weg. Oft bleibe ich auf diesem Weg stecken und der Auferstehungsglaube ist nur ein dünner Hoffnungsschimmer. Und dann bleibt's beim Karsamstag, beim Aushalten.

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Füße waschen - nicht den Kopf

Donnerstag, 21. April 2011     [Druckversion]

Er hat ihnen die Füße gewaschen, nicht den Kopf. Für mich eine der schönsten Geschichten in der Bibel. Heute am Gründonnerstag wird sie vorgelesen. Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Es ist der letzte Abend, den Jesus mit seinen Freunden hat. Er weiß, dass seine Stunde gekommen ist, dass er bald gefangen genommen wird und das Schicksal seinen Lauf nehmen wird. Karfreitag steht vor der Tür. In dieser Situation hält er seinen Jüngern keine langen Vorträge. Nach dem Motto: Was ihr alles beachten müsst, wenn ich nicht mehr bei euch bin. Er macht etwas anderes, etwas, was wohl mehr wirkt als alle Worte. Er gibt ihnen ein Beispiel. Er wäscht ihnen die Füße. Zur damaligen Zeit, als die Straßen sehr staubig waren und man im warmen Israel wohl in erster Linie in Sandalen umherlief, war das eine große Wohltat. Aber, weil das ja nicht besonders schön ist, andern den Dreck von den Füßen zu waschen, war das eine Arbeit für Sklaven. Am Schluss der Geschichte, als Jesus allen die Füße gewaschen hat, gibt es dann schon einen moralischen Satz von ihm für seine Jünger: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe" (Joh 13, 14) Das ist eine Moral, die ich gut abkann. Eine Moral, die vom andern nicht mehr verlangt, als das, was man selbst einhält, was man selbst vorlebt. Eine Moral, die dem andern nicht mit Forderungen und Ermahnungen kommt, sondern mit Beispielen. Die dem andern nicht den Kopf wäscht, sondern die Füße. Ich weiß, dass meine Kirche sich leider sehr häufig nicht an diesen Leitsatz Jesu hält. Sie ist schnell dabei, den Menschen den Kopf zu waschen, zu glauben ihnen sagen zu müssen, wo es lang geht. Aber mit dem Füße waschen, mit dem Beispiel geben, da hapert es dann. Und weil ich weiß, wie schwer es ist - auch für mich selbst - mit gutem Beispiel voran zu gehen, wünsche ich mir von meiner Kirche zumindest ein bisschen mehr Zurückhaltung beim Kopfwaschen.

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Zu Fuß durch's Dorf

Mittwoch, 20. April 2011     [Druckversion]

Zu Fuß durch's Dorf, so lautet ein Slogan der kath. Landvolkbewegung im Bistum Trier. Zu Fuß durch's Dorf, damit will man die Menschen auffordern, einfach öfter mal das Auto stehen zu lassen. Die Leute aus dem ländlichen Raum im Bistum Trier, also hauptsächlich Menschen aus der Eifel und dem Hunsrück, sehen darin einen guten Beitrag zum Klimaschutz. Denn Schadstoffausstoß kann man am besten dann einsparen, wenn man gar kein Auto fährt. Zu Fuß gehen ist besser als jeder Katalysator. Besonders bei den kurzen Strecken, eben die im Dorf.
Zu Fuß durch's Dorf zu gehen ist aber nicht nur für die Umwelt gut. Auch für einen selbst, denn ein bisschen Bewegung schadet nie. Aber es geht nicht nur um die körperliche Fitness, sondern auch um das seelische Wohlbefinden. Wer zu Fuß geht, nimmt sich ein bisschen mehr Zeit. Er entschleunigt sein Leben, er macht alles ein bisschen langsamer und das ist nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele gut. Und wer zu Fuß geht, bekommt einen andern Blick. Man sieht die Dinge nicht nur im Vorüberhuschen, sondern man nimmt alles intensiver wahr. Die blühenden Blumen im Vorgarten des Nachbarn, das satte Grün der Linde und das Plätschern des Dorfbrunnens. Aber auch das Unkraut und hohe Gras in dem Garten an der Ecke, der früher immer so tiptop gepflegt war. Und vor allem: Wenn sich viele im Dorf dieser Aufforderung anschließen, dann trifft man auch wieder Leute auf der Straße. Es ist wieder Leben im Dorf. Und vielleicht trifft man dann auch einen, der weiß warum der Garten an der Ecke nicht mehr so tiptop gepflegt ist. Und wenn man weiß, dass der Besitzer mittlerweile nicht nur alt, sondern auch krank geworden ist und es einfach nicht mehr schafft, seinen Garten zu pflegen, dann kann man auch was tun. Rasen mähen und Hecken schneiden, auch wenn es nicht der eigene Garten ist, ist keine Schande. Eher ein Zeichen guter Nachbarschaft. Was für das Dorf gilt, gilt natürlich auch für die Stadt oder den Stadtteil. Zu Fuß gehen, Zeit nehmen, hinschauen und wo nötig handeln. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern verbessert auch das Klima unter den Menschen.  

