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Woche vom 28.06.2009 bis 04.07.2009




Karin Berhalter

Von Karin Berhalter, Wangen, Katholische Kirche

Lydia

Samstag, 04. Juli 2009     [Druckversion]

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen...
Als der Apostel Paulus vor rund 2000 Jahren seinen Fuß zum erstenmal auf europäischen Boden setzte, traf er in Nordgriechenland auf eine Gruppe von Frauen. Eine dieser Frauen hieß Lydia. Sie war Purpurhändlerin. Also Geschäftsfrau.
Paulus unterhält sich mit den Frauen. Erzählt von Jesus. Und am Ende lässt sich Lydia mit ihrem ganzen Haus oder Gefolge taufen.
Das ging aber flott damals, war mein erster Gedanke. Doch bei genauerem Hinsehen wird mir klar: Dieser Erfolg geht nicht allein auf das Konto des Paulus und seiner Überzeugungskraft oder Redegewandtheit. Ein kleiner Nebensatz im Bibeltext, der diese Geschichte erzählt, läßt mich aufhorchen. Da steht: „und der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie aufmerksam den Worten des Paulus lauschte“ (Apg 16,14).
…und der Herr öffnete ihr das Herz…das ist die Voraussetzung. Ein offenes, (vielleicht auch) ein „hörendes“ Herz. Diese Lydia hat etwas auf einer ganz anderen Ebene angerührt. Sie hat sich geöffnet…oder etwas öffnete sich in ihr …Sie wurde empfänglich für das, was Paulus zu sagen hatte. So dass sie diese Botschaft von Leben, Tod und Auferstehung Jesu in ihrem Innersten erreichen kann.
Und sie entscheidet sich, dass sie zur Gemeinschaft derer gehören will, die das auch glauben. Sie lässt sich taufen und bittet Paulus und sein Gefolge, doch ihr Gast zu sein.
Der Herr öffnete ihr das Herz... Wie das wohl geht? Sicherlich nicht mit der Brechstange. Vermutlich rein rational nicht erklärbar. Für mich eine Ahnung von leiser innerer Stimme. Etwas, das ins Schwingen kommt. Ein Gefühl von, da ist was dran, das spricht mich unausweichlich an und stößt auf innere Resonanz.
Mich berührt dieses Bild, die Vorstellung, dass mir etwas oder jemand das Herz öffnet. Es macht mich zwar verwundbarer. Aber es lässt mich vielleicht auch tiefer, intensiver leben, besser hören, mit anderen Augen sehen. Weil eine andere Dimension mitschwingt, weil das „Ohr meines Herzens nicht zu täuschen ist.
In der Vorstellung der Orientalen ist das Herz der Sitz von Vernunft und Verstand. Denn da werden die eigentlichen Entscheidungen getroffen.
Ich frage mich, was es braucht, um gut mit dem Herzen hören zu können. Vermutlich viel Stille, gut bei sich sein, sich den Menschen und der Welt unvoreingenommen zuwenden können. Und nicht zuletzt: mit Liebe...
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Weck mich am Morgen…

Freitag, 03. Juli 2009     [Druckversion]

