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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Welche Telefonnummer hat Gott?
Die Frage hat zwar niemand wirklich gestellt, aber beantwortet hat sie jemand.
Der Künstler Johan van der Dong, aus den Niederlanden hat Gott tatsächlich eine Mailbox eingerichtet.
Auf ihr dürfen jetzt alle ihr Anliegen vortragen.
Johan van der Dong sagt:
„Ab sofort ist Gott unter der Nummer 0031/6/44244901 erreichbar.“
Wenn man diese Nummer wählt, dann kommt angeblich folgende Ansage:
„Sie sprechen mit Gott.
Im Augenblick bin ich nicht anwesend. Hinterlassen sie ruhig eine Nachricht oder rufen sie später noch einmal an.
Möglicherweise werden sie dann erhört.“
Die Nummer ist natürlich die des Künstlers
Und das Problem ist, dass er sich mit Gott verwechselt.
Aber da ist er nicht der Erste und nicht der Letzte nehme ich an.
In Wirklichkeit möchte er nämlich Gedanken und Ideen von betenden Menschen sammeln, sie wie er sagt später anonymisieren und dann ganz uneigennützig eine Ausstellung darüber machen.
Ich weiß nicht, ob die Mailbox von Herrn Dong schon voll ist, was ich aber weiß ist, dass Gott sich von uns allen ansprechen lässt jederzeit und überall ganz direkt.
Unzählige male tun das Menschen in der Bibel.

Im Psalm sagt Gott:
„Rufe mich an in der Not,
so will ich dich erretten
und du sollst mich preisen!“ (Psalm 50,15)

Zu Gott rufen,
das ist das Vorrecht jedes Menschen.
Dazu braucht es keine Nummer
und keinen der sie uns nennt.
In einem allerdings hat dann der Künstler doch Recht.
Wenn wir zu Gott rufen, dann scheint er oft merkwürdig abwesend zu sein.
Und es gibt keine Garantie auf einen Rückruf.
Gottes Schweigen ist uns manchmal so rätselhaft wie seine Antworten. Und wir fangen an, zu begreifen, dassBeten nicht heißt:
Alles verstehen, sondern vielleicht eher: Mit seiner Hilfe alles überstehen, durchstehen.
Beten ist also am Ende ein sich anvertrauen in Gottes unbegreiflichen Hände.
Beten ist eigentlich ein Einverständnis in Gottes Geleit.
Das ist die eigentliche Nummer, die wir üben müssen.
Und während wir üben, sollten wir Ihm unterstellen, dass er hört, zuhört, nicht aufhört auf uns zu achten.

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Gott walts!“
Das ist das kürzeste Gebet, das ich je gehört habe.
Und es stammt von meiner Oma. Omas waren schon immer fürs Beten gut.
Sind sie bis heute. Wenn ich Leute frage, von wem habt ihr ein Gebet gelernt, dann sagen die Meisten, wenn sie eins kennen:
„Das hab ich von meiner Oma.“
Ich auch!
Als ich noch ein kleiner Junge war, haben sie mich öfter bei Oma geparkt.
Das war praktisch:
Ich war aus den Füßen, wie man liebevoll zu sagen pflegte und die Oma war nicht so allein.
Der Großvater war nämlich schon gestorben.
Und die Oma konnte eine ganze Zeit abends nicht gut einschlafen.
Da wurde ich abkommandiert und genoss es,
auf einmal so wichtig zu sein.
Und so kam es, dass ich jeden Abend beim zu Bett gehen meine Oma etwas sagen hörte.
Ich hörte es immer und immer wieder und ich konnte mir einfach keinen Reim darauf machen.
Sie sagte immer so vor sich hin:
„Gott walts!“
Meine kindlichen Erklärungsversuche gingen vom Wald, der dem lieben Gott gehört, bis zur Walze, mit der wir im Frühjahr über die Äcker fuhren.
Aber alles ergab keinen Sinn.
Und zu fragen, hab ich mich nicht getraut.
Erst viel später hab ich rausgekriegt, was sie gesagt hat.
„Gott walts!“ das war Omas Kurzversion von „Das walte Gott.“
Und genau so beginnt auch Martin Luthers Morgen und Abendsegen.
Mit den 3 Worten: „Das walte Gott!“
Was eine SMS ist, das hat meine Oma noch nicht gewusst.
Aber wie es geht, wie es geht, dem lieben Gott eine zu schicken, das schon, das hat sie perfekt beherrscht.
So kurz kann also ein Gebet sein, „Gott walts!“
Das ist so eine Art Übergabegespräch.
