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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wir waren gemeinsam auf der Schule – Birgit und ich. Nicht in der gleichen Klasse – aber in verschiedenen Projekten an der Schule hatten wir miteinander zu tun. Manchmal – also eigentlich ziemlich selten – gab Birgit mir damals einen klitzekleinen Einblick in ihren Schmerz, hinein in ihre geschundene Seele. Diese Momente haben mich ahnen lassen, was hinter ihrem Still -Sein steckte: Ein Schmerz für den sie keine Worte, keine Stimme hatte.
Eines Tages war Birgit nicht mehr da. Ich kam morgens in die Schule und sie fehlte. Nicht dass wir jeden Tag gesprochen hätten, aber eigentlich stand sie immer an dem gleichen Platz und rauchte ihre Zigarette. Auch nach einer Woche war sie nicht wieder da. Nach ungefähr einem Monat fragte ich damals in der Schule rum und erfuhr, dass Birgit weg war, wobei niemand so recht wusste, ob weggezogen, Schule gewechselt oder hingeschmissen.
Jahrzehnte später traf ich sie zufällig und sie sprach mich an. Ich hätte sie wahrscheinlich gar nicht mehr erkannt. Aber sie sprach mich an, offen, freundlich lächelnd. Vor mir stand nicht die in sich gekehrte Person, die ich aus der Schule in Erinnerung hatte. Es war total nett. Wir tranken einen Kaffee und sie erzählte ganz offen, wie es ihr ergangen war. Ich fragte, warum sie damals plötzlich verschwunden sei und sie sagte, dass sie in eine stationäre Therapie gegangen war. Die Therapie dauerte lange und danach wollte sie einen Neuanfang - woanders. Inzwischen sagte sie, ginge es ihr gut.
Der Schmerz sei zwar nicht weg, aber die damit verbundene Stille. Sie hat Worte gefunden und Wege, mit dem Schmerz umzugehen, wenn es besonders schwer wird. Sie hat jetzt viele Momente, in denen sie sich am Leben freut und dann fühlt sie sich nicht mehr eingesperrt hinter der verschlossenen Tür in Ihrem Seelenhaus. Mittlerweile kann sie die Tür öffnen, sie hat Ansprechpartner, Mittel und Wege damit gut umzugehen. Es war für mich ein ganz besonderes Kaffeegespräch. Da erzählt jemand von einem Wunder und einem Neuanfang mitten im Leben. Ich weiß bis heute nicht, was Birgit damals so gequält hat, was den stillen Schmerz verursacht hat. Aber dank Birgit habe ich wieder einmal erfahren dürfen, dass es Auferstehung mitten im Leben geben kann.
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Die stille Revolution – diesen Titel verwenden Zeitungen und Magazine häufig für Artikel, die Trends oder Veränderungen auswerten. Eine stille Revolution ist auf dem Vormarsch oder so ähnlich heißt es dann auf der Titelseite. Dieser Begriff „Stille Revolution“ hat es mir seitdem angetan. Kann es eine stille Revolution geben? Ich glaube nicht, wenn es um kurze Zeiträume und Menschen geht – Revolutionen werden immer laut. Aber häufig wird dieser Begriff ja auch verwendet für gesellschaftliche Veränderungen, die nach und nach geschehen und wenn man dann zwanzig oder dreißig Jahre zurückschaut, sieht die Welt ganz anders aus.