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen...
„Weck mich am Morgen mit einem Lied, das Ja sagt, zu dem Leben,
das ich führe….“
Diesen Satz hab ich im Vorbeigehen auf irgendeiner Broschüre gelesen. Um was es dabei ging, weiß ich nicht. Aber dieser Satz kommt mir immer wieder in den Sinn.
„Weck´mich am Morgen mit einem Lied, das Ja sagt, zu dem Leben, das ich führe“…
Eine schöne Vorstellung - geweckt werden mit einem Lied. Noch dazu nicht mit irgendeinem. Sondern einem ermutigenden und lebensbejahenden, mein Leben bejahenden. Das wäre fein, so geweckt zu werden und in den Tag zu gehen mit einem Ja. Einem Ja zu mir und meinem Leben. Mit der Zusage es ist ok so wie es ist. Du bist ok, so wie Du bist. Das passt schon so.
Gleichzeitig meldet sich aber auch eine ganz andere, innere Stimme… die mich anfragt :Und was würde das nützen, wenn Du selber nicht davon überzeugt bist?
Wenn Du spürst/denkst, dass Dein Leben eben nicht ok ist. Dass Du nicht einverstanden bist mit Dir. Dann nützt auch das schönste Lied nichts. Es braucht schon auch Dein „Ja“, Dein „ich bin einverstanden, mit dem, wie es ist“, deine innere Zustimmung….sonst musst Du was ändern.
Diese anfragende Stimme hat zweifellos auch recht. Trotzdem spüre ich, wie wichtig es ist, dass auch andere, wenigstens Einer ja sagt zu mir.
Im Katholischen Gesangbuch steht ein Lied, das diesen Wunsch und diesen Glauben an das Ja Gottes zu uns Menschen ausspricht:

Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt, weil ich so vieles falsch gemacht.
Wenn Menschen nicht verzeihen können, nimm du mich an trotz aller Schuld.

Gib mir den Mut, mich selbst zu kennen, mach mich bereit zu neuem Tun.
Und reiß mich aus den alten Gleisen, ich glaube, Herr, dann wird es gut.

(Denn wenn du ja sagst, kann ich leben, stehst du zu mir, dann kann ich gehn,
dann kann ich neue Lieder singen, und selbst ein Lied für andre sein. )

Zu viele sehen nur das Böse und nicht das Gute, das geschieht.
Auch das Geringste, das wir geben, es zählt bei dir, du machst es groß.

Drum ist mein Leben nicht vergeblich, es kann für andre Hilfe sein.
Ich darf mich meines Lebens freuen und andren Grund zur Freude sein.
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Heimsuchung

Donnerstag, 02. Juli 2009     [Druckversion]

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen...
Im christlichen Kalender steht heute das Fest Mariä Heimsuchung.
Heimsuchung…ein eigentümliches, altmodisch klingendes Wort…
Wenn wir es heute überhaupt benützen, dann eher im negativen Kontext.…ein Unwetter sucht uns zum Beispiel heim.
Heimsuchung. Mir gefällt dieses Wort. Es ist zusammengesetzt aus Heim und suchen. Da ist Bewegung drin und ein Ziel. Der Wunsch, einen Ort zu finden an dem ich mich daheim, angenommen, geborgen fühle.
Mit Blick auf die biblische Geschichte an die das Fest erinnert, erscheint er mir sehr passend: Das junge Mädchen aus Nazareth, Maria, hat eben erfahren, dass es ein Kind bekommen soll. Vermutlich ist sie ziemlich durch den Wind. Sie hat ja gesagt zu etwas von dem Sie nicht weiß, wie das gehen soll…wie sie das irgendjemand erklären soll. Was die Leute wohl sagen, die Eltern, Joseph …?
zu dem Abenteuer auf das sie sich da eingelassen hat…In dieser Situation beschließt Sie nicht ruhig abzuwarten. Sie macht sich auf den Weg, geht über Berg und Tal… vermutlich innerlich wie äußerlich…und hat ein Ziel. Sie will zu Elisabeth. Einer älteren Verwandten, vermutlich Vertrauten. Sie hat erfahren, dass Elisabeth, obwohl keiner mehr daran geglaubt hat, auch schwanger sei. Die müsste sie doch verstehen. Deshalb sucht sie sie heim…sucht sie auf, da wo sie zu Hause ist. Findet sie und wird erkannt/verstanden in dem wer sie ist, was sie zuinnerst umtreibt. Eine echte Begegnung ist möglich. Nähe, Freude, Verbundenheit spürbar. Die beiden Frauen sind beieinander daheim.
Daheim sein können bei jemand, wirklich daheim ist für mich etwas vom Kostbarsten, was das Leben zu bieten hat.
Hans Walhof, ein Dichter beschreibt das in seinem Text „Vom Geschenk der Freundschaft“:

