Manuskripte

SWR2 Zum Feiertag

Herzlich willkommen zu unserem Feiertagsbeitrag – heute am katholischen Fronleichnamsfest! Mein Gesprächspartner ist Vincent Klink aus Stuttgart.

Herr Klink, schön dass Sie da sind. Seit 25 Jahren sind Sie Küchenmeister auf der Wielandshöhe in Stuttgart und haben – noch länger – einen Michelin Stern. Im SWR sind Sie wohlbekannt, das aktuelle Format Ihrer Sendung heißt: „Echt gut! Klink & nett“. Sie haben viele Interessen: Gärtnern, Pfeil und Bogen schießen, Flügelhorn spielen, Jazz und wie ich inzwischen gehört habe auch etwas Pop. Und Sie schreiben. Und ich lese gern, was Sie schreiben: Tagebuch und Bücher, die etwas mit Kochen und Essen zu tun haben. Und eigentlich ist alles so, wie man es nicht erwartet: Ein bisschen frech und kreativ, aber mit klaren Prinzipien. Aber am wichtigsten vielleicht - sind Sie ein Mann, der etwas vom Essen und Trinken versteht und selber gern isst und trinkt. Gab es denn an Fronleichnam in Ihrer Kindheit ein besonderes Essen? Und wissen Sie noch, was das war?

Ich muss Ihnen gestehen, dass ich nicht mehr weiß, was es an Fronleichnam gab, wenn ich mich recht erinnere, gab es nicht viel, denn Fronleichnam war, ich komm aus Schwäbisch Gmünd und das war ja granatenmäßig katholisch damals, eine solche Schufterei, weil das Haus geschmückt werden musste und wir hatten ein großes Haus und die Prozession kam an unserem Haus vorbei. Da war es der Ehrgeiz jeder Frau in der Straße, noch mehr Blümles, noch mehr Girlanden und diese gelb-weißen Fähnle und das alles zu haben. Und man war dann froh, wenn alles geschafft war, aber es war kein großer kulinarischer Tag.

Jetzt leben Sie aber seit vielen Jahren in Stuttgart, Stuttgart ist eher protestantisch geprägt, auch kulturell. Was ist hier anders als in Ihrer Heimatstadt Schwäbisch Gmünd? Sieht man überhaupt etwas von Fronleichnam in der Landeshauptstadt? Vermissen Sie vielleicht was?

Also, ich hab‘s  net mitgekriegt, was da so passiert, weil wir ja mittags unser ganz normales Mittagessen haben und ich in der Küche sein muss. Als Koch kriegt man ja von der Welt nimmer so viel mit, weil man tatsächlich kaum das Haus verlässt, worunter ich früher als junger Mann gelitten habe, aber heute liebe ich es sehr, dass da meine Wirtschaft ist und nebendran ist meine Wohnung und ich brauch net in den Stau und so…Und wenn ich dann mal in die Stadt komme, dann erschrecke ich beinahe, was da für ein Durcheinander ist. Also ich lebe diesbezüglich auf Wolke 7.

Wissen Sie denn selber noch etwas über Fronleichnam, von dem Fest, worum geht es da und was bedeutet es?

Es war auf jeden Fall etwas ganz Frohes und wir haben es in der Klosterschule schwer eingebimst bekommen, was da los ist. Es geht ja eigentlich darum, dass Jesus wirklich ein Mensch geworden ist…
(
mit Fleisch und Blut)

… und dass man diese Oblate, die eigentlich genau das symbolisiert oder besser genau das ist, wobei ich sagen muss – ich war in Schwäbisch Gmünd in einer von Schwestern geführten Oblaten(Hostien)Bäckerei – es gibt kein faderes Gericht wie eine Oblate – es ist schon wichtig, dass dahinter auch eine gewisse Aura, eine Mythologie und so steckt…

Und die tritt an Fronleichnam in Erscheinung, dadurch, dass diese Oblate an Fronleichnam dann in der Monstranz getragen wird unter einem Traghimmel und in festlichen Gewändern eine festliche Prozession stattfindet – also das Sinnliche steht da schon sehr im Vordergrund.

