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24MAI2026
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Ich lebe allein. Nicht, weil ich keine Menschen mag oder nicht mit anderen zusammenleben könnte. Im Gegenteil. Ich bin mit drei Geschwistern groß geworden, habe in WGs gelebt und bin gern unter Leuten. Ich treffe Freundinnen, gehe ins Konzert oder sitze nach der Chorprobe noch mit anderen in der Kneipe. Und ich mag eben auch das Alleinsein. Nach Hause kommen und dort einfach meine Ruhe haben. Tun und lassen können, wonach mir gerade ist.

Natürlich gibt es Momente, in denen ich mich einsam fühle. Momente, in denen ich mir jemanden wünsche, der mit mir den Alltag meistert. Der daran denkt, dass endlich eine Lampe aufgehängt werden müsste oder der Wasserkocher entkalkt gehört. Oder jemand, der mich nach einem anstrengenden Tag einfach in den Arm nimmt. Aber diese Momente sind seltener als andere vielleicht denken. Meistens fühle ich mich in meinem Leben allein ziemlich wohl.

Lange Zeit hatte ich trotzdem das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Vor anderen und vor mir selbst. So, als wäre das Alleinleben nur eine Übergangsphase. Bis irgendwann „der Richtige“ kommt. Doch dann habe ich gemerkt: Es bringt nichts, mein Single-Leben mit anderen Lebensformen zu vergleichen. Oder gar gegeneinander auszuspielen. Menschen sind verschieden. Und Lebenswege verlaufen oft anders, als man sie sich einmal vorgestellt hat. Deshalb gibt es ganz unterschiedliche Arten zu leben: Familien mit Vater, Mutter und Kindern. Patchwork-Familien. Paare ohne Kinder. Alleinerziehende. Wohngemeinschaften. Mehrgenerationenhäuser. Geschwister, die zusammenwohnen. Und Menschen wie mich, die allein leben – freiwillig oder weil das Leben es so mit sich gebracht hat.

Entscheidend ist für mich nicht, wie Menschen leben. Sondern ob sie verbunden sind mit anderen. Ob sie Menschen haben, die ihnen guttun. Freundschaften. Nachbarinnen. Kollegen. Familie. Menschen, die zuhören und sich mit mir freuen – auch über Kleinigkeiten. Und die da sind, wenn es mal nicht so rund läuft.

Genau das hat für mich mit Pfingsten zu tun. In der Bibel heißt es, dass Gott seinen Heiligen Geist schickt – einen Geist, der Menschen miteinander verbindet. Der Verständnis wachsen lässt, trotz aller Unterschiede. Der hilft, ehrlich, friedlich und liebevoll miteinander umzugehen.

Vielleicht ist das die eigentliche Frage: nicht, ob jemand allein lebt oder nicht. Sondern aus welchem Geist heraus wir leben. Denn wo Menschen einander offen und liebevoll begegnen, da ist niemand wirklich allein.

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17MAI2026
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Ein verregneter Sonntagnachmittag, viel zu kalt für die Jahreszeit. Ich liege auf dem Sofa und mache etwas, das ich nicht wirklich gutheiße: Mitten am Tag schalte ich den Fernseher an und zappe mich durch die Mediatheken. Bei einer 16teiligen US-amerikanischen Serie bleibe ich schließlich hängen: „Das Haus David“ aus dem Jahr 2025. Was ganz Neues! Der Film erzählt die Geschichte vom Aufstieg des biblischen Hirtenjungen David zum König von Israel. Den biblischen Stoff lasse ich als Entschuldigung fürs nachmittägliche Fernsehen durchgehen – ist ja ein bisschen wie Gottesdienst. Inzwischen habe ich die ganze Staffel gesehen und warte sehnsüchtig auf das Erscheinen der nächsten. Wie das eben so ist, wenn es einer Verfilmung gelingt, einen in ihren Bann zu ziehen und für ihre Figuren einzunehmen.

