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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

14MRZ2026
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Als ich noch in der Schule war, habe ich mich immer wieder mal gefragt: „Warum haben die Erwachsenen so wenige Freunde?“

Freundschaften waren damals für mich ein Selbstläufer. Kaum war ich nachmittags von der Schule daheim habe ich das Familientelefon blockiert und ewig mit meiner Freundin gequatscht. Ständig waren wir im Kontakt.

Heute, viele Jahre später, merke ich, wie schwer es sein kann gute Freunde zu finden und mit ihnen im Kontakt zu bleiben. Zumindest, wenn man, wie ich, öfters schon mal umgezogen ist und außerdem immer wieder am Wochenende arbeitet.

Denn Freundschaften muss man pflegen. Und das geht nicht ohne Planung. Manchmal bin ich zu träge zum Organisieren. Und ehrlich gesagt, ist es auch schön, Sonntagnachmittags einfach aufs Sofa zu sitzen und zu stricken oder zu lesen.

Im Lukasevangelium, erzählt Jesus ein Gleichnis von Freunden und meint: Ein Freund ist einer, bei dem man, auch noch mitten in der Nacht anklopfen kann und Hilfe bekommt – oder auch drei Fladenbrote, wenn überraschend Besuch gekommen ist. Ich habe auch schon erlebt, wie gut es tut, wenn man einem Freund helfen kann.

Aber manchmal bekommt man gar nicht die Gelegenheit zu helfen. Ein Bekannter hat mir erzählt, wie er nach langer Zeit einen guten Freund getroffen hat. Er hat ihn gefragt: „Warum warst Du so lange von der Bildfläche verschwunden? Was war los?“ Sein Freund hat ihm erzählt, dass er eine schwere Zeit durchgemacht hat. Meisten sagen wir dann so etwas wie: „Ach, Du Armer. Das tut mir sehr leid. Das war bestimmt nicht leicht für Dich.“

Doch mein Bekannter meinte zu ihm: „Wie kannst Du nur so egoistisch sein? Du hast mir die Chance genommen, Dir zu helfen.“

Freundschaften leben nicht davon, dass alles glatt läuft. Sie leben davon, dass wir Dinge miteinander teilen: unsere Sorgen, unsere Zweifel, unsere Überforderung.Dafür sind Freunde da und so wächst Vertrauen.

Ich bin sehr dankbar für meine Freunde, die mir auch eine längere Funkstille nicht übelnehmen. Meine guten Freunde sind ein Geschenk des Himmels. Und ich will mit dafür Sorge tragen, dass es so bleibt.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13MRZ2026
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Ein Kollege klopft an der Tür. „Ich habe ein paar berufliche Probleme, über die ich mit Dir reden will. Können wir ein paar Schritte gehen und ich erzähl Dir davon?“

So gehen wir los. Der Himmel ist strahlend blau. Die Sonne scheint und ich genieße es, obwohl die Themen wirklich zum Kopfzerbrechen sind. Immer wieder unterbrechen wir und staunen. Weil einer von uns sagt: „Schau mal diese Farben.“ Weiß, orange, lila, blau, die Frühblüher machen so Freude.

Wir wählen unsere Strecke so, dass wir möglichst immer in der Sonne sind. Schritt für Schritt denken wir die Themen durch. Wir überlegen, was für Möglichkeiten es gibt und wo wir uns Hilfe von dritten holen müssen. Alles bekommen wir nicht gelöst, doch wir sind anschließend ein gutes Stück weiter.

Nicht immer gehe ich meine Themen so an, dass ich mir jemanden an meine Seite hole, der mich unterstützt. Und manchmal passiert es, dass ich in so eine Grübel-Schleife komme, die mir nicht guttut und mich auch nicht weiterbringt. Dann fühlt sich alles so schwer und kompliziert an und manchmal hört die Grübelei nicht einmal abends auf, wenn ich einschlafen will.

Bei dem Spaziergang zu zweit zwischen Schrebergärten und Feldern habe ich es anders erlebt. Wir zwei haben uns zwar bei der einen oder anderen Frage echt das Hirn zermartert. Doch es hat sich nicht nach Sackgasse angefühlt. Beim Gehen sind wir inhaltlich Schritt für Schritt weitergekommen. Dass wir uns bewegt haben, hat auch beim Denken geholfen.

