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SWR1 Begegnungen

08FEB2026
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Benni copyright:Privatfoto

Die SWR1 Begegnungen mit Sabine Winkler und „Pfannkuchenbenni“.

So nennt sich Benni nämlich auf der Social Media Plattform Instagram. Benni ist 17, geht in die 11. Klasse und seine Instagram-Videos erreichen auch mal über 100.000 Aufrufe. Finde ich beeindruckend, denn mit seinem Thema holt man normalerweise nicht so viele Leute ab. Benni beginnt nämlich seine Beiträge meistens mit: „Hey, ich bin Benni, ich bin Christ.“

„Also, ich rede über Glaube im Alltag, über Politik, was das damit zu tun hat, über Ehrenamt, über Engagement, über diese ganzen Dinge.“

Benni spricht offen über sein Christsein, hinterfragt und setzt sich kritisch damit auseinander. Er kommentiert, wenn Politiker sich auf Nächstenliebe berufen oder widerspricht christlichen Influencern, wenn sie mit der Bibel begründen, was erlaubt ist und was Sünde ist.

Benni wehrt sich immer dann, wenn Leute behaupten, sie wüssten ganz genau, wie Christsein „richtig“ ist – und dafür bekommt er dann regelmäßig Hasskommentare.

„Was ich total schade finde, weil es für mich auch zu meinem Glauben gehört, mal zu hinterfragen, was ich da eigentlich glaube oder wie ich glaube oder wie ich die Bibel lese. Und ich würde mir echt wünschen, dass das andere auch mal machen würden, ohne gleich pauschal in die Kommentare zu gehen und zu schreiben: ‚Ey, halt doch mal die Fresse.‘“

Wenn Benni über seine Erfahrungen in Social Media spricht, dann macht ihn vor allem eine Sache ziemlich nachdenklich:

„Also ich finde es krass zu sehen, dass Leute, wo ich mir denke ‚Ey,wir sind in derselben Generation und eigentlich glauben wir an denselben Gott‘, in manchen Meinungen und manchen Punkten so weit auseinandergehen von dem, was ich glaube. Aber ich kann es schon verstehen, weil es oft einfach mit der Lebenswelt der Menschen zusammenhängt“

Ich hab den Eindruck, dass er mit 17, schon gut einschätzen kann, warum er als junger Mensch heute offen und reflektiert ist: 

„Also ich habe das Glück, Eltern zu haben, die mit mir über solche Dinge diskutieren, über politische Themen, über gesellschaftliche Themen, über Glauben offen reden und das auch versuchen, differenziert zu machen. Und ich glaube, wenn sowas wegbricht, dann suchen Leute aus meiner Generation nach eindeutigen Antworten.“  

Das erlebt Benni ganz konkret auch in seinem Freundeskreis. Nicht nur beim Thema Glauben, sondern vor allem auch, wenn es um Politik geht. Da gibt’s dann manchmal einen Punkt, wo diskutieren nichts mehr bringt, sagt er. Weil jeder bei seiner Meinung bleibt. Aber dann wechselt man den Ort und bleibt trotzdem im Gespräch:

„Wir machen es dann in der Garage, bei einem Bier. Und das ist auch okay. Und ich finde es so viel schöner, dass man sich einfach mal zusammensetzen kann und normal reden kann.“

Je länger wir reden, desto klarer wird mir: Benni geht es nicht zuerst um Streitfragen., sondern um das, was ihn trägt.

„Also für mich ist Glaube viel in dem, was ich tue. Auch einfach jeden Tag aufzustehen und mir zu denken: okay, ich kann heute was Gutes tun, ich kann mich irgendwo engagieren, ich kann was machen und Leuten eine Freude bereiten.“

Das klingt nicht nach großen Worten. Sondern nach etwas, das sich im Alltag bewähren muss. Auch sein Gottesbild bleibt nah an konkreten Erfahrungen.

„Für mich ist Gott da, wo die Menschen sind. Und das ist, wenn ich was in der Schule mache, wenn ich in der Gemeinde engagiert bin, aber auch, wenn ich mit meinen Freunden feiern gehe… - überall da habe ich das Gefühl, da ist so eine Verbundenheit da, mit den Menschen und damit auch mit Gott.“ 

Benni ist gern mit Menschen gemeinsam unterwegs. Das klingt für mich nicht nach jemandem, der gesehen werden will, kein digitaler Influencer. Benni ist viel mehr jemand, der etwas bewirken will.

„Die Firmvorbereitung war so langweilig, dass viele Freunde von mir danach gar nicht mehr in die Kirche gegangen sind und auch überhaupt keinen Bock mehr hatten und ich mir halt gedacht habe: okay, eigentlich will ich nicht, dass es so langweilig bleibt.“  

Dieses „Ich will nicht, dass es so bleibt“ treibt Benni an und er engagiert sich: In der Schule, in der Kirchengemeinde, im Jugendgemeinderat, in einer Kinderstiftung. 

