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SWR4 Abendgedanken
Haben Sie sich eigentlich schon Mal so richtig über die vielen Blätter auf dem Boden gefreut? Oder Ihren Kopf bis zu den Ohren in einen Blätterhaufen gesteckt? Oder haben Sie schon Mal beim Mittagessen jeden Bissen sehnsüchtig mit den Augen verfolgt: vom Teller Richtung Mund? Manches davon vermutlich noch nie. Aber unser Hund: jeden Tag.
Einerseits amüsiert mich das total. Andererseits bin ich manchmal fast neidisch und denke: Eigentlich toll. Hunde leben ganz im Hier und im Jetzt. Wichtig ist das, was sich jetzt im Moment vor ihnen abspielt. Bei mir ist das ganz anders. Mein Tag ist meistens durchgeplant. Aufstehen, Kinder wecken, schauen, dass alle rechtzeitig aus dem Haus kommen. Dann Schreibtisch oder Termine. Mittagessen, Fahrdienste, zwischendurch noch ein Telefonat und abends dann noch eine Sitzung. So oder so ähnlich läuft das ziemlich oft.
Vielleicht hat sich Jesus deshalb auch Tiere als Beispiel genommen. Und zu seinen Freunden gesagt: „Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben – was ihr essen oder trinken sollt, oder um euren Körper – was ihr anziehen sollt. Ist das Leben nicht mehr als Essen und Trinken? Und ist der Körper nicht mehr als Kleidung? Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte in Scheunen. Trotzdem ernährt sie euer Vater im Himmel.“
Dass wir was zu essen und was zum Anziehen brauchen, das war Jesus klar. Da bin ich mir sicher. Ich glaube, dass es ihm genau darum gegangen ist: Dass ich auch das Hier und Jetzt ganz bewusst wahrnehme. Und genau das kann ich von unserem Vierbeiner lernen, glaube ich.
Mich versuchen mehr an den Dingen zu freuen, die mir gerade im Moment begegnen. Also natürlich keine Blätter und Katzen und sowas. Aber das, was ich halt so jeden Tag erlebe. Keine Ahnung: Ein Lächeln am Morgen. Ein gutes Gespräch. Eine nette Begegnung. Ein Hund, der in einem Blätterhaufen verschwindet …
Unsere Hündin macht das. Vielleicht, weil sie weiß, dass sie sich keine Sorgen darum machen muss, dass sie was zu fressen bekommt. Vielleicht, weil sie weiß, dass sie zu unserer Familie gehört.
Ich muss mich schon darum kümmern, dass es was zu essen gibt. Dass ich was zum Anziehen habe.
Und ja, es ist völlig klar, dass das selbst bei uns in unserem reichen Land nicht mehr ganz selbstverständlich ist. Und trotzdem möchte ich wieder versuchen mehr darauf zu achten: Weniger planen und mir Sorgen machen. Und mehr im Hier und Jetzt leben.
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Neulich morgens, da war bei uns plötzlich der Strom weg – im ganzen Ortsteil. Mit einem Schlag – kein Strom mehr, kein Licht, kein WLAN, keine Heizung. Ich hatte abends auch vergessen mein Handy einzustecken, also auch kein Telefon mehr. Und auch die Verbindung über meinen Computer-Bildschirm: ich war mit ein paar Kollegen in einem online-Meeting – alle plötzlich weg.
Später habe ich dann mitbekommen, dass bei Bauarbeiten ein Hauptstromkabel erwischt wurde. Aber in dem Moment war es plötzlich dunkel. Von jetzt auf gleich: Steinzeit. Offline. Alles wie tot. Wie oft ich in der Zeit in ein Zimmer reingelaufen bin und vergeblich auf den Lichtschalter gedrückt habe ….
Zwei Stunden hat das gedauert. Dann war alles wieder da. Aber das Gefühl ist bei mir geblieben. In einem Moment ist noch alles normal und plötzlich ist alles anders.
