Manuskripte

SWR3 Worte

´[Der jüdische Gelehrte] Martin Buber hat gern eine Begebenheit über einen aufgeklärten Lehrer erzählt, der dem Rabbi seine Bücher aufnötigte. Diese … waren geradezu übervoll von erdrückenden Argumenten gegen Gott und den Glauben. Und als er den Rabbi wieder einmal besuchte, nahm er an, dass der alte Mann entweder gegenüber seinen Argumenten kapitulieren und von seiner Religion abfallen würde oder dass er sie wütend verteidigen werde. Doch der Rabbi wiegte die Bücher lange in der Hand … Daraufhin strich er zart über die Bibel und mit Blick auf sie sagte er lediglich: Aber vielleicht ist das doch die Wahrheit … Und dieses furchtbare „Vielleicht“ erschütterte schließlich die Sicherheit … des atheistischen Lehrers.

 

Tomas Halik, Nachtgedanken eines Beichtvaters.

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Die Welt, in der wir leben, ist zutiefst ambivalent und bietet in der Tat die Möglichkeit zweier Interpretationsansätze: den atheistischen und den gläubigen, und Gott nimmt uns nicht die Freiheit und Verantwortlichkeit ab, die mit dieser Wahlmöglichkeit verbunden ist.

Der Glaube ist die Möglichkeit zur Reinterpretation dessen,  was der ... „weltlichen“ Sicht so eindeutig [erscheint].

 

Tomas Halik, Nachtgedanken eines Beichtvaters.

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Man denkt: Wenn ich das und das noch schaffe, und wenn der endlich sieht, dass ich das kann, und wenn ich das noch mache und das noch habe und dorthin verreise, dann endlich bin ich glücklich. Das ist immer ein Versprechen in die Zukunft. ... Meine überraschende Erkenntnis aber ist: Das Gegenteil macht glücklich, nämlich zu sagen: Wie es ist, ist es gut. Mehr brauche ich im Moment nicht.

 

Die Autorin Amet Bick, in: Publik Forum Nr. 16 (2013) vom 30.08.2013

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Wenn wir sagen: Unser tägliches Brot – meinen wir alles, was wir brauchen, um in Frieden zu leben. Brot ist Frieden. Essen können, statt zu hungern, ist Frieden. Trinken können, statt zu dürsten, warm zu haben, statt zu frieren, ist Frieden. ... Unser tägliches Brot, von dem wir leben, ist auch das Wort eines Menschen. Wir können nicht leben, wenn nicht das Wort zu uns kommt, das ein anderer zu uns spricht.

 

Aus: Beten durch die Schallmauer, Hg. von der Bundesleitung der Kath. Jungen Gemeinde

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Wenn ich mich selbst nicht ausstehen kann, kann ich andere nicht ertragen.

Wenn ich mich selbst nicht akzeptieren kann, kann ich andere nicht annehmen.

Wenn ich zu mir selbst nicht JA sagen kann, kann ich andere nicht bejahen.

Wenn ich mich selbst nicht leiden kann, kann ich andere nicht mögen.

Wenn ich mich selbst nicht lieben kann, kann ich mich anderen nicht liebevoll zuwenden.

 

P. Ceelen/P. Caretto, Ehrlich vor Gott, Herder: Freiburg 41984

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Gott ist voraus, … geht voraus. Gott ist ein wenig wie die Mandelblüte in deinem Sizilien, Antonio, die immer als Erste blüht. … Daher begegnet man Gott beim Gehen, auf dem Weg. … Daher weißt du nie, wo und wie du ihn triffst. Nicht du fixierst Zeiten und Orte der Begegnung mit ihm. Man muss daher die Begegnung erkennen ... [Und] dafür ist die Unterscheidung grundlegend.

 

Papst Franziskus in einem Interview

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Wenn der Christ restaurativ ist, ein Legalist, wenn er alles klar und sicher haben will, dann findet er nichts. ... Auf diese Weise wird der Glaube eine Ideologie unter vielen. Ich habe eine dogmatische Sicherheit: Gott ist im Leben jeder Person. Gott ist im Leben jedes Menschen. Auch wenn das Leben eines Menschen eine Katastrophe war, wenn es von Lastern zerstört ist, von Drogen oder anderen Dingen: Gott ist in seinem Leben.

 

Papst Franziskus in einem Interview

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