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29MRZ2026
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„Heute ein König“! Mit dem Satz wurde vor Jahren mal Werbung für ein Bier gemacht. Der Satz passt aber auch auf die Geschichte, die heute am Palmsonntag im Mittelpunkt der katholischen wie evangelischen Gottesdienste steht. (Mt 21,1-11) Denn auch da geht’s um einen König. Sie erzählt davon, wie Jesus kurz vor seinem Tod mit seinen Jüngern in Jerusalem einzieht.  Wie ein König eben, nur nicht nach den üblichen Maßstäben. Eher ein König der Herzen. Einen, der später von sich selbst sagen wird, dass sein Königtum nicht von dieser Welt sei. Denn so manches an dieser Geschichte passt nicht zu einem König, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt. Da lässt Jesus etwa eine Eselin samt Fohlen organisieren, kein stolzes Pferd. Und auf der Eselin reitet er, wenig königlich, nach Jerusalem hinein. Oder da sind Leute, die ihre Kleider vor ihm auf dem Weg ausbreiten, ihm quasi den roten Teppich ausrollen wie einem großen Herrscher. Das Ganze garniert mit Palmzweigen. Einem alten Symbol für den Triumph. Und doch wirkt das verglichen mit einem echten Herrscher oder Feldherrn eher wie eine Parodie auf den ganz großen Auftritt. Man stelle sich die Szene mal vor: Kurz vor dem Passahfest war Jerusalem damals prallvoll mit tausenden Pilgern. Die Stadt platzte förmlich aus allen Nähten. Und die Jesusanhänger eine kleine, überschaubare Gruppe unter vielen anderen. Der Einzug auf einem Esel mit ein paar dutzend Anhängern, die ihn wie einen König bejubeln. Aus der Distanz betrachtet wirkt er wie eine Lachnummer. Warum also erzählt die Bibel das so bewusst?

Weil dieser König nicht wie die üblichen Herrscher sein soll. Weil es bei ihm nicht um Macht und Einfluss und schon gar nicht um militärische Stärke geht. Weil dieser Herrscher eher ein Anti-König ist. Einer, in dem sich die alten Prophezeiungen vom Friedenskönig erfüllen. Juble laut, Tochter Zion! / Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir, heißt es da. Und weiter:  Demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin. (Sach 9,9) In einer Welt, in der – wie gerade mal wieder – das Recht des Stärkeren herrscht, mag so ein König eine Lachnummer sein. Aber vielleicht wäre er gerade jetzt besonders wichtig.

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22MRZ2026
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Der Sonntag heute wird manchmal auch „Schwarzer Sonntag“ genannt. Heute geht der Blick schon hin zum Karfreitag und zu Jesus am Kreuz. Es geht um Leid, um Tod und um Trauer. Und genau daran erinnert mich auch der Satz aus dem Hebräerbrief, über den heute gepredigt wird: „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Das ist der Satz, den ich bei jeder Beerdigung sage. In der Trauerhalle auf dem Friedhof. Bevor ich mich mit der Trauergesellschaft auf den Weg mache, um den Leib oder die Asche eines Verstorbenen zur letzten Ruhestätte zu bringen. „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Das ist der Merksatz für uns alle: Richte Dich nicht zu häuslich ein auf dieser Erde. Du wirst denselben Weg gehen, wie der Tote, von dem Du Dich heute verabschiedest.

Aber der Merksatz geht noch weiter: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13,14)

Ich bleibe an dem Wörtchen „suchen“ hängen. Was hat das auf sich mit dem Suchen? Wie suche ich hier und jetzt, in dieser Welt, nach einer zukünftigen?

Da fallen mir die Worte einer alten Frau ein, die ich in den letzten Wochen ihres Lebens begleiten durfte. „Ich habe keine Angst vor dem Tod“, hat sie zu mir gesagt, „denn ich weiß ja, wo ich hingehe.“ Sie war sich ganz sicher. Nach dem Tod habe ich eine Wohnung bei Gott, für immer.

