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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

22JUN2019
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Heute vor 15 Jahren ist oben auf der Dresdener Frauenkirche das Kreuz angebracht worden. Seit 1945 hatte da nur ein Trümmerhaufen gelegen. Aber 50 Jahre lang war der Gedanke nicht tot zu kriegen: diese Kirche muss wieder aufgebaut werden. Mit Notre Dame in Paris ist es ganz aktuell nicht anders. Undenkbar, solche Räume einfach aufzugeben. Warum eigentlich?

Immer wieder hört man doch, dass den Menschen heute überhaupt nichts mehr heilig ist. Auch keine Kirchenräume. Hier erlebe ich es anders. Ich unterstelle jetzt einfach einmal, dass nicht jeder Unterstützer auch sonntags andächtig im Gottesdienst sitzt. Trotzdem: für alle ist wichtig, dass die Kirche da ist, dass es diesen Raum gibt, der sich von allem anderen außen herum unterscheidet. Warum? Weil er irgendwie heilig ist. Menschen brauchen solche Orte, die sie raus aus ihrem Alltag holen. Kirchen wie die Dresdener Frauenkirche oder Notre Dame in Paris ziehen mir schon allein wegen ihrer Optik die Schuhe aus, aber nicht nur deshalb. Ich denke auch an die Menschen, die über Jahrhunderte an ihnen gearbeitet und in ihnen gebetet, geweint, gejubelt, gezweifelt und geglaubt haben. Auch so werden Räume heilig. Das kann dann auch eine kleine Waldkapelle oder die alte romanische Dorfkirche am Urlaubsort sein. Ich kenne eine Kirche, da hat man in den Boden des Altarraumes ein Paar Schuhe eingraviert. Das bezieht sich auf eine Bibelstelle. Moses sieht in der Wüste einen brennenden Dornbusch und hört Gott, der zu ihm spricht: “Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst ist heiliger Boden.“ (Ex3,5). Ein schönes Bild. Heilige Räume sind Räume, an denen es mir die Schuhe auszieht. Zum Glück braucht es dafür gar nicht viel. Manchmal reicht ein Schild am Eingang. Darauf steht: „Dies ist Gottes Haus. Komm herein, mach es zu deinem! Wir laden dich herzlich ein, hier zu verweilen um auszuruhen, nachzudenken und zu beten.“ Auch so werden Räume heilig gemacht. Wo man so einlädt, da bleibe ich gerne sitzen. Und die Schuhe kann ich dabei getrost anlassen.

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21JUN2019
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Und – haben Sie gestern einen schönen Feiertag gehabt? Zumindest werden viele gestern mit Freunden oder der Familie gegrillt oder gemeinsam gegessen haben. An Feiertagen hat man zum Glück die Zeit dazu. Gestern am Fronleichnamstag hätte es sogar besonders gut gepasst. Denn da steht für katholische Christen das Brot im Mittelpunkt. Beim letzten gemeinsamen Essen vor seinem Tod hatte Jesus es seinen Jüngern gesagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Und dann haben sie zusammen gegessen und getrunken. Seitdem erinnern sich Christen jedes Mal, wenn sie Gottesdienst feiern, an dieses Essen. Nur dass ein normaler Gottesdienst nur noch wenig mit einem richtigen Essen zu tun hat. Man sitzt nicht rund um einen Tisch, man bekommt in der Regel nichts zu trinken und das Essen ist reduziert auf eine kleine, weiße Oblate, die irgendwie nach nichts schmeckt.