Im Moment jedenfalls ist für mich klar: Es gibt keine spannendere biblische Gestalt als David. Um das Jahr 1000 vor Christus ist er Israels zweiter und wohl berühmtester König geworden. Dabei ist er am Anfang nur der jüngste von acht Brüdern eines Landwirts, meistens mit einer Herde Schafe unterwegs, irgendwo in der Steppe. Nicht im Blick, wenn es um wichtige Entscheidungen und die Vergabe von Posten geht. Wunderbar darum die Folge, in der der Prophet Samuel gerade diesen Außenseiter zum künftigen König salbt. Denn, so der biblische Begleittext, „ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ Wer wollte sich in diesen Worten nicht wiederfinden! Trotzdem ist der Weg auf den Königsthron für David noch mit vielen Hindernissen gepflastert. Weil er ein begabter Harfenspieler ist, wird er an den Hof des amtierenden Königs Saul geholt und ist dort als Musiktherapeut tätig. Seine Musik beruhigt und belebt den König, der an depressiven Stimmungen und aggressiven Schüben leidet. Seinen endgültigen Durchbruch schafft Davd, als er im Krieg gegen die Philister den bis an die Zähne bewaffneten Superhelden Goliath besiegt – mit einem einzigen Wurf aus seiner Steinschleuder. Der Kampf der ungleichen Gegner ist sprichwörtlich geworden, immer wenn sich ein völlig chancenloser Winzling gegen eine überwältigende Übermacht durchsetzen kann. Und natürlich gewinnt David schließlich auch noch die Hand der schönen Königstochter Michal. Aber sine Frauengeschichten werden erst in Staffel zwei erzählt. Ich kanns kaum erwarten!

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14MAI2026
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In der Bibel wird dieses Ereignis, die Himmelfahrt Jesu, so beschrieben: 40 Tage nachdem Jesus an Ostern auferstanden ist, ist seine Zeit auf der Erde, seine irdische Zeit, also nun endgültig vorbei. Er verabschiedet sich von seinen Jüngern und wird in einer Wolke hochgehoben in den Himmel. Die Jünger schauen ihm nach, bis er verschwunden ist. Zwei Engel beobachten das alles und fordern die Jünger dann sinngemäß auf: „Was steht ihr da rum und guckt in den Himmel? Auf jetzt!“
Die Engel erinnern die Jünger damit an etwas, das Jesus ihnen schon vorher aufgetragen hatte: Geht los, raus in die Welt, erzählt von mir und von Gott. Und lebt so, wie ich es euch gezeigt habe. Redet mit den Leuten, kümmert euch um die, die ungerecht behandelt werden, und vergesst nicht, was Nächstenliebe bedeutet.
Christi Himmelfahrt ist deshalb so etwas wie ein Tag des Aufbruchs.

Ich finde, genau das ist heute überall zu spüren: An keinem anderen Tag im Jahr sind gefühlt so viele Leute draußen unterwegs, unter freiem Himmel. Und dabei vermischen sich christliche Bräuche und weltliche Traditionen: Die einen ziehen in einer Prozession mit Kreuz und Fahne über Wiesen und Felder, und bitten für eine gute Ernte und um den Segen für die Schöpfung. Die anderen haben den Bollerwagen vollgepackt, mit kühlen Getränken und Musikboxen. Sind stundenlang unterwegs, von einem Dorf zum nächsten - und feiern. Den freien Tag, die Freundschaft, was auch immer.

Ich habe Christi Himmelfahrt immer als einen friedlichen Tag erlebt. Einfach nur draußen zusammen unterwegs sein. Ohne große politische Debatten, ohne einander zu beschimpfen oder zu belehren. Das ist kein Zufall. Wenn Menschen aufbrechen und sich bewegen, auf denselben Straßen unterwegs sind, dann verändert sich was. Sie kommen einander näher. Ich denke, das hat Jesus gewusst. Und deshalb hat er seine Jünger angewiesen, sich nicht hinter Büchern zu verstecken, sondern eben rauszugehen, auf die Straße, zu den Leuten.

Ich werde heute wahrscheinlich mit dem Rad unterwegs sein. Von einem Fest, oder, wie man im Schwäbischen sagt, von einer Hocketse zur nächsten. Hier ne Rote essen, dort ein Stück Kuchen genießen. Und zwischendrin Leute treffen oder einfach auf ner Bierbank sitzen und in den Himmel gucken. Und dann wieder aufbrechen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Himmelfahrtstag, wo auch immer Sie heute unterwegs sind, und ganz egal ob mit Kreuz oder mit Bollerwagen.