Sie hatte keine Todessehnsucht, hat den Tod nicht gesucht. Im Gegenteil. Sie hat ein Leben lang das Leben fest in den Blick genommen. Sie konnte das Leben genießen. Fühlte sich begleitet Gott, der ihr Gaben mitgegeben und ihr Menschen zur Seite gestellt hat. Und sie hat auch die Menschen, die mit ihr lebten, fest in den Blick genommen. Sie hat versucht, da zu sein, wenn sie gebraucht wurde mit ihrer Liebe, ihrer Hilfe, ihrer Gastfreundschaft.

Ja, denke ich, so geht das mit dem Suchen. Diese Frau hat das Leben und die Menschen geliebt. Hat hier schon versucht, so zu leben, wie sie sich das Leben in Gottes Stadt vorstellt. Sie hat nicht darauf gewartet, dass Gott in einem anderen Leben alles besser macht für sie. Sondern hat geholfen, das Leben hier schon ein bisschen besser zu machen. Immer in dem Wissen: Mein Leben hat einen Sinn. Es ist ein Geschenk und ein Auftrag. Und mein Leben hat ein Ziel. Ich gehe dahin, wo ich herkomme.

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15MRZ2026
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Im Chor sind wir gerade richtig viele Leute. Über 100. Und auch wenn wir viele Leute sind, ist es nicht egal, was der Einzelne macht. Töne und Rhythmus müssen natürlich stimmen, aber damit die Musik lebendig wird, braucht es auch eine gemeinsame Idee davon, wie es klingen soll. Froh und zuversichtlich, nachdenklich, traurig oder kraftvoll.

Unser Chorleiter kann diese Stimmungen super aus uns rauskitzeln. Er macht eine bestimmte Gestik oder ein bestimmtes Gesicht – und schon reagieren wir. Es funktioniert aber nur, wenn wir auch innerlich mitgehen. Wenn er zum Beispiel strahlt, dann denke ich an meine kleine Nichte, wie sie mir voller Freude entgegenläuft. Und schon singe ich strahlend. Oder wenn unser Chorleiter langsam und gewichtig dirigiert, dann denke ich an Thomas, dem es das Leben so schwer macht – und schon singe ich schwermütig. All das stecke ich ins Singen. Und auch die Sängerinnen und Sänger um mich herum. Die Musik fängt dann wie zu leuchten an und bekommt eine Kraft, die auch bei den Zuhörerinnen und Zuhörern ankommt.

Im Chor ist es der Chorleiter, der Gefühle mit seinem Dirigat weckt. Als Christin helfen mir andere Menschen, mich an meine innere Kraft und das Licht in mir zu erinnern. Und auch biblische Texte. So wie die Stelle, die heute diejenigen hören, die einen katholischen Gottesdienst mitfeiern. In einem Brief von Paulus an die Menschen in Ephesus heißt es: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.“ (Eph 5,8)

Ich mag die Vorstellung, ein „Kind des Lichts“ zu sein. Da steckt so viel Kraft und Wärme drin. Vor allem aber erinnert es mich daran, dass ich das Licht schon in mir trage. In mir ist es hell und warm – egal, wie es um mich herum gerade aussieht. Und auch, wenn ich mir manchmal nur wie ein ganz kleines Flämmchen vorkomme.

Ich glaube, Gott hat in jede und jeden sein Licht gelegt, und er wünscht sich, dass alle Menschen es zum Leuchten bringen. Für sich selbst und auch für andere. Wie hell könnte es dann in unserer Welt werden. Neulich habe ich, nur ein paar Minuten, überlegt: was ist gut und muss nicht verändert werden. Da kam von der Frisur bis zum Ausblick aus meinem Küchenfenster so manches zusammen. Und bei anderen reicht es manchmal schon, miteinander das Schwere auszuhalten – jemanden nicht vollzuquatschen, sondern zuzuhören. Oder einfach einmal jemanden mit Freundlichkeit zu überraschen – zum Beispiel, indem ich einer Freundin eine Nachricht schicke mit einer kleinen „Warum du toll bist“-Liste. Dann locke ich – wie eine Chorleiterin – das Licht im anderen hervor.