Gerade im Herbst und vor allem im November dreht sich bei uns in den Gottesdiensten alles um den Tod und was da vielleicht noch kommt. Volkstrauertag jetzt am Sonntag. Und nächste Woche dann der Totensonntag, wo nochmal an die Menschen erinnert wird, die in diesem Jahr in der Gemeinde gestorben sind.
Ich habe auch schon Menschen verloren, ich weiß, wie das ist: Da ist eine Verbindung weg, die sonst immer da war. Der Gesprächspartner am Esstisch fehlt. Der Sessel in der Stube ist plötzlich leer. Manchmal sind Mama oder Papa plötzlich nicht mehr da. Immer, wenn ein Mensch stirbt, dann reißt da etwas ab. Eine Verbindung. Oder sogar ein Teil von einem selbst. Es fehlt einfach was.
Ein kaputtes Stromkabel kann man wieder reparieren. Einen gestorbenen Menschen können wir nicht wieder zurückholen. Die Verbindung scheint tot. Und trotzdem glaube ich: Das Leben geht weiter – bei Gott. In der Bibel klingt das so: „Und Gott wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben […]. Denn was früher war, ist vergangen; sieh doch: Ich mache alles neu!“
Geborenwerden – leben – sterben. Alles gehört in diese Geschichte mit hinein. Gott umfasst alles. Und gerade deshalb glauben wir Christen, dass wir am Ende auch wieder bei Gott sind.
Meine direkte Verbindung zu einem Verstorbenen mag abgerissen sein. Aber die Verbindung zu Gott reißt niemals ab. Weil Gott sie nicht abreißen lässt. Er bleibt bei mir. Und er ist den Menschen nahe, die gestorben sind. Damit ist Gott sowas wie ein Verbindungsglied zwischen uns. Diese Verbindung beginnt jetzt schon in meinem Herzen und meinen Erinnerungen. Und sie geht garantiert nie offline.
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„ … denn von Jugend an haben die Menschen nur böses im Sinn …“ das ist ein Satz aus der Bibel, an den ich letzter Zeit oft denken muss. Früher hat er mich geärgert. Weil ich dachte, dass wir uns doch weiterentwickelt haben. Dass wir Menschen friedlicher geworden sind – wenigstens hier in Europa. Aber – wenn ich an die Nachrichten von heute denke – dann stimmt der Satz vielleicht doch: von Jugend an haben die Menschen nur Böses im Sinn…. Es gibt so viele Konflikte auf der Welt. Kriege zwischen Völkern. Machtkämpfe zwischen Nachbarn. Öffentliche Hinrichtungen, die den Schrecken vermehren sollen. Es geht wieder um Abschreckung, Schutzschirme und Machtgehabe….
Vielleicht ganz so wie bei der Noah-Geschichte, wo genau dieser Satz herkommt. Gott hat sich das alles angeschaut, was die Menschen so machen. Und hat den radikalen Entschluss gefasst, dass alle Menschen ausgelöscht werden sollen. Bis auf Noah und seine Familie. Ein Neustart sozusagen. Alles einmal auf Werkseinstellungen zurücksetzen und dann einfach nochmal von vorne anfangen. Und genau das hat er gemacht. Er hat eine Sintflut geschickt, die alles weggespült hat. Nur Noah hat in seiner Arche mit seiner Familie und ganz vielen Tieren überlebt.
Am Ende hat Gott dann aber mit Noah einen Vertrag geschlossen. Und er hat ihm versprochen, dass es so etwas nie wieder geben wird. Kein Neustart mehr. Keine Sintflut mehr. „Solange die Erde besteht, werden nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“
Und ich glaube genau das ist es, was auch mich an der Menschheit nicht verzweifeln lässt: Dass Gott an uns glaubt – obwohl wir so sind, wie wir sind. Dass Gott uns immer wieder einen Neustart schenkt. Fehler und den eigenen Egoismus vergibt, statt alles zu zerstören. Weil das Gute in uns für ihn wichtiger ist. Und das gibt es ja auch wirklich.
Es gibt Menschen, die sich für andere einsetzen. Die sich für Tiere und die Natur engagieren. Menschen, die nicht akzeptieren, dass alles so bleibt. Die ihre Meinung sagen und sich einsetzen.
