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SWR4 Abendgedanken
Jetzt hat es Baden-Württemberg auch endlich geschafft: Ferien. Immer in den Sommerferien muss ich an einen Satz aus einem Gebet in der Bibel denken: „Du (Gott) stellst meine Füße auf weiten Raum.“
Mein Alltag ist sonst ziemlich durchgetaktet. Er ist bestimmt vom Stundenplan meiner Kinder. Von den Freizeitaktivitäten meiner Kinder. Dann kommt da noch mein eigener Stundenplan in der Schule dazu. Und das, was mich sonst in meinem Job noch auf Trab hält. Dann gibt es da ja noch meine Frau. Dazu noch einen Hund, der gerne laufen möchte. Und manchmal will ich ja vielleicht noch was für mich tun.
In den Sommerferien ist es anders. Plötzlich ist da ein „weiter Raum“: Die Kinder haben keine Schule und keine festen Termine. Meine Frau und ich haben Urlaub und wir können plötzlich auch einfach irgendwohin laufen. Zur Not einfach querfeldein immer der Nase nach. Und dabei genau das erleben: „Du (Gott) stellst meine Füße auf weiten Raum.“
Und die Reiseprospekte sind voll. Die Urlaubsziele sind die Nordsee, Mallorca, die Karibik, das Nordcap, Amerika, Australien … eigentlich die ganze Welt. Das ist auf jeden Fall ein weiter Raum.
Aber, mir geht es gar nicht darum, dass ich wirklich weit weg könnte, und dass ich überall hinfliegen könnte. Für mich sind bei diesem Satz zwei Dinge wichtig.
Das erste ist, dass der weite Raum im Kopf anfängt. Das zweite ist, dass das ein Geschenk von Gott für mich ist.
Ich glaube mittlerweile, dass mir diese beiden Punkte helfen, dass ich mir das auch nach den Sommerferien noch bewusst machen kann. Nur, weil mein Alltag durchgetaktet ist, heißt das ja nicht, dass der weite Raum nicht mehr da ist. Es fängt eben im Kopf an. Ich glaube, ich muss mir das immer wieder klar machen. Der weite Raum ist immer da. Ich sehe ihn vielleicht gerade nur nicht, weil einfach so viele andere Sachen gerade wichtig und „dran“ sind. Und er ist ein Geschenk von Gott für mich. Ein Geschenk, zu dem auch gehört, dass er mich begleitet. Ganz egal, wo ich bin.
„Du (Gott) stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Ich finde es super das jetzt in den Sommerferien zu erleben. Und gleichzeitig nehme ich mir das jetzt schon für die Zeit nach den Ferien vor. An diesem Gefühl von den Sommerferien festzuhalten. Auch dann immer wieder in meinem Alltag mir einen Moment zu nehmen, um die Weite zu genießen. Und, wenn es mit geschlossenen Augen ist.
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Neulich saß ich nachmittags bei uns auf der Terrasse. Ich hatte mich gefreut, dass ich Urlaub habe und einfach nur so vor mich hinschauen kann. Da habe ich plötzlich Besuch von einem Schmetterling bekommen. Der fand den aufgeschnittenen Apfel ganz spannend. Er ist ein paarmal über den Teller geflattert und hat sich dann aber doch für den Flieder als Snack entschieden.
Ich habe meinen neuen Freund dann noch eine Weile beobachtet. Ich liebe Schmetterlinge. Die schönen Farben. Das lustige Fliegen und das ganze Hin und Her.
Und habe ich mir überlegt: Wie kann etwas so schön und gleichzeitig so zerbrechlich sein? Ein zu starker Windstoß. Ein blöder Regenschauer und es ist vorbei mit dem Schmetterling.
Beim so drüber Nachdenken, ist mir klar geworden: dass das eigentlich auch auf unsere Welt zutrifft. Sie kann wunderschön sein. Schenkt uns Lebensraum und alles, was wir zum Leben brauchen und ist doch auch gleichzeitig so zerbrechlich.