Mit den Gaben des Herzens kaufen wir uns aus der Vergänglichkeit der Tage frei und sichern uns bereits in der zerbrechlichen Zeitlichkeit einen ewigen Besitz. Das Verschwenden an ein Du wird zur großen Ernte in und über der Zeit.
Was die Tage reich macht, sind die Kräfte des Herzens, die Offenbarungen einer Freundschaft.
Ein Du zu wissen, um das einer kreisen, in das einer einziehen kann, gibt der Zeit einzigen Sinn,
wobei dieses Du sich auf Gott oder auf einen Menschen beziehen kann.
Dieses Du füllt die Zeit auf und aus.
Das ist es eben, dass Freundschaft über die Zeitlichkeit hinausgreift und das Endlose und das Zeitlose einzufangen versteht.
Wer bei einem anderen zu Hause ist und ihm selbst ein Daheim bieten kann, lebt doppelt. Hans Walhof /i>

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Die Seele

Mittwoch, 01. Juli 2009     [Druckversion]

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen...
Was ist die Seele? Wie erklär ich das? Kann ich das überhaupt erklären?
Natürlich kann ich sagen, dass die Seele im traditionell-christlichen Verständnis das Eigentliche des Menschen ist, das, was den Tod überdauert. Aber das greift mir zu kurz. Weil es den Menschen wieder in Leib und Seele teilt. Und das lässt sich mit dem biblischen Menschenbild nicht in Einklang bringen. Das Leib und Seele als untrennbare Einheit sieht.
Ist die Seele deshalb eher dasselbe wie das Herz, nur eben kein Organ? Oder eine Hirnregion, die reagiert, meine Empfindungen steuert. Durch die ich zutiefst weiß, was mir fehlt, der Ort an dem meine Sehnsucht zu Hause ist?
Ist die Seele der Resonanzraum in mir, mit dem ich auf alles reagiere, das mich berührt, ein Raum, der sich aufmacht oder verschließt?
Ich weiß es nicht. Und ich glaub auch nicht, dass es eine letztgültige Definition von Seele geben kann. Vielleicht hat mich (gerade) deswegen ein Text der Heiligen Hildegard von Bingen sehr angeregt, weiter darüber nachzudenken. Sie schreibt vor beinah 900 Jahren:

Die Seele
ist wie ein Wind,
der über die Kräuter weht,
und wie der Tau,
der auf die Wiesen träufelt,
und wie die Regenluft,
die wachsen macht.

Genauso ströme der Mensch
ein Wohlwollen aus
auf alle, die da Sehnsucht tragen.

Ein Wind sei er, der den Elenden hilft,
ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet,
und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet
und sie mit Liebe erfüllt
wie Hungernde, indem er ihnen
seine Seele hingibt.


Wenn ich diesen Text nachklingen lasse, dann ahne ich, dass die Seele eher leise Töne kennt und anstimmt. Dass sie ein DU sucht. Dass sie uns ermöglicht behutsam aufeinander zuzugehen, zu erahnen, wer der andere ist, wer ich selber bin. Ein Gespür, für das, was mein Wesen ausmacht und was ich vom Wesen des anderen erahne. Und mir wird einmal mehr bewusst, was für ein großes Geschenk es ist, wenn sich zwei Seelen berühren. Begegnung stattfindet, die eine besondere Qualität hat, die tiefere Schichten erreicht, etwas zum Schwingen bringt.
Von manchen Menschen sagt man: „Sie ist die Seele des Hauses oder er ist eine gute Seele…“ Manchmal werden sie gar belächelt, weil sie so hilfsbereit und scheinbar selbstlos sind. Ich glaub eher, dass Menschen, die so ganz sie selber sind, ein Gespür dafür haben, was dran ist. Und Erfüllung darin finden,
mit Hingabe zu leben.
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…“Vergiss nicht, dass Deine Seele Flügel hat“

Dienstag, 30. Juni 2009     [Druckversion]