Ja, manchmal finde ich es zum heulen, was alles so schiefläuft. Und gleichzeitig will ich den Glauben an uns auch nicht aufgeben. Gott hat uns ja auch nicht aufgegeben. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es eben nicht so bleibt. Nicht nur für mich und meine Kinder. Sondern für uns alle.
Ich habe es ein Stück weit mit in der Hand. Was ich wo einkaufe z.B. aber vor allem auch, wie ich mit anderen umgehe. Ob sie mir einfach egal sind oder ich mir manchmal einen Moment lang überlege, wie ist das jetzt wohl für mein Gegenüber.
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Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind … . Ich glaube es gab kein Jahr, seitdem unsere Kinder auf der Welt sind, in dem wir nicht mit den Laternen unterwegs waren. Und immer war irgendwas: Einmal hat die Kerze in der Laterne meiner Tochter nicht richtig gebrannt, und es hat Tränen gegeben. Im nächsten Jahr dann Tränen, weil das Pferd von St. Martin gescheut hat und es einfach nicht weiterwollte. Einmal hätte es beinahe richtig Ärger gegeben, weil eine Familie den heißen Punsch nach dem Umzug nicht bezahlen wollte oder nicht konnte.
Dabei finde ich die Geschichte so wichtig. Ein Soldat, dem es offenbar an nichts gefehlt hat, sieht einen Bettler im Schnee sitzen. Er hält sein Pferd an und macht in dem Moment das, was er kann. Er teilt seinen Mantel mit dem Schwert durch und gibt eine Hälfte diesem armen Menschen. Damit hat er ihm in dieser kalten Zeit vermutlich das Leben gerettet. Vielleicht hatte St. Martin die Worte von Jesus im Ohr: „Achtet auf die Menschen, die um Euch herum leben. Und helft, wo ihr gebraucht werdet.“ Das hat Jesus immer wieder versucht, zu erklären. Und er ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen, als er gesagt hat: „[...] Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan.“
Wenn ich mir unsere Welt im Moment so anschaue, dann wünsche ich mir manchmal, dass diese einfache Botschaft mehr Menschen ernst nehmen würden: Geht mit offenen Augen durch euren Alltag und schaut, wo es jemand gibt, der Hilfe braucht. Ich glaube, das braucht unsere Welt mehr denn je. Menschen, die nicht nur nach sich selber schauen. Denen nicht einfach alles egal ist, was um sie herum passiert. Die gerne teilen, was sie haben. Wie dankbar war ich, als uns jemand eine „Ersatzkerze“ geschenkt hat, als die Laterne meiner Tochter nicht richtig leuchten wollte. Und für den Punsch haben wir am Ende zusammengelegt. Aber man kann auch einfach Zeit teilen. Jemanden anrufen und zuhören. Mal nach meinen Nachbarn schauen. Klingeln und fragen, ob sie was brauchen. Vielleicht beten.
Diese Geschichte zeigt mir: wenn ich teile, was ich habe, dann ist das viel mehr als eine noble Geste. Manchmal schenkt das neues Leben.
Kein Mensch ist unbedeutend. Und es lohnt sich genau hinzuschauen. Und mit ganz offenen Augen und mit einem noch weiteren Herzen durch das Leben zu gehen. Ich glaube das bringt ein bisschen mehr Licht und Wärme in unsere Welt. So, wie jede einzelne Laterne heute Abend.
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Im Herbst ist es immer das gleiche mit mir: wenn die Sonne scheint, würde ich‘s am liebsten riskieren und nochmal ohne Jacke rausgehen. Ich hätte den Sommer gern noch eine Weile behalten – muss mich aber langsam doch auf die neue, kalte Jahreszeit einlassen. Der Herbst ist eben eine Übergangszeit. Und Übergangszeiten sind nie so ganz leicht: Jemand zieht um – die Kartons sind noch nicht alle ausgepackt. Man wohnt dann nicht mehr in den alten vier Wänden. Ist aber auch noch nicht richtig am neuen Ort angekommen. Jemand geht in den Ruhestand – dann arbeitet man nicht mehr da, wo man so viele Jahre war. Ist aber noch nicht in der neuen Phase angekommen. Kinder wechseln die Schule oder haben gerade eine Ausbildung angefangen und und und …
Dabei frage ich mich immer: Was gibt mir eigentlich in so einer Situation den Mut weiterzugehen? Ich weiß ja noch gar nicht, wie es werden wird.