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08MRZ2026
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„Wer die Hand an den Pflug legt und blickt zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Solche Sachen hat Jesus den Menschen um die Ohren gehauen. Zum Beispiel einem jungen Mann, der mit den besten Absichten zu Jesus gekommen war. Der Mann wollte genau das: die „Hand an den Pflug legen“ – also etwas verändern, von Jesus lernen, ihm nachfolgen. Er wollte vorher nur ganz kurz noch einmal zurück – zu seiner Familie und in sein altes Leben – um sich zu verabschieden.

„Nein!“ - entgegnet Jesus. Denn jetzt ist Umbruch angesagt: Umpflügen – das Unterste nach oben kehren – mit dem, was war, radikal brechen, Bahn brechen für das Reich Gottes! Da gibt es keinen Schritt zurück.

Jesus konnte so hart sein. Oder – vielleicht trifft es das besser: so klar. Glasklar – geradezu erbarmungslos. Mit dieser Haltung bringt er mich in Schwierigkeiten. Und ich bin sicher nicht die Einzige, die sich „Nachfolge“ etwas harmloser vorstellen würde - als gute Sache, bei der ich mich an Jesus orientiere und frage,  was richtig ist und was falsch… Dir aber auch nützlich ist für mich und mein Leben. Ich hätte aber auch gerne, dass Nachfolge mir etwas bringt. Mir hilft, mich in meinem Leben gut einzurichten.

Nachfolge soll meinem Lebensmodell dienen. Von Jesus höre ich aber: „Das ist nicht“. Es gilt nicht: „Dein Reich bleibe“, liebe Barbara – sondern „Gottes Reich komme“. Und wo sich nur die leiseste Chance ergibt, dass etwas vom Reich Gottes sichtbar wird, da darf es kein Zögern geben - nicht das leiseste.

Mir ist das zu viel – wirklich! Zu hart – zu klar. Es überfordert mich. Denn ich bin ein Mensch, der an der Vergangenheit hängt. An seiner Familie, an seiner Heimat, an bewährten Strukturen … Gleichzeitig will ich aber auch nicht stehenbleiben. Will die Hand an den Pflug legen – und schrecke doch wieder zurück: vor den ungewissen Folgen, die das haben könnte – zu pflügen, das unterste nach oben zu kehren, Bahn zu brechen für das Reich Gottes.

Wenn sich nur die allerleiste Chance bieten würde, das Reich Gottes voranzubringen – würde ich alles andere hintenanstellen? Ich denke: Nein. So mutig bin ich nicht – längst nicht. Aber: ich wäre es gerne…

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01MRZ2026
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Wer die Münchener Sicherheitskonferenz vor zwei Wochen zumindest ein wenig verfolgt hat, dem dürfte endgültig klar sein: Die Welt, wie wir sie kannten, hat sich dramatisch verändert. Das, was manche als die gute alte Zeit verklären, ist vorbei. Endgültig. Eine neue Epoche beginnt. Zeit, aufzubrechen. Aber wie und wohin? Auch mich macht das gerade oft ratlos.

Ein uralter Text, der heute Morgen in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist, könnte da ein wenig Mut machen. Er erzählt von Abraham, dem gemeinsamen Vorfahren von Juden, Christen und Muslimen. Eines Tages sagt Gott zu ihm: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! (Gen 12,1ff) Und Abraham? Der nimmt seine Sippe, macht sich auf und zieht los. Ohne zu wissen wohin. Aber im Vertrauen darauf, dass es gut ausgehen wird.

Ich gebe zu, ich könnte das nicht. Ich bin ein Mensch, der gerne vorausplant. Der wissen will, was ihn erwartet. Abraham aber hat etwas, das ihn in der Geschichte scheinbar gelassen losziehen lässt. Denn Gott verspricht ihm: Ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Mehr noch: Ich werde segnen, die dich segnen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.

Segnen und gesegnet werden. Im Ursprung meinte Segen wohl einen Art Kraft, die etwas wachsen und gut werden lässt. Eine Kraft, die von Gott kommt. Und die wünsche ich eben einem Menschen, wenn ich ihn segne. „Gott segne dich“ meint also: Gott möge dir Mut und Kraft verleihen, damit dein Leben gelingt. Eine Garantie darauf gibt es natürlich nicht. Ein Segen ist kein Zauberspruch. Er ist eine Zusage: Du bist nicht allein. Gott geht mit dir. Was die kleine Abrahamsgeschichte aber auch noch erzählt: Wer so gesegnet ist, Gottvertrauen gewonnen hat, kann sogar für andere zum Segen werden. Zum Mutmacher und Kraftspender.

