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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Expertin für Sonntagsbraten sucht Zuhörer", „Experte für Lebensfreude sucht Rollstuhlschieber" und „Expertin für Liebeskummer sucht Ausgehhilfe", das sind die Titel von drei Plakaten einer Kampagne. Die Kampagne heißt: „Experten fürs Leben" und wird getragen vom Deutschen Caritasverband. Abgebildet auf den Plakaten sind alte Menschen mit faltigen Gesichtern und grauen Haaren. Man sieht ihnen ihr Alter an. Aber sie schauen voller Lebensfreude in die Kamera. Sie sind Experten fürs Leben. Sie haben viel erlebt und durchlebt und haben daher einiges zu erzählen. Vom Krieg, den Aufbaujahren und dem Leben unter ganz anderen Umständen als heute. Aber nicht nur Erfahrungen, sondern auch konkretes Wissen können sie weitergeben. Von alten Kochrezepten bis hin zu der Kunst eine Trockenmauer zu errichten. Das Gute an dieser Aktion ist, dass sie ehrlich ist: Die Alten dürfen alt sein. Graue  Haare und faltige Gesichter sind erlaubt. Es geht darum, selbstbewusst alt zu sein und nicht als alter Mensch einem Jugendlichkeitsideal hinterher zu jagen. Und die Plakate zeigen deutlich, dass ein Gesicht mit vielen Falten sehr wohl schön sein kann. Schöner - und auf alle Fälle interessanter - als eine vom Chirurgen glatt gespritzte Maske. Und zu dieser Ehrlichkeit gehört es auch, dass neben dem Expertentum der Alten auch ihre Hilfsbedürftigkeit angesprochen wird: „Experte für Lebensfreude sucht Rollstuhlschieber", „Expertin für Sonntagsbraten sucht Zuhörer". Die Kampagne zielt auf das Miteinander der Generationen. Die Jungen können von der Lebenserfahrung der Alten profitieren, aber umgekehrt sind die Alten auch auf die Hilfestellungen der Jungen angewiesen. Das Geben und Nehmen unter den Generationen ist nicht immer einfach. Dabei ist das Annehmen-können oft schwerer als das Geben-wollen. Das gilt sowohl für die Alten als auch für die Jungen. Aber wer gerne schenkt, muss sich auch beschenken lassen, sonst klappt es nicht mit dem Miteinander.

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Unter der Auferstehung verstehen wir im Allgemeinen das Leben nach dem Tod. Jesus Christus ist nach seinem Tod auferstanden und deshalb haben wir die Hoffnung, dass auch wir auferstehen werden, nach unserm Tod. Das ist ein Kernsatz des christlichen Glaubens. Und der Ort für dieses Leben nach dem Tod nennen wir gern den Himmel oder das Reich Gottes.
Das Wort Auferstehung hat was mit Aufstehen zu tun. Und Jesus ist nicht nur nach seinem Tod auferstanden, sondern auch vor seinem Tod immer wieder aufgestanden. Aufgestanden für die Rechte der Armen und Ausgestoßenen. Dafür hat er sich mit den politisch Mächtigen und den religiös Etablierten angelegt. Bis zum Tod am Kreuz. Und wenn er - vor seinem Tod - vom Reich Gottes, der Königsherrschaft Gottes sprach, dann war das für ihn keine einseitig jenseitige Größe. Sondern diese Herrschaft hat für ihn auch etwas mit dem Diesseits zu tun. Die Königsherrschaft Gottes bricht nämlich auf Erden an. Sie geschieht überall dort, wo Menschen aufstehen und sich für die Rechte der Armen und Ausgebeuteten stark machen. Wo der erste der letzte ist, wo die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Erniedrigten erhöht werden. Der auferstandene Christus nach Ostern ist nicht zu trennen von dem Jesus vor Ostern, der immer wieder aufsteht für ein erfülltes Leben für alle Menschen auf der Erde.
Ich glaube, damit das mit der Auferstehung nach unserm Tod im Himmel klappt, müssen wir vor unserm Tod auf der Erde das Aufstehen üben. Aufstehen, protestieren, Einspruch einlegen, wenn Menschen ausgebeutet, missbraucht und versklavt werden. Sich nicht damit abfinden, dass die einen im Luxus schwelgen und die andern hungern. An diesen Aufständen für das Leben kommen wir nicht vorbei, ansonsten besteht die Gefahr, dass wir liegen bleiben nach unserm Tod, einfach weil wir es verlernt haben aufzustehen.

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30 % der Protestanten und 15 % der Katholiken lehnen sie ab: die Auferstehung, den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. Bei den Muslimen sind es aber nur 10 %. So das Ergebnis einer Bertelsmann Studie. Da haben wir's mal wieder, die meisten Gläubigen findet man nicht unbedingt unter den Christen, sondern unter denen, die wir gerne als die Heiden bezeichnen. Die Un- oder zumindest Andersgläubigen.
Ein interessanter Befund. Er deckt sich ziemlich gut mit den Geschichten der Bibel. Der erste, der dort nämlich den verstorbenen Jesus als Gottes Sohn bezeichnet, ist ein heidnischer Hauptmann. Keiner von den Jüngern und Jüngerinnen Jesu kann sich zu so einem großen Bekenntnis aufschwingen. Zu einer Zeit als die Jünger sich vor Angst verkriechen und die Frauen in erster Linie nur trauern, sagt ein heidnischer Hauptmann, ein Angehöriger der verhassten römischen Besatzungsmacht über Jesus: „Wahrhaftig dieser war Gottes Sohn." Der Heide hat den Durchblick, während die braven Christen gar nicht verstehen, was passiert ist. Und das ist beileibe nicht die einzige Stelle in der Bibel, in der die Heiden als die wahren Gläubigen geschildert werden. Das beginnt schon bei der Geburt Jesu. Hier sind die Sterndeuter - die so genannten Heiligen Drei Könige - die ersten, die in Jesus den kommenden König erkennen. Nach unserm heutigen Verständnis allesamt Heiden aus dem Ausland. Auch die Gruppe der Samariter zählte für die Juden und damit auch die Jünger Jesu nicht so richtig zu den Gläubigen. Bei Jesus ist einer von ihnen aber der Barmherzige, der hilft, während der Priester vorbei geht. Und im Johannesevangelium ist die erste Person, die in Jesus einen großen Propheten entdeckt, die Samariterin am Jakobsbrunnen. Die Samariter sind die, die wissen worauf es ankommt, sowohl in der Lehre aber auch im Tun.
Bei soviel biblischem Lob für die Andersgläubigen sollten wir mit hohem Respekt und großem Interesse darauf achten, was sie uns zu sagen haben - auch in Sachen Auferstehung.