Bei dieser Frage muss ich an die Mosegeschichte denken. Mose hat sein ganzes Volk aus der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit geführt. Er hat damit einen Auftrag ausgeführt, den er von Gott selber bekommen hatte. Und da war es genauso. Sie waren nicht mehr in Ägypten. Sie waren aber auch noch nicht in der neuen Heimat angekommen. Sie waren irgendwas dazwischen. Aber: Gott hat sie Tag und Nacht begleitet. Er wollte sie gerade in dieser Übergangszeit nicht allein lassen. Weil er wusste, dass Veränderungen uns Menschen nicht immer leichtfallen. Vor allem überhaupt erstmal das Losgehen, wenn wir nicht so richtig wissen, wo uns der Weg eigentlich hinführt. Er hört das Schimpfen von denen, denen die Füße weh tun. Er hört die Sorgen über das wenige Essen und die Frage, wo es Wasser gibt.
Trotzdem würden manche der Israeliten lieber umdrehen. Zurück in das Leben, das sie gekannt haben. Es ist eben eine Übergangszeit – in der Gott aber den Menschen seine Hilfe hinhält. So ähnlich wie mir meine Frau gerade eine Übergangsjacke unter die Nase hält, bevor ich morgens aus dem Haus gehe. Die ist tatsächlich perfekt: Denn noch ist es nicht richtig Winter, warm ist es aber auch nicht mehr.
Deshalb ist mein Glaube für mich, wie so eine Übergangsjacke, wenn man so will. Gott ist mit dabei. Auch in meinem Leben. Gott begleitet mich und hält mir eine Jacke hin. Er weiß, was gut für mich ist. Ich kann in die Jacke jederzeit reinschlüpfen. Er hält sie mir geduldig hin. Er ist einfach immer da. Egal, was kommt.
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Jetzt hat es Baden-Württemberg auch endlich geschafft: Ferien. Immer in den Sommerferien muss ich an einen Satz aus einem Gebet in der Bibel denken: „Du (Gott) stellst meine Füße auf weiten Raum.“
Mein Alltag ist sonst ziemlich durchgetaktet. Er ist bestimmt vom Stundenplan meiner Kinder. Von den Freizeitaktivitäten meiner Kinder. Dann kommt da noch mein eigener Stundenplan in der Schule dazu. Und das, was mich sonst in meinem Job noch auf Trab hält. Dann gibt es da ja noch meine Frau. Dazu noch einen Hund, der gerne laufen möchte. Und manchmal will ich ja vielleicht noch was für mich tun.
In den Sommerferien ist es anders. Plötzlich ist da ein „weiter Raum“: Die Kinder haben keine Schule und keine festen Termine. Meine Frau und ich haben Urlaub und wir können plötzlich auch einfach irgendwohin laufen. Zur Not einfach querfeldein immer der Nase nach. Und dabei genau das erleben: „Du (Gott) stellst meine Füße auf weiten Raum.“
Und die Reiseprospekte sind voll. Die Urlaubsziele sind die Nordsee, Mallorca, die Karibik, das Nordcap, Amerika, Australien … eigentlich die ganze Welt. Das ist auf jeden Fall ein weiter Raum.
Aber, mir geht es gar nicht darum, dass ich wirklich weit weg könnte, und dass ich überall hinfliegen könnte. Für mich sind bei diesem Satz zwei Dinge wichtig.
Das erste ist, dass der weite Raum im Kopf anfängt. Das zweite ist, dass das ein Geschenk von Gott für mich ist.