Ein unkomplizierter Schichtwechsel, bei dem es nur auf Eines ankommt:
Dass ich alles abgeben kann, dass alles Chefsache ist, dass ich nicht zuständig bin, dass wir Arbeitsteilung machen, ich nämlich ausruhe und Gott alles andere übernimmt, und so mit seinem Walten dabei ist damit alles gut wird.
Wie ein kurzes Winken ist das, wie ein Hallo und Tschüss wie ein Blick, ein Augenblick.
Ich glaube, Gott mag besonders diese Art angeredet zu werden.
Und ich bin mir sicher, er hat meine Oma alleine schon deshalb sofort im Himmel wieder erkannt.
So ein kurzes Grüß Gott. Das kann man sich merken.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen guten Freitag und sage:
„Gott walts!“
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Stehen Sie auch so oft im Stau?
In letzter Zeit passiert es mir immer öfter.
Und zwar immer dann, wenn ich keine Zeit habe und unter Zeitdruck stehe.
Das ist dermaßen lästig Und das kostet unglaublich Nerven.
Dabei: Es ist ja nicht weiter verwunderlich, dass es so oft zum Stau kommt.
Gibt es doch in diesem Sommer mindestens 250 Baustellen
auf unseren deutschen Autobahnen.
In der Zeitung stand, das seien zusammen Eintausend Kilometer Straße.
Das ist eine Autoschlange von der Pfalz quer durchs ganze Land bis zur Insel Rügen.
Das Leben ist doch eigentlich zu kurz, um unnötig im Stau zu stehen- Oder?
Ich habe deshalb ganz schlau, einen Strategie für den Stau.
Damit ich mich nicht länger über diese verlorene Zeit ärgern muss, habe ich jetzt angefangen im Stau zu beten.
Nicht, dass er sich jetzt augenblicklich auflösen möge, sondern ich habe angefangen, meinen ganz privaten Stau in Sachen Bitten und Danken abzuarbeiten.
Und da habe ich gut zu tun.
Mir ist aufgefallen, dass es da so viele Baustellen bei mir gibt, auf dem Weg zwischen mir und anderen Menschen, Baustellen, wo ich mit allerhand umständlichen Umständen zu kämpfen habe, weil es schwierige Verhältnisse und Beziehungen zu klären gilt.
Und das staut sich, stellet sich quer, machts mir schwer.
Und dann gibt es natürlich auch eine ganze Menge Wunderbares, was gelingt, was schön ist, Spass macht und ich komme einfach nicht dazu, mich darüber zu freuen und dafür dankbar zu sein.
Und darum kümmere ich mich jetzt im Stau.
Ich nutze die vermeintlich sinnlose Zeit zur Konferenz mit Gott in ausgesprochen ungestörter Atmosphäre.
Natürlich muss ich dabei sehr aufpassen, dass mir nicht entgeht, wenn´s endlich weiter geht.
Aber der bisherige Erfolg meines Selbstversuches ist:
Ich bin bis jetzt noch niemandem betend in den Kofferraum gefahren.
Und was das Beste ist- Ich bin nach dem Stau nicht mehr so schlecht gelaunt, wie früher.
Also ich kann Ihnen das wirklich empfehlen, das Beten im Stau.
Es gibt ja genug davon.
Übrigens:
Die Hände können Sie dabei ruhig am Steuer lassen.

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Beten und Atmen
Das hat ganz viel miteinander zu tun. Haben Sie schon gewusst?
Ja, Beten ist eine Art, zu atmen. Es gibt Gebete, die sind so formuliert, dass man mit ihnen Einatmen und dann ausatmen kann.
Und das Vater Unser, das habe ich erfahren, das ist regelrecht zum Beatmen geeignet.
Ich habe einen Krankenbesuch gemacht.
Eine Frau aus der Gemeinde war wegen schwerem Asthma im Krankenhaus.
Und jetzt stand ich bei ihr am Bett. Wir unterhielten uns.
Es war schwer für sie.
Sie hatte wenig Luft, aber sie freute sich Und das zeiget sie mir.
Dann aber plötzlich ein Krampf, sie verfärbte sich, es war plötzlich so als müsste sie auf der Stelle ersticken. Ich erschrak drückte den Knopf, um Hilfe zu rufen, und war völlig ratlos.