In der Bibel steht, wie sich die Menschen früher vorgestellt haben, wie die Erde geschaffen worden ist. Und sie haben sich vorgestellt, dass Gott alles, was wir kennen „gemacht“ hat. Dass er alle Tiere aus Erde geformt hat. Er sie dann zum Menschen gebracht hat. Und der Mensch dann die besondere Aufgabe hatte allen einen Namen zu geben. Und am Ende hat Gott den Menschen dann die Verantwortung für die ganze Schöpfung gegeben. Wir sind also nicht nur ein Teil dieser Geschichte. Keine Nebendarsteller, die man einmal sieht und gleich wieder vergisst. Wir sind viel mehr auch für diese Geschichte verantwortlich. Vor allem, wie sie weitergeht.
Das würde ich gerne den ganzen Kriegstreibern entgegenrufen: Dass wir alle ein Teil dieser wunderschönen Welt sind. Und dass es doch viel wichtiger wäre all das Schöne auf unserer Welt zu schützen. Als drüber zu streiten, wo welche Grenze verläuft. Wer wem was weggenommen hat. Oder wer furchtbare Angst davor hat, zu wenig zu bekommen. Wir sind alle ein Teil dieser wunderbaren Welt. Gott hat sie uns geschenkt, mit allem, was sie zu bieten hat. Und ich würde mir wünschen, dass wir das ein bisschen ernster nehmen. Alles, was schön ist, kann auch kaputtgehen. Und wir selbst sind zerbrechlich, wie ein Schmetterling. Wenn wir es zulassen, dass die Welt auf der einen Seite zerbombt und auf der anderen Seite alles überschwemmt wird. Dann ist es mit der Schönheit vorbei. Bewahren wir diese Schönheit: in unserem Herzen und in dem, was wir tun.
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Grün, oder schwarz? Manche Entscheidungen sind nicht schwer. Welche Hose kaufe ich – die grüne oder die schwarze? Oder vielleicht beide?
Andere Entscheidungen sind dagegen sehr schwer, finde ich. Vor allem, wenn es um meine Zukunft geht. Wenn ich wirklich wählen muss – und nicht beides haben kann. Und, wenn das auch Auswirkungen auf Andere hat. Meine Familie z.B.
Leben bedeutet Veränderung. Immer wieder gibt es Punkte, an denen man sich entscheiden muss. Weil man vielleicht unzufrieden ist. Nochmal was anderes im Leben kennenlernen möchte. Oder die berühmte work-life-balance nicht mehr stimmt. Und schon fangen die Fragen die an: Wie geht es dann weiter und was bedeutet das für meine Familie? Wer weiß, ob mich richtig entscheide? Was ist das Beste für die Kinder?
Wenn ich mich dann mal entschieden habe, geht es mir wieder besser. Das ist dann ein Gefühl, es geschafft zu haben. Und mit meiner Entscheidung endlich angekommen zu sein. Aber das Interessante ist:
Mittlerweile ist mir klar geworden, dass eine Entscheidung immer zur nächsten führt. Egal, wie ich mich jetzt entscheide. Irgendwann kommt die nächste Entscheidung und die übernächste und die überübernächste. Veränderungen und Entscheidungen gehören einfach zum Leben dazu. Das hört nie auf, und wenn ich es mir noch so sehr wünsche.
In einem Lied heißt es mit Blick auf Gott: Meine Zeit steht in Deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, Du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir.
Der, der dieses Lied geschrieben hat, weiß, dass sein Leben in Gottes Händen liegt. Ganz wörtlich. Er fühlt sich getragen und gut aufgehoben. Er fühlt sich wohl. Er kann ruhig sein.
Für mich heißt das: trotz der nicht enden wollenden Anstrengung, den Veränderungen und bei allen Entscheidungen: Gott begleitet mich. Er bleibt und hält mich. Er verändert sich nicht und ist immer da ist. Und sollte sich wirklich rausstellen, dass ich mich falsch entschieden habe, falle ich nicht aus Gottes Händen. Und wer weiß: manchmal entpuppt sich das vermeintlich Falsche ja doch als gar nicht so schlecht. Im Nachhinein.