Unglaublich – die Blumenteppiche in Schwäbisch Gmünd – das war ja ein Superstress. Jede Pfarrei – also ich hab zu St. Franziskus gehört, es gab dann noch die Münsterpfarrei – dann haben die Anwohner, die Kolpingfamilie und andere die Blumenteppiche gemacht und dagegen ist der Eurovision Song Contest nichts – Lachen – das war eine ehrgeizige Angelegenheit. Es war auch freudig, die ganzen Kinder haben mitgeholfen, Blumen gesammelt. Die Pfingstrose war eine ganz wichtige Blume dabei und auch z. B. Jasmin und diese ganzen Geschichten… Das hat natürlich auch geduftet – natürlich auch Rosenblüten in großen Mengen! Ich hab schon so in Erinnerung, dass es eine ganz große Freude war – auch das man das so schön hingebracht hat. Es wurde ja sogar künstlerisch unterfüttert – und mit solchen Freuden befrachtet…

Es ist ja ein ganz ordentlicher Gegensatz: Auf der einen Seite die gro0e Inszenierung – auf der anderen Seite das kleine Stückchen Brot, das da in der Monstranz steckt, die Oblate, die Hostie – und Sie sagen, na ja, es gibt eigentlich nichts Faderes als das – Sie haben dazu neulich in Ihrem Tagebuch auch etwas geschrieben, das muss ich geschwind mal vorlesen: Also original Klink: “Wenn Essen auf einem religiösen Grundrauschen zelebriert wird, dann schmeckt es häufig – schlecht!

Solche Speise muss auch gar nicht gut schmecken, denn sie ist ja heilig und über Kritik erhaben. Das wird der Grund sein, weshalb die Oblate, die vom Priester auf die Zunge gelegt wird, die allerfadeste Speise auf dieser Welt ist. Und manche Leute trotzdem in Verzückung geraten. Kurzum, die Zunge schmeckt immer weniger und unser Gehirnkasten manipuliert uns auf bedenkliche Weise …“

Was meinen Sie denn mit diesem „religiösen Grundrauschen“? Die Hostie hat ja eindeutig einen tief spirituellen Charakter und steht auf religiösem Fundament…

Ja absolut und ich habe es in meinem Buch geschrieben – da ging es eigentlich um koscheres Essen – und das richtet sich ja im Jüdischen nach mosaischen Speiseregeln. Und ich hab schon oft koscher gegessen – in Paris – es war immer schlecht! Und da hab ich gedacht, das ist so, weil sie die mosaischen Speisegesetze so sehr beachten, da muss es nicht auch noch gut schmecken, das wäre ja fast „doppelgemoppelt“

Aber dass es ein bisschen einen Widerspruch gibt – zwischen dem, was religiös verlangt wird, was dann zum Heiligen hinführt und dem, was gut schmeckt - ist doch eigentlich schade. Eigentlich sollte das Heilige doch auch gut und wohlschmeckend sein.

Ja, man könnte jetzt kleine Fleischküchle auf die Zunge legen, aber wir haben ja schließlich auch eine Tradition – und es geht um das Brot und den Wein – und letztendlich Symbole und das muss nicht auch noch gut schmecken, es geht um den symbolischen Inhalt, um diese Werte…

Und es ist natürlich schon etwas Besonderes, das Brot, etwas ganz Elementares – etwas das wir in unserem Kulturraum unbedingt zum Leben brauchen – als Symbol der Seelenspeise. Von Jesus so auf sich gedeutet, dass es Seelenspeise ist, das uns beim Menschsein hilft – zu dem, was wir mit dem Brot in den Magen bekommen… Vielleicht dazu nun in meiner letzten Frage: Es heißt ja in der Bibel, der Mensch  lebt nicht vom Brot allein.

Was bedeutet Ihnen denn viel und was macht Sie satt?

Was mich satt macht ist, wenn ein Essen wirklich nach Essen aussieht und einen gewissen Duft verströmt und in meinem Kopf tatsächlich, die Wirklichkeit ist. Ja oft eine andere  als wir sie im Kopf empfinden und für mich ist es so, wenn das Essen – da können wir ruhig wieder auf die Hostien zurück kommen- etwas Mentales, Freudiges transportiert. Das Gegenteil erlebe ich, wenn ich eine Tablette schlucke, da würgt es mich jedes Mal… Aber ich kann einen Riesenbrocken – bleiben wir mal bei Fleischküchle – herunterbringen. Da kommt soviel zusammen, das Aussehen ist meiner Meinung nach am wenigsten wichtig, sondern der Duft ist ganz wichtig und dann am Ende der Geschmack, den man auf der Zunge hat und dann noch die Erinnerung an die Mutter, die besonders gute Fleischküchle gemacht hat – um das Beispiel durchzuziehen.

Und deswegen ist für viele wichtig, diesen Leib Christi in der Kirche zu sich zu nehmen. Dann schmecken die Hostien anders als das ein Nichtgläubiger schmecken würde.

Weil es für eine andere Wirklichkeit steht.

Herr Klink, vielen Dank für das Gespräch. Und einen schönen Feiertag…

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