Und geholfen hat sicher auch die Sonne und die schöne Natur. Wenn ich über die Natur staune, dann entsteht in mir so eine Gelassenheit und auch Dankbarkeit. Ich spüre, wie dankbar ich Gott für die Schöpfung bin. Dann denke ich: wie klein sind meine Probleme, verglichen mit der unendlichen Weite der Natur. Irgendwie lässt mich das bescheidener werden. In der Natur fällt mir auf, welch kleines Rädchen ich bin. Das tut mir gut. Dann nehme ich mich selbst nicht zu wichtig. Im Buch Hiob gibt es eine Diskussion zwischen Hiob und Gott, in der sich Hiob bei Gott über seine Probleme beschwert. Gott antwortet ihm: „Wo warst du, als ich die Erde gründete und zum Meer sprach: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!“? Ja, so denke ich dann auch. Ich überblicke nur einen kurzen Zeitabschnitt und sehe nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit. Und ich bin darauf angewiesen, mit anderen zusammen nach Lösungen zu suchen. Mit anderen Personen wie meinem Kollegen und auch mit Gott. Von Gott erhoffe ich mir, dass er mich bei meinen Entscheidungen leitet. Staunen statt Grübeln. Das sollte ich viel öfter tun.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

09OKT2025
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Im Urlaub war ich zu Gast bei Freunden von Freunden, die ich zuvor erst einmal gesehen hatte, und das war Jahre her. Ganz wohl war es mir nicht dabei, denn wir hatten uns selbst eingeladen. Was denken die Gastgeber über uns und unseren Besuch? Sind wir lästig? Freuen sie sich?

Es wurde zu einem wunderschönen Erlebnis, mit englischem Tee, Humor und Herzlichkeit und vielen Geschichten aus Jahrzehnten.

Gastfreundschaft ist etwas Wertvolles. Ich lerne so viel, wenn ich bei anderen zu Hause bin, über ihre Kultur, ihre Werte, ihr Leben, manchmal auch über ihren Glauben. Und ich freue mich, wenn alte Bekannte bei mir anklingeln und sagen „Ich bin demnächst in Eurer Nähe. Passt es, dass ich vorbeikomme?“

In der Bibel steht der Satz: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben manche, ohne es zu wissen, Engel als Gäste aufgenommen.“ Hier geht’s um mehr als ein Plauderstündchen. Gastfreundschaft hat damals bedeutet, ein Dach über dem Kopf zu haben, wenn man auf der Durchreise war, und einen gefüllten Magen. Auch das habe ich schon erlebt und bin dankbar dafür.

Ob ich als Gast ein Engel war weiß ich nicht, aber ich weiß, dass Gastgeber für mich schon zu Engel wurden. Einmal bekam ich einen Anruf, als ich gerade nach einer Fehlgeburt aus dem Krankenhaus kam. Und meine Freundin am Telefon sagte zu mir: „Packe deine Kinder ein und komme zu mir. Ich will für Euch da sein“. Und das hat so gutgetan, umsorgt zu werden, die Kinder fröhlich mit anderen Kindern spielen zu sehen und Freundschaft und Liebe zu spüren. Und abends war Zeit für Gespräche zu zweit und für Trauer und auch manche Tränen.

Ich will sie nicht vergessen, die Gastfreundschaft. Und ich bin tatsächlich froh darüber, wenn Freunde von selbst fragen: „Würde es passen, dass wir Euch besuchen?“ Denn das Leben ist so angefüllt mit Terminen und Aktivitäten, dass es bei mir manchmal einen Anstoß von außen braucht.

Gastfreundschaft erfordert von mir immer etwas Mut. Egal, ob ich selbst eine Einladung aussprechen will oder ob ich vorsichtig bei Freunden oder Bekannten anfragen will, ob ich bei ihnen vorbeikommen kann, immer ist da eine kleine oder größere Hürde, die ich überwinden muss. Vielleicht drucke ich mir den Satz aus der Bibel mit der Gastfreundschaft und den Engeln aus und hänge ihn mir als Erinnerung an die Wand.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

08OKT2025
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In einer Woche ist es wieder so weit: Dann findet in meiner Nähe das Krautfest statt und alles dreht sich ums Filderkraut. Ein Krauthobel-Weltmeister wird ermittelt, die Kinder zaubern Gesichter auf Spitzkrautköpfe und natürlich gibt es viele verschiedene leckere Krautgerichte: Krautwickel, mit Kraut gefüllte Rouladen, Schupfnudeln mit Kraut oder Krautkuchen.