Da stand die Nachbarin aus dem Bett neben ihr auf, kam rüber, legte den Arm um sie, hob sie etwas auf und fing an, ich wollte es kaum glauben, fing tatsächlich an zu beten:
„Vater unser im Himmel“-
dann machte sie eine Pause,
„geheiligt werde dein Name“
wieder eine Pause
„Dein Reich komme“-
Und wieder kurze Stille,
und so betete sie in ganz großer zärtlicher Ruhe und Gelassenheit dieses Gebet, das ich schon so unzählige Male gebetet habe und doch so noch nie, so niemals zuvor, als erste Hilfe, als Atemspender, als Entspannungsübung, als Beruhigungsdosis, als Streicheleinheit, als Einfindung in eine ganz große Gelassenheit, denn als die Tür aufging und die Schwester endlich kam, um zu helfen, da war das Schlimmste schon wieder vorbei.
Gerade hatten die beiden Frauen die letzten Zeilen des Vater Unsers zusammen gebetet und Amen gesagt, gerade hatte sich so etwas wie ein erlösendes beruhigtes „Ist wieder gut!“ eingestellt.
„Wie haben sie das denn gemacht?“ „Wir haben zusammen das Vater Unser gebetet.
Das hilft.
„Stimmts Herr Pfarrer? Hat sie dann noch gesagt.
Und ich stand so da, wie man eben so dasteht, wenn man schwankt zwischen beschämter Verlegenheit und sprachlosem Staunen.
Seitdem weiß ich, dass Beten wie Atmen sein kann.
Und dass Atmen ein Beten ist.
Und so gesehen ist das schon eine große Sache, dass es am Anfang der Schöpfung in der Bibel heißt, dass Gott selbst dem Menschen seinen Odem einhaucht.
Odem, Atem, Lebenshauch Wir atmen Gott
seinen Odem atmen wir ein und aus und beten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6418
„Das ist so sicher, wie das AMEN in der Kirche!“
Das sagen wir, wenn etwas ganz sicher ist, wenn es bestimmt stimmt.
Amen sagen wir, wenn wir beten als Bekräftigung zum Schluss.
Amen- So soll es sein, so soll es stimmen.
Und beten, ja das passiert so jedenfalls denken die Meisten, nur oder vor allem in der Kirche.
Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Aber manchmal ist das Amen auch woanders sicher, nicht nur in der Kirche.
Manchmal traut es sich in die freie Wildbahn des Alltages, taucht es an Stellen auf, wo sicher niemand damit gerechnet hat.
Nach seinem goldenen Tor im Finale des Confed Cups in Südafrika wurde der ansonsten beinharte Innenverteidiger Lucio erst einmal ganz weich.
Ganz gepackt von Emotionen und mit Tränen in den Augen stand er da Millionen in aller Welt konnten es auf ihrem Bildschirm sehen.
Und manche werden ihren Augen nicht getraut haben, als er da auf dem Spielfeld spontan und völlig ohne Scheu anfing zu beten das VATER UNSER, das Gebet, das die Welt umspannt.
Nach seinem spektakulären Kopfballtor zum 3:2 gegen die USA fing also der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft tatsächlich an zu beten.
Vater Unser im Himmel…
Ganz schön mutig und auch ganz echt hat das gewirkt.
Wie gut, hab ich mir gedacht, dass das Amen nicht nur in der Kirche so sicher ist, sondern ab und zu auch draußen, auf Plätzen, die ansonsten Bühne für ganz andere Lebensäußerungen sind.
Beten gehört so zum Leben Ist ganz normal, so wie man sich grüßt, oder beim Niesen „Gesundheit!“ sagt.
Beten als eine Art und Weise froh oder traurig, bewegt oder außer sich zu sein.
Unterwegs im Auto, auf der Schwelle vor einem Gespräch, beim Klopfen am Krankenzimmer, beim Warten auf Besuch.
Ich bin verbunden mit Gott immer wieder und zwischendurch.
Das macht mich so stark und froh und sicher unterwegs, weil ich weiß:
Gott ist da, bei mir, jetzt und hier.
Und bei Ihnen auch.
Das ist so sicher wie das Amen in und vor und weit weg von der Kirche.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6417
Vieles vom christlichen Glauben ist den Leuten wenig bekannt.
Manches womöglich schon weitgehend vergessen. Das Vater Unser nicht.
Das Vater Unser kennt jeder. Vielleicht steht es auf der Liste der bedrohten Arten und Weisen ziemlich weit oben, ist aber definitiv noch immer nicht ausgestorben, noch immer präsent.
Das Vater Unser ist ein Stück Kulturgut. Fest im Gedächtnis der Menschen gespeichert und abrufbar. Wunderbar!
Dieses alte Gebet, das Jesus selbst auf Wunsch seiner Jünger erdacht hat, es ist ein Stück vom Glauben, das sich behauptet.
Wenn wir die Welt ins Gebet nehmen, dann damit.
