Manuskripte

SWR3 Worte

03AUG2019
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Vielleicht ist das größte Hindernis, um beim Reisen etwas zu erleben heutzutage die Ängstlichkeit, ein übergroßes Bedürfnis nach Sicherheit. Die amerikanische taubblinde Schriftstellerin Helen Keller hielt sie für trügerisch. Sie hat geschrieben:

‚Sicherheit beruht meist auf Aberglauben. Weder kommt sie in der Natur vor, noch ist sie jedem Menschenkind vergönnt. Die Vermeidung der Gefahr ist letztlich nicht sicherer, als sich ihr ohne Umschweife auszusetzen. Das Leben ist entweder ein waghalsiges Abenteuer oder vollkommen belanglos.‘

https://wissen-ist-macht.tv/sicherheit-ist-aberglaube/

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02AUG2019
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Immer mehr Insektenarten verschwinden, umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen:

Wenn an Sommerabenden kleine strichförmige Blitze aufleuchten, geht Ed Duensing mit seinen drei Söhnen in den Garten und ruft die Glühwürmchen.
Um mit den Insekten zu sprechen, benutzen die vier handelsübliche Taschenlampen. Und knipsen sie im selben Rhythmus ein und aus wie die Glühwürmchenweibchen, die damit die Männchen anlocken.
‚Es ist ganz einfach‘, erklärt der Naturfreund. Wenn ein Glühwürmchen im Flug aufblitzt, zählen sie einfach zwei Sekunden ab und schalten dann eine kleine Taschenlampe eine Sekunde lang ein.
Daraufhin dreht das Glühwürmchenmännchen sofort um und fliegt auf sie zu.
Wenn sie ihm immer weiter mit der Taschenlampe antworten, landet es schließlich sogar auf ihrer Hand.

Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht und anderen kleinen Wundern der Natur

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01AUG2019
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Der Schriftsteller Ilija Trojanow hat schon an vielen Orten dieser Welt gelebt, er liebt es zu reisen und erzählt:

Am ersten Tag in Bali sprang ich in die Fluten und kam als blinder Mann heraus. Eine Welle hatte mich nach unten gedrückt und herumgeschleudert, die Kontaktlinsen waren weg. Und die Brille lag brav zuhause im Etui.
Angesichts meiner starken Kurzsichtigkeit- das wurde mir klar - würde ich von Bali wenig sehen.
Das ärgerte mich den ganzen Tag lang. Doch dann geschah etwas Überraschendes. Ich musste mich den anderen Sinnen anvertrauen. Ich musste um überhaupt etwas zu sehen, ganz nahe herantreten. Das kostete Zeit und Überwindung. Mein Reisetempo änderte sich. Ebenso meine Wahrnehmung der Umgebung.

Meine Erinnerung fällt akustischer und olfaktorischer aus als sonst. Sichtbehindert wie ich war ist mir Bali ein Ort der Rätsel geblieben, während allsichtigere Freunde von einem durchkomponierten Tourismusprodukt von gehobener Qualität berichten.

Gebrauchsanweisung fürs Reisen. Ilija Troyanow

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31JUL2019
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Domenico Lucano ist Bürgermeister in einem Dorf in Kalabrien, in Süditalien. Da wo sonst vor allem Arbeitslosigkeit, Armut, illegale Müllverklappung und die Mafia herrschen. Dörfer werden verlassen und sterben aus. Lucano hat sein aussterbendes Dorf gerettet, mithilfe der Migranten, die übers Mittelmeer kommen. Die Regierung in Rom hat ihn angeklagt wegen Betrugs und Beihilfe zu illegaler Einwanderung. Mimmo Lucano sagt:

"In Kalabrien kamen im Laufe der Jahrhunderte viele Völker an: die Sarazenen, die Araber, die Türken, die Griechen …Von unserem Dialekt sagt man, dass er eine Mischung aus Türkisch und Griechisch ist. Bei uns gilt der Spruch: Wenn du einen Fremden triffst, darfst du ihm nicht mit Misstrauen begegnen, da in einem Bettler Gott verborgen sein kann.

Man sagt auch. Du musst ihm in die Augen schauen, mit ihm reden und ihn fragen, was er braucht. Wir haben die Migranten angeschaut und siehe da: Es sind Menschen."

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30JUL2019
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Yvonne Gilmore ist Afroamerikanerin, HipHoperin Theologin und Mutter, sie erzählt von einer Situation mit ihrem fünfjährigen Sohn.

‚Er stieg aus dem Auto aus, und stellte sich breitbeinig hin, wie er es in hunderten von Filmen gesehen hatte, legte beide Hände zusammen, als hätte er eine Pistole und zielte so auf ein vorbeifahrendes Polizeiauto.

Ich hab ihn gesehen und die Beamten, ich bin panisch um das Auto gerannt, habe gebrüllt, mich auf ihn geworfen und ihn niedergerissen. Wir haben uns beide wehgetan, aber vor allem habe ich mein Kind traumatisiert. Ich habe geweint, ihn angebrüllt, ihm verboten, sich je wieder so zu benehmen.

Ich konnte mir nicht sicher sein, dass die Polizeibeamten, nicht auf ihn schießen würden. Wir haben so viel Angst um unsere Kinder, um alle unsere schwarzen Jungen, die jungen Männer. Ich danke Gott für jeden Tag, den er überlebt!‘

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29JUL2019
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Man erzählt sich:
Die Ampel auf dem Domplatz in Mailand
stellte eines Tages alle ihre Lichter auf BLAU.

Soll man gehen? Soll man stehn?
Soll man fahren oder warten?
Was soll blau nur bedeuten?
Daraus wurde keiner schlau!

Dieses BLAU war noch schöner als der Mailänder Himmel.
Wie die Tinte des Dichters für ein Frühlingsgedicht.
Wie ein Kirchenglasfenster, von der Sonne erleuchtet.
Lapislazuliblau mit etwas Wasser vermischt.

Doch die Leute verfluchten das Verkehrsministerium,
die Regierung, die UNO, überhaupt diese Welt.
Ein Verkehrspolizist blies die Pfeife und tobte.
Und ein andrer hat schnell ihren Strom abgestellt.

Bevor sie erlosch, dachte die blaue Ampel:
‚Ach ihr Armen, sicher hat euch noch keiner erzählt.
Blau bedeutet: Die Straße ist frei in den Himmel.
Wenn ihr wollt, könnt ihr fliegen, falls der Mut euch nicht fehlt.‘

Kraft der Träume. Gerhard Schöne

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28JUL2019
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Dorothee Sölle, die große Poetin des Vertrauens in Gott hat so gebetet:

Du hast mich geträumt Gott.
Wie ich den aufrechten Gang übe
und niederknien lerne.

 

Schöner als ich jetzt bin
glücklicher als ich mich traue
freier als bei uns erlaubt.

Hör nicht auf mich zu träumen Gott.
Ich will nicht aufhören mich zu erinnern,
dass ich dein Baum bin.
Gepflanzt an den Wasserbächen
des Lebens

Das Brot der Ermutigung.

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