Bei uns zu Hause ist das ganz anders. Da sitzen am Sonntag oft vier Generationen um den Tisch und freuen sich aufs Mittagessen. Das ist für meine Frau und mich viel Arbeit. Aber mich erfüllt dieses Essen mit einer tiefen Befriedigung. Denn ich merke, dass es mich nicht nur körperlich satt macht. Ich merke, dass genau hier mein Leben einen wirklichen, tiefen Sinn bekommt. Und für mich sitzt genau in diesem Moment zwischen Uroma, Großeltern, Eltern und Enkel auch Gott mit am Tisch. Dieses gemeinsame Essen mit der Familie, das ist in diesem Augenblick für mich Gottesdienst. Seitdem denke ich immer öfter, wie schön es wäre, wenn auch in der Kirche richtig gegessen und getrunken würde. Die ersten Christen haben das noch gemacht. Sie haben großen Wert darauf gelegt. Und der Hl. Paulus konnte richtig böse werden, wenn er davon hörte, dass in einer Gemeinde nicht ordentlich gemeinsam gegessen und getrunken wurde. Heute ist das im Gottesdienst vielleicht mal in der Kita der Fall oder eben hinterher beim Pfarrfest. Schade. Dabei steht gemeinsam Essen gehen oder gemeinsam kochen gerade heute unheimlich hoch im Kurs. Und das ist gut so.

Denn wenn Menschen gemeinsam essen, tun sie nicht nur etwas gegen den Hunger sondern auch etwas für ihre Seele.

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19JUN2019
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"Das Herz eines Boxers, kennt nur eine Liebe, den Kampf um den Sieg ganz allein! Das Herz eines Boxers kennt nur eine Sorge, im Ring der Erste zu sein."  Max Schmeling musste diesen Schlager singen, obwohl er gar nicht singen konnte. Boxen, das konnte er, und das hat ihn zur Legende gemacht. Heute vor 83 Jahren, am 19. Juni 1936 schlug er in New York Joe Louis k.o. Damit war er ganz oben. Das Ziel seiner Liebe, das Ziel seiner Sorge, wie es der Schlager ausdrückt, war erreicht. Schmeling war der Erste und Deutschland hatte einen Helden. Denn es ist ein tolles Gefühl, oben auf dem Treppchen zu stehen. Und wenn es bei mir nicht klappt, dann hilft es meinem und dem kollektiven Selbstbewusstsein, wenn es andere für mich tun.

Es gibt ein sehr nachdenkliches Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium, das heißt: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Mt16,26). Dieser Satz ist sehr lebensnah, gilt für jeden, bündelt sich aber in seiner Bedeutung für einen Spitzensportler wie in einem Brennglas. Denn der siebte Himmel des Sieges und der Abgrund der Niederlage liegen nur eine 100stel Sekunde nebeneinander. Und das Blöde ist: wer einmal ganz oben war, für den kann es eigentlich nur noch abwärts gehen. Ob Biathlonstar Laura Dahlmeier auch daran gedacht hat, als sie vor kurzem ihren Rücktritt erklärt hat?

Warum Weltmeister wie Max Schmeling oder auch der Fußballer Fritz Walter bis heute unvergessen sind, liegt übrigens nicht nur in ihrer überragenden sportlichen Leistung. Sie haben ihr Leben lang auch als Mensch Werte vermittelt, die fürs Leben wichtig sind, sind Vorbilder für Fleiß, Disziplin, Anstand. Damit haben sie eine ganze Generation geprägt. Sie haben den Schritt von der obersten Stufe des sportlichen Treppchens ohne Sturz überstanden. Das Herz dieser Sportler kannte zum Glück auch noch andere Lieben, andere Ideale als den Sieg ganz allein. Und auch das hat sie – zwar nicht zu Göttern - aber zu Unsterblichen gemacht, zumindest in unseren Herzen.