Auch Leute, die nicht so oft in die Kirche gehen, kennen es.
Ich werde nie vergessen, wie wir vor Jahren auf dem Betzenberg die Trauerfeier für den verstorbenen Fritz Walter hatten, an einem Sommersonntag Morgen im Jahr 2002.
Da waren ca. 10 000 Leute gekommen und es wurden natürlich viele Reden gehalten.
Von ganz prominenten Leuten versteht sich und Bach wurde gespielt von einem ordentlichen Orchester wie sich das gehört.
Und ein altes Kirchenlied wurde gesungen, mit ganz viel Gänsehaut:
Näher mein Gott zu Dir
Und als alles fast vorbei war und alle irgendwie gespürt haben, dass es jetzt irgendwie beendet und gut abgeschlossen werden muss, da trat der Pfarrer ans Mikrofon, der auch Fritz Walter in Kaiserslautern beerdigt hatte und sagte:
Mit dem, was wir jetzt tun, können wir nichts falsch machen.
Wir beten jetzt zum Abschluss das VATER UNSER

Und alle standen auf und es wurde wirklich mucksmäuschenstill und der Pfarrer begann und immer mehr stimmten ein und fanden bald einen gemeinsamen Rhythmus und es ging ein einmaliges Vater Unser wie eine LaOla Welle sachte durchs Stadionrund.

Seitdem weiß ich, dass dieses Gebet eine Kraft hat, eine Ausstrahlung, eine anrührende und gemeinschaftstiftende Dynamik. Das gibt es kein zweites Mal. Und obwohl wir ja auf dem Betzenberg wirklich zu beten gewohnt sind, in den letzten Jahren sogar mehr als einem lieb sein kann, trotzdem war dieses eine Vater Unser ganz groß und ganz wunderbar.
Es ist eben nicht nur geeignet fürs stille Kämmerlein, sondern sogar stadiontauglich. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6416
Beten ist die positivste Form von Globalisierung.
Im Juni bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in Afrika gewesen. Genauer gesagt in Ghana. Weil es seit Jahren eine enge Partnerschaft zwischen der Pfalz und der dortigen Presbyterianischen Kirche gibt.
Am ersten Sonntag dort, war ich zu Gast in Kumasi, der zweitgrößten Stadt neben Accra.
Und dort habe ich an 3 Gottesdiensten nacheinander teilgenommen.
Um 9 Uhr haben wir angefangen, um 14 Uhr aufgehört.
Erst waren am Anfang nur 20 Leute da. Aber dann kamen immer mehr. Zum Teil nach 2 Stunden Fußweg. Und während schon mal gesungen und getrommelt und getanzt wurde, begrüßt und gebetet kamen immer mehr herein.
Bald waren es mehr als 300.
Und ich saß da, als Gast Und sie haben mir erklärt, dass der Sonntag für sie der schönste Tag ist und dass sie sich freuen darauf und dass sie sich schön machen. Die hübschesten Kleider anziehen, und dass sie gerne kommen und sich treffen und singen und feiern.
Und da waren Kinder und Jugendliche, da wurde gespielt und gerauft, geflirtet und getuschelt, da haben sich die Männer zu wichtigen Fragen ausgetauscht und die Frauen sowieso.
Es war Platz für alle und Raum, um vorzukommen, etwas zu singen, zu sagen, zu zeigen.
Und natürlich sollte ich auch was sagen.
Und ich habe nach Worten gesucht. In englischer Sprache habe ich zuvor noch nie gepredigt.
Aber irgendwie ging es dann doch. Und schließlich sollte ich auch beten.
Und da habe ich noch mehr nach Vokabeln gesucht. Da flüsterte mir meine ghanaische Begleiterin zu:
Beten kannst Du ruhig auf Deutsch.
Dafür haben alle Verständnis. Was war ich da erleichtert und wie wohl habe ich mich da auf einmal gefühlt, als ich mit meiner vertrauten Sprache beten konnte.
Und als ich dann mit dem VATER UNSER begann, da stimmten alle nacheinander mit ein, in ihren Stammessprachen, andere auf englisch und ich auf Deutsch –
und alle haben wir im selben Moment Amen gesagt.
Was für ein Phänomen, was für ein Geschenk, was für ein Gebet.
Das Vater Unser.
Kurz ist es, klar ist es, alles drin, alles gesagt, lokal, global, überall.
Gott ist der größte global player.
Sein Gebet umspannt die Welt. Es erklingt auch heute wieder in allen Sprachen an allen Orten.
Und vielleicht auch bei Ihnen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6415