Wussten sie, dass Kraut schon in der Bibel vorkommt.

Im Buch der Sprüche steht: Besser ein Gericht Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass. (Sprüche 15,17)

Welch passender Spruch zur Krautsaison. Hier geht es um viel mehr als nur um Herbstgerichte. Es geht um mehr als Gemüseliebhaber contra Fleischesser.

Es geht um das Atmosphärische, das bis zu einem gewissen Grad von den äußeren Umständen unabhängig ist. Es geht um den Geist, der in einem Haus lebt.

Der Mast-Ochse war zur damaligen Zeit das absolute Highlight der Saison. Fleisch kam nur selten auf den Tisch. Deshalb fieberte man auf dieses Festessen hin und wer nicht mitfeiern konnte, wurde zum Außenseiter.

Doch das luxuriöseste Essen ist nichts wert, wenn am Tisch schlechte Stimmung herrscht, eisiges Schweigen oder gar Feindseligkeit, wenn sich keiner für den anderen interessiert, oder wenn die Erwachsenen ausflippen, nur weil ein Glas Saft umgefallen ist.

Ich kenne Menschen, die mir erzählt haben: „Bei uns war nie viel Geld da. Wir haben einfach gelebt und im Urlaub haben wir bei der Großtante auf dem Hof gezeltet. Doch es war immer Liebe da und Zusammenhalt.“

Ich will die Einfachheit nicht glorifizieren. Wer bei Festen ausgeschlossen bleibt, weil kein Geld da ist, der kann hier nur müde lächeln. Genau wie jene, die die gedrückte Stimmung kennen, wenn vor dem Monatsende das Geld zuneige geht und nur noch Nudeln mit Ketchup auf den Tisch kommen.

Ob reich oder arm: Dahin sollte es uns ziehen, dass wir ins Miteinander investieren und auf Beziehungen setzen. Auch am Essenstisch. Denn erfahrene Liebe ist das, was im Leben wirklich trägt. Ich werde mich demnächst wieder mit frischem Sauerkraut eindecken. Und hoffentlich denke ich auch noch an den Spruch: „Besser ein Gericht Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass.“

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

07OKT2025
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Letztens hatte ich einen Aha-Moment: Ich habe erlebt, wie unterschiedlich Menschen zu Entscheidungen kommen. Klar, wusste ich das schon vorher, doch nun habe ich es bildlich vor mir gesehen, in bunten Profilen, die zum Vergleich nebeneinander ausgebreitet waren. Die farbigen Balken, die bei mir ganz ausgeprägt sind, waren bei meinem Nebensitzer kaum sichtbar. Und bei ihm dominierten Farben, die bei mir kaum vorhanden sind. Die einen entscheiden intuitiv –aus dem Bauch heraus. Die anderen nehmen sich im Vorfeld unheimlich viel Zeit zum Nachdenken oder Grübeln.

Mein eigenes Profil hat mir die Augen geöffnet. Ich bin eine, die Entscheidungen vorher am liebsten mit mehreren Gesprächspartnern bespricht, durchdenkt und deren Argumente und Aspekte gegeneinander abwägt. Andere, so habe ich gelernt, machen Entscheidungen eher mit sich selbst aus und schwingen sich dazu vielleicht aufs Fahrrad. Während sie strampeln und keuchen durchdenken sie alles Für und Wider. Und wenn sie zurück sind, wissen sie, was zu tun ist. Und wieder andere, die wollen viele Möglichkeiten praktisch ausprobieren, bevor sie sich entscheiden.

Es gibt nicht die eine richtige Art und Weise zu Entscheidungen zu kommen. Das habe ich noch mal neu für mich erkannt. Und ob ich mit meiner Entscheidung tatsächlich richtig liege, kann niemand sicher sagen.

Entscheidungen sind immer riskant, weil viele Dinge mit hineinspielen, die man vorher nicht kennt.

Also besser aussitzen, um ja keine falsche Entscheidung zu treffen? Leider auch keine gute Lösung. Denn manche Zeitfenster schließen sich, wenn man zu lange wartet.