Was die nähere Zukunft für mich und alle anderen bringen wird ist ungewiss. Vielleicht passt das etwas verstaubt klingende Wort vom „Gottvertrauen“ da ja ganz gut. Denn ich werde nie alles planen und im Griff haben können. Aber ich kann trotzdem losgehen und mit meinen begrenzten Möglichkeiten Gutes tun. Im Vertrauen darauf, dass ich gesegnet bin und Gott mir alles, was nötig ist, dafür mitgeben wird. Und vielleicht kann ich sogar zum Segen werden für andere.

Wer die Münchener Sicherheitskonferenz vor zwei Wochen zumindest ein wenig verfolgt hat, dem dürfte endgültig klar sein: Die Welt, wie wir sie kannten, hat sich dramatisch verändert. Das, was manche als die gute alte Zeit verklären, ist vorbei. Endgültig. Eine neue Epoche beginnt. Zeit, aufzubrechen. Aber wie und wohin? Auch mich macht das gerade oft ratlos.

Ein uralter Text, der heute Morgen in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist, könnte da ein wenig Mut machen. Er erzählt von Abraham, dem gemeinsamen Vorfahren von Juden, Christen und Muslimen. Eines Tages sagt Gott zu ihm: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! (Gen 12,1ff) Und Abraham? Der nimmt seine Sippe, macht sich auf und zieht los. Ohne zu wissen wohin. Aber im Vertrauen darauf, dass es gut ausgehen wird.

Ich gebe zu, ich könnte das nicht. Ich bin ein Mensch, der gerne vorausplant. Der wissen will, was ihn erwartet. Abraham aber hat etwas, das ihn in der Geschichte scheinbar gelassen losziehen lässt. Denn Gott verspricht ihm: Ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Mehr noch: Ich werde segnen, die dich segnen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.

Segnen und gesegnet werden. Im Ursprung meinte Segen wohl einen Art Kraft, die etwas wachsen und gut werden lässt. Eine Kraft, die von Gott kommt. Und die wünsche ich eben einem Menschen, wenn ich ihn segne. „Gott segne dich“ meint also: Gott möge dir Mut und Kraft verleihen, damit dein Leben gelingt. Eine Garantie darauf gibt es natürlich nicht. Ein Segen ist kein Zauberspruch. Er ist eine Zusage: Du bist nicht allein. Gott geht mit dir. Was die kleine Abrahamsgeschichte aber auch noch erzählt: Wer so gesegnet ist, Gottvertrauen gewonnen hat, kann sogar für andere zum Segen werden. Zum Mutmacher und Kraftspender.

Was die nähere Zukunft für mich und alle anderen bringen wird ist ungewiss. Vielleicht passt das etwas verstaubt klingende Wort vom „Gottvertrauen“ da ja ganz gut. Denn ich werde nie alles planen und im Griff haben können. Aber ich kann trotzdem losgehen und mit meinen begrenzten Möglichkeiten Gutes tun. Im Vertrauen darauf, dass ich gesegnet bin und Gott mir alles, was nötig ist, dafür mitgeben wird. Und vielleicht kann ich sogar zum Segen werden für andere.

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22FEB2026
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Kennen Sie Uli Keuler? Leider hat der schwäbische Kabarettist im letzten Dezember seine Abschiedsvorstellung gegeben. Ich kenne viele seiner legendären Stücke auswendig und gebe Ihnen gleich mal eine Kostprobe – natürlich auf Schwäbisch:

„Ah! Des hat mr jo dies Johr wiedr soo viel brocht: Die Landschaft, des Licht, die Leit!