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10MAI2026
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Wir sitzen im Kollegenkreis zusammen und reden über diesen Sonntag heute, über den Muttertag. Es ist echt interessant, was ein Thema auf einen Schlag für Reaktionen auslösen kann. Eine Kollegin verdreht gleich die Augen. Eine sagt: „Ach, da kann man doch etwas echt Nettes im Radio erzählen.“ Eine andere meint: „Den Tag haben doch die Nazis eingeführt.“ Ganz nebenbei: Haben sie nicht. Der Verband der Blumenbinder hat ihn in den 1920ern eingeführt. Aber die Nazis haben den Tag benutzt, um ihr Bild von der „Deutschen Mutter“ zu propagieren.

Zurück zu unserem Dienstgespräch. Die augenrollende Kollegin sagt schlussendlich: „Mir brauchen meine Kinder am Muttertag nichts schenken. Wenn sie mir sonst das ganze Jahr auch keine Blumen schenken.“ Letzteres verstehe total. Also entweder soll jemand das ganze Jahr über aufmerksam sein oder gar nicht. Aber eben nicht nur an einem Tag.

Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob diese Begründung so schlüssig ist. Weil mit diesem Argument könnten wir doch alle Gedenktage abschaffen, oder? Warum gibt es zum Beispiel den Volkstrauertag? Weil wir uns immer neu daran erinnern sollen, wie viele Menschen in den letzten Kriegen gestorben sind. Und bei den christlichen Gedenktagen ist das genauso. Warum feiern wir einmal im Jahr Weihnachten und einmal im Jahr Ostern? Eben, dass wir uns daran erinnern, dass Gott Menschen geworden und Jesus auferstanden ist. Dass Gott uns begleitet. Im Leben und auch im Tod. Aber ist uns das immer bewusst? Jeden Tag? Mir zumindest nicht. Deshalb ist es wichtig, dass immer wieder zu hören und zu feiern. Zumindest an einem Tag im Jahr. Als Menschen brauchen wir solche Tage als Erinnerungshilfen.

Und so verstehe ich auch den Muttertag. Ich hab leider nicht immer parat, wie dankbar ich meiner Mama dafür bin, dass sie mich auf die Welt gebracht hat und jahrelang unglaublich viel Zeit in Windelwechseln, Kochen, Waschen und tausend andere Dinge investiert hat. Das habe ich eben nicht immer vor Augen.

Ok, nur Blumen zu schenken, ist wahrscheinlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber vielleicht ist der Muttertag eine gute Erinnerung meiner Mama zu sagen, wofür ich ihr dankbar bin. Das kann man auch das ganze Jahr über, richtig. Trotzdem ist heute dafür eine gute Gelegenheit. Und ich will sie nutzen.

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03MAI2026
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In ein paar Tagen wird er 76 Jahre alt. Die Rede ist von Thomas Gottschalk. Seine Fernsehkarriere hat er schon mehrfach für beendet erklärt, um dann doch wieder in irgendeiner Show aufzutauchen. Da ist der, der für viele auch im fortgeschrittenen Alter und trotz Erkrankung noch immer der Thommy ist, nicht besonders konsequent.  An anderer Stelle schon. Gefragt, ob er noch in der Kirche sei, antwortet er: „Solange ich mir Schuhe von Louis Vuitton leisten kann, solange kann ich mir auch die Kirche leisten.“ Da hat er leicht Reden – kann man jetzt sagen – hat ja auch Geld wie Heu. Stimmt. Und sowohl von Louis Vuitton Schuhen als auch von Thomas Gottschalk kann man halten, was man will. 

Was mir gefällt, ist sein klares Bekenntnis zur Kirche. Und seine versteckte Kritik an denen, die behaupten, sie könnten sie sich nicht mehr leisten. Mal ehrlich: Auch mit weniger Geld als Thomas Gottschalk können die meisten von uns entscheiden, was für sie wichtig ist. Und ich glaube, darum geht es: Sich ehrlich klarzumachen, was mir wichtig ist.