Ich mache es so, dass ich Gott bitte, dass er mir beim Entscheiden hilft, gerade dann, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. So gewinne ich Mut und hoffentlich auch Weisheit. Und so hat es auch der Psalmbeter gemacht, der zu Gott betet:

„Gib du mir rechte Einsicht und Erkenntnis; denn deinen Weisungen vertraue ich.“ (Psalm 119,66)

Und sollte sich eine Entscheidung hinterher doch als falsch herausstellen, schaue ich, wo ich noch nachsteuern kann. Denn oftmals ist eine Sache doch nicht ein für alle Mal entschieden.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

06OKT2025
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Heute ist „Tag der Gewaltfreien Kommunikation“. Der 6. Oktober ist der Geburtstag von Marshal B. Rosenberg, dem Begründer dieser Methode, die dazu verhelfen soll, dass zwischenmenschliche Beziehungen besser werden und sich Konflikte lösen. Die Leute lernen, sich ganz auf den Gesprächspartner einzulassen, mit Empathie. Oder, um es mit einem anderen Wort zu sagen: mit Mitgefühl.

Ich bin keine Expertin für diese Methode. Aber ein Freund ist voll drin im Thema und erzählt mir immer davon, wenn er bei einem Fortbildungskurs war. Letzte Woche war es wieder so weit, und er meinte: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend ist, im Gespräch immer beim anderen zu sein. Immer hören, was mein Gesprächspartner braucht. Ich war abends schnitzelfertig.“

Die Bedürfnisse des Mitmenschen wahrnehmen, das war auch Jesus wichtig. Die Bibel erzählt, wie er einmal, als er in großer Runde unterwegs war, von einem Blinden laut gerufen wurde. Jesus ließ ihn zu sich führen und fragt ihn: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Und der Blinde antwortet: „Herr, ich möchte sehen können.“ Jesus sagt dann zu ihm „Sei sehend“ und im selben Moment kann der Blinde sehen.

Man kann jetzt erwidern, da hätte Jesus auch selbst draufkommen können, was der Blinde für einen Wunsch hat. Und doch ist es gut, dass er gefragt wird und es selbst ausspricht. Wie oft nehmen Leute nur an, zu wissen, was jemand braucht und werden dann schon tätig, und liegen in ihrer Einschätzung leider voll daneben. Bedürfnisse wahrnehmen. Darum geht es. Und dafür braucht es Empathie.

Mitgefühl braucht es nicht nur für mein Gegenüber, sondern auch für mich selbst. Die eigenen Gefühle wahrnehmen und verstehen, welche Bedürfnisse dahinterstehen, ist ebenfalls wichtig für gute Gespräche. Denn nur wenn ich meine Gefühle wahrnehme, kann ich verstehen, was in mir drin los ist und warum ich auf Menschen wie reagiere. Marshal B Rosenberg sagte den steilen Satz: „Wenn sich zwei Menschen verstehen, ist das ein Glücksfall.“

Schade eigentlich, mir wäre es lieber gewesen, das wäre der Normalfall. Doch üblicherweise braucht es mehrere Schleifen, bis wir uns sicher sein können, dass das, was mein Gesprächspartner mir vermitteln will, auch bei mir ankommt und umgekehrt.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass der heutige Tag einer mit gelingender Kommunikation wird.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15FEB2025
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Auf einem internationalen Seminar wurden wir aufgefordert, Kleingruppen zu bilden. Ich war in Gruppe 3. Damit sich alle Gruppenmitglieder finden, sollten wir 3 Finger hochstrecken. Als wir dann dicht beieinanderstanden, musste ich so lachen: Wir alle haben das ganz unterschiedlich gemacht, und zwar so, wie wir es von klein auf gelernt hatten. Der eine hat den Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger gehoben. Die andere, den Mittelfinger, Ringfinger und den kleinen Finger und ich, typisch deutsch, habe Daumen, Zeigefinger und den Mittelfinger genommen. Schnell haben wir ein Erinnerungsfoto von unseren ausgestreckten Fingern gemacht.

Im Gespräch ging's um das heikle Thema Geld. Bei allen Unterschieden haben wir auch viele Gemeinsamkeiten festgestellt. Der Kollege hat erzählt, wie sparsam seine Eltern waren, weil nie viel Geld da war. Ich konnte mich gleich mit der schwäbischen Sparsamkeit meiner Mutter anschließen. Nie hat sie eine Brotscheibe weggeschmissen und wenn sie noch so trocken geworden war.