Durften früher Frauen nur mit Zustimmung Ihrer Ehemänner arbeiten, so ist das heute keine Frage mehr. War früher die absolute Mehrheit der deutschen Bevölkerung Mitglied der römisch-katholischen oder evangelischen Kirche ist es heute nicht mehr die Hälfte. Das sind alles Prozesse, die leise und still starten und dann im Rückblick große Veränderungen bringen – mal gute und mal schlechte. Prophetische Augen merken es manchmal im Prozess – im Fortgang der stillen Revolution und warnen – aber die meisten sehen es erst im Rückblick. Dabei ist mir zum Lebensmotto geworden, nicht zu zurückzublicken und zu denken oder sagen: „Hätten wir doch!“ – oder: „Welch ein Fehler!“. Ich möchte lieber darauf schauen, wie wir jetzt weiter vorankommen oder was wir in der Welt bewegen können. Der Blick zurück hemmt dabei, die nächste stille Revolution zu planen und anzugehen. In Bezug auf die Kirchen sollten wir uns fragen, warum die Menschen gehen? Und: Was sie suchen und brauchen, um sich in der Kirche willkommen und geborgen zu fühlen. Aber das ist keine Aufgabe von wenigen – denn die stille Revolution kennt keine Anführerinnen und Anführer. Es ist die Aufgabe von allen, denen das wichtig ist. Es ist die Aufgabe von Ihnen und von mir.
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Gerechtigkeit ist ein wichtiges Thema für mich. Lange war ich überzeugt, dass ich genau weiß, was gerecht ist – nämlich einfach die Umkehrung der Ungerechtigkeit. Zum Beispiel: Alle haben das Gleiche. Also absolute Gleichheit. Aber ich habe gelernt, dass es so leicht nicht ist. Wir Menschen sind doch sehr unterschiedlich. Gott hat uns sehr unterschiedlich erschaffen und das heißt für mich auch – er hat uns so unterschiedlich gewollt – so bunt und verschieden und von Gott geliebt.
Grundsätzlich halte ich dabei die Schere zwischen den Menschen, die sehr viel haben und den vielen Menschen, die sehr wenig haben, für zu groß. Und doch ist „gerecht“ nicht, wenn alle einfach das gleiche haben. Denn wir haben unterschiedliche Bedürfnisse – zumindest, wenn wir über die Grundbedürfnisse wie Nahrung und Dach über dem Kopf hinausschauen.
Gerecht ist hier für mich, wenn Menschen die gleichen Chancen bekommen, wenn wir individuelle Unterstützung anbieten. Ich werde dann immer noch nicht ein guter hundert Meter Läufer oder ein genialer Physiker – das ist auch nicht mit Gerechtigkeit gemeint. Nicht jeder kann alles. Aber wenn ich eine Begabung habe, mich bemühe und anstrenge, dann sollte ich auch das Gleiche erreichen können und dürfen, ohne dass es mir verwehrt wird durch die sogenannte „stille Auswahl“.
Eigentlich sollte niemand diskriminiert werden bei Job und Stellenangeboten und doch findet immer wieder eine stille Auswahl statt. Still, weil niemand sagt: „Nein ich stelle Sie nicht ein, weil Sie als Frau vielleicht schwanger werden oder weil Sie als Mann nicht in unsere Außendarstellung passen.“ Nicht die Herkunft, Geschlecht oder Alter werden dann als Grund für die Absage genannt, sondern fadenscheinige Ausreden oder einfach gar kein Grund. Das ist eine stille Auswahl. Dabei wird auch gerne von gläsernen Decken gesprochen an die Menschen, oft immer noch Frauen, stoßen. Bei allem Talent, Wissen und Erfahrung kommen sie einfach nicht weiter. Diese stille Auswahl ist nicht fair, nicht gerecht, denn sie räumt keine Chancen ein. Gerade die Unterschiedlichkeit bei gleicher Befähigung für eine Aufgabe oder Job ist doch eine große Chance für uns alle!
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Jeder und jede lebt seine Trauer unterschiedlich – das ist so allgemein, wie wahr. Ganz konkret ist es für mich bei Karl geworden. Als Freunde hätten wir uns vielleicht nicht bezeichnet, aber wir haben uns durch unsere gemeinsame ehrenamtliche Arbeit in der Kirchengemeinde gut gekannt. Plötzlich starb seine Frau. Auch mich hat ihr Tod tief berührt. Karl hat er regelrecht verstummen lassen. Ich habe ihm eine Karte geschrieben, war auf der Trauerfeier und habe hin und wieder gesagt, dass er sich melden soll, wenn er Hilfe braucht, wenn ich irgendwas für ihn tun kann.