Mr isch a so offe fir vieles, gell? I hab jo irreweise ausgrechnet  dodurch, dass mr uff de Piazza Navona  en Satz Kaffeedasse nunnergfalle isch, schlagartig  glernt zu akzeptiere, dass sich s eigene Ich permanent verändert … wie de Kellner komme isch, han e glei gsagt, ich wars net!“

Ich war’s nicht! Dieser Satz führt uns direkt in den Predigttext für den heutigen Sonntag und mitten hinein ins biblische Paradies: Die Landschaft, das Licht, die Leute … Da sind Adam und Eva, das erste Menschenpaar. Sie haben sich versteckt, vor Gott, ihrem Schöpfer. Aber Gott, der in dieser Erzählung im Abendrot spazieren geht, kommt ihnen schnell auf die Schliche und stellt sie zur Rede. „Habt ihr etwa von dem verbotenen Baum gegessen?“ fragt er sie. Darauf Adam, wie aus der Pistole geschossen: „Die Eva war’s! Die hat mir von den verbotenen Früchten gegeben.“ Und Eva: „Die Schlange wars, die hat mich verführt!“

„Ich wars nicht!“ Anscheinend fällt es uns seit Menschengedenken schwer, Fehler zuzugeben. Auch ich kenne diesen Reflex, mich erst mal zu ent-schuldigen, wenn ich zur Rechenschaft gezogen werde. Und die Ausflüchte hören sich oft gar nicht so viel anders an als bei Adam und Eva: Da sind dann die Eltern schuld oder die misslichen Umstände. Oder die oder jene falsche Schlange, die mich mit falschen Informationen versorgt hat.

Was wäre passiert, wenn Adam und Eva damals gesagt hätten: „Gott, ja, du hast recht: wir haben von dem verbotenen Baum gegessen!“

Und was würde passieren, wenn ich öfter mal zugeben könnte: „Ja, ich hab’s verbockt! Das nehm ich auf meine Kappe!“? Vielleicht wäre das ja gar nicht so schlimm. Ja, vielleicht würde mir irrerweise ausgerechnet dadurch klar, dass ich verführbar bin, anfällig für Fehler und angewiesen auf die Fehlerfreundlichkeit anderer und ihre Vergebungsbereitschaft. Ich nehme mir vor, es auszuprobieren. Nächstes Mal sag ich: „Ich wars! Tut mir leid! Die Kaffeetassen sind kaputt, aber unsere Freundschaft soll daran nicht zerbrechen!“ Und vielleicht fühlt sich das dann ein bisschen so an wie im Paradies.

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15FEB2026
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In dem Roman „1984“ von George Orwell, der in einem autoritären Polizeistaat spielt, gibt es die sogenannte Gedankenpolizei. Die verfolgt nicht nur Leute, die irgendwas Verbotenes getan haben. Schuldig macht sich schon, wer nur an etwas Verbotenes denkt – ohne die geringsten Anstalten, es wirklich zu tun. Der Text, der heute Morgen in den Katholischen Gottesdiensten zu hören ist, den könnte man auch so verstehen. Er findet sich in der sogenannten Bergpredigt Jesu, in der er seine Lehre wie in einem Grundsatzprogramm zusammenfasst. Da heißt es dann zum Beispiel: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. (Mt 5,27f). Das ist starker Tobak. Hört sich auf den ersten Blick an wie ein Fall für Orwells Gedankenpolizei. Doch wie so oft in der Bibel steht auch hinter diesem Satz ein tiefer gehender Gedanke. Dass nämlich ein Vergehen, oder eine Sünde, wie es die Bibel nennt, fast immer im Kopf beginnt und nicht erst mit der eigentlichen Tat. Heißt in diesem Fall: Dass ich allein durch die Vorstellung, mit einer anderen Frau eine Affäre zu beginnen, schon das in Frage stelle, was ich meiner Frau mal versprochen habe. Und man kann ja weiterdenken: Die bloße Idee etwa, ich könnte bei der Arbeit doch mal Geld unterschlagen, beschädigt schon das Vertrauen, das der Arbeitgeber mir entgegenbringt. Wer etwas Falsches also nur in Erwägung zieht, ist moralisch schon nicht mehr integer. Auch wenn er oder sie sich nichts zu Schulden kommen lässt.

