Manuskripte

SWR3 Worte

Die Sonne scheint für dich - deinetwegen;
Und wenn sie müde wird, beginnt der Mond, und dann werden die Sterne angezündet.
Es wird Winter, die ganze Schöpfung verkleidet sich,
spielt Verstecken, um dich zu vergnügen.
Es wird Frühling; Vögel schwärmen herbei, dich zu erfreuen;
Das Grün sprießt, der Wald wächst schön und steht da wie eine Braut, um dir Freude zu schenken.
Es wird Herbst, die Vögel ziehn fort, nicht weil sie sich rar machen wollen,
nein, nur damit du ihrer nicht überdrüssig würdest.

Der Wald legt seinen Schmuck ab, nur um im nächsten Jahr neu zu erstehen, dich zu erfreuen...
All das sollte nichts sein, worüber du dich freuen kannst?
Lerne von der Lilie und lerne vom Vogel, deinen Lehrern:
Zu sein heißt: für heute dasein - das ist Freude

Der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard
Aus: Karten nach Anderland, Teilheft „Genießen", Verein Andere Zeiten e.V. Hamburg.

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Ich glaube nicht an die Macht
des Stärkeren, an die Sprache der Waffen,
an die Macht der Mächtigen,
Ich will an die Menschenrechte glauben,
an die ausgestreckte Hand,
an die Macht der Pazifisten,

Ich glaube nicht an die Rasse,
an den Reichtum, an Privilegien,

Ich will daran glauben,
dass die ganze Welt mein Zuhause ist,
dass das Recht eins ist und überall gleich.

Ich glaube nicht, dass der Krieg
Und der Hunger unvermeidlich sind
Und der Friede unzugänglich ist,
Ich glaube nicht, dass der Traum
Des Menschen ein Traum bleiben wird
Und dass der Tod das Ende bedeutet.

Ich glaube an den Traum Gottes selbst:
Ein neuer Himmel, eine neue Erde
Wo das Recht sein wird.

Der brasilianische Theologe Dom Helder Camara
Aus: Gefunden in einem Interview mit Fabienne und Pierre Schneider, die Eltern des brutal ermordeten Yvan Schneiders.

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Luxus lebt davon, dass nicht alles Luxus ist. Wenn es immer und überall Champagner gibt, wenn jede Mahlzeit Lachs und Kaviar enthält, jedes Bett mit Seide bezogen, jede Stunde eine pure Mußestunde, jede menschliche Begegnung vollkommenes Glück ist, dann gibt es keinen Luxus mehr.

Luxus, dieses wunderbar prickelnde Gegenteil von Notwendigkeit, ist in eigentümlicher Weise verbunden mit Beschränkung und Askese.

Der Bestsellerautor und Karikaturist Tiki Werner Küstenmachner
Aus: Aus: JesusLuxus, von „Die Kunst wahrhaft verschwenderischen Lebens." -
Text-Abreißkalender 2010, Kösel-Verlag zum 17. Juli

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Sich ändern, das hängt stark zusammen mit dem Erwachsenwerden, auch in geistlicher Hinsicht. Und das bedeutet immer: Vater und Mutter verlassen.

Dazu gehört auch, das Bild zu verlassen, dass Gott ein Vater oder eine Mutter sei. Geistlich erwachsen werden heißt, diese Bilder zurückzulassen und immer wieder andere zu erproben: Gott als Freund, als Größter, als Welt, als Atom, als Energie, als Untergebener, als Geringster... und irgendwann gar keine Bilder mehr benötigen.

Der Bestsellerautor und Karikaturist Tiki Werner Küstenmachner
Aus: Aus: JesusLuxus, von: Die Kunst wahrhaft verschwenderischen Lebens. -

Text-Abreißkalender 2010, Kösel-Verlag zum 14. August

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Das Nichts ist nichts Bedrohliches. Ohne das Nichts wäre die Schöpfung niemals entstanden. Das Nichts scheint zu sein wie die Leinwand für einen Maler oder wie die Stille für einen Musiker. So ist das Unwichtige, Leere, vermeintlich Nichtige im Leben, möglicherweise genauso wichtig, wie die wertvollen Momente unseres Lebens.

Der Bestsellerautor und Karikaturist Tiki Werner Küstenmachner
Aus: JesusLuxus, von Die Kunst wahrhaft verschwenderischen Lebens. -
Text-Abreißkalender 2010, Kösel-Verlag zum 14. Juli

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Entgegen einer weitverbreiteten Meinung: Liebe macht nicht blind. Auch nicht die leidenschaftliche Liebe.

Blind macht vielleicht das „Haben-Wollen" das wir allzu oft mit Liebe verwechseln. Da verlieren Menschen vor lauter Gefühlen zuweilen den Verstand. Die Liebe aber ist nicht nur Gefühl, sie hat auch ihre eigene Intelligenz. Sie hat ihre eigene Genauigkeit des Blicks.

Das heißt: IN der Liebe sehen wir genauer hin. Wir sehen Dinge, die wir sonst über sehen würden. Das ist ein großes Geschenk.

Der Arzt Eckardt Nagel gemeinsam mit der Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt
Aus: Aus: Aber die Liebe...: Christsein aus ganzem Herzen von Eckhard Nagel und Katrin Göring-Eckardt, Kreuz-Verlag 2010

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In den letzten Monaten sind viele Menschen von einem öffentlichen Amt zurückgetreten. Was ist aber ein Amt? Der amerikanischen Präsidenten William Howard Taft hatte eine klare Vorstellung davon.

Er saß eines Abends beim Essen, als sein jüngster Sohn eine respektlose Bemerkung über seinen Vater machte. Alle waren entsetzt über die Unverfrorenheit des Jungen. Ein verlegenes Schweigen breitete sich im Zimmer aus.
Mrs. Taft fragte: „Willst du ihn nicht bestrafen?"
„Wenn die Bemerkung an mich als seinen Vater gerichtet ist, dann wird er bestimmt bestraft werden", sagte Taft.
„Wenn er sie allerdings gegenüber den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika machte, dann ist das sein verfassungsmäßiges Recht."

Aus: Weisheit kommt aus dem Herzen, Anthony de Mello, Herder 2009

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