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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

23SEP2022
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Ist Gott logisch oder unlogisch? Wenn er unlogisch ist, wie kann ich dann an ihn glauben? In dem Buch „Oskar und die Dame in Rosa“, fragt sich das ein Zehnjähriger. Éric Emmanuel-Schmitt beschreibt das aus der Sicht eines Kindes wunderschön.

Der kleine Oscar steht nämlich in einer Kapelle und bekommt einen Schreck: Jesus hängt am Kreuz. So hat er sich den Sohn Gottes nicht vorgestellt. Jemand von göttlicher Abstammung, der muss doch stark sein. Der lässt sich doch nicht an ein Kreuz nageln und stirbt dann? Das geht nicht in seinen Kinderkopf rein.

Neben Oskar steht die Dame in Rosa. Er fragt sie, ob sie so einem gekreuzigten Gott vertrauen kann? Wie soll denn so einer einen beschützen? Sie antwortet ihm: „Oskar, wem fühlst du dich näher? Einem Gott, der nichts fühlt, oder einem Gott, der Schmerzen hat?“

Und das ist für Oskar ein wichtiger Punkt, denn er ist unheilbar an Leukämie erkrankt, das hat er von den Ärzten aufgeschnappt. Und weil seine Eltern es nicht schaffen mit ihm zu sprechen, vertraut er sich der Dame in Rosa an. Die gibt ihm den Tipp, sich Gott in Briefen mitzuteilen und ihm von dem, was er fühlt, und denkt zu berichten. Auch wenn Oskar Probleme damit hat, an Gott zu glauben, lässt er sich darauf ein und erlebt überraschende Einsichten, wie eben diese:

Gott ist nicht nur stark, mächtig und gut, er kann sogar leiden und Schmerzen haben. Noch dazu freiwillig. Denn mit Sicherheit wäre es ein leichtes für Jesus gewesen, sich zu wehren und damit nicht am Kreuz zu sterben. Aber er hat es getan.

Und damit zeigt Gott, er weiß wirklich um alles auf der Welt Bescheid. Gott kennt unsere Welt bis ins kleinste Detail. Er hat nicht nur Freude und Leid geschaffen, sondern er kann sie auch fühlen. Mit Jesus hat uns Gott gezeigt, dass er ein Gott ist, der weiß, was es heißt zu leben. Er ist ein einfühlsamer Gott.

Diese Einsicht von Oskar ist auch etwas, das mir gut tut. Denn wenn es mir schlecht geht und ich mich an ihn wende, dann weiß ich, dass da einer ist, der mich versteht. In meinen Sorgen und Ängsten bin ich niemals allein. Sogar, wenn ich eines Tages sterben sollte. Weil Jesus nämlich am Kreuz gestorben ist.

Bei so einem Gott kann ich mich geborgen und aufgehoben fühlen. Und so einem Gott will ich vertrauen. Ein Gott der Schwäche gezeigt hat, ist ein starker Gott. Daran glaube ich.

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