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18JUN2019
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Also, ich oute mich jetzt mal:  meinen ersten Liebeskummer hatte ich schon in der Volksschule. Und auch später bin ich in regelmäßigen Abständen im Selbstmitleid geschmolzen, wenn es mal wieder nicht geklappt hat mit der Angebeteten. Einmal hat eine Freundin ganz überraschend Schluss gemacht. Da ging es mir echt dreckig. Liebeskummer. Hören Sie mal diesen Liedtext: „Gestern sah es so aus, als wären alle meine Sorgen weit weg. Jetzt scheinen sie alle auf einmal über mich her zu fallen. Ich bin nicht mal mehr halb so viel wert, wie ich früher mal war. Da hängt ein Schatten über mir. Warum ist sie weggegangen? Hab ich was Falsches gesagt? Es war doch so einfach mit der Liebe. Und jetzt, jetzt würde ich mich am liebsten irgendwo verkriechen. Ach, ich sehn‘ mich so nach gestern.“

Ich glaube, an niemandem geht dieser Herzschmerz im Leben ganz vorbei, auch bei den ganz Erfolgreichen nicht. Auch nicht an Paul McCartney. Sonst hätte er diesen Text und diese wunderschöne Melodie dazu nicht geschrieben.  „Yesterday, all my troubles seemed so far away“. Der erfolgreichste und am meisten gecoverte Popsong aller bisherigen Zeiten. Warum? Weil Text und Musik eine wunderbare Einheit bilden, der kaum jemand widerstehen kann. Und weil es um ein Gefühl geht, das jeder kennt und jeden noch so starken Menschen umhauen kann. „Love was such an easy game to play“. Nein, es ist eben kein leichtes Spiel, die Liebe. Sie ist unendlich schwierig und genauso unendlich wichtig für uns. Deshalb tut es ja auch so weh, wenn sie schief geht. Was wir im Leben brauchen? Glaube, Hoffnung und Liebe. Das sagt ein anderer Paul, der Hl. Paulus in der Bibel. Und er ergänzt: das Größte davon ist die Liebe. Recht hat er, es ist aber auch das Schwerste. Glückwunsch an Paul McCartney, der hat heute Geburtstag. Am besten wir singen ihm ein Ständchen. Vielleicht „All you need is love“.

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17JUN2019
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Ein seltsames Bild bietet sich dem Spaziergänger in Dillingen an der Donau im November 1849. Da steigt der Theologiestudent Sebastian Kneipp hustend und spuckend in kalte Wasser der Donau und nimmt ein Vollbad. Regelmäßig kann man ihn jetzt dort finden. „Den Tod holt er sich“, sagen die Leute und schütteln den Kopf. Aber Kneipp hat das Gegenteil im Sinn. Und er behält Recht. Das Blut spucken hört auf und der lungenkranke Kneipp wird wieder gesund. Später im Priesterseminar in München behandelt er einen ebenfalls lungenkranken Studenten im Gartenbassin mit kalten Güssen. Auch der wird gesund. Kneipp ist überzeugt: im Wasser stecken viel mehr Kräfte, als bisher bekannt sind. Der Rest ist Geschichte.

Was Pfarrer Sebastian Kneipp bis heute so interessant macht, ist sein ganzheitlicher, auch sein seelsorglicher Ansatz. Seine Ratschläge und Therapien sind einfach und zeitlos. Sie zeugen von einer hohen Sensibilität für den menschlichen Körper und Geist, und zeigen, wie ernst und hochachtungsvoll er mit dem Menschen und der ganzen Schöpfung umgeht. Er sagt:

„Lebe recht vernünftig; schätze es hoch, im Sonnenlicht dein Tagwerk vollbringen zu können; verdirb nicht selbst die gute Luft, welche du einatmen kannst, und sei nicht frevelhaft gegen deinen Körper, indem du mehr von ihm verlangst, als er zu leisten vermag, oder mit anderen Worten: Handle nicht unvernünftig gegen dich selbst!"

Heute vor 122 Jahren, am 17. Juni 1897 ist Kneipp gestorben. Er hinterlässt auch die Einsicht, dass man Gesundheit nicht kaufen kann. Man muss sich täglich neu um sie bemühen. Kneipp formuliert das so:

"Das Wasser hat große Wirkungen und leistet manchmal Unglaubliches. Aber wenn der Mensch nicht will, dann ist alles aus. Gegen Dummheit kämpfen Wasser und der liebe Gott vergebens."

 

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