Ob mir das dann in der konkreten Situation hilft, mich zu entscheiden, weiß ich nicht. Oder vielleicht doch. Vielleicht fällt es mir ein bisschen leichter etwas zu entscheiden, wenn ich weiß, dass Gott meine Konstante bleibt. Ich nicht allein bin mit meiner Entscheidung. Gott wird sich nie von mir abwenden, weil auch meine Zeit in seinen Händen steht.
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Neulich bin ich mal wieder im Stau gestanden. Mitten auf der A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Im Radio kam dann die Meldung: Es ist ein großer Unfall passiert – ein Laster umgekippt. Na toll. Autobahn komplett gesperrt. Alle mussten bei der nächsten Ausfahrt runter.
Vier Kilometer und fünf graue Haare später war die Ausfahrt dann endlich in Sicht. Und plötzlich gab es um mich herum kein Halten mehr. Ein Auto nach dem anderen ist über den Standstreifen Richtung Ausfahrt gefahren. Manche sind quer über alle Spuren einfach rübergezogen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und an eine Rettungsgasse war eh nicht zu denken …
Ich meine, man kann es ja mal eilig haben aber so was? Hallo?
Solche oder ähnliche Situationen haben Sie bestimmt auch schon erlebt: Dass da jemand alle Regeln beiseitelässt, um möglichst schnell weiterzukommen – egal, wie’s den anderen geht. Und in solchen Momenten frage ich mich manchmal wirklich, wie wir eigentlich mit Regeln umgehen.
Denn, eigentlich weiß doch jeder, dass wir Menschen Regeln brauchen, damit wir zusammenleben können. Im Straßenverkehr, und auch sonst im Alltag: an der Kasse im Supermarkt, wenn wir warten müssen. Beim Sport, damit klar ist, wann ein Ball im Abseits ist. Eben Regeln, damit unser Miteinander im Ort, im Land und vielleicht auch auf der Welt gut funktioniert.
Eine Geschichte, die das für mich auf den Punkt bringt, steht in der Bibel: Sie kennen die Geschichte bestimmt: Mose befreit sein ganzes Volk aus der Sklaverei in Ägypten. Er führt sie durch die Wüste und das Erste, was sie in ihrer Freiheit bekommen: sind Regeln. Die Zehn Gebote.
Und ich finde, genau das ist es: Freiheit bedeutet eben nicht, dass ich das machen kann, was ich will. Denn es ist halt nun mal so: Ich bin nicht allein auf der Welt. Wenn alle nur das machen, was ihnen nützt und was sie selber wollen, dann kommt immer jemand anderes zu kurz. Dann schaden wir uns schnell gegenseitig. Das können wir ja im Moment auch überall in den Nachrichten sehen und lesen. Deshalb ist es wohl eher umgekehrt. Regeln befreien für ein gemeinsames Leben mit anderen Menschen. Weil ich z.B. nicht ständig Angst haben muss, dass mir was geklaut wird.
Auch, wenn ich dann vielleicht damit leben muss, dass ich halt ein bisschen länger im Stau stehe, weil ich nicht über den Standstreifen fahre.
Regeln helfen, dass kein Unfall passiert. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mir das in Zukunft immer wieder bewusst zu machen, bevor ich ins Auto steige. Auch, wenn ich es eilig habe.
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„Man merkt doch erst, was einem fehlt, wenn es einem fehlt …“. Das hat mir neulich ein Mann bei einem Besuch gesagt. Er kann fast nichts mehr sehen. Alles ist nur noch verschwommen. Er kann nicht mehr lesen, nicht mehr fernsehen, die Waschmaschine nicht mehr einschalten, muss beim Gehen extrem aufpassen und braucht eigentlich für alles Hilfe. „Manchmal verlässt mich da schon der Mut“ – hat er gemeint.
Das kann ich gut verstehen, auch, wenn ich nur erahnen kann, wie es mir in seiner Situation gehen würde. Während ich mich so mit ihm unterhalte, fallen mir ganz viele biblische Geschichten ein. – In denen Jesus Menschen wieder gesund gemacht hat. Ein Wunder vollbracht hat, um zu zeigen: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Ich will nicht ausschließen, dass es auch heute noch so was wie „Wunder“ geben kann. Aber die Erfahrung zeigt doch: Krank werden, älter werden und auch pflegebedürftig werden scheinen zu unserem Leben dazuzugehören.
