Manuskripte

SWR3 Worte

Warum endet das immer wieder so, wohin verschwinden sie, unsere guten Vorsätze? Sollten wir uns nicht lieber etwas vornehmen, das wir schaffen können? Keine Geschenke mehr kaufen, zum Beispiel.
Was, wenn das alles wegfiele und wir uns die ganze Kohle, die viele Zeit und die kostbaren Nerven sparen für das was wirklich zählt - und auch viel mehr Spaß macht: ehrliche Gespräche, Spenden für die, die es nötig haben, ein gutes Essen.
Klingt nach Gutmensch? Klar, man ist ja auch ein besserer Mensch, wenn man entspannt ist.

http://www.sueddeutsche.de/leben/weihnachts-stress-was-heisst-hier-stille-nacht-1.1241816

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Ich gehe, wie alle Nachbarn in meinem kleinen Dorf, an Heiligabend in der Kirche singen! Die ist sehr klein, da quetschen sich alle hinten rein. Bei den Liedern lasse ich die sehr christlichen Dinge weg, nicht weil ich das für ein Sakrileg halten würde als Muslimin, aber es geht mir halt nicht recht über die Lippen.
Letztes Jahr habe ich mir auch mal vorgenommen, dass ich mich da ganz rausziehe. Aber dann haben mich hinterher so viele Leute aus der Nachbarschaft gefragt, wo ich denn gewesen sei, dass ich ganz gerührt war, und in diesem Jahr bin ich wieder dabei.

http://www.sueddeutsche.de/leben/weihnachten-fuer-nicht-christen-ich-feiere-mit-1.1243206-2

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Dass die Nachbarn auf dem Campingplatz nicht gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, nur weil man zu acht aus dem Auto steigt. Ein gerechteres Steuersystem für Familien. Einmal in der Woche eine Putzfrau. Einen Graef-Allesschneider.
Dass ich meinen Kindern, trotz allen Respekts, eine gute Freundin bleibe, mit der man über alles quatschen kann. Mehr Anerkennung und adäquate Altersversorgung für Frauen, die nicht berufstätig sind, weil sie Kinder großziehen. Einen großen Teakholztisch mit acht Stühlen. Dass es häufiger Familienkarten gibt, egal für wie viele Kinder. Dass die Jungs im Sitzen pinkeln.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/4140/4/1

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Im Himmel und auf Erden zählt letztlich nur eine Währung. Die heißt nicht Euro oder Dollar, sondern - Entschuldigung - Liebe. Wer das nicht kapiert, ist ein Schaf, auch wenn er Nobelpreisträger wäre.
Und wer das zu gefühlig findet oder sich selber nicht mag, der kann es für sich ja so übersetzen: Man muss den Menschen neben sich nicht mögen, braucht sich keine falschen Gefühle einreden, muss ihn aber respektieren - ihn also so behandeln, wie man selber behandelt werden will.
Wer die Weihnachtsgeschichte versteht, der sieht den Mensch hinter der Zahl. Das ist Liebe.

http://www.sueddeutsche.de/politik/weihnachtsbotschaft-was-heute-wirklich-zaehlt-1.1243512

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Die Weihnachtsgeschichte erzählt von einem Geheimnis, von einer Wahrheit. In ihrer Mitte steht die Freude über die Geburt. Jede Geburt zeugt von der Verheißung, dass etwas Neues beginne, und sei es bloß ein neuer kleiner Mensch. Zugleich zeugt sie von der Gewissheit, dass es weitergeht. Nichts ist zu Ende. Ich bin nicht allein.
Die Geburt Jesu aber bezeugt weit mehr, und das singen die Engel: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!« Wer daran glaubt, gewinnt Zuversicht. Und wer nicht daran glaubt, wird zugeben: Es ist eine der besten Geschichten der Weltliteratur. Deshalb ist sie seit zweitausend Jahren so erfolgreich.

http://www.zeit.de/2011/52/01-Weihnachten

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14322

Sie blenden einen wirklich, die Engel des Alltags, so wie es der Engel in der Weihnachtsgeschichte tat, der die Schafhirten so erschreckte. Aber der Engel sagte: „Fürchtet euch nicht", und das ist es, was ich von seinen zeitgenössischen Ausgaben gelernt habe: von jenen, die vergewaltigte Frauen beraten, von den guten Polizisten, den Nonnen.
Das Leben wird immer hart, die Politik gemein, der Wind eisig sein. Dennoch: Auch Gutes wird immer wieder getan werden. Die himmlischen Heerscharen beweisen es jeden Tag: mit Feldbetten, mit Trost, mit Papiertaschentüchern auf ihren Schreibtischen. Wer die herrschenden Winde des Zynismus und der Orientierungslosigkeit meidet, der kann wahrhaft fliegen.

http://www.zeit.de/1994/52/engel-des-alltags/seite-1

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14321

Herr, setze dem Überfluss Grenzen
Und lass die Grenzen überflüssig werden.
Lass die Leute kein falsches Geld machen
Und auch das Geld keine falschen Leute.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
Und der Wahrheit mehr Freunde.
Gib den Regierenden ein gutes Deutsch
Und den Deutschen eine gute Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen
aber nicht sofort.

Hermann Josef Kappen: Auf dem Weg zum Licht. Spirituelles Lesebuch für die Advents- und Weihnachtszeit 2011. St. Benno-Verlag GmbH Leipzig 2011. S. 113

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