Ich glaube mittlerweile, dass mir diese beiden Punkte helfen, dass ich mir das auch nach den Sommerferien noch bewusst machen kann. Nur, weil mein Alltag durchgetaktet ist, heißt das ja nicht, dass der weite Raum nicht mehr da ist. Es fängt eben im Kopf an. Ich glaube, ich muss mir das immer wieder klar machen. Der weite Raum ist immer da. Ich sehe ihn vielleicht gerade nur nicht, weil einfach so viele andere Sachen gerade wichtig und „dran“ sind. Und er ist ein Geschenk von Gott für mich. Ein Geschenk, zu dem auch gehört, dass er mich begleitet. Ganz egal, wo ich bin.
„Du (Gott) stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Ich finde es super das jetzt in den Sommerferien zu erleben. Und gleichzeitig nehme ich mir das jetzt schon für die Zeit nach den Ferien vor. An diesem Gefühl von den Sommerferien festzuhalten. Auch dann immer wieder in meinem Alltag mir einen Moment zu nehmen, um die Weite zu genießen. Und, wenn es mit geschlossenen Augen ist.
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Neulich saß ich nachmittags bei uns auf der Terrasse. Ich hatte mich gefreut, dass ich Urlaub habe und einfach nur so vor mich hinschauen kann. Da habe ich plötzlich Besuch von einem Schmetterling bekommen. Der fand den aufgeschnittenen Apfel ganz spannend. Er ist ein paarmal über den Teller geflattert und hat sich dann aber doch für den Flieder als Snack entschieden.
Ich habe meinen neuen Freund dann noch eine Weile beobachtet. Ich liebe Schmetterlinge. Die schönen Farben. Das lustige Fliegen und das ganze Hin und Her.
Und habe ich mir überlegt: Wie kann etwas so schön und gleichzeitig so zerbrechlich sein? Ein zu starker Windstoß. Ein blöder Regenschauer und es ist vorbei mit dem Schmetterling.
Beim so drüber Nachdenken, ist mir klar geworden: dass das eigentlich auch auf unsere Welt zutrifft. Sie kann wunderschön sein. Schenkt uns Lebensraum und alles, was wir zum Leben brauchen und ist doch auch gleichzeitig so zerbrechlich.
In der Bibel steht, wie sich die Menschen früher vorgestellt haben, wie die Erde geschaffen worden ist. Und sie haben sich vorgestellt, dass Gott alles, was wir kennen „gemacht“ hat. Dass er alle Tiere aus Erde geformt hat. Er sie dann zum Menschen gebracht hat. Und der Mensch dann die besondere Aufgabe hatte allen einen Namen zu geben. Und am Ende hat Gott den Menschen dann die Verantwortung für die ganze Schöpfung gegeben. Wir sind also nicht nur ein Teil dieser Geschichte. Keine Nebendarsteller, die man einmal sieht und gleich wieder vergisst. Wir sind viel mehr auch für diese Geschichte verantwortlich. Vor allem, wie sie weitergeht.
Das würde ich gerne den ganzen Kriegstreibern entgegenrufen: Dass wir alle ein Teil dieser wunderschönen Welt sind. Und dass es doch viel wichtiger wäre all das Schöne auf unserer Welt zu schützen. Als drüber zu streiten, wo welche Grenze verläuft. Wer wem was weggenommen hat. Oder wer furchtbare Angst davor hat, zu wenig zu bekommen. Wir sind alle ein Teil dieser wunderbaren Welt. Gott hat sie uns geschenkt, mit allem, was sie zu bieten hat. Und ich würde mir wünschen, dass wir das ein bisschen ernster nehmen. Alles, was schön ist, kann auch kaputtgehen. Und wir selbst sind zerbrechlich, wie ein Schmetterling. Wenn wir es zulassen, dass die Welt auf der einen Seite zerbombt und auf der anderen Seite alles überschwemmt wird. Dann ist es mit der Schönheit vorbei. Bewahren wir diese Schönheit: in unserem Herzen und in dem, was wir tun.
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Grün, oder schwarz? Manche Entscheidungen sind nicht schwer. Welche Hose kaufe ich – die grüne oder die schwarze? Oder vielleicht beide?