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen...
„Vergiss nicht, dass Deine Seele Flügel hat“, hat mir ein guter Freund mal geschrieben. Dieser Satz lässt mir seither keine Ruhe, er kommt mir immer wieder in den Sinn. „Vergiss nicht, dass Deine Seele Flügel hat“ … Besteht etwa Gefahr, dass sich vor lauter Alltagstrott mein Blickwinkel total verengt hat … dass meine Schwerkraft zu groß geworden ist und ich vor lauter Sinn für die sogenannte Realität verlernt habe zu träumen? … Und wenn nicht …Geb ich meinen Träumen überhaupt eine Chance, Wirklichkeit zu werden, lass ich meinen Sehnsüchten Raum – habe ich überhaupt noch welche? – oder erstick ich sie im Keim, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Kann ich noch „abheben“ wenigstens in Gedanken?
„Vergiss nicht, dass Deine Seele Flügel hat“, dieser Satz sitzt mir wie ein Stachel im Fleisch, er begleitet mich und ich lade Sie ein, sich von diesem Satz anstoßen zu lassen, dem nachzuspüren was in Ihnen ist, an Träumen, Wünschen und Sehnsüchten.
Wonach sehn’ ich mich an diesen Tagen, vielleicht aber auch schon mein ganzes Leben?
Was ist mir ein inniger Wunsch, wovon träume ich?
Was kann ich dazu beitragen, dass es nicht nur beim Wünschen und Träumen bleibt?
Was sind meine Flügel? - was beflügelt mich?
Die Vorstellung, einmal die Welt zu umsegeln oder die, es dem nachzumachen, der mit 50 beschließt, dass es jetzt gut sei mit dem Geldverdienen und sich den (Jugend)Traum erfüllt, was für andere Menschen zu tun. Ist es mein Wunsch, mir mit Pinsel und Farbe eine neue Welt zu schaffen und wage ich den ersten Pinselstrich. Träum’ ich nur von täglichen Spaziergängen in der freien Natur oder setz ich endlich den Fuß über die Schwelle.
„Vergiss nicht, dass Deine Seele Flügel hat … und fliegen kann und will“.
Gestatte ich es mir, abzuheben, mir den Himmel offen zu halten und zu fliegen – nicht nur in Gedanken?
Das hat für mich nichts mit Weltflucht zu tun, sondern ganz viel mit Wahrnehmung und Wachsein mir selbst gegenüber.
Es geht mir darum, ein Gespür dafür zu entwickeln, dass es noch eine ganz andere Wirklichkeit in mir gibt, die auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Sie möchte ich ans Licht holen, ihr Raum geben, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen. Damit das, wovon ich träume, und das, wonach andere sich sehnen, Wirklichkeit werden kann. (Heute!)
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Peter und Paul

Montag, 29. Juni 2009     [Druckversion]

