Manuskripte

SWR3 Worte

Dietlinde Mocnik verbringt ihre letzte Lebenszeit in einem Hospiz. Sie hat Lungenkrebs und wird bald sterben. Zum Abschied hat sie mit allen Menschen, die ihr im Leben wichtig waren, ein „Fest des freudigen Wiedersehens" gefeiert.
Auf die Frage, ob es nicht eine traurige Party war, antwortet sie: 

„Überhaupt nicht. Jeder hat hier gestrahlt und mitgemacht. Das Fest war ja aus dem Handgelenk geschüttelt. Wir haben gesagt, wir machen das schon. So entstand ein kleines Blumenparadies, eine Künstlerin spielte auf der Harfe. Es war ein Fest von vielen für viele. Das war Geist, Spiritualität. Es ist aus vollem Herzen gelacht worden."

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14903

Jonas Bedford-Strohm ist Sohn eines evangelischen Landesbischofs und macht sich Gedanken über das Image von Christen. Er sagt: 

„Ich glaube, dass man sich ein prüdes, langweiliges Bild von Christen macht.
Aber das stimmt nicht. Wenn ich auf einer Party sage, dass ich Theologie studiere, würde ich zwar oft lieber BWL oder Jura sagen, das ist unverfänglicher. Aber dann, nach dem dritten Bier, wenn ich erkläre, wie ich dazu komme, gehen die anderen auf und sind fasziniert. Ich hoffe, dass wir als Generation irgendwann den Mut haben, nicht erst nach dem dritten Bier darüber zu reden, sondern einfach so." 

Ein Zitat von Jonas Bedford-Strohm.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14902

Der neue Papst ist gewählt. Der argentinische Kardinal Bergoglio wird ab sofort die Geschicke der Katholischen Kirche lenken. Er nennt sich Papst Franziskus . Bei seiner Balkonrede gestern Abend hat er gesagt:

Ihr wisst, dass das Konklave entschieden hat, Rom einen neuen Bischof zu geben. Und es scheint, dass meine Kardinalsbrüder bis ans Ende der Welt gegangen sind, um ihn zu holen. (...)

Und nun beginnen wir diesen Weg. Der Bischof mit dem Volk. Einen Weg der Liebe, der Geschwisterlichkeit, des Vertrauens. Und ich wünsche uns, dass dieser Weg der Kirche, den wir heute beginnen, ein fruchtbarer Weg sein wird (...).

Und nun möchte ich euch den Segen spenden. Doch zuvor möchte ich euch um einen Gefallen bitten: Bevor der Bischof das Volk segnet bitte ich euch, dass ihr den Herrn bittet, dass er mich segnen möge. Dass ihr den Herrn um seinen Segen für mich bittet. Machen wir das in der Stille, dieses Gebet von euch für mich.

Der neue Papst Franziskus  in seiner gestrigen Balkonrede.

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14901

Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer über den biblischen Satz „Fürchtet Euch nicht". 

„Fürchtet euch nicht? Doch! Fürchtet euch! Das ist die Botschaft: Geht gegen alles an, was Furcht macht, was Düsternis verbreitet, was Natur zerstört, was gnadenlos ausbeutet, was Brot vorenthält und Freiheit beschränkt, Denken verengt, was Geld herrschen und Macht entgleiten lässt! Mag sein, dass die Welt morgen untergeht, schrieb Dietrich Bonhoeffer 1942, doch erst dann wollen wir die Arbeit für eine bessere Welt niederlegen, vorher nicht." 

Ein Zitat des evangelischen Theologen Friedrich Schorlemmer.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14900

Der Journalist Patrik Schwarz zu der Frage, ob Religion Privatsache ist. Er schreibt:

„Ich verstehe den Wunsch gut, ich möge in Glaubensfragen bitte den Mund halten. Meine Freunde sagen das gelegentlich zu mir, und in der Religion, der ich anhänge, dem Christentum, gibt es eine große Tradition, Gott im Schweigen zu suchen, nicht im Quatschen. Und doch fällt es mir zunehmend schwerer, den Mund zu halten, wenn es um Gott geht. Das heißt, ich beobachte an mir zwei gegensätzliche Impulse: In der Kirche fällt es mir zunehmend leichter, still zu sitzen, in der Öffentlichkeit zunehmend leichter, auch mal den Mund aufzumachen für meine Kirche. Früher war es genau andersrum."

 

Ein Zitat des Journalisten Patrik Schwarz.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14899

Der Schauspieler Dustin Hoffman in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung über die Frage, ob er noch unerfüllte Wünsche als Schauspieler hat. Er sagt: 

„Nicht als Schauspieler, nur als Mensch. Zum Beispiel wünsche ich mir, irgendwann mit demselben Staunen diese Welt verlassen zu können, mit dem ich als Kind in sie hineinkam. Ich weiß noch, wie ich als Kind die Konstruktion eines Eichenblattes bewunderte. Diese Faszination für das Kleine geht verloren im Laufe eines langen Lebens. Ich glaube, wir sind nie so voller Leben, wie als Kinder, und ich vermisse die Fähigkeit, stundenlang glücklich an die Decke zu starren."

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14898

Der Journalist Florian Breitmeier hat den alten Papst Benedikt, auf vielen Reisen begleitet. In einem Interview spricht er über die Eigenschaften, die er dem neuen Chef der katholischen Kirche wünscht. 

„Der nächste Papst wird viel stärker auf den Dialog mit den Bischöfen und den Ortskirchen setzen müssen, um möglichst viele Informationen aus der ganzen Welt zusammenzutragen.

Der kommende Papst wird verstärkt Antworten finden müssen: Wie steht es um die soziale Frage, wie steht es um die gerechte Verteilung der Güter in der Welt, welche Antworten hat die katholische Kirche auf die Komplexität des Lebens? Und da kommt es gar nicht so sehr auf eine Definition der Glaubensinhalte an, sondern es sind oft die Grauschattierungen, die das Leben liebens- und lebenswert machen. Und das muss ein Papst spüren." 

Der Journalist Florian Breitmeier über den neuen Papst.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14897