Dann haben wir uns darüber ausgetauscht, wer für was wieviel Geld ausgibt. Und wieviel Prozent unseres Einkommens wir spenden. Das war schon besonders, denn normalerweise spricht man da ja eher nicht drüber. Allen war wichtig, vor großen Kaufentscheidungen nachzudenken.

Die Kollegin meinte, dass sie jedes Mal, bevor sie etwas kauft, ein Gebet spricht. Und dass sie größere Dinge erst am nächsten Tag kauft, wenn sie den Eindruck gewonnen hat, dass das wirklich eine gute Entscheidung ist.

Ich schaue mir gerne das Foto mit den Fingern an und denke dran, wie offen wir miteinander waren. Das gelingt ja nicht immer. Seitdem ist die heilige Zahl 3 für mich noch spezieller geworden. Sie steht für mich nicht mehr nur für Gott - für Vater, Sohn und Heiligen Geist. Jetzt denke ich außerdem noch an dieses besondere Gespräch. Wie wir uns erzählt haben, was unser Glaube mit unserem Alltag zu tun hat. Jesus hat mal gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ In dem Moment habe ich es spüren können.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

14FEB2025
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Heute ist Valentinstag, für viele der Tag für Romantik und kleine Geschenke. In meiner Jugend habe ich einmal eine selbst aufgenommene Kassette mit Liebessongs bekommen. Wenn ich die in meine Stereoanlage gesteckt habe, war es, als wäre ich mit meinem Schwarm zusammen. Plötzlich konnte ich sein Aftershave riechen. Manche Lieder klangen wehmütig, fast schon schnulzig. Andere waren voller Erotik, so dass ich froh war, dass meine Mutter kein Englisch verstand. Die Beziehung war schnell wieder vorbei, doch die Kassette hatte ich noch lange.

Wussten Sie, dass es in der Bibel rund 30 Liebeslieder voller Romantik und Erotik gibt? Noch im ersten Jahrhundert nach Christus wurden sie in den Kneipen gespielt. Besungen werden darin schöne Körper von Männern und Frauen. Vermutlich wurden die Lieder nur deshalb in die Bibel aufgenommen, weil Theologen sie geistlich gedeutet haben, als Liebesbeziehung zwischen Gott und den Menschen. In der Bibel heißen sie das Hohelied der Liebe, im Judentum nennt man sie haschir haschirim, das Lied der Lieder.

Eine kleine Kostprobe habe ich mitgebracht: „Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Mädchen. Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Liebster unter den jungen Männern. In seinem Schatten habe ich Lust zu sitzen. Ja, seine süße Frucht reizt meinen Gaumen. Er hat mich ins Weinhaus geführt, dessen Schild über mir heißt: »Liebe«. Er stärkt mich mit Rosinenkuchen, ermuntert mich mit frischen Äpfeln. Denn ich bin krank vor Liebe! Sein linker Arm liegt unter meinem Kopf, sein rechter Arm hält mich umschlungen. Ihr Töchter Jerusalems, ich beschwöre euch bei den Gazellen oder Rehen auf dem Feld: Schreckt uns nicht auf und stört uns nicht – solange die Liebe uns bezaubert!“

Es knistert ganz schön zwischen den beiden. Da kann man kaum verstehen, dass das Christentum in den folgenden Jahrtausenden oft so lustfeindlich daherkam. Zweisamkeit galt als notwendiges Übel zur Fortpflanzung.

Und dann gab es noch die unterschiedlichen Erwartungen an Männer und Frauen, obwohl hier im Liebeslied die beiden auf Augenhöhe sind. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass Gott sich die Liebe zwischen zwei Menschen genussvoll gedacht hat.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13FEB2025
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Begegnungen können einen verändern. Und ich denke, Jesus ging es auch so. Ich habe dazu eine Geschichte im Markusevangelium gelesen: Jesus ist gerade in einem Haus in Tyrus. Ganz wohl fühlt er sich im Nachbarland seiner Heimat nicht, mit der so ganz anderen Religion und Kultur.