Mein Glaube entsteht viel aus den Dingen, die um mich herum sind. Deswegen bekomme ich auch mit, wo es Leuten in unserer Gesellschaft schlecht geht, wo große soziale Probleme sind. Und ich glaube, dass so was mich in meinem Glauben prägt.“

 Für Benni ist dieser Glaube aber nicht immer selbstverständlich:

„Wer ist Gott? Wo ist er überhaupt? Ist Gott gut oder schlecht? Wie spüre ich Gott? -  Es kommt immer wieder vor, dass ich auch mal an meinem Glauben zweifle und mir denke: Ich kann eigentlich gerade überhaupt nichts damit anfangen.“

Ich frage mich, ob genau dieses An- und Hinterfragen, das ist, was Gespräche offen hält - auch jenseits von Social Media.

Ein Thema, dass in unserem Gespräch immer wieder auftaucht: Der Blick zwischen den Generationen. 

„Ich finde es eigentlich immer spannend, alten Leuten zuzuhören, die noch was zu sagen haben. Weil auch wenn ich politisch vielleicht nicht immer einer Meinung mit ihnen bin, gibt es dann doch immer wieder so ein, zwei schöne Sätze aus einem Gespräch, die hängen bleiben.“ 

So geht es Benni auch mit seinem Opa. Er spricht viel mit ihm über den Glauben. Auch wenn sein Opa in manchen Punkten konservativer ist als Benni: 

Ich glaube, dass mein Opa und ich das ziemlich gut hinkriegen, weil wir eher sagen können: Okay, wir reden jetzt über soziale Gerechtigkeit, über Armut, über was auch immer und teilen da Positionen. Und deswegen schauen wir nicht auf die Punkte, in denen wir uns absolut uneinig sind, sondern da, wo wir sagen, okay, da sind wir beide dafür und kümmern uns darum vielleicht eher.“

 Benni zeigt Mut. Mir imponiert, wie er seinen Glauben offenhält – für Fragen und für den anderen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24JAN2026
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Auf dem Weg zum Einkaufen entdecke ich einen einzelnen Handschuh. Dunkelblau, aus Wolle, leicht feucht vom Regen. Jemand hat ihn auf einen Zaunpfahl gesteckt, so wie man das oft macht: als stilles Zeichen, dass er hier wartet. Ich gehe weiter, schaue auf meine Hand und denke: dieser Handschuh bedeutet etwas.

Ein Handschuh ist nur im Paar vollständig. Einer alleine wärmt schlecht. Und vielleicht fühlt sich genauso manchmal unser Leben an: als würde etwas fehlen. Ein Mensch. Ein Gespräch. Eine Aufgabe. Ein Stück Zuversicht. Die Leerstelle merke ich manchmal erst, wenn es in mir sehr kalt wird.

Ich bleibe stehen und schaue noch einmal zurück. Der Handschuh sieht fast verloren aus und gleichzeitig gut aufgehoben. Jemand hat ihn sichtbar gemacht. Nicht einfach liegen lassen. Und das finde ich schön. Da kümmert sich jemand um etwas, das ihm gar nicht gehört.

Menschen tun das öfter, als man denkt. Sie sehen etwas, das verloren gegangen ist – und lassen es nicht einfach liegen. Einen Menschen, der sich selbst nicht mehr findet. Sie hören zu, bleiben stehen, fragen: „Geht’s dir wirklich gut?“. Oder eine Stimmung, die abgerutscht ist. Einen Mut, der irgendwo unterwegs liegen geblieben ist. Und sie machen ihn sichtbar, damit ihn jemand wiederfinden kann.

Ich glaube, genau das ist christliche Nächstenliebe. Nicht große Gesten. Nicht Heldentaten. Sondern kleine Zeichen, die sagen: Du bist nicht allein.

Als ich weitergehe, denke ich an eine Stelle aus der Bibel: „Sucht, und ihr werdet finden“ (Matthäus 7,7). Das klingt oft groß, aber im Alltag heißt das einfach: Bleib offen. Halte Ausschau. Gib nicht auf. Denn vieles, was verloren wirkt, taucht wieder auf. Manchmal anders. Manchmal später. Aber oft überraschend.

Am Abend laufe ich denselben Weg zurück. Der Handschuh ist weg. Und ich stellte mir vor, wie jemand erleichtert und lächelnd davorsteht: „Da ist er ja!“ Ich freue mich über solche kleinen Happy Ends, selbst wenn ich sie nur denke.

