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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Woher kommt eigentlich das Gute im Menschen? Ist Mitgefühl und Freundlichkeit angeboren, vererbt, oder haben wir es später erlernt? Eins ist sicher: Das Gute in uns Menschen hat einen Ursprung. Irgendwo muss es herkommen.
Die Forschung meint, der Mensch hat Mitgefühl erlernt, weil er sich selbst als bedürftig erkannte. Viele Verhaltensforscher sagen heute, der Mensch sei eben nicht ein geborener Egoist, sondern ein Helfer für seine Mitmenschen, vor allem, wenn er mit ihnen dicht zusammen lebt.
Wieso gebe ich eigentlich Trinkgeld im Restaurant, obwohl ich weiß, dass ich das Lokal nur heute besuche? Was treibt Menschen dazu, im Hospiz Nachtwache am Sterbebett zu halten? Wieso engagieren sich Eltern in der Hausaufgabenhilfe für benachteiligte Kinder? Warum schenken Menschen Obdachlosen ein paar Münzen, kümmern sich um ihren kranken Nachbarn, leisten tags wie nachts den Dienst in der Telefonseelsorge?
Ich kenne Ärzte, die buchen Flugreisen, auf denen sie statt am Strand zu bräunen in afrikanischen Kinderheimen helfen, in Indien Kranke betreuen und als Operationsteam in ärmsten Ländern Not lindern.
Die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, scheint zuzunehmen. Heute engagieren sich fast 2 Millionen mehr Menschen in einem Ehrenamt, als noch vor 10 Jahren. Rheinland-Pfalz ist übrigens Spitzenreiter im Ehrenamt, sagte unser Bundespräsident unlängst in Mainz.
All diesen ehrenamtlichen Diensten ist ja eines gemeinsam: Der Gewinn zahlt sich nie auf dem Bankkonto aus. Anerkennung und das Gefühl, etwas für andere geleistet zu haben, das reicht schon als Lohn und das beflügelt die Helfer.
Ich möchte heute mal all denen, die oft still und leise Anderen Gutes tun, „Danke" sagen. Wir brauchen Sie! „Danke", dass Sie sich engagieren. Denn das ist für uns alle wichtig. Wichtig für ein gutes und friedvolles Zusammenleben in der Straße, im Stadtteil, in unserem Land. Danke!
Und bitte, stellen Sie ihr gutes Licht nicht unter den Scheffel, sondern lassen Sie das Licht - wie die Bibel es sagt - draußen leuchten. Damit andere es sehen können und die Welt ein wenig heller wird.
Das Gute als fester Bestandteil unserer menschlichen Natur? Schöner Gedanke, finde ich! Woher es stammt? Ich glaube von Gott. Der schenkt es uns, jeden Tag neu.

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„Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages. " Hilf mir beten. Ich kann es nicht allein. In mir ist es finster, bei dir ist das Licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich."
1943 betet Dietrich Bonhoeffer so. Der Widerstandspfarrer gibt seine Angst vor dem Tag ab, alles, was ihn belastet. Früh morgens legt er alles Gott vor die Füße: Gott, mach du das! Geh mit mir durch diesen Tag. Du weißt den Weg für mich!
Beten Sie eigentlich morgens? Oder wo tanken Sie ihre Seele auf? Viele stressen sich ja  morgens mit schnellem Frühstück, Zähneputzen und dann ab auf die Piste. Zeit ist Mangelware, besonders morgens. Und dann noch beten? Lohnt sich das? In Köln sagen manche: „Wenn et Bedde sich lohnen däät, wat meinste wohl, wat ich dann bedde däät!"
Ich glaub ja: Beten will entdeckt und auch gelernt sein. Gelegenheiten zum Beten gibt es viele: ein kurzer Zwischenstopp im Auto an der Ampel, am Tisch, kurz innehalten, bevor man anfängt zu essen, im stillen Gebet Ärger am Arbeitsplatz verdauen, Angst gemeinsam aushalten, Krankheit durchstehen.
Ich hab jetzt im Evangelischen Gesangbuch ganz hinten rund 80 Seiten mit Gebeten neu entdeckt. Und in Buchhandlungen gibt es kleine Bücher mit Gebeten zum Mitnehmen, für die Reise durch den Alltag sozusagen. Ein bisschen Schule des Betens, so ein kleines Morgentraining, das tut mir gut.
Übrigens, mein Favorit ist zur Zeit Martin Luthers Morgensegen aus dem Jahr 1529. Der betet so:
„Ich danke dir, mein himmlischer Vater, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich auch diesen Tag behüten vor allem Übel. Ich befehle mich in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir."
Luther gibt dann noch den Tipp: „Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir sonst deine Andacht eingibt!"
Das mache ich manchmal, pfeife oder summe dann fröhlich ein Lied, im Treppenhaus, auf dem Bahnsteig oder dem Parkplatz. Mitunter wundern sich die Leute, dass ich morgens schon so fröhlich bin. Und wenn sie mich dann freundlich anschauen, lächle ich zurück und denke: „Schau an, wie sich dat mit dem Bedde doch lohne däät!"