Karl hat sich nie gemeldet. Heute, viele Jahre später, ist mir klar: Karl hat still und stumm getrauert – Jahre. Ohne einen Ton. Einsam. Nach vielen Jahren haben wir uns wiedergetroffen. Beim dritten Bier, hat er mir die Stille beschrieben, die Trauer, das Stummsein und die Einsamkeit. Ich fühlte mich schuldig, weil ich nicht aktiv auf ihn zugegangen bin. Meine hilflosen Versuche zu sagen, dass er sich doch immer hätte melden können, wurden mit einem tiefen traurigen Blick beantwortet.
Erst am späten Abend – für Karl noch ein paar Bier später – brach es dann vollends aus ihm heraus. „Mensch, Florian, wie soll ich nach Hilfe fragen? Wie soll ich dich ansprechen, wenn da nur noch Stille ist? Ich konnte nicht.“ Ich habe ihn dann noch heim gebracht und seit diesem Abend reden wir häufiger – auch ohne Bier – über uns und über Gefühle. Ich habe daraus für mich einiges gelernt! Es reicht nicht, wenn ich nur ein Mal Hilfe und ein Ohr anbiete, wie ich es bei Karl in der Beileidskarte getan habe. Wenn einer verstummt vor Trauer, dann braucht es kein allgemeines Angebot – „meld dich, wenn du was brauchst“ - dann braucht es konkrete Angebote: Lass uns zusammen spazieren gehen. Kommst du heute Abend zum Essen? Ich kann dich mitnehmen zur Geburtstagsfeier? Und ganz sicher ist es auch hilfreich, ab und zu einfach zusammen zu schweigen und das auszuhalten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42577SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
Es schreit – ganz laut. Ich sitze im Bus und vor mir eine Mutter mit Baby. Und das Baby schreit und hört einfach nicht auf. Laut, intensiv, schrill. Meine Reaktion in solchen Situationen kann sehr unterschiedlich ausfallen: Mal bin ich total genervt und denke: Kann denn Niemand dieses Kind still bekommen? Manchmal bricht es mir fast das Herz und ich denke an die durchwachten Nächte und die Not, die ich bei meinen kleinen Kindern meinte wahrzunehmen, wenn sie schrien.
Schreien: Das geht ja auch ganz unterschiedlich: Aus Wut, Enttäuschung, Langweile – aber auch weil Hunger oder Durst zu schaffen machen. Gerade der Hungerschrei ist laut, quälend, herzzerreißend. Er zerreißt jede Stille und schafft sich Raum, man spürt den Kampf um die Existenz, um das Dasein – um das Leben. Und dann – dann wenn die Mutterbrust kommt oder das Fläschchen gegeben wird, wenn das Grundbedürfnis nach Nahrung gestillt wird – dann wird es still. Es entsteht eine wohlige Stille. Vielleicht gefüllt mit etwas Schmatzen. Sicher gefüllt mit Zufriedenheit.
Diese Stille ist eine satte, zufriedene und befriedigende Stille. Hier bekommt ein Mensch, was er braucht, um zu leben. Nicht umsonst heißt das Verb „stillen“ – eine Mutter stillt ihr Kind, ein Vater füttert sein Kind mit dem Fläschchen und es kommt zur Stille – das Kind wird gestillt. Diese satte, zufriedene Stille, ist eine Stille, die ich spüren kann. Es ist eine Stille der Zufriedenheit und Geborgenheit. Eine Stille, nach der ich mich sehne. Diese Stille erlebe ich noch heute, in den Momenten, wenn ich ganz bei mir bin, wenn ich eins bin mit Gott und der Welt. Wenn Gott mich mit seiner Schöpfung stillt, satt und zufrieden macht. Ich wünsche Ihnen auch, dass Sie solche Momente erleben dürfen: Momente der gestillten Sehnsucht. Stille Momente der Zufriedenheit, wenn Sie mit Gott und der Welt eins sind.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42576Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Heute wird es wissenschaftlich – nein bitte nicht gleich abschalten – auch wenn ich jetzt noch sage, dass es um Physik und Mathematik geht.