In der Bibel gibt es viele Briefe von Paulus. Auch er muss krank gewesen sein. Was er genau hatte, wissen wir nicht. Aber anscheinend hatte auch er es mit den Augen zu tun. In einem Brief erzählt er von seiner Begegnung mit Jesus und dass Jesus dabei zu ihm gesagt hatte: „Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.“
Paulus hat das in seinem Leben wohl gespürt. Dass er trotz seiner Krankheit diese Kraft hat. Ich verstehe, wie mühsam das Leben werden kann, wenn man nichts mehr sieht. Ich erlebe in meinem Berufsalltag auch immer wieder, wie es ist, wenn jemand pflegebedürftig wird. Die Selbständigkeit aufgeben muss und am Ende womöglich die eigene Familie nicht mehr erkennt.
Und da sagt Jesus: Meine Kraft ist gerade in den Schwachen mächtig. Vielleicht kann dieser Satz helfen, ein bisschen besser damit umzugehen. Gott sieht uns. Er begleitet uns und lässt uns nie allein. Er tastet mit uns nach dem Weg, wenn wir ihn nicht mehr sehen. Er sitzt mit auf der Bettkante, wenn wir krank sind und er ist mittendrin in den Pflegeheimen auf den Stationen. Und ich hoffe und vertraue: Er schenkt mir Kraft, wo ich schwach bin. Er hört mir vor allem zu, wo ich mutlos werde. Weint mit mir, wenn mir wieder bewusst wird, was ich alles nicht mehr kann. Und er verspricht mir immer wieder: „[…] meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.“
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Manchmal fahre ich mit dem Fahrrad in die Stadt. Bei uns gibt es einen schönen Weg, auf dem auch viele zu Fuß unterwegs sind. Und es gibt auf diesem Weg ganz viele Bänke. Und da ist eigentlich immer was los. An manchen Bänken wird gelacht und getratscht. An manchen schauen sich zwei Menschen romantisch in die Augen – küssen sich vielleicht. An manchen wird heftig diskutiert oder sogar gestritten. An manchen Bänken wir auch geweint oder jemand getröstet. Und manche sitzen ganz allein da und genießen oder grübeln.
In der Bibel heißt es einmal: „Schenke mir, Herr, ein hörendes Herz.“ Und wenn ich da so an dieser ganzen „Gefühlsbandbreite“ vorbeiradle, dann ist das so ein Moment, wo ich denke: Jetzt gerade ist mir ein hörendes Herz geschenkt. Weil ich sehe und spüre, wie es den Menschen auf ihrer Bank gerade geht. „Schenke mir, Herr, ein hörendes Herz“. König Salomo hat das in der Bibel gesagt. Damit er ein guter und gerechter König sein kann.
Ich glaube, dass ich gerade an diesen Satz denken muss, weil mir da auf dem Fahrrad bewusst wird: Hoffentlich schenkt mir Gott auch dann ein hörendes Herz, wenn ich nicht auf dem Rad unterwegs bin. Sondern Menschen ganz direkt begegne. Denn sicher kriege ich das nicht immer mit, dass es ihnen gerade nicht so gut geht. Dass sie traurig sind. Liebeskummer haben oder gerade frisch verliebt sind. Klar, das erzählt man ja auch nicht direkt jedem, dem man begegnet. Und schon gar nicht, wenn man sich überhaupt nicht kennt.
„Schenke mir, Herr, ein hörendes Herz.“ Ich denke, mit dem Gebet aus der Bibel auf den Lippen werde ich ein bisschen aufmerksamer. Höre ich besser hin. Und nehme mir vielleicht auch mehr Zeit für die Menschen, die mir so in meinem Alltag begegnen. zu helfen, wo ich gebraucht werde. Den Mund aufzumachen, wo ich einfach was sagen muss. Mich für die stark zu machen, die sonst niemanden haben.