Warum mir die Kirche wichtig ist? Ein paar Beispiele: Weil sie mich geprägt haben, die kirchlichen Jugendräume, in denen wir früher die ersten Partys ohne Eltern gefeiert haben, und ich mir wünsche, dass es solche Orte auch heute noch gibt. Weil ich sie im wahrsten Sinn des Wortes notwendig finde, die Hilfsangebote von Diakonie und Caritas, zu denen ich Menschen schicken kann, die nicht mehr weiterwissen. Und weil sie mir am Herzen liegen, die Kirchen in unseren Städten und Dörfern, die oft geöffnet sind und Orte der Ruhe bieten. Zweckfreie Gebäude, Leerräume, in denen nichts produziert wird, die uns aber verbinden, mit so vielen, die vor uns waren und vorausgegangen sind.

Natürlich kann und darf nicht alles beim Alten bleiben, gerade in der Kirche. Natürlich wurden Fehler gemacht und sind wir Menschen nicht gerecht geworden. Und natürlich müssen wir uns täglich neu fragen, was es heute bedeutet, Kirche für die Menschen zu sein. Aber gerade deshalb bin ich Thomas Gottschalk und allen anderen, die uns die Treue halten, sehr dankbar. Denn im Gegensatz zu den Louis Vuitton Schuhen handelt es sich hier nicht um eine Geschmacksfrage. Vielmehr geht es um die Frage: Bin ich bereit, etwas beizutragen und einzubringen, auch wenn mir das vielleicht nicht immer und sofort etwas Zählbares bringt? Bin ich bereit, in Leerräume zu investieren, die es ermöglichen, dass Menschen sich getragen fühlen? Ganz gleich in welchen Schuhen ich durch mein Leben gehe.

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26APR2026
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Mitten in der Nacht passiert es: Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl explodiert und es kommt zu einer Nuklearkatastrophe. Heute, vor genau 40 Jahren. Plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich. Meine Eltern fragten sich damals: Dürfen die Kinder draußen spielen? Ist der Salat aus dem Garten noch essbar? Der Regen hat nämlich die radioaktiven Partikel, die der Wind her geweht hat, gebunden und auf Böden und Pflanzen verteilt. Eine Katastrophe von weit weg, ist plötzlich überall.

Tschernobyl ist nicht nur eine Explosion. Sondern ein Tag, an dem die Welt lernt: Der Mensch kann Dinge schaffen, die er schlichtweg nicht mehr im Griff hat. Und sie können sich auf jeden auswirken.

40 Jahre später frage ich mich: Haben wir die Lehren von Tschernobyl wirklich verstanden?

Damals ist es die Kernenergie, heute sind es andere Systeme, die ich selbstverständlich akzeptiere: Ich kaufe meine Bananen im Winter. Aber dafür erschöpfen langsam die Böden der Plantagen und verbrauchen so viel Grundwasser, dass Menschen dort nicht mehr Leben können und fliehen. 

Anderes Beispiel: Ich nutze Künstliche Intelligenz so selbstverständlich, wie Strom aus der Steckdose. Und denke nicht darüber nach, woher die Energie dafür kommt oder wie sich das auf Arbeitsplätze auswirkt, geschweige denn, ob es bei KI noch Kontrolle gibt.

Ich sehe den Fortschritt und was plötzlich möglich ist, bin dabei. Bis plötzlich der Regen radioaktiv ist oder Ernten ausfallen und Menschen woanders Arbeit suchen. Oder ein Algorithmus entscheidet, wer eine Wohnung bekommt. Und erst dann macht sich bemerkbar: Wir haben wieder nicht hingeschaut, bis es zu spät war.

Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft aus Tschernobyl den Mut ziehen, anders zu handeln. Nicht erst, wenn die Katastrophe da ist, sondern vorher: „Was könnte passieren? Wem schadet das? Wer trägt die Folgen?“

Doch ich weiß: Wenn ich nur auf andere zeige, mache ich es mir zu einfach. Auch ich muss mir die Frage stellen: Wie lebe ich, wo ich doch weiß, dass alles Konsequenzen hat?