Der Göttinger Mathematiker und Physiker Johann Benedict Listing und der Leipziger Mathematiker und Astronom August Ferdinand Möbius haben voneinander unabhängig diese besondere Form beschrieben. Sie wurde dann Möbius Schleife oder Möbius Band genannt.
Diese Form zeichnet sich dadurch aus, dass das Band rund geschwungen ineinander übergeht. Ein Möbiusband kann man aus einem Papierstreifen herstellen, indem man ihn an einem Ende festhält und das andere Ende einmal um 180 Grad dreht und die Enden miteinander verbindet.
Wenn man dann auf einer Seite mit einem Stift anfängt eine farbige Linie zu machen und folgt dem Band, so kommt man an den Anfang des Striches zurück und hat den ganzen Papierstreifen auf beiden Seiten eingefärbt, ohne abzusetzen oder die Seiten des Papierstreifens zu wechseln.
Er hat also nur eine Seite und ist in sich geschlossen endlos. Man kann ewig mit einem Finger auf dem Band langfahren ohne das man die Seiten wechseln muss und berührt es doch komplett – sozusagen auf allen Seiten. Faszinierend.
Ja ich weiß es ist schwer zu beschreiben und sich vorzustellen, aber vielleicht konnte etwas von der Faszination überspringen? Denn seine Endlosigkeit begeistern mich immer aufs Neue. Wenn ich mit dem Finger über ein Möbiusband fahre, fällt mir ein Satz aus der Bibel ein: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott“ (Offenbarung 22,13)
Das Alpha und das Omega – A und O - sind der erste und der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet. Anfang und Ende also.
Gott ist seit dem Anfang – er ist immer bei seinen Menschen: Gestern – Heute und Morgen – in der Vergangenheit, der Gegenwart und in Zukunft.
Auch wenn sie die Faszination für die Möbius Schleife nicht teilen – das Versprechen Gottes ist trotzdem klasse.
Und so wünsche ich Ihnen einen guten Start in den Tag mit Gott an Ihrer Seite – heute, morgen und in Ewigkeit.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42296Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Heute wird es wissenschaftlich – nein bitte nicht gleich abschalten – auch wenn ich jetzt noch sage, dass es um Physik und Mathematik geht.
Der Göttinger Mathematiker und Physiker Johann Benedict Listing und der Leipziger Mathematiker und Astronom August Ferdinand Möbius haben voneinander unabhängig diese besondere Form beschrieben. Sie wurde dann Möbius Schleife oder Möbius Band genannt.
Diese Form zeichnet sich dadurch aus, dass das Band rund geschwungen ineinander übergeht. Ein Möbiusband kann man aus einem Papierstreifen herstellen, indem man ihn an einem Ende festhält und das andere Ende einmal um 180 Grad dreht und die Enden miteinander verbindet.
Wenn man dann auf einer Seite mit einem Stift anfängt eine farbige Linie zu machen und folgt dem Band, so kommt man an den Anfang des Striches zurück und hat den ganzen Papierstreifen auf beiden Seiten eingefärbt, ohne abzusetzen oder die Seiten des Papierstreifens zu wechseln.
Er hat also nur eine Seite und ist in sich geschlossen endlos. Man kann ewig mit einem Finger auf dem Band langfahren ohne das man die Seiten wechseln muss und berührt es doch komplett – sozusagen auf allen Seiten. Faszinierend.
Ja ich weiß es ist schwer zu beschreiben und sich vorzustellen, aber vielleicht konnte etwas von der Faszination überspringen? Denn seine Endlosigkeit begeistern mich immer aufs Neue. Wenn ich mit dem Finger über ein Möbiusband fahre, fällt mir ein Satz aus der Bibel ein: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott“ (Offenbarung 22,13)
Das Alpha und das Omega – A und O - sind der erste und der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet. Anfang und Ende also.
