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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20SEP2022
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Meine Freundin zieht um. Als ich ihr ein paar Umzugskartons anbiete, winkt sie ab. So viel sei das gar nicht, was sie besäße. „Und was ist mit deinen Klamotten?“, frage ich sie und muss dabei an die vielen Kleiderkisten von mir denken, die ich bei unserem Umzug verpackt habe. Das passe alles bei ihr in einen Koffer rein. Sie beschränkt sich seit ein paar Jahren auf ein paar wesentliche Kleidungstücke, die sie gernhat und die sie gut kombinieren kann. Alles andere hat sie aussortiert, weggegeben oder teilweise sogar wieder verkauft.

Das beeindruckt mich schon ziemlich. Ich tu mich nämlich echt schwer Dinge wegzugeben. Vielleicht hat mich da auch meine Oma geprägt, wenn sie immer gesagt hat: „Nicht wegschmeißen! Es könnte ja noch zu passe kommen“. Deshalb hat meine Oma einfach alles aufgehoben.

Aber auch wenn ich mich schwer tue, mir ist auch klar: „Alles ist Windhauch“ (Koh 1,2f.) – wie es schon so schön im Alten Testament der Bibel heißt. Alles ist vergänglich, kommt und geht. Es gibt Dinge, die sind zwar langlebig, aber früher oder später werden sie den Besitzer wechseln. Warum sollte ich mich also an meinem Besitz im Leben festkrallen?

Nach dem Tod meiner Oma wussten wir gar nicht wohin mit den vielen Sachen und haben letzten Endes einen „Entrümpelungstrupp“ engagiert. Erst dann ist der Haushalt endgültig aufgelöst gewesen. Das eine sind schöne Erinnerungen, wie zum Beispiel eine gepunktete Vase. Aber es waren einfach auch unglaublich viele andere Dinge dabei, die wir nicht mehr gebrauchen könnten. Vieles noch brauchbar, aber einfach nicht für uns.

Und ich muss wieder an den „Windhauch“ denken: Welchen Vorteil habe ich von meinem Besitz im Leben? Wenn doch alles vergänglich ist? Meine Oma hat viel gesammelt und doch ist nicht mehr viel von ihrem Besitz übrig.

Deshalb habe ich wohl eher keinen Vorteil von meinem Besitz. Und bin ich inzwischen auch an dem Punkt angekommen, dass ich Dinge nicht mehr aufbewahren möchte, von denen ich mir nicht sicher bin, dass ich sie jemals wieder brauchen werde. Ich will mich einfach nicht damit rumplagen müssen. Ich will lieber meinen Besitz reduzieren und mich stattdessen anderen Dingen in meinem Leben widmen. Ich will mich lieber meinen Hobbies oder meiner Familie widmen, weil die Zeit zu schnell vergeht. Und alles eben Windhauch sein kann.

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