Eine Einheimische hat mitbekommen, dass Jesus da ist. Sie hofft auf Hilfe für ihre kranke Tochter. Sie kommt ins Haus, fällt vor Jesus auf die Füße und fleht ihn an: „Bitte mach meine Tochter gesund.“

Wie er ihr jetzt antwortet, muss der Frau weh getan haben, und es schockt mich auch:
„Lasst zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.“

Die Frau gibt nicht klein bei, sie hat nichts zu verlieren und antwortet: „Meister! Aber auch die kleinen Hunde unter dem Tisch essen von den Brotkrumen der Kinder.“

Jesus kommt ins Nachdenken und antwortet: Weil du das gesagt hast, sage ich dir: „Geh nach Hause, deiner Tochter geht’s gut“. Und so war es wirklich. Als sie heimkam, lag die Tochter gesund in ihrem Bett.

Die Begegnung hat Jesus verändert. Gekommen war er mit dem Entschluss: „Ich kümmere mich nur um meine eigenen Leute“. Die Leute aus diesem Land beuten uns aus. Sie machen einen Reibach mit unserem Getreide. Warum soll ich auch nur den Finger für sie krumm machen.

Aber diese fremde Frau ist mutig. Sie lässt nicht locker, selbst als Jesus sie übel beleidigt und sie mit Hunden vergleicht.

Und ihre Haltung verändert Jesus. Sie knackt seinen Panzer und er findet wieder zu seinen göttlichen heilenden Kräften.

Durch die Begegnung ist sein Herz weicher geworden und sein Horizont weiter. Was für ein Segen, wenn Menschen einander zuhören. Wie gut, wenn Menschen nicht nur übereinander sprechen, sondern miteinander; wenn Vertrauen entsteht und Leute ihre Deckung fallen lassen.

Wie gut, dass die Frau drangeblieben ist. Wie gut, dass Jesus sie nicht unterbrochen und sie nicht weggeschickt hat. Er hat sich von ihr in Frage stellen lassen. Das braucht es, damit Gesellschaften nicht auseinanderdriften. Wir brauchen keine Ewiggestrigen, für die Vielfalt ein Graus ist, sondern Menschen, die sich auf echte Begegnungen einlassen und dazulernen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

12FEB2025
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Ich lausche einem Vertragstext. Ein Notar liest ihn in rasender Geschwindigkeit vor. Auf einmal stoppt er: „Bei der Bankverbindung fehlt eine Zahl“. Tatsächlich: auf meinem Briefkopf hat die IBAN eine Stelle zu wenig. Wahnsinn, dass er das mit einem Blick gesehen hat. Zum Glück hat er genau hingeschaut.

Es braucht Menschen, die genau hinsehen und den Dingen auf den Grund gehen. Bei Verträgen braucht es einen guten Notar. Und im Leben ist es auch gut, genau hinzuschauen und die Dinge zu prüfen. Prüfen klingt nach Prüfung und weckt manchmal unangenehme Gefühle. Doch eigentlich ist es eine sinnvolle und gute Sache. Schon der Apostel Paulus sah es positiv. Er schreibt an eine junge, griechische Gemeinde: Prüft alles und behaltet das Gute.

Dabei hat er sicher keine Schriftstücke gemeint, sondern unterschiedliche Lebensarten, und Traditionen.

Für Paulus beginnt Prüfen erst mal mit Augen offenhalten und sich inspirieren lassen. Er denkt an bekannte Redner und Autoren, an die Waren der Kaufleute, an Musik und Kultur in dieser wachsenden bunten Hafenstadt Thessaloniki. Und er weiß um die Einflüsse, von denen sich seine Mitchristen fernhalten sollen, wie zum Beispiel dem Kaiserkult.

„Schaut euch alles an. Was gut ist und euch im Miteinander hilft, das behaltet.“ schreibt Paulus der Gemeinde.

Mir gefällt, dass er keine Angst schürt, so nach dem Motto: „seid vorsichtig, schottet euch ab, macht alles wie immer“. Ich finde, bei allem, was so los ist, brauche es immer wieder eine Pausentaste zum Prüfen:
Bin ich noch auf der richtigen Spur? Wie laufen meine Lebensprojekte? Ist eine Idee noch gut, oder hat sich mit der Zeit ein Fehler eingeschlichen? Es ist keine Schande nachzubessern oder auch mal etwas zu stoppen.

Für Paulus ging es bei all dem um das Gute. Er empfiehlt die Frage: „Wofür bin ich dankbar?" Aus so einer, Haltung herausfällt es leichter, auch einmal einzugestehen, was nicht gut ist.

Heute ist ein guter Tag zum Prüfen, um dann das Gute und Richtige zu behalten.

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