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Erde und Licht

Dienstag, 19. April 2011     [Druckversion]

Erde und Licht - sonst nichts. Zwei große Tafeln aus Erde und dazwischen eine Säule aus Licht. Eine dreiteilige Installation. In der Kunst nennt man so was ein Triptychon, In unserer Kirche auf der Bundesgartenschau in Koblenz hängt so ein Triptychon. Es besteht nur aus Erde und Licht und sonst nichts. Die Landauer Künstlerin Madeleine Dietz hat es geschaffen. Vergleicht man das mit einem Triptychon aus früheren Jahrhunderten, so kommt einem das sehr einfach vor. Früher standen oft kunstvoll geschnitzte Figuren in den Tafeln oder aufwendige Gemälde erzählten die biblischen Geschichten. Aber in unserer Kirche auf der Bundesgartenschau geht es darum, die Dinge in eine einfache Sprache zu bringen. Eine Sprache, die bereinigt ist von zu dem Zuviel an Bildern. Für den mittelalterlichen Menschen war ein Bild etwas Besonderes. Bilder hingen in Kirchen, Rathäusern, bei Adligen und reichen Bürgern. Der normale Mensch konnte sich Bilder gar nicht leisten. Wir heute erleben täglich einen Bilderrausch; in Zeitschriften, Fernsehen, Kino und Computer überall Bilder. Da tut es gut, sich einmal auf das Einfache, Klare, auf Urelemente wie Licht und Erde zu beschränken. Und das Schöne - wie bei einem Triptychon im Mittelalter - erzählt auch unser Erde-Licht-Triptychon eine biblische Geschichte. Die Installation von Madeleine Dietz hängt in unserer Kirche über dem Altar, dort wo normaler weise ein Kreuz hängt. Und etwas länger betrachtet erkennt man in ihm auch eine Kreuzform. Die beiden Tafeln mit Erde sind kürzer als die Lichtsäule in der Mitte. Der Querbalken des Kreuzes sind die Tafeln aus Erde. Symbol für das Irdische, das Menschliche, das Sterbliche. Und die Lichtsäule in der Mitte, das ist der Längsbalken des Kreuzes. Symbol für das Himmlische, das Göttliche, das Lebendige. Für mich macht dieses Triptychon deutlich: Der, der da am Kreuze hing, war Gott und Mensch zugleich. Erde und Licht und sonst nichts. Eine einfache Sprache, die zum Wesentlichen führt. Etwas, was wir dringend brauchen in einer Zeit des Zuviels an Bildern, Eindrücken und Informationen.

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felsenfest wandelweise

Montag, 18. April 2011     [Druckversion]

Drei Tage ist die Bundesgartenschau in Koblenz schon alt. Mittendrin: die Kirche. „Felsenfest wandelweise" lautet ihr Motto auf der Bundesgartenschau. „felsenfest" das spielt auf den Ort an, an dem sich die Kirche präsentiert: Die Festung Ehrenbreitstein. Sie ist Teil des BUGA-Geländes und die alte Festungskirche ist jetzt die BUGA-Kirche.  „wandelweise" greift das allgemeine Motto der BUGA auf: „Koblenz verwandelt". „Felsenfest" und „wandelweise" sind Begriffe, die in einer Spannung stehen. Einerseits sind Wandel und Verwandlungen richtig und notwendig, aber genauso wichtig ist es, dass es im Leben immer auch etwas geben muss, dass Bestand hat. Aus einem festen Stand heraus kann man den Wandel weise gestalten. „Felsenfest wandelweise" so  will Kirche auf der BUGA den Gästen begegnen. Felsenfest sind die Themen der Kirche auf der Bundesgartenschau: Die gute Schöpfung Gottes, für die der Mensch Verantwortung trägt. Das Paradies, das viel damit zu tun hat, wie wir Menschen mit einander umgehen. Bewahrung der Schöpfung, Frieden und Gerechtigkeit, das sind kirchliche Themen - auch auf einer Bundesgartenschau. Gewandelt hat sich die Art und Weise wie die Kirche dort auftritt. Das Wichtigste: Es gibt nur eine Kirche auf der BUGA. In ihr engagieren sich die evangelische und die katholische Kirche -und noch einige kleinere christliche Kirchen. Diese eine Kirche auf der Bundesgartenschau betont die Einheit der Christen Und es ist eine bunte Kirche: Tausende wirken im Programm mit und 150 Ehrenamtliche engagieren sich im Besucherdienst. Sie empfangen die vielen Gäste der Bundesgartenschau und laden ein zu Gebet, Gottesdienst, Kunst, Gesang, Musik oder einfach nur zum Ausruhen und Hinsetzen. Denn in der Festungskirche ist es schattig und trocken und beides kann man - je nach Wetterlage - auf einer BUGA ganz gut gebrauchen. „Felsenfest - wandelweise"!
Herzliche Einladung zur Bundesgartenschau.

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