Vielleicht passt dieses Bild heute zu Ihnen. Vielleicht spüren Sie eine Leerstelle oder eine Sehnsucht ohne Namen.

Dann möchte ich Ihnen sagen: Sie sind nicht verloren. Und das, wonach Sie suchen, hat mehr Geduld, als Sie denken. Manchmal reicht ein Moment der Achtsamkeit. Ein Gespräch. Ein leises Gebet.

Und vielleicht entdecken Sie heute selbst einen „verlorenen Handschuh“ im übertragenen Sinn – bei sich oder bei jemand anderem. Dann heben Sie ihn ruhig auf. Machen Sie ihn sichtbar. Zeigen Sie: Hier geht etwas nicht verloren.

Denn wir Menschen finden uns immer wieder. Mit Gottes Hilfe. Und vor allem miteinander.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

23JAN2026
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Schnee! Der erste Schnee für meine Jüngsten! Gut, es waren keine Massen in Esslingen, aber die Kinder hat es sofort vor die Haustür gelockt. Jacken, Mützen und Handschuhe waren noch nie so schnell angezogen und schwups waren wir draußen und haben Schneekugeln über den Boden gerollt, gelacht und durcheinander gerufen. Am Ende stand er dann da: ein schiefer Schneemann. Ich holte eine Karotte als Nase, und wir machten ihm zwei viel zu kleine Steine als Augen. Nicht perfekt, aber wir haben ihn geliebt.

Ein paar Stunden später war er schon wieder kleiner. Am Abend hing der Kopf schief. Und am nächsten Morgen war fast nichts mehr von ihm übrig.

Ich stand am Fenster und dachte: Das ist eigentlich ein erstaunlich ehrliches Bild vom Leben. Wir bauen Dinge auf – mit Mühe, mit Freude, mit Hingabe. Und manches davon hält. Und manches nicht. Ein Schneemann gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Und trotzdem würde niemand sagen: Warum habt ihr überhaupt einen Schneemann gebaut, wenn er doch eh schmilzt?“ Im Gegenteil. Gerade weil er nicht bleibt, ist er wertvoll. Er ist ein Moment. Ein gemeinsames Tun. Ein Augenblick von Freude.

Ich frage mich: Warum messen wir im Alltag so oft alles an Dauer und Erfolg? Warum denken wir, etwas sei nur dann sinnvoll, wenn es Bestand hat? Beziehungen, Projekte, Gespräche – wir wollen, dass alles hält. Aber das Leben funktioniert nicht so.

Auch Jesus erzählt immer wieder Geschichten von Dingen, die klein sind, vergänglich, unscheinbar. Ein Senfkorn. Ein Brot. Ein Moment der Nähe. Und trotzdem sagt er: Genau darin zeigt sich Gott.

Vielleicht ist der Schneemann deshalb ein gutes Bild für unseren Glauben. Glaube ist nicht immer stabil und monumental. Manchmal ist er brüchig. Manchmal schmilzt er. Manchmal bleibt nur eine Erinnerung. Aber das heißt nicht, dass er umsonst war.

Ich habe an diesem Morgen nicht getrauert, dass der Schneemann weg war. Ich habe mich erinnert, wie wir gemeinsam draußen standen. Wie kalt meine Hände waren. Wie laut das Lachen. Und wie gut sich dieser Nachmittag angefühlt hat.

Das mach ich jetzt öfter: Dinge nicht danach bewerten, ob sie bleiben – sondern danach, ob sie gut waren, solange sie da waren. Ein Gespräch. Ein Gebet. Ein gemeinsamer Moment.

Gott ist nicht nur in dem, was bleibt. Er ist auch im Vorübergehenden. Im Schnee, der schmilzt. Im Schneemann, der verschwindet. Und in der Freude, die bleibt.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22JAN2026
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Heute ist „Deutsch-Französischer Tag“ – ein Meilenstein nach Jahrhunderten von Kriegen, Feindschaft und Misstrauen.

Und gleichzeitig ist dieser Tag erstaunlich nah am Alltag. Denn Freundschaft entsteht nie von selbst, sie ist nicht selbstverständlich. Sie ist eine Entscheidung, und zwar immer von neuem.

Ich denke an einen Schüleraustausch im Elsass. Ich war noch jung, die Tasche gepackt, mein Kopf voller Vorstellungen, und gleichzeitig war ich auch unsicher. Wie wird das sein? Werde ich verstanden? Französisch war mir vertraut und fremd zugleich. Manches ging holprig, manches gar nicht. Am Anfang haben wir viel gelächelt, wenn uns die Worte fehlten.

Ich erinnere mich an diesen ersten Abend am Küchentisch der Gastfamilie. An Brot, das anders schmeckte. An Gewohnheiten, die nicht meine waren. Und an dieses vorsichtige Gefühl: Ich bin hier willkommen – auch wenn ich noch nicht alles verstehe.