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Die Gerüchteküche brodelt in Jerusalem. Die einen sagen: Das Grab ist leer, Jesus ist auferstanden und er ist sogar einigen erschienen, zuerst den Frauen und anschließend den Jüngern. Die andern können oder wollen das nicht glauben und setzen ein anderes Gerücht in die Welt: Der Leichnam wurde nur gestohlen, damit man behaupten kann, er sei auferstanden. Und die angeblichen Erscheinungen sind nur Einbildungen. Zählt man mal nüchtern die Fakten zusammen, dann ist dieses Gerücht wahrscheinlicher. Denn Fakt ist, Jesus lebt nach seiner Auferstehung nicht wie ein normaler Mensch auf der Erde, mit Essen, Trinken, Schlafen, erstem Wohnsitz und Personalausweis, sondern nach den biblischen Berichten erscheint er nur gelegentlich.
Die Auferstehung ist ein Gerücht. Damit ist die Ausgangslage für die Menschen der Bibel, damals vor 2000 Jahren, nicht viel anders als für uns heute. Wie wir können sie an die Auferstehung nur glauben, es ist keine Sache des Wissens, sie lässt sich nicht wissenschaftlich überprüfen. Sicher, für den Evangelisten Matthäus ist die Erscheinung Jesu keine Einbildung. Um dies zu unterstreichen, lässt er in einer seiner biblischen Geschichte die Frauen den auferstandenen Jesus an den Füßen anfassen. Nach dem Motto: Sie haben ihn wirklich zu fassen bekommen, er lebt ganz real, körperlich, es ist keine Fata Morgana. Die Frage ist, glaube ich Matthäus und den andern Zeugen der Bibel? Bei kritischer Lektüre der Bibel stellt man fest, dass sich die Auferstehungsberichte bei jedem der Evangelisten ein wenig anders darstellen. Bei Markus gibt es einen Engel und das leere Grab, keine Erscheinung Jesu. Bei Lukas ist es kein Engel, sondern sind es gleich zwei Männer in leuchtenden Gewändern und bei Johannes erscheint Jesus als Gärtner. Also die Details in den Berichten sind sehr unterschiedlich, bei einem Kreuzverhör vor Gericht würden die vier Evangelisten ganz schön ins Schwimmen kommen.
Somit haben die Zweifler an der Auferstehung heute wie damals durchaus Argumente auf ihrer Seite. Es ist und bleibt eine Frage des Glaubens. Und Glauben kann man nicht erzwingen, weder bei einem andern noch bei sich selbst. Glauben muss man Freiheit lassen.

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Ein Drittel glaubt fest daran, ein Drittel ein bisschen und ein Drittel kann gar nichts damit anfangen. So verhält es sich mit dem Glauben an die Auferstehung in Deutschland - zumindest nach den Erkenntnissen einer neuen Studie. Danach lehnen auch viele Christen den Glauben an die Auferstehung ab:
Eine interessante Statistik, aber was sagt sie eigentlich aus? ich muss nur auf mich gucken. Da mache ich die Erfahrung, dass Glauben und Unglauben oft sehr eng beieinander liegen. Manchmal ist der Glaube an die Auferstehung für mich was ganz Selbstverständliches, manchmal aber gehöre ich auch zu denen, die sich sehr unsicher sind. Ich glaube gerne an die Auferstehung und jetzt in der Osterzeit singe ich gerne : „Das Grab ist leer der Held erwacht, der Heiland ist erstanden". Aber ich weiß, schon bei der nächsten Beerdigung eines guten Freundes oder eines nahen Verwandten kann die bohrende Frage kommen: Was bringt denn der ganze Auferstehungsglaube? Sehe ich etwa den geliebten Menschen wieder? Oder war das Ganze nur eine fixe Idee, eine Einbildung der Jünger Jesu, weil sie nicht wahrhaben wollten, dass Jesus am Kreuz gescheitert ist?
Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass es Zeiten gibt, in denen ich zu den fest Überzeugten gehöre und Zeiten, wo ich ein Zweifler bin. In den Stunden des Zweifelns helfen mir die Geschichten aus der Bibel. Denn da gibt's auch die Zweifler. Die Jünger zum Beispiel, sie halten die Erzählung der Frauen vom leeren Grab zunächst einmal für Geschwätz. Oder Thomas, der den Auferstanden erst berühren muss, um glauben zu können. Das tröstet mich, denn ich weiß mich mit meiner Unsicherheit in guter Gesellschaft. Zum Glauben gehört er eben dazu: der Zweifel, Statistik hin, Statistik her. 

* siehe Bertelsmannstiftung: Der Religionsmonitor.

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