Manuskripte

SWR3 Worte

Was macht mein Leben reicher? Renate Maier- Scheffler schreibt dazu einem Blog:

Samstag in meiner süddeutschen Heimatstadt. Ein klassischer Tag zum Autowaschen und -polieren.
Auf dem Parkplatz des Edelitalieners sehe ich eine Menge schneller, schöner Autos. Vor einem BMW steht eine Gruppe junger Männer.
In der Mitte der Wagenbesitzer, der voller Stolz sein Baby auf der Kühlerhaube wickelt.
»Heilix Blechle!« Wie schön sich die Zeiten doch manchmal ändern.

Aus: http://blog.zeit.de/zeit-der-leser/2013/11/14/was-mein-leben-reicher-macht-1523/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17771

Warum gerade ich? Fragen viele, wenn etwas Ungutes passiert ist. In einem Gedicht geht die Theologin Dorothee Sölle dieser Frage nach:

Wir fragen dich oft
warum gerade ich warum gerade mir
wo steckst du bloß Gott
der es gut mit uns meinen soll
bist du beschäftigt
warum kümmerst du dich nicht.
Du fragst uns immer
hast du mich nicht gesehen
hast du mich nicht gehört als ich schrie
warst du beschäftigt
warum kümmerst du dich nicht um mich?

Eines anderen tages
werden wir doch hören
starren nicht mehr nach oben
warten nicht auf zauberer
nehmen dich an christus
wie du bist
öffnen die tür
an die du lang gepocht hast
und lassen dich herein ausländer
dich aidskranken
dich alte nutzlose frau

Aus: Dorothee Sölle, Leidenschaft für das Leben, Kreuz Verlag 2009 Freiburg, S.124

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17770

Kindern sollte man nicht nur Steine aus dem Weg räumen, sondern ihnen auch was zumuten. Das macht Lust aufs Leben. Meint Abtprimas Notker Wolf:

Meine Mutter bleute mir früher ein, ich hätte zuerst die Hausaufgaben zu machen und könnte dann spielen. So… ist es auch beim Erlernen eines Musikinstrumentes: da braucht es ebenfalls eine Mutter, einen Vater… die gut zureden.
Wie oft gibt es Ermüdungserscheinungen und wie oft war auch ich kurz davor, meine Geige, Gitarre oder Querflöte in die Ecke zu werfen. Da braucht gerade ein junger Mensch jemanden, der ihn nicht ausweichen lässt.
Wenn jemand ein Musikinstrument spielen kann, wird ihm dies ein Leben lang helfen, auch über Phasen der Traurigkeit … hinwegzukommen… der Stolz, wenn man‘ s geschafft hat, geben Selbstzufriedenheit und machen auch wieder Lust auf das Leben.

Aus: Abtprimas Notger Wolf, Von den Mönchen lernen, 2009 Pattloch Verlag München, S.141

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17769

Bist du reif für die Macht? Abtprimas Notker Wolf ist Chef von rund 25000 Benediktinermönchen und meint dazu:

Jeder von uns trägt von Natur aus den Trieb zur Macht. Das ist prinzipiell nichts Schlechtes, denn Ehrgeiz und auch Eitelkeit sind Triebfedern, die manche herausragenden Leistungen erst möglich machen.
Schwache Menschen jedoch verlieren durch die Macht das Wesentliche, nämlich den anderen Menschen aus den Augen.
Sie hecheln sich von Anerkennung zu Anerkennung und kriegen doch nie genug- sie können sich nicht über Erfolge anderer freuen, sie stehen dauernd im Wettkampf.
Ihr ganzes Selbstbewusstsein hängt von ihrer einmal erlangten Machtstellung ab. Und erst, wenn sie die einmal verlieren, werden sie wieder zu fühlenden Menschen

Aus: Abtprimas Notker Wolf, Von den Mönchen lernen, 2009 Pattloch Verlag München, S.116

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17768

Die Art und Weise, wie man Essen zu sich nimmt, sagt viel über das eigene Selbstverständnis aus:
Junge Frauen, die sich nicht angenommen und attraktiv genug finden, werden magersüchtig oder erkranken an Bulimie. Andere wieder essen ihre Sorgen in sich hinein und werden fettleibig.
Vor allem Kinder werden dicker: zum einen, weil sie oft von ihren berufstätigen Eltern dazu veranlasst werden, sich nach der Schule selbst etwas zu essen zu besorgen…
hinzu kommt aber, dass für sie Essen auch zu einem Ersatz für Zuwendung und Liebe wird.
Politiker… glauben, Kinder müssten mehr Sport im Unterricht haben und starten Kampagnen… doch sie vergessen dass die Defizite ganz woanders zu suchen sind. Anders als das Tier will der Mensch das Essen als Ort der Gemeinschaft erleben- aber gerade daran fehlt es so häufig.

Aus: Abtprimas Notker Wolf, Von den Mönchen lernen, 2009 Pattloch Verlag München, S.154

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17767

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich sind deine Gebote, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Psalm 36, aus dem Alten Testament der Bibel
Aus: Evangelisches Gesangbuch, Spener Verlag Frankfurt/M 1994, Nr.719

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17766