Mit jedem Tag wurde es leichter. Nicht weil ich plötzlich perfekt Französisch konnte, im Gegenteil. Es wurde leichter, weil wir immer besser darin wurden, unsere Unterschiede auszuhalten und miteinander einen Weg zu finden.

Deutschland und Frankreich verbindet eine Geschichte voller Gewalt, Schuld und Verletzungen. Dass daraus Nähe geworden ist, war kein Zufall. Es brauchte Mut. Geduld. Gespräche. Und den Willen, nicht bei der Vergangenheit stehenzubleiben. So funktionieren auch unsere persönlichen Beziehungen. Freundschaften. Familien. Versöhnung ist nichts Abstraktes. Sie beginnt im Kleinen.

Freundschaft ist Arbeit. Und sie ist riskant. Denn wer sich einlässt, kann enttäuscht werden. Wer zuhört, verliert manchmal die bequeme Gewissheit, recht zu haben. Wer Brücken baut, steht eine Zeitlang ohne festen Boden unter den Füßen.

In der Bibel steht: „Selig sind die Friedensstifter.“ Nicht die Friedensliebhaber. Nicht die Konfliktvermeider. Sondern die, die aktiv etwas tun. Die aushalten, dass es holpert, dass Verständigung Zeit braucht und dass Versöhnung nicht sauber und glatt daherkommt.

Ich glaube genau das zeigt uns der Deutsch-Französische Tag: Vertrauen kann wachsen, wenn Menschen es wollen.

Vielleicht denken Sie heute an eine Beziehung, die kompliziert geworden ist. An ein Gespräch, das man schon zu lange aufschiebt. Dann kann dieser Tag Mut machen. Freundschaft beginnt selten perfekt. Aber sie wächst, wenn man dranbleibt.

Christlicher Glaube lebt von dieser Hoffnung: Trennung hat nicht das letzte Wort. Gott traut den Menschen zu, Friedensstifter zu sein – nicht nur in großen politischen Linien, sondern mitten im eigenen Leben.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

21JAN2026
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In dem Haus, in dem ich früher gewohnt habe, gibt es ein Treppenhaus, das abends ziemlich dunkel wird. Das Licht geht nur an, wenn man auf einen kleinen Schalter drückt.

Jedes Mal ist mir dann dasselbe passiert: Ich drücke den Schalter, das Licht springt an, es bleibt aber nie so lange an, wie ich es bräuchte. Irgendwann, zwischen zwei Stockwerken, geht es einfach wieder aus.

Ich erinnere mich noch gut an einen Abend, an dem es gefühlt besonders dunkel war: Ich habe Einkaufstaschen in der Hand, bin müde – und das Licht geht schon nach der Hälfte aus. Ich stehe da und schnaube: „Nicht jetzt.“ Ich drücke erneut. Das Licht springt wieder an. Und ich merke, wie mich dieser kleine Moment nervt – jedes Mal.

Auf dem Weg nach oben denke ich: Vielleicht ist das Treppenhaus gar kein Problem. Vielleicht zeigt es mir etwas über mein Leben. Denn genauso geht mir manchmal das innere Licht aus. Ich starte motiviert in die Woche, ich habe Kraft, Energie, Freude. Und dann kommt etwas dazwischen. Eine schlechte Nachricht. Ein voller Kalender. Ein Streit. Und plötzlich stehe ich im Dunkeln.

Es wäre doch viel besser, wenn mein inneres Licht dauerhaft hell bleibt. Dass ich stabil funktioniere. Dass ich belastbar bin. Aber so bin ich nicht gebaut. Mein Licht hat Phasen. Es flackert. Es geht aus. Es geht wieder an. Und manchmal brauche ich jemanden, der für mich drückt, weil ich es gerade nicht schaffe.

So ist es für mich wie mit Gott. Er ist kein Scheinwerfer, der alles hell macht. Sondern jemand, der das Licht immer wieder einschaltet: in mir, um mich herum, in Begegnungen mit Menschen. Manchmal gebraucht Gott dafür andere: ein gutes Gespräch, ein ehrlicher Blick, ein Satz, der mich trägt. Und manchmal geschieht es leise: durch Ruhe, durch Musik, durch Gebet.

Ich mag einen Gedanken aus dem Psalmenbuch: „Herr, Du machst meine Finsternis hell.“ Das heißt nicht: Du nimmst alle Probleme weg. Es heißt: Wenn mein Licht ausgeht, kommt Gott mir entgegen.

Als ich mir das bewusst gemacht habe, bin ich anders durch Treppenhäuser gelaufen. Ich ärgere mich nicht mehr so sehr darüber, wenn das Licht zu kurz an bleibt. Denn ich weiß, ich muss gar nicht alles im Dunkeln aushalten, ich darf auf jedem Stockwerk einen Schalter drücken.