Die Bibel spricht davon, dass uns die Welt anvertraut ist. Gott legt uns vertrauensvoll die Welt in unsere Hände. Wie etwas ganz Wertvolles, was wir uns ausleihen und unversehrt weitergeben an unsere Kinder.

Ich habe die Angst von 1986 nicht selbst erlebt. Aber ich lebe in einer Welt, die damals gelernt hat, wie fragil sie ist. Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe dieses Jahrestags: Nicht zurückzublicken, sondern nach vorn zu handeln.

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19APR2026
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Heute ist unser Freundschaftstag. Meine Schulfreundin und ich, wir haben das beschlossen, als wir noch in der Grundschule waren. An einem 19. April haben wir damals feierlich unseren „Freundschafts-Schatz“ vergraben – in einer Streichholzschachtel. Über vierzig Jahre ist das jetzt her. Aber unsere Freundschaft besteht noch immer.

Ein Kollege von mir vergleicht immer wieder seinen Glauben, seine Beziehung zu Gott, mit so einer langjährigen, tiefen Freundschaft. Weil er, so erklärt er es, Gott wie einem Freund vertraut und ihm alles erzählen kann, wenn er betet. Weil er überzeugt ist, dass Gott ihn manchmal besser kennt als er sich selbst. Und auch, weil er glaubt: Selbst wenn ich Gott in meinem Leben für eine Weile aus dem Blick verliere oder nur sporadisch an ihn denke, kann ich danach wieder anknüpfen. Unsere Beziehung hält das aus.

Mir leuchtet der Vergleich ein. Ja, so ist es in einer guten Freundschaft. Auch mit meiner Schulfreundin. Der Streichholzschachtel-Schatz ist inzwischen verschollen – aber unsere Freundschaft hat uns durchs Leben begleitet. Wir haben unsere Berufswahl diskutiert, Höhen und Tiefen unserer Beziehungen besprochen und unsere Babybäuche verglichen. Dabei haben wir nach dem Abi kaum mehr am gleichen Ort gewohnt und treffen uns nur wenige Male im Jahr. Aber wir kennen uns so gut, dass wir sofort wieder anknüpfen können, wenn wir uns sehen. Und wir sind so vertraut, dass wir einander nichts vormachen müssen – und auch nicht können. Diese Offenheit tut gut. Deshalb ist diese Freundschaft ist für mich ein echter Schatz. Ein Freundschaftsschatz eben.

Und so verstehe ich, dass mein Kollege auch seinen Glauben, seine Gottesbeziehung, mit einer Freundschaft vergleicht. Aber einen großen Unterschied sehe ich doch: Jede Freundschaft kann enden, auch wenn sie noch so alt und tief ist: durch einen üblen Streit, aber auch einfach, weil der eine oder die andere kein Interesse mehr am anderen hat. Gott dagegen, so bekräftigt es die Bibel an vielen Stellen, hält auf jeden Fall an uns fest – egal, was passiert, egal, was wir tun oder lassen. Im Buch des Propheten Jesaja ist das, finde ich, besonders schön beschrieben: Berge können von der Stelle weichen, heißt es da, und Hügel ins Wanken geraten. Aber meine Liebe weicht nicht von dir und mein Friedensbund wankt nicht. Das sagt Gott, der Erbarmen mit dir hat.

Für mich ist das eine wichtige Zusage. Die Beziehung zu Gott hängt nicht an mir. Aber es tut gut, sie zu pflegen. So wie andere Freundschaften auch.

Heute ist ein guter Tag für beides. Es ist Sonntag – und ich feiere Gottesdienst. Und es ist der 19. April, unser Freundschaftstag – und ich habe Zeit, mich bei meiner Freundin zu melden.

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12APR2026
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Ein Geistesblitz aus dem Jahr 1858 ist heute noch super wichtig für die Polizeiarbeit. Das kam so: Der englische Beamte Sir William Herschel sitzt wie jede Woche in der englischen Kolonialverwaltung im indischen Kalkutta und zahlt Löhne an die indischen Angestellten aus. Und wie jede Woche ärgert er sich, dass er an mehr Personen auszahlen muss, als eigentlich beschäftigt sind. Das liegt wohl daran, dass sich manche einfach zwei Mal anstellen. William Herschel kann weder die Unterschriften entziffern noch sich die vielen fremden Gesichter merken.