Trotzdem gibt es ziemlich gute Gründe, warum etwa unser Strafrecht ein Tatstrafrecht ist. Warum ich also nur wegen tatsächlich begangener Straftaten vor Gericht lande, und nicht für irgendwelche dunklen Gedanken. Wer das aufgäbe würde schnell auf einer schiefen Ebene landen, die – wie in Orwells Roman - in einem Überwachungsstaat endet.

Für die, die ihm folgen wollen, wünscht sich Jesus allerdings einen höheren Maßstab. Als Christ soll ich versuchen, moralisch integer sein. Innerlich so gereift, dass ich gar nicht in Erwägung ziehe, etwas Übles zu tun. Auf der Stufenleiter der moralischen Entwicklung ist das ziemlich weit oben. Ein hoher Anspruch, an dem ich selbst auch immer wieder mal scheitere. Aber ist er deshalb unrealistisch? Nicht lebbar? Nein! Es ist keine Vorbedingung um Christ zu sein. Aber ein Ziel, an dem ich mich als Mensch und als Christ ausrichten kann und wachsen darf.

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08FEB2026
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„HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“

Ist das nicht schön? Ein wunderschöner Text; aus einem alten Gebet der Bibel– aus Psalm 36.

Ehrlich gesagt: im ersten Moment denke ich bei dem Psalm gar nicht so sehr ans Beten. Ich muss eher an eine Fahrt durch die Berge denken, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Oder an meinen letzten Spaziergang übers freie Feld: an frische Luft, an einen weiten Himmel und weiße, luftige Wolken.

„Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“ – da geht der Kopf doch fast unwillkürlich nach oben. Und ich denke, genau deswegen ist es eben doch ein Gebet: weil man aufatmet. Der Druck lässt nach. Und auch wenn meine Sorgen – überhaupt Nöte und Ängste - nicht einfach so verschwinden –im Gebet höre ich, spüre ich: Gott ist größer als diese Sorgen, weiter, tiefer. Im Psalm selbst klingt das so:

„Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren.“

Gottes Gerechtigkeit – die reicht von der höchsten Bergspitze bis hinunter in die tiefste Tiefe! Meinen kleinen Horizont sprengt das bei weitem. Und im Gebet höre ich, spüre ich: Nichts, was wir Menschen anrichten oder woran wir leiden kann Gott etwas anhaben. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen.

Ja: „Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“ Trotzdem gibt es auch Tage, da bleibt mein Himmel grau – trotz dieser Worte. Ich werde nicht automatisch zuversichtlich, wenn ich Psalm 26 spreche. Bete ihn an solchen Tagen aber trotzdem gern. Ich sehne mich danach, aufzuatmen. Und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich der Himmel wieder weit über mir spannt.

An den grauen Tagen spreche ich die Worte des Psalms gern noch ein bisschen weiter. Denn weiter heißt es da:

Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. (Psalm 36, 6-10)

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01FEB2026
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Es ist noch früh heute Morgen, aber ich mute Ihnen dennoch direkt ein Fremdwort zu: „makarios“. Makarios ist griechisch und heißt übersetzt „selig“. Und wer heute einen katholischen Gottesdienst mitfeiert, wird dieses Wort in den so genannten Seligpreisungen ganz oft hören. Da heißt es zum Beispiel: „Selig sind, die Frieden stiften“ oder „Selig die Trauernden“ (Mt 5,1-12a).

Makarios bedeutet aber nicht einfach nur „selig“. Es ist viel mehr und meint eigentlich eine Seligkeit, die alles umfasst. „Makarios“, „selig“ bin ich, wenn alles einfach passt. Wenn es nichts mehr auszusetzen gibt. Wenn ich aus tiefstem Herzen zufrieden bin, unabhängig davon, wie meine Lebenssituation gerade ist. Selig sein – das gehört ganz eng zu der Vorstellung, wie es bei Gott sein soll.