Niemand muss permanent stark sein. Niemand muss alles allein schaffen. Niemand muss im Dunkeln stehen bleiben, wenn das Licht ausgeht.

Wenn Ihr Licht heute schwächer wird – drücken Sie ruhig. Einmal mehr. Und wenn Sie es gerade nicht können: Vielleicht ist genau das der Moment, in dem man sich tragen lässt. Von einem Menschen, von einem Wort, von einer Hoffnung, die größer ist als man selbst.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20JAN2026
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Ich habe beim Kochen eine Kleinigkeit versalzen. Nichts Dramatisches – aber ich habe mich geärgert. Über mich und dass ich unachtsam war. Und auch über diesen Moment, in dem ich dachte: „Jetzt ist alles ruiniert.“ Mein Mann probierte das Essen und sagte ganz ruhig: „Da fehlt ein bisschen Wasser. Dann passt’s wieder.“

Ich musste lachen. So einfach? Ein Schluck Wasser – und der Fehler löst sich auf? Ich habe es probiert. Und tatsächlich: Das Essen war wieder gut.

Seit diesem Abend denke ich öfter darüber nach: Wie oft halte ich mich an Fehlern fest, die sich eigentlich leicht ausgleichen lassen. Ich mache aus einem kleinen Missgeschick gleich ein Drama. Ich denke: „Das hätte nicht passieren dürfen.“ Und in mir wächst die Schwere, obwohl die Lösung manchmal ganz simpel wäre.

In Gesprächen mit Freundinnen merke ich, dass es ihnen ähnlich geht. Wir sind oft gnadenlos mit uns selbst. Wir vergeben anderen schneller als uns. Und wir erwarten eine Perfektion, die kein Mensch leisten kann. Wo kommt diese Strenge her? Und wem nützt sie eigentlich?

Ich finde in der Bibel ein Gegenbild. Da geht es nicht um Perfektion, sondern um Barmherzigkeit. Gott schaut die Menschen freundlich an. Nicht streng. Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Sondern mit einem Herzen, das weiß: Fehler gehören zum Leben. Und oft bringen sie uns sogar weiter. Wir lernen daraus. Wir wachsen daran. Und wir merken, wo wir Unterstützung brauchen.

Ich habe schon oft erlebt, dass etwas schiefgeht und später eine gute Wendung bekommt. Ein misslungenes Gespräch öffnet die Tür für ein ehrliches, klärendes Gespräch danach. Eine Enttäuschung macht mutig, Neues zu probieren. Ein Fehler im Alltag zeigt mir, dass ich mich nicht überfordern sollte.

Ich glaube, Gott erwartet nicht, dass wir fehlerfrei sind. Ich glaube, er wünscht sich Menschen, die freundlich mit sich selbst sind. Die sich nicht klein machen, sondern verstehen, dass jeder Tag ein neuer Anfang ist.

Seitdem ich das im Blick habe, reagiere ich anders. Wenn bei mir etwas daneben geht, atme ich einmal bewusst aus. Ich frage mich: Was braucht es jetzt, damit es wieder gut wird? Manchmal ist es ein Schritt zurück. Manchmal ein Gespräch. Manchmal ein kleines Gebet. Und manchmal – wie beim Kochen – einfach ein Schluck Wasser.

Ich muss meine Fehler nicht weg reden. Aber ich muss sie auch nicht größer machen als sie sind. Oft reicht ein bisschen mehr Barmherzigkeit – mit anderen und mit mir selbst.

Vielleicht erleben Sie heute auch etwas, das nicht ganz gelingt. Dann denken Sie daran: Es muss nicht perfekt sein. Nur menschlich. Das ist genug.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

19JAN2026
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Ich stehe beim Bäcker und warte auf meine Brötchen. Vor mir ist eine ältere Frau dran. Sie bestellt ruhig, lächelt freundlich – und als sie geht, sagt die Verkäuferin zu ihr: „Passen Sie gut auf sich auf.“ Ganz selbstverständlich, einfach so. Und die Frau nickt, als hätte sie genau das gebraucht.

Ein kleiner Satz und trotzdem bleibt er bei mir hängen. Vielleicht, weil er nicht belehrend klingt, sondern liebevoll. Vielleicht, weil ich solche Sätze viel zu selten höre.

Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Wir reden jeden Tag so viel: beruflich, privat, übers Handy, in Sprachnachrichten. Aber oft bleibt nichts davon wirklich bei uns. Es sind Worte, die wir schnell sagen und genauso schnell wieder vergessen. Und dann gibt es diese kleinen, einfachen Sätze, die etwas berühren. Nicht weil sie groß klingen, sondern weil sie ehrlich sind.