Gott ist seit dem Anfang – er ist immer bei seinen Menschen: Gestern – Heute und Morgen – in der Vergangenheit, der Gegenwart und in Zukunft.
Auch wenn sie die Faszination für die Möbius Schleife nicht teilen – das Versprechen Gottes ist trotzdem klasse.
Und so wünsche ich Ihnen einen guten Start in den Tag mit Gott an Ihrer Seite – heute, morgen und in Ewigkeit.
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Fahr mit dem Rad – das war häufig die Antwort meiner Eltern, wenn ich sie gefragt habe, wie ich zu diesem Geburtstag oder jenem Tischtennisturnier kommen soll.
Mein eigentliches Ziel, von Ihnen gefahren zu werden habe ich damit immer grandios verfehlt und meiner Ausdauer und Gesundheit war es zuträglich.
Jetzt bin ich in der Rolle, den Fahrdienst für meine Kinder zu verweigern und für ihre Ausdauer zu sorgen – und es fällt mir schwer.
Gut ich weiß nicht, ob es meinen Eltern damals nicht auch schwergefallen ist – aber für mich heute stellt sich die Fahrrad-Welt inzwischen so ganz anders dar.
Seit ich selbst Auto fahre, sehe ich die Welt der Fahrradfahrenden anders. Ich sehe, wie wichtig der Schulterblick ist und wie wenige Autofahrer es regelhaft tun – und jedes Mal könnte mein Kind im toten Winkel gewesen sein.
Nachts sieht man manche Fahrradfahrer extrem schlecht und damit spät – oder zu spät. Wenn meine Kinder im Auto sitzen, zeige ich immer auf die dunkel gekleideten Radfahrer. Ich will sie sensibilisieren und für die wenig modischen Signalwesten und Lampen begeistern.
Und ich sage aus Angst um sie, dass ich bereit bin sie zu fahren – viel häufiger - als es für Ihre Ausdauer, für meine Freizeit und für die Umwelt zuträglich ist.
Heute am Weltfahrradtag frage ich mich, ob hinter meiner Angst mangelndes Gottvertrauen steht. Ob meine Eltern vielleicht mehr Gottvertrauen hatten oder ob es einfach daran liegt, dass es andere Zeiten mit weniger Verkehr waren.
Genau weiß ich das nicht und eigentlich bin ich der Meinung, dass Gottvertrauen nie Vorsicht und Schutzausrüstung ersetzen sollte.
Aber heute am Weltfahrradtag nehme ich mir zumindest vor - nachdem ich sichergestellt habe, dass die Schutzausrüstung bei meinen Kindern komplett ist – häufiger auch mal Nein zum Elterntaxi – zum Fahrdienst zu sagen.
Aber der Weltfahrradtag macht mir auch deutlich, wie viel Verantwortung die anderen Verkehrsteilnehmer haben. Je mehr ich als Autofahrer auf den toten Winkel achte, vorausschauend fahre und besonderes Augenmerk auf Fußgänger und Radfahrer lege, desto besser ist das auch für die Radfahrer und dann darf ich auch gerne auf Gott vertrauen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42280Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Heute vor 6 Jahren wurde Walter Lübcke ermordet. Ein Mensch wird erschossen. Das allein ist schon eine schreckliche Nachricht. Walter Lübcke war ein Politiker und deshalb wurde er erschossen. Sein Mörder gibt später als Motiv an, dass er den Einsatz von dem Politiker Walter Lübcke für geflüchtete Menschen falsch findet und ihn deshalb erschossen hat.
Damit bleibt es ein schrecklicher Mord. Hinzu kommt noch, dass der Mord aus politischen Gründen geschah. Weil Walter Lübcke in der Öffentlichkeit stand und damit deutlich wahrnehmbar war, mit seinem Engagement, seiner Meinung.
Es gehört zum Beruf des Politikers, die eigene politische Überzeugung, die eigene Meinung öffentlich zu machen - sie zu vertreten und danach zu handeln. Daran messen viele Menschen die Glaubwürdigkeit von Politikern: Dass zusammenpasst, was sie sagen und was sie tun.