Irgendwann hat er dann die entscheidende Idee. Er taucht die Finger der Arbeiter in Farbe und drückt einen Abdruck neben die Unterschrift. Eine Idee, die später ganz wichtig wird für den polizeilichen Erkennungsdienst: der Fingerabdruck - bis in alle Einzelheiten ist er ganz individuell, er wird nicht vererbt und bleibt ein Leben lang unveränderbar.

Schon lange bevor William Herschel diesen Geistesblitz hatte, gebraucht der Prophet Jesaja ein ganz ähnliches Bild. Jesaja spricht in der Bibel von einem erstaunlichen Versprechen, das Gott uns macht. Die Menschen beklagen sich bei Gott. Sie haben das Gefühl, er habe sie vergessen und verlassen. Aber Gott antwortet bei Jesaja: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“

Das Gefühl von Gott verlassen zu sein – das gibt es nicht nur in biblischen Zeiten, sondern heute auch noch ganz oft. Vielleicht tut es gut, diesen Zuspruch Gottes wieder einmal zu hören: „Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“

Ich finde, mit diesem Versprechen geht Gott ein ganz schön hohes Risiko ein. Wenn er mich in seine Hände einzeichnet, dann bin ich ja Teil seines Fingerabdrucks, seiner Identität. Und zwar nicht nur auf Probe, sondern auf ewig. Wenn ich nun Mist baue, dann ist auch dieser Mist Teil des göttlichen Fingerabdrucks. Das ist zum einen ein riesiger Vertrauensvorschuss für jeden Menschen. Und zum anderen solidarisiert sich Gott dadurch mit mir, denn meine Fehler sind auch ein Teil von ihm. Vielleicht kann mich das anspornen, mein Leben so gut wie möglich zu gestalten. Und ich weiß gleichzeitig: Selbst wenn mal was schief geht, Gott betrachtet mich als unauslöschlichen Teil von sich selbst. Damit kann er mich nie fallen lassen oder vergessen. Ich bin eingeschrieben in seine Hand. Als ein kleiner Bogen, als eine Schleife oder ein Wirbel im göttlichen Fingerabdruck.

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06APR2026
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Früher, wenn ich als Gemeindepfarrerin einen Gottesdienst halten sollte, dann bin ich kurz vorher immer noch ganz in Gedanken gewesen. Ob ich auch an alles gedacht hatte - ob ein paar meiner Konfirmanden kommen würden … So bin ich zur Kirche gelaufen, bin rein gegangen, habe unsere Mesnerin begrüßt, die dabei war, die Kirche herzurichten: „Guten Morgen Frau Seehafer“. Und gewöhnlich bekam ich ein gut gelauntes „Guten Morgen Frau Pfarrer“ von ihr zurück.

An Ostern allerdings, hat sie mich kalt erwischt. Wie immer bin ich da in Gedanken versunken reingekommen – „Guten Morgen, Frau Sehafer...“ Aber sie, zurück, hat gesagt: „Christus ist auferstanden!“ – Und ich - bin erst mal verdattert dagestanden: „Mensch, stimmt – heute ist ja Ostern!“

Natürlich ist mit klar gewesen, was für ein Tag es war. Ich hatte ja auch über den Ostergottesdienst nachgegrübelt, der gleich beginnen sollte. Aber ich habe eben nur den Ablauf im Kopf gehabt – und nicht, dass heute wirklich Ostern ist.