In meiner Arbeit begegnen mir oft Menschen, die solche Sätze brauchen: Zuspruch. Trost. Ein „Du schaffst das“. Ein „Ich bin da“. Und ich merke, wie schwer es mir manchmal fällt, sowas auszusprechen. Als würde ich mich damit zu weit öffnen. Oder als wäre es peinlich. Dabei ist es eigentlich ganz leicht.

In der Bibel sagt Jesus öfter kurze Sätze wie: „Fürchte dich nicht.“ „Ich bin bei dir.“ „Habe Vertrauen.“ Das sind keine komplizierten theologischen Reden. Das sind Alltagssätze. Warm. Direkt. Kraftvoll. Und sie verändern etwas in meinem Herzen.

Ich glaube, genau das können wir als Menschen auch.

Wenn wir einander ernst nehmen.

Wenn wir hinschauen.

Wenn wir nicht aneinander vorbeihasten.

An dem Tag beim Bäcker habe ich gemerkt: Worte können stützen. Sie können aufrichten. Sie können jemanden wieder ein Stück aufatmen lassen. Und dafür reichen manchmal drei, vier Wörter.

Seitdem versuche ich, bewusster zu sprechen. Ich sage meinen Kindern öfter: „Ich bin stolz auf dich.“ Ich sage Freundinnen: „Meld dich, wenn du jemanden brauchst.“ Ich sage mir selbst: „Es ist okay, wenn du müde bist.“ Worte schaffen Atmosphäre. In Beziehungen. In Familien. In uns selbst.

Vielleicht denken Sie heute auch an einen Satz, den Sie jemandem schenken könnten. Nicht groß, nicht perfekt. Einfach ehrlich.

Denn Worte haben Kraft. Auch die ganz kleinen.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

18JAN2026
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Heute beginnt in vielen Kirchen die ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christen. Eine Woche, in der Christen unterschiedlicher Konfessionen bewusst miteinander und füreinander beten. Dieser Gedanke ist einfach – und doch herausfordernd: Bete ich da für Einheit? Ich habe gemerkt: Das entscheidet sich dort, wo ich anderen wirklich begegne. Zum Beispiel, wenn ich ein Gespräch nicht abbreche, obwohl es anstrengend wird. Wenn ich jemanden nicht sofort in eine Schublade stecke, sondern nachfrage. Wenn ich mir im Stillen sage: Gott, hilf mir, diesen Menschen nicht als Gegner zu sehen.

Ich erinnere mich an folgende Szene: Eine Freundin erzählt mir von einem Missverständnis, das sich aufgestaut hat. Sie sagt: „Ich dachte, der andere versteht mich, aber wir meinen völlig unterschiedliche Dinge.“ Gelöst hat es sich erst, als sie nicht mehr erklären wollte, sondern gefragt hat. Und in diesem Moment wurde mir klar: Einheit ist mehr als Einigkeit. Einheit bedeutet: verstehen wollen, aufmerksam sein, dem anderen wirklich zuhören. Widerspruch aushalten und sich am Ende doch die Hand reichen können.

In der Bibel lesen wir von Jesus, wie er mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sicht- und Lebensweisen ins Gespräch kommt. Er versteht sie nicht immer sofort. Und doch sucht er Verbindung. Er lädt ein, über die eigenen Grenzen des Bekannten hinauszugehen. Und genau das ist Einheit: der Mut, Brücken zu bauen. Nicht um Unterschiede aus dem Weg zu räumen, sondern um sie in Nächstenliebe zu tragen.

Gebet kann so eine Brücke sein. Wenn ich bete, öffne ich mein Herz. Ich sage: Gott, ich brauche deine Hilfe, wo ich spalte, statt verbinde, wo ich richte, statt verstehe. Dort, wo eben mein Glaube kleiner ist, als meine Ärger mit dem Anderen.

Die ökumenische Woche lädt ein, nicht nur über Einheit zu reden, sondern sie zu leben. Ich denke an Menschen, die sich nicht immer verstehen – und einander trotzdem nicht aufgeben. Die ringen, widersprechen und verbunden bleiben. Wie bei einem Familienessen: unterschiedliche Meinungen, aber Platz für jede und jeden. So ist Einheit: nicht Gleichheit, sondern Verbundenheit im Unterschied.

Ich lade Sie ein: Beten Sie für Menschen, mit denen es schwierig geworden ist – und dafür, selbst nicht hart zu werden. Beten wir, dass wir Brücken bauen lernen, nicht Mauern. Denn Einheit wächst dort, wo wir einander begegnen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

27DEZ2025
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Zwischen den Jahren scheint die Zeit ein bisschen stillzustehen. Die Feiertage sind vorbei, der Alltag noch nicht zurück. Es sind besondere Tage. Für manche einfach Ferien. Für andere eine stille Schwelle. Irgendwo zwischen gestern und morgen.

