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SWR4 Sonntagsgedanken

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Woche vom 02.08.2009 bis 08.08.2009




Dan Peter

Von Dan Peter, Gomaringen, Evangelische Kirche

Von Gott geliebt

Sonntag, 02. August 2009     [Druckversion]

„Ich muss Euch etwas überaus Wichtiges sagen. Etwas, dass Ihr wissen müsst. Etwas, dass Ihr nie vergessen dürft, auch nicht, wenn Euch große Hindernisse im Wege stehen sollten oder andere Menschen Euch verachten oder ausgrenzen. Euch gehört die Zukunft und Ihr seid die große Chance dieses Landes. Ihr seid die Zukunft. Von Euch hängt es ab, ob es sich weiterhin lohnt, hier zu leben, und wie das Leben und die Gesellschaft sich entwickeln. Vergesst also nie: Ihr seid von Gott geliebt und gesucht. Gott traut Euch etwas zu und will aus Eurem Leben etwas machen. Er will durch Euch wirken und was Ihr anpackt, ob es gelingt oder nicht, wird er segnen.“

Das hat ein Afrikaner aus Kenia zu einer Klasse von Hauptschülern gesagt. Junge Leute mit zum Teil sehr unterschiedlichen Schulerfolgen, denen so etwas wahrscheinlich noch niemand gesagt hatte. Ich sah in ihren Gesichtern wie sie jedes Wort in sich aufnahmen. Sie sogen die Sätze wie ein trockener Schwamm in sich auf. Ich konnte sehen, wie gut ihnen das tat, was sie da hörten.

Wie es dazu gekommen ist, will ich gerne erzählen:
Ich hatte einen Gast in die Hauptschule mitgebracht. Schon am Eingang wurden wir neugierig beobachtet. Viele Schüler fragten sich, wer der Mann mit der schwarzen Hautfarbe sein könnte und was er hier wollte. Er war kein Lehrer und für einen Referendar mit Mitte vierzig viel zu alt. Er passte auch sonst nicht hierher, denn er trug einen dunklen Anzug, dazu ein weißes Hemd mit Krawatte. Wer kommt denn so vornehm in eine Schule?

Im Klassenzimmer herrschte sofort gespannte Ruhe. Die Neugier hatte alle Geräusche und Privatgespräche gestoppt. So konnte ich meinen Gast gleich vorstellen. „Herr Mulli ist zu Besuch hier Deutschland. Als er hörte, dass ich in die Schule zum Religionsunterricht gehe, wollte er unbedingt mitkommen und Euch kennen lernen. In Kenia, seiner Heimat, hat er sein Busunternehmen verkauft, damit er elternlosen Kindern helfen kann. Aber das wird er Euch gleich selbst erzählen“.

Und dann begann Herr Mulli mit einem freundlichen Blick auf seine jungen Zuhörer und sagte ihnen, was man gar nicht oft genug hören kann:
„Vergesst also nie: Ihr seid von Gott geliebt und gesucht. Gott traut Euch etwas zu und will aus Eurem Leben etwas machen. Er will durch Euch wirken und was Ihr anpackt, ob es gelingt oder nicht, wird er segnen.

Ich meine bis heute, dass die Mädchen und Jungs am Ende der Stunde das Klassenzimmer etwas aufrechter, auch deutlich fröhlicher und im besten Sinne selbstbewusster verließen.

Seither weiß ich sicher: Jeder Mensch, ob jünger oder älter, sollte immer wieder hören, dass er ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist. Auch wenn manches nicht so gelungen scheint. Weil Gott ihm Würde schenkt, weil er ein Leben wertvoll macht und segnet.

Teil 2
Die schwarzafrikanische Familie Mulli bietet in Kenia vielen vormals hoffnungslosen Jugendlichen Essen, Ausbildung und ein Zuhause, spricht ihnen aber auch Wert und Würde zu. Weil dieses Bewusstsein zu einer nachhaltigen Veränderung dazugehört.
Und ich habe erlebt: was Straßenkindern in Afrika hilft, kann Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auch hier in Deutschland zu einer neuen Sicht verhelfen.

Von Anfang an glaubten Christen, dass man den Menschen sagen muss, wie wertvoll und wichtig sie sind. Denn Jesus hat in seiner berühmtesten Rede, der Bergpredigt, allen, die ihm zugehört und von Gott etwas erwartet haben eine neue Würde und Lebensperspektive zugesprochen. Er sagte zu diesen Menschen, von denen die meisten als Knechte, Mägde oder Tagelöhner arbeiteten: „Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt… (Matthäus 5-13-16)

Er sagte nicht, „Ihr werdet es irgendwann einmal sein“, oder „Unter dieser und jener Bedingung könnt Ihr es werden“, sondern Jesus sagte „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“
Jeder Einzelne ist für Gott von großer Bedeutung, denn er spricht ihnen ihren Wert, ihre Würde, ja sogar eine große Wirkung zu.
Es genügen ein paar Salzkörner, um den Geschmack einer Speise zu verändern. Ebenso können Menschen, die ihren Wert und ihre Würde erkennen, ihre Salzkraft entwickeln, sich einbringen und ihre Umwelt verändern. Wie kleine Lichter in einer oft dunklen Welt.

Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt…
Auch wer sich für klein und ohnmächtig hält, ist Salz, ist Licht dieser Welt. Auch wer manches Mal an den Umständen oder den eigenen Unzulänglichkeiten gescheitert ist, ist in den Augen Gottes Salz und Licht. Und das ohne irgendwelche Voraussetzungen! Denn Jesus ist für die Abgeschriebenen eingestanden. Er hat bewiesen, welchen Wert sie bei Gott haben. Sein eigenes Leben waren sie ihm wert.

Jetzt liegt es an uns, uns immer wieder gegenseitig daran zu erinnern. Vielleicht gerade heute einen Menschen in meiner Bekanntschaft oder Familie, der an sich zweifelt. Vielleicht jemanden, der dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren kann, weil er um seinen Arbeitsplatz bangt oder von persönlichen Problemen bedrängt wird. Denn da fällt es besonders schwer, zu erkennen, dass man wertvoll ist.

Jetzt, wenn die Zeugnisse vergeben sind, brauchen die weniger erfolgreichen Kinder, jemanden, der sagt, wie wichtig sie sind und wie liebenswert.

Wenn wir, Sie und ich, die anderen so ansehen, gewissermaßen mit Gottes Augen, dann sind auch wir wie Salz und Licht in der Welt. Und wir können andere Menschen daran erinnern, dass sie es auch sind. Ich wünsche Ihnen diesen ermutigenden Glauben und einen gesegneten Sonntag.