Manuskripte

SWR3 Worte

Jahrtausende alt sind die Psalmen der Bibel. Der Schriftsteller Arnold Stadler hat sie neu übersetzt. Im 15. Psalm heißt es in seiner Übersetzung:

Jener, der lebt, wie es recht ist. Der aus ganzem Herzen die Wahrheit sagt.

Der niemals einen Menschen verleumdet.

Der seinen Freund sein lässt und seinen Nachbarn auch.

Der den Verwerflichen links liegen lässt, aber allen, deren Gott der Herr ist, zugeneigt ist.

Der die Zusagen, die er seinen Menschen gab, hält.

Der sein Geld nicht auf Wucher ausleiht und sich nicht bezahlen lässt zum Schaden der Schuldlosen.

Wer all dies beachtet, der wird nicht untergehen.

Psalm 15, aus: „Die Menschen lügen. Alle“ und andere Psalmen, aus dem Hebräischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Arnold Stadler, Insel-Verl.: Frankfurt/Leipzig 72001, 25

 

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Die Franziskanerin Sr. Gisela Iberle über die Dankbarkeit und wie man sie einüben kann:

Wir brauchen nur mit offenen Sinnen durch die Welt zu gehen, und Dankbarkeit wird uns beinahe überwältigen. Wenn ich mit dankbaren Augen und dankbarem Herzen auf mein Leben schauen lerne, bleibe ich innerlich lebendig. Es ist ein gutes Ritual, am Abend nach Gründen zur Dankbarkeit zu schauen. Lebensmut wächst uns zu, und die sogenannten Kleinigkeiten des Lebens bekommen ein ganz anderes Gewicht. … Es lohnt sich.

Sr. Gisela Iberle, Hundert himmlische Gedanken. Atempausen für die Seele, Herder: Freiburg 2010, 130

 

 

 

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Die Kolumnistin Sybille Berg, die das Tagesgeschehen scharfzüngig begleitet, fragt sich, wozu all die öffentlich geäußerte Wut gut sein soll:

Die Möglichkeiten, Menschen zu mögen, sind jeden Tag vorhanden. Man muss nur einmal nicht im Netz nach Bosheit suchen, in den Zeitungen Bosheit finden, nur die Sonne ansehen und sich freuen, dass im Umkreis von einem Kilometer alles noch in Ordnung ist. Dass vielleicht alles nicht so schlimm wird. So eine kleine Pause, in der es angenehm ist, Teil von Milliarden zu sein, die fast alle dasselbe wollen: ihre Ruhe.

Sibylle Berg, Die Sonne blendet, die Sau, in: Spiegel-Online vom 01.10.2016, http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/wutbuerger-irgendwas-taugt-immer-fuer-eine-tuechtige-wut-kolumne-a-1114614.html

 

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Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, sagt in einem Gespräch über die Barmherzigkeit:

Barmherzigkeit ist eine innere Haltung, ein christlicher Wert, der unsere sozialstaatliche Tradition prägt. Daraus leiten sich in unserem Rechtsstaat ganz konkrete Ansprüche ab, beispielsweise in der Sozialhilfe. Hier geht es nicht um Almosen … Vielmehr sieht der Sozialstaat klare Rechtsansprüche vor, um Teilhabe auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Malu Dreyer, Wenn sich das Herz meldet, Interview mit Michael Schrom in: Publik-Forum Heft 22/2016 vom 18.11.2016

 

 

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Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, sagt in einem Gespräch über die Barmherzigkeit:

Wir brauchen Räume, in denen Barmherzigkeit geübt wird. Auch in der Politik. Nehmen wir den Umgang mit Flüchtlingen. Hier ist Barmherzigkeit besonders nötig, weil wir zurzeit so laute, hässliche und kalte Töne in der Gesellschaft haben. Oder das Phänomen der Globalisierung. In einer auf Leistung und Ökonomie getrimmten Gesellschaft brauchen Menschen das Gefühl, dass sie beachtet werden, sonst gehen sie in diesem System unter. Besonders jene, die es schwerer haben.

Malu Dreyer, Wenn sich das Herz meldet, Interview mit Michael Schrom in: Publik-Forum Heft 22/2016 vom 18.11.2016

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Das Evangelium des Johannes beginnt mit dem Satz: „Im Anfang war das Wort“. Der Journalist Heribert Prantl hat sich darüber seine Gedanken gemacht:

Im Anfang war - nein: im Anfang ist das Wort. … Papst Franziskus hat solche Worte gesprochen. Sie hatten zwei Themen: die Nächstenliebe und den Protest gegen den Tod. Er hat, als er auf Lampedusa der ertrunkenen Flüchtlinge gedachte, … gefragt: "Wer hat über die Menschen geweint, die in den Booten waren?" …

Es gibt nur zwei Themen, über die zu sprechen sich wirklich lohnt: die Liebe und der Tod. Manchmal verbindet das kraftvoll-schöpferische Wort den Tod und die Liebe und macht so neue Hoffnung. Denn die Liebe ist der Einspruch und oft der einzige Trost gegen den Tod, weil in ihr die Kraft des Anfangs steckt.

Heribert Prantl, Im Anfang ist das Wort, in: Süddeutsche Zeitung vom 24.12.2013

 

 

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Ein Engel verkündet in der Weihnachtsgeschichte die Geburt des Jesuskindes. Der Journalist Heribert Prantl über Engel damals und heute:

Der Weihnachtsengel verkündet, dass nicht Kaiser Augustus der Erlöser ist, sondern ein Kind in der Krippe. Es braucht Mut, so etwas zu glauben, den Mut zur Utopie …

Einen Ort für Utopien zu schaffen: Das ist Weihnachten. Engel sind Leute, die daran glauben, dass Menschlichkeit und Gewaltlosigkeit möglich sind und die danach handeln. Engel ist jeder, der Kraft hat, aus dem Ring der Unversöhnlichkeit zu springen; dem Ring, der aus dem Nächsten den anderen macht, aus dem Nachbarn den Gegner, aus dem Flüchtling den Feind. Allmächtige Engel gibt es womöglich nicht; als Engel holt man sich oft eine blutige Nase … Aber die verletzlichen Boten der Menschlichkeit sind unverzichtbar, um an der Welt nicht zu verzweifeln.

Heribert Prantl, Der Engel des Jahres, in: Süddeutsche Zeitung vom 24.12.2015

 

 

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