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SWR2 Wort zum Tag

Heute wird bundesweit die „Woche für das Leben“ eröffnet. Die gemeinsame Aktion der evangelischen und der katholischen Kirche steht unter dem Motto: „Mit Kindern in die Zukunft gehen“. Schon seit einiger Zeit beherrscht das Thema „Kinder“ die Schlagzeilen und die Gemüter, was die ARD dazu veranlasst hat, sich eine ganze Woche lang mit diesem Themenschwerpunkt zu befassen. Was lange Zeit selbstverständlich war: Kinder zu bekommen und Kinder zu erziehen, braucht neue Begründungen und neue Wege.

Ohne Kinder sind wir auf Dauer nicht zukunftsfähig. Aber nicht nur, weil unsere Sozialsysteme sonst nicht mehr funktionieren. Für Christen sind Kinder ein Segen. Mit den Kindern wird uns Zukunft geschenkt. Wer sich auf Kinder einlässt, erfährt unmittelbar, dass das Leben einen weiteren Horizont hat als nur die eigenen Pläne und Vorhaben. Kinder sind Gottes Gabe an uns. Ihre Lebendigkeit und ihr Interesse für so vieles, ihre Fähigkeit zu wachsen und zu lernen – das eröffnet mit jedem neuen Tag Zukunft.

Aber dazu brauchen Kinder Menschen, die sie in der Welt willkommen heißen. Die sich darüber freuen, dass es sie gibt. Die ihnen zutrauen, dass sie ihren Platz in der Welt finden können. Kinder brauchen Menschen, die sie in ihrer Entwicklung begleiten und ihnen Orientierung geben. Das gilt zuerst für die Eltern aber auch für Großeltern, Tanten und Onkel, Erzieherinnen, Lehrer, Nachbarn und letztlich für die ganze Gesellschaft.

„Mit Kindern in die Zukunft gehen“ fordert dazu heraus, etwas Größerem zu vertrauen.. Denn die in den Kindern verborgene Zukunft ist nicht nur die Verlängerung der Gegenwart sondern immer auch Geheimnis und Geschenk. Für mich heißt das Gott zu vertrauen, der uns zusagt, mit auf dem Weg zu sein. Dieses Vertrauen ist für mich ein wichtiger Halt. Es löst nicht einfach alle Probleme, aber es gibt mir Kraft und Zuversicht. Und an diesem Vertrauen kann ich meine Kinder teilhaben lassen. Wenn ich etwa abends mit ihnen bete oder ihnen von Gott erzähle, und sie so allmählich in den Glauben an Gott hineinwachsen

Kinder brauchen Halt. Sie brauchen das Vertrauen, in ihrer Welt behütet zu sein. Dann können sie wachsen und mit Zuversicht in die Zukunft gehen. Es ist für sie ein Segen, wenn sie entdecken können, dass Gott mit ihnen auf dem Weg ist.


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„Mama, ich will mithelfen“ , ruft mein kleiner Sohn und schiebt sich einen Hocker an den Spültisch. Das freut mich und ich unterstütze ihn dabei, auch wenn es manchmal anstrengender ist, als es selbst zu machen.
Kinder ahmen die Erwachsenen nach. Das ist ihre Weise zu lernen. Indem sie das nachmachen, was die Großen tun, gehören sie dazu und werden selbst „groß“. Das gilt fürs Spülen genauso wie für die Lust, Vater-Mutter-Kind zu spielen, und das gilt grundsätzlich auch für die Lebenshaltungen und Werte, die Kinder bei ihren Eltern und anderen wahrnehmen. Wenn heute über den Verlust an Werten bei der jungen Generation gesprochen wird, so ist das zuallererst ein Spiegel, den sich wir Erwachsene vorhalten sollten. Werte entstehen nicht durchs Reden sondern durchs Tun. Wenn Kindern und Jugendlichen Werte vermittelt werden sollen, dann brauchen sie zuallererst Vorbilder, die ihnen diese Werte vorleben.

Nach christlich-humanistischem Verständnis ist der grundlegende Wert unseres Zusammenlebens die Würde und Bedeutung jeder einzelnen Person. Diesen Wert „erlernt“ ein Kind dadurch, dass es selbst erfährt, geliebt und geachtet zu sein. Es ist nie zu oft und nie zuviel einem Kind zu sagen und vor allem zu zeigen: „Wie gut, dass es dich gibt.“ Und: „So wie du bist, mögen wir dich“. Das ist nicht immer einfach, denn neben den liebenswürdigen Seiten, die jedes Kind hat, gibt es auch die anstrengenden, die Erziehung zu einem mitunter mühsamen Geschäft machen. Warum zum Beispiel muss der Bruder immer so eifersüchtig sein, wenn seine Schwester etwas bekommt?