Andere Entscheidungen sind dagegen sehr schwer, finde ich. Vor allem, wenn es um meine Zukunft geht. Wenn ich wirklich wählen muss – und nicht beides haben kann. Und, wenn das auch Auswirkungen auf Andere hat. Meine Familie z.B.
Leben bedeutet Veränderung. Immer wieder gibt es Punkte, an denen man sich entscheiden muss. Weil man vielleicht unzufrieden ist. Nochmal was anderes im Leben kennenlernen möchte. Oder die berühmte work-life-balance nicht mehr stimmt. Und schon fangen die Fragen die an: Wie geht es dann weiter und was bedeutet das für meine Familie? Wer weiß, ob mich richtig entscheide? Was ist das Beste für die Kinder?
Wenn ich mich dann mal entschieden habe, geht es mir wieder besser. Das ist dann ein Gefühl, es geschafft zu haben. Und mit meiner Entscheidung endlich angekommen zu sein. Aber das Interessante ist:
Mittlerweile ist mir klar geworden, dass eine Entscheidung immer zur nächsten führt. Egal, wie ich mich jetzt entscheide. Irgendwann kommt die nächste Entscheidung und die übernächste und die überübernächste. Veränderungen und Entscheidungen gehören einfach zum Leben dazu. Das hört nie auf, und wenn ich es mir noch so sehr wünsche.
In einem Lied heißt es mit Blick auf Gott: Meine Zeit steht in Deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, Du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir.
Der, der dieses Lied geschrieben hat, weiß, dass sein Leben in Gottes Händen liegt. Ganz wörtlich. Er fühlt sich getragen und gut aufgehoben. Er fühlt sich wohl. Er kann ruhig sein.
Für mich heißt das: trotz der nicht enden wollenden Anstrengung, den Veränderungen und bei allen Entscheidungen: Gott begleitet mich. Er bleibt und hält mich. Er verändert sich nicht und ist immer da ist. Und sollte sich wirklich rausstellen, dass ich mich falsch entschieden habe, falle ich nicht aus Gottes Händen. Und wer weiß: manchmal entpuppt sich das vermeintlich Falsche ja doch als gar nicht so schlecht. Im Nachhinein.
Ob mir das dann in der konkreten Situation hilft, mich zu entscheiden, weiß ich nicht. Oder vielleicht doch. Vielleicht fällt es mir ein bisschen leichter etwas zu entscheiden, wenn ich weiß, dass Gott meine Konstante bleibt. Ich nicht allein bin mit meiner Entscheidung. Gott wird sich nie von mir abwenden, weil auch meine Zeit in seinen Händen steht.
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Neulich bin ich mal wieder im Stau gestanden. Mitten auf der A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Im Radio kam dann die Meldung: Es ist ein großer Unfall passiert – ein Laster umgekippt. Na toll. Autobahn komplett gesperrt. Alle mussten bei der nächsten Ausfahrt runter.
Vier Kilometer und fünf graue Haare später war die Ausfahrt dann endlich in Sicht. Und plötzlich gab es um mich herum kein Halten mehr. Ein Auto nach dem anderen ist über den Standstreifen Richtung Ausfahrt gefahren. Manche sind quer über alle Spuren einfach rübergezogen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und an eine Rettungsgasse war eh nicht zu denken …
Ich meine, man kann es ja mal eilig haben aber so was? Hallo?
Solche oder ähnliche Situationen haben Sie bestimmt auch schon erlebt: Dass da jemand alle Regeln beiseitelässt, um möglichst schnell weiterzukommen – egal, wie’s den anderen geht. Und in solchen Momenten frage ich mich manchmal wirklich, wie wir eigentlich mit Regeln umgehen.
Denn, eigentlich weiß doch jeder, dass wir Menschen Regeln brauchen, damit wir zusammenleben können. Im Straßenverkehr, und auch sonst im Alltag: an der Kasse im Supermarkt, wenn wir warten müssen. Beim Sport, damit klar ist, wann ein Ball im Abseits ist. Eben Regeln, damit unser Miteinander im Ort, im Land und vielleicht auch auf der Welt gut funktioniert.