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen (heute am Fest Peter und Paul)
Auf den ersten Blick sind sie ein recht ungleiches Paar, die Apostel Petrus und Paulus. Petrus ist Jesus von Nazaret von seinem Fischerboot weg, ohne lange zu zögern, nachgefolgt. Paulus verfolgt die Anhänger Jesu zunächst bis eine Christusbegegnung ihn radikal verändert und zu einem leidenschaftlichen Verkünder des Evangeliums macht.
Und doch haben beide bei all ihrer Verschiedenheit so einiges gemeinsam, jener einfache Fischer vom See Genezareth und der gebildete Schriftgelehrte aus Kleinasien. Beide werden in besondere Positionen berufen. Paulus, der die Sache Jesu mit dem Schwert verfolgt, wird zum großen Völkerapostel. Petrus wird, obwohl er Jesus im entscheidenden Moment verleugnet, zum Fels auf den die Kirche erbaut werden soll.
Beide waren früh bereit, den Blick über den Tellerrand der Landes- und Religionsgrenzen hinauszuwagen. Wer weiß, ob uns Germanen die Botschaft Jesu erreicht hätte, wenn Paulus nicht europäischen Boden betreten hätte, um dort zu missionieren.
Doch bevor es dazu kam, mussten Petrus und Paulus einen großen Konflikt austragen.
Um was ging es?
In den jungen Gemeinden wurde gestritten, ob Menschen, die Christen werden wollen, zunächst den jüdischen Glauben annehmen und beschnitten werden müssten. Man berief eine Versammlung ein, das sogenannte Apostelkonzil.
Dort wurde um eine Lösung gerungen. Dass es dabei heiß herging, beschreibt Paulus in einem seiner Briefe.
Dort heißt es: „Als Petrus kam, bin ich ihm offen entgegen getreten, denn er setzte sich ins Unrecht“. Petrus seinerseits zieht sich nicht schmollend zurück, sondern zusammen mit den anderen ringen beide um eine Lösung, die folgendermaßen ausfällt: Jeder kann ohne Umwege Christ werden. Eine unerwartete Lösung mit weitreichenden Folgen.
Heute, am Fest Peter und Paul, wünsche ich mir etwas von diesem Mut, Probleme und offene Fragen konstruktiv anzugehen und eine gute Streitkultur zu pflegen.
Den Kirchen wünsche ich, dass sie sich anstecken lassen von diesen beiden Männern der ersten Stunde. Dass auch heute Grenzen überschritten werden, die nicht gottgewollt - sondern von Menschen errichtet sind .

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La gloire de Dieu

Sonntag, 28. Juni 2009     [Druckversion]

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen...
Heute ist der Gedenktag des Hl. Irenäus von Lyon. Nicht gerade aufregend, denken Sie vielleicht. Aber mir bedeutet dieser Lehrer der frühen Kirche viel. Von ihm stammt der Satz: „La gloire de Dieu c’est l´homme vivant“ …der Ruhm, die höchste Ehre Gottes ist der lebendige Mensch. Dieser Satz begleitet mich seit meiner Studienzeit. Er ermutigt mich dazu, immer wieder dem nachzugehen, was es heißt, ein lebendiger Mensch zu sein. Und er ist fast so etwas wie ein Merksatz für mich geworden: Denk dran, es geht darum lebendig zu sein. Wirklich zu leben. Mit Höhen und Tiefen. Traurig und froh. Nicht in Saus und Braus…aber mit wachen Sinnen und einem Gespür, für das was ist…und was wesentlich ist. Auf gut schwäbisch: läbig nicht halbläbig. Nicht auf Sparflamme sondern mit Hingabe an die Aufgaben, die das Leben mir stellt. Nicht gefühllos, sondern mit einem Gespür für mich selbst, meine Freude und Traurigkeit und die der anderen.
Die höchste Ehre Gottes ist der lebendige Mensch…das heißt für mich auch: So will Gott den Menschen. Letzlich weil er selbst ein Gott des Lebens ist. Oder wie es im Johannesevangelium so schön auf den Punkt gebracht ist:
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10).
Der Satz des Irenäus hat noch einen zweiten Teil, den ich nicht unterschlagen möchte: …“et la gloire de l´homme…c´ est la vision de Dieu…und die höchste Ehre des Menschen ist es, Gott zu schauen.“
Und wie geht das? Irenäus schlägt vor: Geh mit wachen Sinnen durchs Leben. Hab ein Auge für die kleinen, scheinbar unscheinbaren Dinge…
Die Wunder, der Natur, dass etwas wächst und gedeiht ohne, dass wir die Hand im Spiel haben. Nimm wahr, dass dir ein Lächeln geschenkt wird einfach so, Begegnung möglich ist, die nicht geplant war…all das sind für mich Spuren von Gott, und seinem Übermaß an Leben und Liebe.
Mir ist bewusst, dass das nicht immer leicht ist. Dass es Tage und Zeiten gibt, in denen ich nicht auf Empfang bin. Dennoch mag ich diese Sätze des Irenäus nicht aus den Augen verlieren. Weil sie mich ermutigen, das Staunen nicht zu verlernen. Und mich daran erinnern ein lebendiger Mensch zu sein.
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