Früher hat man diese Tage „Raunächte“ genannt. Nächte, in denen das Alte geht und das Neue noch nicht begonnen hat. Tage voller Fragen: Was bleibt zurück? Was liegt vor mir? Und wer bin ich dazwischen?

Ich mag diese Zwischenzeit. Weil sie mir erlaubt innezuhalten. Durchzuatmen. Und zu spüren: Was war gut dieses Jahr? Was schwer? Was nehme ich mit – und was lasse ich los?

Oft sind es ja nicht die großen Veränderungen, die das Leben prägen. Sondern die kleinen Bewegungen. Ein Gespräch, das etwas in mir verändert hat. Ein Abschied, der noch nachwirkt. Ein Moment, in dem ich gemerkt habe: So will ich eigentlich nicht weitermachen.

Die Raunächte laden ein hinzuhören. Nicht auf das, was laut ist – sondern auf das, was in mir klingt. Vielleicht auch auf das, was schon lange in mir ruft, aber zu oft übertönt wird. Vom Alltag. Vom Müssen. Vom Weiterfunktionieren.

Und gerade in dieser Leerstelle zwischen den Jahren liegt für mich ein Schatz. Weil ich spüre: Ich muss nicht sofort alles wissen. Ich darf erstmal fragen. Ich darf suchen. Und ich darf still sein.

Im biblischen Buch der Psalmen heißt es: „Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.“[1] Für mich heißt das: bewusst leben, nicht nur reagieren. Und wahrnehmen, wie kostbar diese Zeit ist – auch wenn sie sich ungewohnt anfühlt.

Vielleicht ist das die Einladung der Raunächte: Dass wir nicht einfach von Tag zu Tag springen. Sondern uns trauen, das Leben zu betrachten wie ein Bild – mit Licht und Schatten. Und mit Raum für Neues.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag in dieser Zwischenzeit – mit Momenten der Ruhe. Und der leisen Hoffnung, dass das, was kommt, gut sein wird. Auch dann, wenn wir es noch nicht erkennen.

 

[1] Psalm 90,12

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SWR1 Begegnungen

26DEZ2025
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Christina Brudereck (links) und Sabine Winkler copyright: Sabine Winkler

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Die ersten packen schon wieder zusammen. Bäume werden abgeschmückt, Pläne fürs neue Jahr gemacht, Silvester steht vor der Tür. Und zwischen Keksdose und Kalender sitze ich da und frage ich mich: Warum fühlt sich das so falsch an, wenn Weihnachten jetzt schon vorbei ist?

 „Bei uns steht der Weihnachtsbaum immer bis ins neue Jahr. Und wenn dann der Heiligabend, ich sag jetzt mal so ‚geschafft‘ ist, dann fängt für mich Weihnachten an. Und dann wäre es sehr schade, wenn das nach zwei Tagen schon wieder vorbei wäre.“                     

Christina Brudereck hat Theologie studiert. Sie schreibt Texte, steht auf Bühnen, spielt mit Worten – und sucht Sätze, die etwas in Bewegung bringen.

Ich treffe sie backstage, kurz vor einer Lesung und merke schnell: Weihnachten lässt sie nicht los. Nicht aus Gewohnheit oder Kitsch, sondern weil sie sich damit auseinandersetzt und jedes Mal etwas Neues darin findet.

„Ich bin jetzt Mitte 50 und wirklich, ich liebe dieses Fest wirklich. Ich feier es immer noch gern, aber es ist jedes Jahr ein bisschen anders, weil ich ja auch ein bisschen anders bin. Also die Traditionen sind so gleich. Aber ich bin ja jedes Jahr eine andere. Und ich glaube, in diesem Jahr ist mir das Kind besonders wichtig. Mir ist wirklich nochmal so klar geworden in der Vorbereitung: Hier steht ja wirklich ein Kind im Mittelpunkt – was für ein tolles Fest!“   

Für Christina bleibt das Kind nicht nur ein schönes Bild. Sie schaut hin – und merkt, wie verletzlich Leben ist. Wie schnell es Schutz braucht.

„Ich werde auch selber wieder so ein bisschen kindlich, also das finde ich auch schön. Ich meine damit gar nicht unmündig oder antiintellektuell oder sowas. Aber so ein bisschen ja, mal Dinge für möglich halten. Ein bisschen mehr Hoffnung haben…“

… eine Erinnerung daran, worum es an Weihnachten wirklich geht.