Bei der katholischen Theologin Annette Jantzen[1] habe ich etwas ganz Interessantes gelesen. Es gehört in die Kategorie „Spezialwissen“. Sie schreibt, dass das Wort „makarios“ in der Bibel außer in den Seligpreisungen nur noch in der Szene vorkommt, in der sich Maria über ihre Schwangerschaft freut. Maria sagt da über sich selbst: „von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ (Lk 1,48)

Selig sein, bedeutet doch dann: in Maria, aber auch in mir und in allen Menschen steckt ein göttlicher Kern, der wachsen und geboren werden wird. Wie ein Kind. Das kann ich nicht selbst machen, sondern ist ein Geschenk. Ein Versprechen, dass Gottes Seligkeit grenzenlos ist und dass es in mir passiert, ohne dass ich dafür etwas tun muss.

Das im Hinterkopf, lese ich die Seligpreisungen nochmal anders. Gerade den Menschen, die leiden, traurig, arm, verfolgt oder einsam sind, ist Gottes Nähe zugesagt. Gerade mitten in der schweren Lebenssituation findet Gott mich. Dann wächst Gottes Nähe in mir, nicht immer spürbar, aber einfach präsent.

Diese Präsenz Gottes in meinem Leben ist so schwer und gleichzeitig so schön zu glauben. Vielleicht kann ich es mir immer wieder bewusst machen, wenn ich glückselige Momente erlebe, wenn ich ein bisschen „makarios“ bin: Ja, Gott ist tatsächlich in mir.

 

[1]4. Sonntag im Jahreskreis A // zum Evangelium | Gotteswort, weiblich (aufgerufen am 21.01.2026)

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25JAN2026
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Die Bibel erzählt, dass Gott uns Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat. Und Jesus unterstreicht das nochmal: In jedem Menschen, der dir begegnet, begegnet dir Gott höchstpersönlich. Manchen Menschen will ich aber gar nicht begegnen. Ich lebe ganz bequem in meiner kleinen Welt zusammen mit denen, die meine Meinungen und Werte teilen. Ich denke: So kann es bleiben, ziehe deshalb manchmal eine schützende Mauer um meine Welt – und merke es nicht mal. Dann zeigt Gott mir sehr humorvoll, dass seine Welt weiter ist als meine Grenzen.

Neulich wieder: Mein Mann und ich haben in Frankfurt einen alten jüdischen Friedhof besichtigt. Zurück auf der Straße sind uns zwei Tätowierte entgegengekommen, mit Kampfhund an der Leine. Sofort war ich auf Rückzug hinter meine innere Mauer. Nur schnell vorbei an denen. Aber die beiden sind stehen geblieben, haben uns angesprochen – freundlich und neugierig. Was denn das für ein Friedhof hier sei, auf dem so viele Grabsteine umgefallen sind. Und sie haben interessiert zugehört, was wir zu erzählen hatten darüber, dass er in der Zeit des Nationalsozialismus verwüstet worden ist. Weg war sie, meine innere Mauer. Oder wenigstens habe ich mal drüber geschaut. Und habe mal wieder gelernt: Gottes Welt ist weiter als meine Grenzen.

Gott zeigt auch dem Apostel Petrus sehr humorvoll, wie eng seine Grenzen sind. Kurz vor dem Mittagessen schickt Gott Petrus einen Tagtraum: Petrus sieht den Himmel offen und sein Mittagessen auf einem Tischtuch herabschweben. Aber Gott serviert ihm etwas, das er als frommer Jude nie essen würde. Tiere, die als unrein gelten: Schweine, Meerestiere, Schlangen – Petrus schüttelt es vor Ekel und sofort verkriecht er sich hinter die innere Mauer. Aber Gott fordert ihn nachdrücklich auf: „Iss! – Was ich rein gemacht habe, das sollst du nicht unrein nennen!“ (Apostelgeschichte 10,15) – Zum Glück ist dieser Tagtraum bald vorbei, aber damit noch nicht Gottes Lehrstunde zur inneren Grenzöffnung für Petrus. Direkt danach lädt ihn ein römischer Hauptmann mit Namen Kornelius in sein Haus ein. Das unreine Haus eines Nicht-Juden hätte Petrus als frommer Jude bis gestern nicht betreten – es hätte ihn geschüttelt vor Ekel. Aber jetzt versteht er: Wen Gott rein gemacht hat, den darf ich nicht unrein nennen. Ich soll Gott begegnen, in diesem Menschen, in Kornelius. Ja, Gottes Welt ist weiter als meine Grenzen.

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