In solchen Situationen ist es wichtig und entlastend, sich die guten Anlagen und Kräfte der Kinder vor Augen zu führen, die ja oft die positiven Kehrseiten ihrer anstrengenden Seiten sind. Hinter der Eifersucht etwa steht das Grundbedürfnis, wahrgenommen zu werden. Und das ist wichtig, um sich als Person entfalten zu können.

Aber auf dem Weg, erwachsen zu werden, können und müssen Kinder auch lernen, unangenehme Dinge zu tun und schwierige Situationen auszuhalten. Sonst bleiben sie geistig und emotional kleine Kinder, die alles vom Leben erwarten und frustriert sind, wenn ihnen etwas abverlangt wird. Auf diesem Weg brauchen sie Erwachsene, die freundlich und konsequent an ihrer Seite sind. Wenn Kinder bei diesem Lernprozeß entdecken können, dass sich diese Mühe lohnt, ist ein wichtiger Grundstein für ihr Wertbewusstsein gelegt.
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Wünschen Sie einen Jungen oder ein Mädchen? Es klingt nach einem ziemlich unmoralischen Angebot, was ein Kölner Biotech-Unternehmen werdenden Eltern da unterbreitet. So verstand es zumindest auch die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik und forderte rasch ein Verbot: Für einen Bluttest nämlich, der bereits in der achten Schwangerschaftswoche Eltern Auskunft geben soll, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen erwarten - innerhalb der gesetzlichen Frist also für einen Schwangerschaftsabbruch. Solch ein Angebot lässt sich damit grausam missbrauchen –für eine vorgeburtliche Geschlechtsauswahl. Und wird ein solcher Test nicht in Ländern wie China oder Indien auf rege Nachfrage stoßen? Dort, wo heute schon weibliche Embryos, Mädchen gezielt abgetrieben werden.
Ich kenne keine Eltern, für die Junge oder Mädchen nicht gleich erwünscht waren – denke ich beruhigt. Aber wie ist das mit den Wünschen an Kinder überhaupt?
Ein Kind ist ein Geschenk, ja natürlich. Aber meine Wünsche habe ich doch: Gesund soll es sein, das Kind, selbstverständlich. Auch hübsch anzuschauen, denn schöne Menschen finden leichter Freunde, sind erfolgreicher im Beruf - unzählige Studien haben es bewiesen. Behaupten sollen sie sich können, die Kinder in dieser Welt des Wettbewerbs. Ehrgeizig sein, selbstredend jedoch auch sozial eingestellt. Enkel wünsche ich mir von ihnen, ich hatte so wenig Zeit und Muße für die eigenen Kinder.
Die Wünsche für mein Kind und die Wünsche an mein Kind – sie lassen sich schwer unterscheiden. Aber früh geht es los mit der Rebellion der Kinder gegen die Wünsche der Eltern. Diese Wünsche – ein immerwährender innerfamiliärer Krisenherd. Die Kinder werden nicht so, wie ich es mir wünsche – das ist doch die Grunderfahrung vieler Mütter und Väter.
Kinder sind ein Geschenk Gottes, das sagen wir, wenn unser Wunsch nach einem Kind in Erfüllung gegangen ist. Das feiern wir auch, wenn wir sie taufen.
Sie sind uns geschenkt, aber nicht unser Eigentum. Wem gehörst Du? So hat man früher im Dorf gefragt und meinte natürlich, zu welcher Familie. Kinder gehören zu ihrer Familie, sind ihren Eltern anvertraut.
Kinder bleiben jedoch auch Gotteskinder. Dieses sich immer wieder zu erinnern, schafft ein wichtiges Korrektiv: Wir dürfen Kinder nicht mit unseren Wünschen ersticken, auch wenn sie natürlich gut gemeint sind. Kinder bleiben unseren Wünschen entzogen, als Gotteskinder gehören sie sich selbst. Das entlastet aber auch: Was - wie es so schön heißt - aus den Kindern wird, liegt nicht allein in unserer Hand. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1149
Ein Ehepaar, sie Theologin, er Theologe, unterhalten sich über die Auferstehung der Toten. (Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky, Publik-Forum, Extra, Dorothee Sölle, Eine feurige Wolke in der Nacht, 32ff)
„Wenn ich auf Friedhöfen die Inschrift ‚Auf Wiedersehen’ wahrnehme, - sagt sie, dann kommt mir das verlogen vor. ... Die abendländische Tradition mit ihrer Mischung aus Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung hilft heute nur noch wenigen weiter.“ Er antwortet: „Warum soll das „Auf Wiedersehen“ verlogen sein? Was immer Menschen in ihrer Hoffnung sagen – „Auf Wiedersehen, Gott wird die Toten auferwecken, unsere Tränen werden getrocknet werden“, es sind Spiele und Lieder der Hoffnung. Es sind Umspielungen der Hoffnung, dass das Leben geborgen wird und dass Menschen mit ihrem Tod nicht in eisige Abgründe stürzen. ... Selbst wenn du diese Hoffnung nicht teilst, wenn du in deiner Sprache nicht so weit springen willst, warum willst du die Hoffnungssprache der anderen diskreditieren als Lüge? ... Das „Ich weiß es nicht“ wäre die humanere Antwort. Du fragst: „Sollte ich mich mit der Endlichkeit meines Lebens zufrieden geben?“ Sag’ mir lieber, warum sollte sich eigentlich die Frau in Bolivien, die allein und in Armut auf dem Land lebte und sich dann aus Verzweiflung das Leben genommen hat, mit ihrer Endlichkeit zufrieden geben? Warum sollen die jungen Kerle, die zum Militär gezwungen und mit 18 Jahren von Granaten zerrissen wurden, sich mit ihrer Endlichkeit zufrieden geben?