Die Weihnachtsgeschichte erzählt nichts Glattes. Da ist Herrschaft, die dem Kind nach dem Leben trachtet. Da ist ein Kind, das Schutz braucht und Menschen, die sich kümmern.

„Diese Welt ist nicht für jedes Kind sofort ein Willkommensort. Und dann gibt es gleichzeitig welche, die sich kümmern.“    

Für Christina ist das kein Rückblick in alte Zeiten, sondern ein Blick auf das, was heute zählt.

Vielleicht erklärt das auch, warum Weihnachten so viele Menschen anspricht, selbst ohne religiösen Bezug.

„Ich denke da jetzt vor allem an einen guten Freund, der sagt: Ich bin eigentlich Atheist und meine Familie ist eigentlich hinduistisch, aber irgendwie finde ich mich auf einmal wieder und grille ich eine Gans.

Und wenn ich dann tiefer nachfrage, dann sagt er: Ja, weil hier die Menschlichkeit gefeiert wird.“

In der Mitte steht ein Kind, Geburtlichkeit, neuer Anfang, Flucht – alles ist drin.

Christina nennt diese Zeit „Weltjahresbestzeit“. Weil Weihnachten etwas auslöst. Weil Menschen freundlicher werden. Weil sie einander mehr zutrauen.

„Die Weltjahresbestzeit ist schon der Advent mit Weihnachten. Vielleicht holt das Weihnachtsfest das Beste aus uns selber heraus.“

Was Christina Brudereck an Weihnachten bewegt, endet nicht am zweiten Feiertag. In ihren Texten sucht sie keine schnellen Antworten. Sie sucht Worte, die tragen, auch dann noch, wenn das Fest vorbei ist.

Sie erzählt mir von Südafrika. Sie war dort wegen ihres Theologiestudiums und verspürt dort an Weihnachten großes Heimweh. 

„Nach Kokosmakronen, der Küche meiner Mutter und der Welt meiner Kindheit. Und dann ist etwas ganz Interessantes passiert. Ich bin dann an einem Abend wirklich so ein bisschen durch die Gassen gestreift und fand mich dann in einem jüdischen Café wieder und dachte einfach nur „Oh, rote Granatäpfel, es riecht so lecker nach Apfelkuchen…“und hab gar nicht so richtig verstanden, wo ich hier bin. Und die haben mich aber eingeladen. Ich durfte dann mitfeiern. “

Es war Chanukka. Das jüdische Lichterfest, bei dem jeden Abend ein weiteres Licht angezündet wird – als Zeichen dafür, dass das Dunkel nicht das letzte Wort hat. Es wird ein schöner gemeinsamer Abend.

„Chanukka ist ein anderes Fest als Weihnachten, aber was Licht ist, verstehen wir schon beide. Und dass wir es beide brauchen und gemeinsam leuchten lassen können, ist ja eine wunderbare Erfahrung.

Ein alter Mann, ein Überlebender, hat mir dann am Ende gesagt: Das Wunder ist, junge Frau, dass es immer noch Licht gibt in dieser Welt.     

Trotz aller Unterschiede passt für sie das gemeinsame Feiern zusammen. Jesus sagt: Ich bin das Licht und ihr seid das Licht.

„Dass wir das Licht feiern in einer dunklen Welt, das kannst du auch mit Chanukka feiern.“

Für sie zeigt sich darin, was Weihnachten im Kern ausmacht. Nicht das perfekte Fest, das Essen, die Geschenke…

Sondern die Erfahrung, dass etwas wachsen kann – trotz Angst, trotz Dunkelheit.

„Weihnachten wurde schon in den absurdesten, dunkelsten Situationen gefeiert. Es ist ein widerständiges Fest.“    

Das, sagt Christina, kann man auch feiern, wenn man nicht religiös ist.

„Trotzkraft wäre mein anderes Lieblingswort. Also egal, mit wem du feierst, ob du alleine feierst, ob du arbeiten musst oder ob deine Familie wirklich ganz furchtbar ist. Aber „Trotzkraft“ zu sagen okay, dieses Fest ist widerständig, es gibt mir auch Widerstand und ich will aber, dass das Kind vorkommt, dass die Sterne vorkommen“

Trotzkraft. Weltjahresbestzeit. Und dieses kindliche Staunen, das Christina Brudereck wieder wachrufen will. Vielleicht ist das ihr größtes Geschenk:

Es erinnert nicht nur das Jesus-Kind zu feiern, sondern auch das Kind in uns. Das hoffen kann. Das Licht sieht und es weitergibt.

Und vielleicht klingt genau das noch nach in den nächsten Tagen: Diese Ahnung, dass wir die Werte, die wir feiern, auch selbst in die Welt bringen können.

Oder, wie Christina Brudereck es sagen würde:

„Mach mal eine Kerze an. Guck mal, was passiert.“

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