Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Man könnte meinen, das heutige Lied sei einfach ein weiteres Frühlingslied. Jedenfalls wenn man diese erste Zeile hört: „Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen.“ Wilhelm Willms, der Dichter des Liedes, trifft damit die Aufbruchsstimmung und das neue Leben, das der Frühling bringt und auch verheißt.
„Frühling“ war darum für die Menschen in unseren Breiten immer schon mehr als nur eine Jahreszeit: Wärme und Licht lassen das Leben beinahe „explodieren“. Überall kann man das erleben und spüren. Vielleicht verspricht der Frühling sogar noch mehr. Jedenfalls haben das die Sensiblen und die Dichter*innen dem Frühling auch immer abgelauscht.
Auch Wilhelm Willms lässt schon in seiner zweiten Zeile erkennen, er sieht neue Möglichkeiten überall. „Alle Nächte werden hell, fangen an zu glühen.“ Es beginnt noch viel mehr zu leuchten, als nur Knospen und Blüten.

Musik 1
Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen.
Alle Nächte werden hell, fangen an zu glühen.
Knospen blühen, Nächte glühen,  Knospen blühen, Nächte glühen.

Wie kommt es zu so einem Lied? Träumt sich da der Poet die Welt romantisch zurecht oder ist wirklich Aufbruch? In der zweiten Strophe sieht er Möglichkeiten für Menschen, neu zu leben:

„Alle Menschen auf der Welt fangen an zu teilen.
Alle Wunden, nah und fern, fangen an zu heilen.“

Das ist mehr als Stimmung, aber auch noch nicht Realität.
Willms bringt etwas Drittes zur Sprache. Es kommt ja nicht vom Frühling in der Natur, dass Menschen Leben teilen. Oder dass Wunden heilen, bei nahen und fernen Mitmenschen. Willms lässt hoffen. Der Glaube lässt ihn es für möglich halten: Die Welt kann gerecht werden und heil. Und mir hilft sein Lied zu glauben, dass wir Menschen fähig sind zu neuem Leben. Wie die Natur nach dem Winter.

Musik 2
Alle Menschen auf der Welt fangen an zu teilen.
Alle Wunden nah und fern fangen an zu heilen.
Menschen teilen, Wunden heilen, Knospen blühen, Nächte glühen.

In der letzten Strophe wird offenbar: Wilhelm Willms` Lied, das als Frühlingslied begonnen hat, ist ein Osterlied. Es lebt von dieser unerhörten Hoffnung, die Christen immer neu ins Spiel bringen. Und es belebt diese Hoffnung.

„Alle Stummen hier und da fangen an zu grüßen.
Alle Mauern tot und hart, werden weich und fließen.“

Das erinnert an die biblische Ostererzählung. Jesus eingemauert hinter Stein. Aber dann erfahren die Frauen, die ans Grab kommen. Er lebt. Der Glaube an ihn beginnt neu zu fließen und öffnet neue Möglichkeiten. Grenzen, die vorher wie festgemauert waren, werden weich und überwindbar. Und der „Frühling“, der alles Leben verändert, ist das Reich Gottes. Es beginnt, jetzt. Im Singen, im Hoffen und wenn Leben sich zum Guten verändert.

Musik 3
Alle Stummen hier und da fangen an zu grüßen.
Alle Mauern tot und hart werden weich und fließen. Stumme grüßen, Mauern fließen,
……
Menschen teilen, Wunden heilen, Knospen blühen, Nächte glühen.

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Musiken 1-3 
„Alle Knospen springen auf“
Text: W. Willms, Musik L. Edelkötter

AMS   M0472059 01-004 „Alle Knospen springen auf“ coro piccolo  Ltg. Christian-Markus Raiser

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26343