„Christus ist auferstanden!“ – damit hat mich die Mesnerin aus meinen Gedanken rausgeholt – mitten hinein in dieses großartige Fest „Ostern“. Bei dem es ja nicht darum geht, ob alles glatt läuft, sondern ob der Funke überspringt. Ob ich im Gottesdienst bloß von Hoffnung rede – oder ob ich sie den Menschen wirklich zuspreche: Dass das Leben siegt, dass Jesus lebendig ist und der Tod nicht das letzte Wort behält. Genauso ist es umgekehrt: wenn ich etwas Osterfreude spüren will, dann klappt das am besten, wenn sie mir jemand zuspricht. Wie zum Beispiel meine Mesnerin, ganz nach alter Tradition: „Christus ist auferstanden.“ Und ich konnte jetzt auch richtig antworten: „Er ist wahrhaftig auferstanden.“

„Halleluja!“ meinte Frau Seehafer noch - und ist dann losgegangen um die Kerzen auf dem Altar anzuzünden. Ich habe mich auch wieder vorbereitet, habe mich aber auch noch eine Weile geärgert und bin mir ein bisschen blöd vorgekommen wegen meines ollen „Guten Morgen“. Guten Morgen - alles wie immer - wie im Alltag - immer ganz geschäftig… Dabei ist es doch Ostern gewesen. Das habe ich dann auch nicht mehr vergessen, ich habe den Ärger abgeschüttelt und ich und die Gemeine, wir haben Gottesdienst gefeiert; wirklich Gottesdienst, ein Fest: fröhlich und voller Hoffnung. Denn: „Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Ihnen allen: Fröhliche Ostern! Halleluja

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05APR2026
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Als ich noch Gemeindepfarrerin gewesen bin, da habe ich den Osternachtgottesdienst gern mit meinen Konfirmanden vorbereitet. Und in einem Jahr sollte der auf dem Friedhof im Freien stattfinden. Und sollte anfangen, wenn es noch dunkel ist, und um hineinzufeiern ins Licht des neuen Tages. Anfangen sollte er also um sechs. Und die Reaktion meiner Konfi-Gruppe darauf war totale Verblüffung: „Um sechs Uhr? – Sechs Uhr… morgens?“ Ein bisschen musste ich grinsen. „Aber Frau Pfarrer“ haben sie zu mir gesagt: „Da kommt doch keiner…“

„Doch doch“ konnte ich ihnen versichert. Denn die Osternacht ist immer gut besucht gewesen. Meine Konfis konnten das trotzdem nicht nachvollziehen. Und am Ostermorgen, um 05:45 Uhr, ich– ehrlich gesagt – auch nicht mehr. Es war dunkel, ich war müde und habe gefroren. Nach Ostern hat sich’s nicht angefühlt. Und ich hatte plötzlich selbst Zweifel, ob jemand kommen würde. Was gab es hier schon zu finden?

Aber dann sind ganz schnell die ersten Besucher aufgetaucht: wie Schatten zwischen den Grabsteinen – dazwischen auch mal das tanzende Licht einer Taschenlampe. Ganz schnell sind es immer mehr geworden. Und als alle ihren Platz gefunden haben - da geht es los: Eine Konfirmandin ruft uns allen zu – mit klarer, heller Stimme: „Christus – das Licht!“ Die übrigen Konfis antworten – eher leise und noch ein bisschen unsicher: „Dank sei Gott.“

Jetzt entzünden zwei von ihnen die fast einen Meter hohe Osterkerze. „Christus, das Licht!“ höre ich die Konfirmandin wieder sagen – und die Antwort der anderen: „Dank sei Gott.“ Es klingt schon kräftiger, und manche Gottesdienstbesucher sprechen jetzt auch mit.

Und als der Ruf: „Christus das Licht“ ein drittes Mal kommt, da bekomme ich endlich auch den Mund auf, und wir antworten alle gemeinsam: „Dank sei Gott.“

Dank sei Gott! Es ist eine tolle Osternacht gewesen, damals. Vielleicht gerade, weil ich erst so unsicher und verfroren dagestanden habe – und dann doch nicht allein geblieben bin mit meinen Konfis. Weil sich eine Stimmung breit gemacht hat – voller Hoffnung - während der Himmel langsam hell geworden ist... Die Vögel haben angefangen, zu singen – und wir haben mitgesungen: „Gelobt sei Gott“ und „Christ ist erstanden.“

Nach der Feier gab es übrigens noch Frühstück, drüben im Gemeindehaus. Und meine Konfirmanden sind alle mit. Denn sie sind zwar müde gewesen, gleichzeitig aber auch aufgekratzt und ziemlich lebendig. Lebendig und hungrig.

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