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Glauben Sie an Außerirdische? An Wesen, die da weit draußen im Weltraum wohnen? Schüler stellen mir im Religionsunterricht manchmal diese Fragen.
Dann lese ich gerne mit ihnen einen Text, den ich sehr schätze. Es ist ein Interview mit dem Jesuitenmönch Dr. George Coyne. Der ist 78 Jahre alt, hat Theologie, Mathematik, Astrophysik und Philosophie studiert. Und seit über 30 Jahren leitet er die päpstliche Sternwarte des Vatikans.
Ja, Sie haben richtig gehört. Es gibt eine Sternwarte des Papstes. Seit 1784 gibt es sie in Castel Gandolfo, in der Sommerresidenz des Papstes südöstlich von Rom.
Meine Schüler lesen das Interview. Die erste Frage an Mr. Coyne lautet:
„Glauben Sie an die Existenz von außerirdischem Leben?" Seine Antwort: „Wir haben weder Beweise dafür, noch dagegen. Aber es gibt immer mehr Daten, die wir sammeln, die dafür sprechen."
 „Stehen denn nicht die wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den Glauben an Gott? Viele Menschen haben ja Angst, dass wir irgendwann Gott verlieren werden."
„Das ist eine absolut unbegründete Angst", antwortet Coyne, „Wissenschaft gibt Gott die Ehre, sie freut sich an dem, was wir über Gottes fantastische Schöpfung wissen und erforschen können."
Die Schüler sind hellwach, wenn sie die nächste Frage lesen: „Wären Außerirdische ein Problem für die Kirche?" Coyne´s  Antwort fasziniert:
„Meine erste Frage an einen Außerirdischen wäre, ob er intelligent ist und spirituell. Also, ob er wie wir die Sünde kennt und ihre unguten Seiten. Und ob er an die Erlösung durch Gott glaubt. Wenn er das bejaht, dann haben wir ein angenehmes Problem. Dann haben wir nämlich Gottes Wirklichkeit im ganzen Universum. Und damit wäre zu rechnen."
Die Schüler sind fasziniert, von einem katholischen Mönch im evangelischen Unterricht solches zu lesen. Und sie schmunzeln, wenn sie die letzte Frage lesen:
„Mr. Coyne, Sie sind jetzt 78 Jahre alt und forschen ein Leben lang über den riesigen Weltraum. Bekommen sie nicht manchmal Ärger mit ihren Kollegen im Vatikan?" Coyne´s Antwort ist kurz: „Nein, denn dafür hört man mir nicht genug zu."

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Lernen Kinder von uns oder lernen wir von den Kindern? Ich finde:
Von Kindern kann man sehr viel lernen, wenn man ihnen offen, aufmerksam und vielleicht auch selbstkritisch begegnet. Das ist mir vor kurzem wieder klar geworden: Da haben meine Kinder mich angeschrien. Und zwar gleichzeitig, alle drei. Unmissverständlich haben sie mir zu verstehen gegeben, was sie jetzt brauchen und was sie wollen. Das wussten alle drei ganz genau. Sie wollten es und sie wollten es jetzt sofort. Schrecklich - total genervt hat mich das! Erst mal. Aber etwas später hab ich gedacht: Das hat doch auch was Gutes, wenn man das so kann.
Für mich als Erwachsene ist das gar nicht so einfach. Und vielleicht auch nicht für Sie: Offen und schonungslos die eigenen Bedürfnisse und Wünsche äußern. Im Klartext sagen, was man braucht! Das hieße ja Schwäche zeigen. Ich hab gelernt, das besser nicht zu tun.
Die Bibel erzählt von einer erwachsenen Frau, die kann das. Wie meine Kinder. Die nervt und bittet so lange, bis ihre Bitte erhört und erfüllt wird. Wen sie da nervt, das ist ein ungerechter Richter, heißt es in der Bibel. Keiner, der schnell nachgibt. Und doch gibt diese Witwe nicht auf. Sie weiß -sie hat nichts zu verlieren. Sie will gehört werden. Sie sagt es, was sie braucht, immer wieder. Sie macht sich geradezu lächerlich vor den Anderen. Und am Ende bekommt sie ihr Recht. Eine starke Frau, finde ich. Und Jesus sagt: Bitten hilft! Bittet, so wird Euch gegeben. Wir sollen bitten und keine Angst haben, wenn andere es blöd finden oder lächerlich. Drum bitten, was man braucht und nicht darauf warten, dass es von alleine kommt. Kinder machen es uns vor.
Klar müssen sie auch lernen, dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt wird, dass man warten muss. Aber immer wenn mich meine Kinder so richtig doll nerven, wird mir klar: Sie haben ja auch recht. Da ist auch was dran an ihrer Bitte.
Bittet, so wird euch gegeben, sagt Jesus. Das könnte ich doch mal versuchen. Und wenn sogar Gott sich erweichen lässt?

