Manuskripte

SWR3 Worte

Die Psychologin Eva Maria Zuhorst hatte mehrere Unfälle, bei denen sie dem Tod nahe war. Darüber schreibt sie:  

Erst heute weiß ich, dass ich damals – und auch all die Male davor und danach - Gott begegnet bin. Im Angesicht des Todes konnte ich alles loslassen, mich so vollkommen hingeben und entspannen, dass ich fühlen konnte, von welch tiefem Frieden, welch unbeschreiblichem Mitgefühl und welcher Liebe ich im Innersten erfüllt bin. Ich konnte erfahren, dass Wunder geschehen und es auch in ausweglosen Situationen Rettung gibt. Bis ich das wirklich verinnerlichen konnte, bedurfte es jedoch noch einiger weiterer Ausnahmekräfte in meinem Leben. Nur unter geduldiger, unnachgiebiger Mithilfe des Universums konnte Gott sich langsam in mein Leben schleichen.

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Es war einmal ein Mann, der schon immer davon geträumt hatte, Maler zu werden. Als kleiner Junge danach befragt, was er werden wolle, wenn er groß sei, antwortete er: „Ich will Maler werden“ und dabei leuchteten seine Augen wie Sterne.

Nach der Schule machte er eine Lehre als Kaufmann, aber jedem, der fragte, erzählte er: „Nach dieser Lehre studiere ich Kunst und lerne, Bilder zu malen.“ Und seine Augen strahlten.

Nach seiner Ausbildung wurde er übernommen und arbeitete Jahr für Jahr in derselben Frma. Immer am Jahresende sagte er feierlich: „Im nächsten Jahr fange ich zu malen an“, und seine Augen leuchteten wie früher.

Er wurde älter, schließlich Rentner und schließlich krank. „Wenn ich wieder gesund bin, werde ich Bilder malen“, sagte er sich. Doch die Kraft reichte nicht mehr, um seine Augen zum Leuchten zu bringen.

Auf seinem Grabstein stand unter seinem Namen: „Einer, der immer malen wollte und es nie getan hat“. 

Tanja Konnerth: Von einem, der Maler werden wollte.

 

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Die Autorin Eva-Maria Zuhorst über die befreiende Wirkung von Vergebung:

Den meisten von uns scheint es ein geradezu masochistisches Vergnügen zu bereiten, die alten fiesen Geschichten und unseren an ihnen klebenden alten Schmerz wiederzukäuen, all die Erinnerungen, all den Schmerz, all die Ohnmacht oder den Zorn wieder rauszukramen. Aber so bleibt alles bei ihnen. Nichts davon ist bei dem, der Sie verletzt hat, nirgendwo da draußen finden Sie etwas davon. Es sind Ihre Gedanken über diesen Menschen, über diese Situation. Ihnen geht es schlecht. Der andere ist in diesem Augenblick gar nicht da. […] Vergeben heißt vor allem, den eigenen inneren Frieden höher zu schätzen als den Drang, sich selbst und andere immer wieder alten Mustern und Ansprüchen zu unterwerfen. Wenn wir vergeben, dann macht uns das frei. Vergebung ist wie ein Lösungsmittel, das in uns festklebende Schuldgefühle, Groll, Selbsthass und Urteile löst.

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Es war einmal ein Mann, der sehr unsicher war.

Weil er annahm, dass niemand ihn gernhaben könnte, setzte er alles daran, dass die Menschen ihn für jemand anders hielten.

So gab er vor, einen anderen Beruf zu haben als den, den er tatsächlich ausübte. Auch nannte er grundsätzlich eine andere Adresse als die, wo er tatsächlich wohnte. Nach seinem Alter befragt, machte er sich je nach Anlass älter oder jünger als er war. Er erfand Geschwister, die er nicht hatte oder machte sich zum Waisenkind. Er gab vor, verheiratet oder verwitwet zu sein. Mal war er körperlich topfit oder auch schwer krank – je nach Gesprächsthema oder Umfeld.

Eines Morgens, als er nach dem Aufstehen in den Spiegel schaute, war dieser leer. Der Mann starrte auf das Glas, das nur die Kacheln hinter ihm widerspiegelte und konnte sich selbst nicht mehr entdecken. 

Tania Konnerth: Von einem, der sich selbst verlor.

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Wer Pausen macht, hat mehr vom Leben, sagt die Autorin Karin Lichtenauer und empfiehlt folgende Übung:   

Sich in leichteren und süßeren Gedanken und schöneren Gefühlen wiegen. In sich selber schaukeln. Während eines langweiligen Vortrags oder während einer abgehobenen Predigt selber abheben, sich in Gedanken davonstehlen. Die Bilder im Kopf wandern lassen, sie zweckfrei betrachten wie im Kaleidoskop, das man bewegt. Tagträumen und im diffusen Raum der Bilder, der Gefühle und Vorstellungen sich entrücken. Und sich selbst begegnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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MancheTüren ins Leben stehen nur kurze Zeit offen.Dazu einText von Hans Kruppa:

 Was jetzt nicht geht,

könnte in einer Stunde gelingen.

Und was in einer Stunde vielleicht nicht mehr möglich ist,

könnte sich jetzt ereignen.

 

Manche Türen ins Leben

stehen nur kurze Zeit offen.

Sie ähneln den kleinen Zielscheiben

der Schießbuden auf dem Jahrmarkt,

die sich dem Schützen

nur einige Sekunden zeigen

und dann in der Versenkung verschwinden.

Schießt er nicht rechtzeitig,

hat er das Nachsehen.

 

Versäumen wir den richtigen Augenblick,

haben wir eine Chance verpasst,

die vielleicht nie wiederkommt.

 

Doch wenn wir ihr nachtrauern,

sehen wir nicht die nächste,

die sich uns bietet.

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Immer schneller, immer besser, immer höher hinaus. Das scheint mir oft das Motto des Lebens zu sein. Der Benediktinermönch Anselm Grün sieht im Gehetztsein als Lebenshaltung einen ganz bestimmten Grund:

 Wer meint, er müsse immer schneller werden, wird letztlich von der Angst getrieben. Die Angst ist die Triebfeder der Beschleunigung. Wer Angst hat, kann nicht stehen bleiben. Er kann nicht warten. Er kann nicht zuschauen. Er muss alles selbst in die Hand nehmen, weil er meint, sonst würden sich die Dinge seiner Hand entziehen. Er misstraut allem, was er nicht selber tut. Und er hat Angst vor den kleinen Unterbrechungen des Alltags. Da würde er ja mit sich selbst konfrontiert. Doch das kann er nicht aushalten, also muss er immer tätig sein, immer etwas in der Hand haben, was er vor sein Herz halten kann, damit er die Unruhe und Ängstlichkeit seines Herzens nicht wahrnimmt.

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