Das Gespräch der beiden führt unmerklich weg von ihrem persönlichen Schicksal. Es mündet in die Frage nach den Menschen, die sich, in unseren Maßstäben gemessen, beim besten Willen nicht zufrieden geben können mit ihrem Leben. Die Opfer von Unrecht und Gewalt, deren Schicksal – wie wir oft sagen – ‚zum Himmel schreit’. Was ist mit ihnen? Fordert nicht ihr Leben und Sterben geradezu einen Glauben an die Auferstehung? Damit führt das Gespräch zu Vorstellungen, die wir in der Bibel finden. In den späten Büchern des Alten Testamentes war genau dies eine Erfahrung, die zum Glauben an ein Leben über den Tod hinaus geführt haben. ‚Gott rettet aus der Schlinge des Jägers’. ‚Er befreit aus dem Verderben’. Hier bezeugt Israel seine Erfahrungen mit Gottes Wirken in der Geschichte und weitet sie gleichsam über die Schwelle des Todes hinaus zum Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit am Ende der Zeiten, für alle Menschen.
An diesem Glauben Israels knüpfen die Osterzeugen an beim Versuch, von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen Christus zu sprechen. „Diesen Jesus, der durch die Hand der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen wurde, ihn hat Gott auferweckt“ (Apg 2), „Sie haben ihn gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt.“ (Apg 10)
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Der Franzose Abbé Pierre war weit über sein Land hinaus bekannt als Helfer der Obdachlosen und Anwalt derer, die am Rand der Gesellschaft leben. Er hatte sich sein Leben lang für ein Prinzip eingesetzt, das in Kürze vom französischen Parlament zum Gesetz erhoben werden soll: nämlich das einklagbare Recht auf eine Wohnung. Ende Januar ist Abbé Pierre mit 94 Jahren gestorben und wurde in der Kathedrale Notre Dame in Paris verabschiedet. Eine große Gemeinde hatte sich zum Trauergottesdienst versammelt, unter ihnen waren der Staatspräsident und der Erzbischof von Paris, vor allem aber viele seiner Weggefährtinnen und Weggefährten, die sogenannten ‚Lumpensammler’ und die anonymen Wohltäter aus seinem Hilfswerk ‚Emmaus’. Mehr als zehntausend Mitglieder hat es heute in 37 Ländern.
Abbé Pierre wurde 1912 geboren und stammte aus einer wohlhabenden Seidenfabrikantenfamilie in Lyon. Sein Erbteil verteilte er schon früh an die Bedürftigen in seiner Heimatstadt. Er trat in den Kapuzinerorden ein und wurde Priester. Während des zweiten Weltkriegs war er Mitglied des Widerstandes. Er half politisch Verfolgten bei der Flucht in die Schweiz. Nach dem Krieg war er zeitweise Mitglied der Nationalversammlung. Am 1. Februar 1954 wurde er gleichsam über Nacht in ganz Frankreich bekannt, als er in einem Radioaufruf seine Landsleute zur Nothilfe für die Obdachlosen mobilisierte mit den Worten: „Meine Freunde, zu Hilfe. Eine Frau ist heute Nacht um drei Uhr auf dem Bürgersteig erfroren. Jede Nacht gibt es mehr als 2000 Obdachlose, in der Kälte, ohne Dach, ohne Brot, einige fast nackt.“ (Aus NZZ, 23.1.2007, Nr. 19, S. 7)
Abbé Pierre brachte damals ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, dass die großen wirtschaftlichen Erfolge der Nachkriegszeit auch ihre Kehrseite hatten, ihre Opfer, Menschen, die nicht mithalten konnten, die aus vielerlei Gründen auf der Straße sind und nur mit dem Allernotwendigsten überleben. Sein Aufruf wurde gehört und von vielen verstanden: Es gehört zur Qualität einer Gesellschaft und gibt Auskunft über ihr menschlich-ethisches Niveau, dass sie die Obdachlosen nicht ausschließt, sondern als zu sich gehörig betrachtet. Und den Betroffenen auch das Bewusstsein zu geben versucht, dass sie dazugehören. Dazu trug Abbé Pierre mit seinem langen Leben in erheblichem Maße bei. Und dazu tragen heute immer mehr Einrichtungen bei wie Tafeln, Speisekammern, Suppenküchen, Vesperkirche und Essenstreffs. Allein in Deutschland gibt es davon heute über 600. Seit 2003 hat sich ihre Zahl verdoppelt.