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Gottverlassen! So nennt man eine Gegend, die unfreundlich, rau, und menschleer ist. Gottverlassen. Das ist aber auch ein Gefühl. Wenn man etwas Schlimmes erlebt hat. Wenn niemand ist da, um einen zu trösten oder zu helfen. Gottverlassen. Die Bibel erzählt von Jakob, dem es auch so ging. Jakob hat Angst. Er ist auf der Flucht vor seinem wütenden Bruder Esau. Den hat er um den Segen seines Vaters betrogen. Kein Wunder, dass er Angst vor ihm hat.
Die Nacht kommt, es wird dunkel. Und Jakob fühlt sich ganz besonders gottverlassen. Er schläft ein und träumt. Er träumt von einer Leiter, die bis zum Himmel hinauf reicht. Und da sind Engel. Die gehen auf dieser Leiter rauf und runter. Und irgendetwas ist da, das ihn tröstet. Er weiß nicht genau, was es ist. Aber am Morgen wacht er auf, reibt sich verwundert die Augen und sagt: „Gott ist an diesem Ort. Und ich wusste es nicht!"
Gott ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht. Dieser Satz hängt über meinen Schreibtisch. Immer, wenn ich mit Menschen zu tun habe, die sich so gottverlassen fühlen, denke ich an den Satz. In der Klinik, in der ich als Pfarrerin arbeite, begegne ich oft Menschen, die Schlimmes durchmachen. Die sich ganz gottverlassen fühlen in ihrer Krankheit. Die kennen sie auch, diese Nächte voller Angst. Aber manchmal erzählt mir auch ein Patient: Ich hab es geschafft, irgendwie, ich hab doch etwas von Gottes Hilfe gespürt. Ich habe gebetet und auf einmal wurde der Nebel lichter, da fühlte ich mich leichter. Ich habe mich nach ein bisschen Menschlichkeit gesehnt und jemand hat mich wirklich in den Arm genommen. Und plötzlich war es anders als vorher. Nicht mehr gottverlassen.
Solche Geschichten machen mir Mut. Was sich gottverlassen anfühlt, muss nicht gottverlassen sein. Ich kann sie durchstehen, diese Orte und Zeiten von Gottverlassenheit. Vielleicht begegnet mir jemand, vielleicht vergeht sie bald, die Angst und Unsicherheit. Wie bei Jakob, der gesagt hat: „Gott ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!".

 

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Ich mag dich! Du, ich finde dich einfach sympathisch. Wenn jemand das zu mir sagt, freue ich mich immer riesig. Es muss ja nicht die große Liebeserklärung sein, nicht viele Worte. Einfach mal ein „ich mag dich"- das ist doch schon ganz viel. Und heute ist der Tag dazu: Valentinstag.
Sicher- manche feiern den als den Tag der Verliebten. Aber es kann doch auch eine Nummer kleiner sein. Für den Alltag tauglich. Das würde auch Valentin bestimmt gefallen. Kennen Sie Valentin? Das war ein Bischof, vor langer Zeit, im 3. Jahrhundert. Valentin von Terni, der hat dem Valentinstag seinen Namen gegeben. Er soll sich dem Kaiser und der Kirche widersetzt haben. Denn er hat Paare trotz Verbot des Kaisers getraut. Die Soldaten sollten zum Beispiel unverheiratet bleiben, um freier in den Kampf ziehen zu können. Aber Valentin hat sie trotzdem getraut. Und die Legende sagt noch, er hätte den Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt. Ihm waren nicht die Äußerlichkeiten wichtig, sondern dass Menschen zueinander kommen dürfen - wo die Liebe halt hinfällt.
Valentin war einer, der sagt: Liebe geht über Verbote und Konventionen. Liebe ist so viel größer als unsere menschlichen Gesetze. Daran kann uns der Valentinstag erinnern. Und daran, dass manchmal eine kleine Aufmerksamkeit, ein Wort oder eine Geste tatsächlich gut tut -nicht nur den frisch Verliebten, sondern gerade dort, wo die Liebe manchmal im Alltag untergeht, bei denen, die schon lange beisammen sind. Und ich finde besonders schön, wie in Finnland dieser Tag begangen wird. Da geht es nicht nur um Liebespaare, sondern da kann ich jedem, den ich nett und liebenswert finde, einen Valentinsgruß zukommen lassen. Meiner Nachbarin, einem Freund, einer Kollegin - da können auch die, die alleine leben, die Worte hören: ich mag dich! Vielleicht fällt Ihnen ja auch jemand ein, dem Sie das mitteilen wollen. Nur Mut! Zu sagen: Ja, ich mag dich! Egal, ob verliebt oder nicht verliebt: Einen schönen Valentinstag wünsche ich Ihnen heute!

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