Deshalb ist dieser Mord ein schreckliches Ereignis an sich und dazu noch ein brutaler Angriff auf die Meinungsfreiheit. Politiker Mord nennt man einen Mord an einem Menschen, dessen Beruf es ist, seine Meinung frei und öffentlich zu vertreten.
Ein politischer Mord ist es, wenn dieser Mensch getötet wird, weil man anderer Meinung, anderer politischer Überzeugung ist. Der Mord an Walter Lübcke war beides: ein Politikermord und ein politischer Mord.
In den 10 Geboten der Bibel heißt es „Du sollst nicht töten“ - dagegen hat der Mörder brutal verstoßen und nur deshalb, weil Walter Lübcke seine Meinung vertreten und gelebt hat. Weil er nicht aus Angst oder aus politischem Kalkül heraus Falsches gesagt hat.
Für mich ist heute ein Tag, an dem mir besonders deutlich wird, wie wichtig unsere offene Gesellschaft ist – um darin Demokratie zu entwickeln und zu leben. Sie und ich sind gefordert, gemeinsam zu handeln und nicht gegeneinander – auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben. Die Zukunft liegt nicht bei einem starken Mann oder einer starken Frau, sondern in der Vielfalt der Menschen, die es schaffen miteinander zu leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42279Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
1. Februar. Sind Sie schon voll drin oder ist das Jahr 2025 immer noch neu für Sie?
Für viele sind Weihnachten und Silvester die wichtigsten Einschnitte des Jahres. Macht ja auch irgendwie Sinn. Für andere sind es eher besondere Ereignisse. Geburtstage, Ferien, Urlaube.
Wieder andere denken und planen von Tag zu Tag oder von Wochenende zu Wochenende. Wie wir unsere Zeit einteilen und wie wir Zeitabschnitte wahrnehmen, das hängt von vielem ab: von der Lebenssituation, vom Zeitempfinden usw.
Für mich ist der Februar noch der Anfang des Jahres. Ich denke tatsächlich stark in Jahreszyklen, unterbrochen von Geburtstagen meiner Lieben, Urlauben und dem Kirchenjahr.
Das Kirchenjahr beginnt immer am ersten Advent – ist also schon einen Monat älter. Der Februar ist innerhalb des Kirchenjahres eine Übergangszeit von den Festtagen und Festzeiten rund um die Geburt Jesu hin zur Passion, der Zeit, in der wir uns an den Leidensweg Jesu und dann mit Karfreitag und Ostern an die Kreuzigung und Auferstehung Jesu erinnern.
Andere rechnen eher in Karnevalsphasen – jetzt sind wir in der närrischen Zeit – und das schon seit dem 11. November und bald, am Aschermittwoch, ist alles vorbei.
Worauf ich hinaus will: Zeit ist relativ. Ich finde diesen Gedanken immer wieder hilfreich. Nicht nur, aber auch, wenn ich an den Tod denke. Dieser Gedanke ist für mich verbunden mit der großen Ewigkeit Gottes. Der Satz: „1000 Jahre sind vor Gott wie ein Tag“, ist dann eine weitere Perspektive auf die Zeit und ja - mir gibt es Hoffnung. Dass alles, was ist, und auch, was mit unserer Zeit vergeht – in Gottes Ewigkeit – in seiner Zeit geborgen ist.
Meine Vergänglichkeit und die kurze Zeit, die ich mit meinen Lieben hier auf Erden leben darf, schmerzt mich. Aber das ist nicht alles.
Da gibt es eben noch die Zeit Gottes. Die Zeit, in der wir mit Gott sein werden, zusammen und in Ewigkeit. Nicht als Floskel, als vertröstende Ausrede, um unsere begrenzte Zeit nicht wahrhaben zu wollen, sondern als tief empfundener Glaube an die Ewigkeit. In Gemeinschaft. Mit Gott und den Menschen.
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