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Ostern ist in unseren Breiten ein ganz und gar vom Frühling geprägtes Fest. Oft sehen wir deshalb die Auferweckung Jesu aus dem Tod in einer Entsprechung zum Neuerwachen der Natur im Frühjahr. Auf Herbst und Winter, die Zeiten des Abschiednehmens und des Todes, folgen Frühjahr und Sommer, die Zeiten des Wiedererwachens und des Neubeginns.
Viele Menschen regt diese immer neue Wiederkehr der Jahreszeiten an, über den Verlauf des eigenen Lebens nachzudenken und lässt sie auch zu Ostern Zugang finden. So zum Beispiel der Theologe Klaus Peter Hertzsch. Er erinnert daran, dass was in der Natur als Kreislauf erscheint, nicht die Wiederkehr desselben ist, sondern – wenn oft auch unmerklich - eine Geschichte mit linearem Verlauf. Die Jahre, mit denen wir die Zeit der Erde und unseres eigenen Lebens messen und zählen, haben einen Anfang und ein Ende. Innerhalb dieser Zeit gibt es ein Auf und Ab, Kommen und Gehen. Manches, was zu Ende gegangen ist, bricht überraschend in neuer Weise auf; was wie verschüttet schien, kann zu neuem Leben erstehen.
Das Leben ist also kein Kreislauf. Wir kennen unverhoffte Aufbrüche innerhalb unseres Lebens und der Geschichte der Menschen. An Ostern gilt das noch viel mehr. Denn die Auferweckung Jesu aus dem Tod spricht nicht vom Neuwerden des Alten, sondern von der Neuschöpfung unseres Lebens nach seinem unabwendbaren Ende. So wie der Anfang des Lebens von Gott geschenkt ist und den Menschen mit Gott verbindet, so wird er neues Leben schaffen nach dem Tod. Das meint die österliche Hoffnung.
„Sag meinen Kindern, dass sie weiterziehen“ heißt das Buch von Klaus-Peter Hertzsch. Er spricht von dem, was Christen seit der Auferweckung Jesu hoffen und darum auch von ihrer eigenen Zukunft erwarten. Dabei blickt er zurück auf sein eigenes, von manchen Auf- und Abbrüchen geprägtes Lebens, - und er spricht in der leichten Sprache gereimter Verse. (Klaus-Peter Hertzsch, Stuttgart 2002, 264).

„Hell ist der Wald. Das Land wird wieder jung.
Und schön der Park, Gesträuch und Wiesenhänge.
Wie weckt der Frühling die Erinnerung
An ferne Tage und versunkne Klänge.

Das Land wird wieder jung. Wir aber werden alt.
Wir sehn das neue Grün mit leiser Wehmut.
Das Alter prägt uns Antlitz und Gestalt.
Gott geb uns dazu Heiterkeit und Demut.

Das Leben um uns träumt in Wiederkehr.
Doch wir sind wach und gehen nicht im Kreise.
Wir kommen aus geheimem Anfang her
Und sind zu gutem Ziele auf der Reise.

Lass uns ein Stück noch miteinander gehen
Durch manchen Kreis mit seinen Jahreszeiten.
Und lass uns vorwärts in die Weite sehen,
wo alle Horizonte offen stehn
und sich im Osterlicht die Berge Gottes breiten“.


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