Eine Geschichte, die das für mich auf den Punkt bringt, steht in der Bibel: Sie kennen die Geschichte bestimmt: Mose befreit sein ganzes Volk aus der Sklaverei in Ägypten. Er führt sie durch die Wüste und das Erste, was sie in ihrer Freiheit bekommen: sind Regeln. Die Zehn Gebote.
Und ich finde, genau das ist es: Freiheit bedeutet eben nicht, dass ich das machen kann, was ich will. Denn es ist halt nun mal so: Ich bin nicht allein auf der Welt. Wenn alle nur das machen, was ihnen nützt und was sie selber wollen, dann kommt immer jemand anderes zu kurz. Dann schaden wir uns schnell gegenseitig. Das können wir ja im Moment auch überall in den Nachrichten sehen und lesen. Deshalb ist es wohl eher umgekehrt. Regeln befreien für ein gemeinsames Leben mit anderen Menschen. Weil ich z.B. nicht ständig Angst haben muss, dass mir was geklaut wird.
Auch, wenn ich dann vielleicht damit leben muss, dass ich halt ein bisschen länger im Stau stehe, weil ich nicht über den Standstreifen fahre.
Regeln helfen, dass kein Unfall passiert. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mir das in Zukunft immer wieder bewusst zu machen, bevor ich ins Auto steige. Auch, wenn ich es eilig habe.
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„Man merkt doch erst, was einem fehlt, wenn es einem fehlt …“. Das hat mir neulich ein Mann bei einem Besuch gesagt. Er kann fast nichts mehr sehen. Alles ist nur noch verschwommen. Er kann nicht mehr lesen, nicht mehr fernsehen, die Waschmaschine nicht mehr einschalten, muss beim Gehen extrem aufpassen und braucht eigentlich für alles Hilfe. „Manchmal verlässt mich da schon der Mut“ – hat er gemeint.
Das kann ich gut verstehen, auch, wenn ich nur erahnen kann, wie es mir in seiner Situation gehen würde. Während ich mich so mit ihm unterhalte, fallen mir ganz viele biblische Geschichten ein. – In denen Jesus Menschen wieder gesund gemacht hat. Ein Wunder vollbracht hat, um zu zeigen: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Ich will nicht ausschließen, dass es auch heute noch so was wie „Wunder“ geben kann. Aber die Erfahrung zeigt doch: Krank werden, älter werden und auch pflegebedürftig werden scheinen zu unserem Leben dazuzugehören.
In der Bibel gibt es viele Briefe von Paulus. Auch er muss krank gewesen sein. Was er genau hatte, wissen wir nicht. Aber anscheinend hatte auch er es mit den Augen zu tun. In einem Brief erzählt er von seiner Begegnung mit Jesus und dass Jesus dabei zu ihm gesagt hatte: „Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.“
Paulus hat das in seinem Leben wohl gespürt. Dass er trotz seiner Krankheit diese Kraft hat. Ich verstehe, wie mühsam das Leben werden kann, wenn man nichts mehr sieht. Ich erlebe in meinem Berufsalltag auch immer wieder, wie es ist, wenn jemand pflegebedürftig wird. Die Selbständigkeit aufgeben muss und am Ende womöglich die eigene Familie nicht mehr erkennt.
Und da sagt Jesus: Meine Kraft ist gerade in den Schwachen mächtig. Vielleicht kann dieser Satz helfen, ein bisschen besser damit umzugehen. Gott sieht uns. Er begleitet uns und lässt uns nie allein. Er tastet mit uns nach dem Weg, wenn wir ihn nicht mehr sehen. Er sitzt mit auf der Bettkante, wenn wir krank sind und er ist mittendrin in den Pflegeheimen auf den Stationen. Und ich hoffe und vertraue: Er schenkt mir Kraft, wo ich schwach bin. Er hört mir vor allem zu, wo ich mutlos werde. Weint mit mir, wenn mir wieder bewusst wird, was ich alles nicht mehr kann. Und er verspricht mir immer wieder: „[…] meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.“
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