Ich glaube, was ich auf diesem Fahrradweg gelernt habe, ist, dass es vermutlich keinen Menschen auf unserer Welt gibt, den nicht irgendwas beschäftigt. Es gibt so viele Dinge über die man sich Sorgen machen kann. Über die man sich aber auch freuen kann. Von daher ist es gut, wenn auch das Herz immer Mal wieder ein bisschen mithört.
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Neulich stand ich auf dem Heimweg an der Ampel und musste warten. Dabei habe ich ein paar Kinder gesehen, die versucht haben – vor allem LKWs – im Vorbeifahren zum Hupen zu bewegen. Die einen haben gewunken und die anderen haben wie wild auf die Hupe eines nicht vorhandenen Lenkrads gedrückt. Und ein LKW hat dann tatsächlich auch gehupt. Die Kinder haben gejubelt vor Freude. Das hat auch mich gefreut.
Beim Weiterfahren musste ich an einen Satz aus einem Buch denken, das ich gerade gelesen habe. Man kann Gott „in allen Dingen suchen, im Sprechen, im Gehen, Sehen, Schmecken, Hören, Denken, überhaupt in allem, was wir tun“. Das ist das Motto eines Klosterordens – der heutigen Jesuiten. Diese Haltung, dass man Gott in allen Dingen suchen und finden kann. Finde ich mega spannend: Wo kann ich in meinem Alltag Gott finden? Und ich glaube: als dieser LKW gehupt hat – genau in diesem Moment habe ich Gott gefunden.
In dem Lachen und der Freude der Kinder war Gott. Ich vermute Mal, dass sich auch der LKW-Fahrer irgendwie gefreut hat. Auch darin war Gott.
Die Menschen, die in der Bibel die Psalmen geschrieben haben. Die konnten sich das vermutlich gar nicht anders vorstellen. Sie waren sich sicher, dass alles im Leben mit Gott zu tun hat. Deshalb haben sie auch alles in diese Lieder gelegt, was sie beschäftigt hat. Ihren Dank, die Angst, die Freude. Einfach alles.
„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ Das ist so ein Gedanke. Wenn ich das auch ernst nehmen würde, dann würde ich Gott im Prinzip schon bei jedem Blick in den Spiegel finden.
Bei schönen Dingen ist das natürlich auch einfacher. Aber gilt das auch dann, wenn im Leben alles schiefgeht? Wenn ich mich einsam fühle? Angst habe oder die Hoffnung verloren habe? Ich denke auch da kann ich Gott finden. Aber es ist eben schwieriger. Weil mein Blick verstellt ist, von Tränen, von Angst, von Wut. Dann brauch ich manchmal auch Hilfe Gott darin zu finden. Dann brauch ich jemanden, der mich aufmerksam macht und mir zeigt: Gott lässt mich nicht allein.
Ich glaube, wenn ich versuche in allem, was mir jeden Tag so begegnet, Gott zu suchen. Dann macht mich das aufmerksamer. Weil ich viel mehr auf alles achte. Mit welchen Menschen ich es jeden Tag zu tun habe. Wie schön gerade alles blüht und alles grün ist. Oder, wenn die Hupe eines Lastwagens Kindern eine Freude bereitet.
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Wenn ich mir gerade so unsere Welt anschaue, dann macht mich das schon immer wieder sehr nachdenklich. Wie gehen wir eigentlich miteinander um? Irgendwie regiert doch immer noch Macht und Geld die Welt. Und auch so habe ich das Gefühl, dass unser Umgangston rauer wird. Dabei könnte es doch eigentlich so einfach sein …
Was Du nicht willst, was man Dir tu … – richtig: das füg´ auch keinem andern zu. Dieses Sprichwort kennen wir vermutlich alle. Es ist die „Goldene Regel“ – wie Menschen miteinander umgehen sollten.
Und es leuchtet ja auch ein: Wenn ich nicht will, dass ich eine Ohrfeige bekomme, dann ohrfeige ich auch niemanden. Und, wenn ich nicht will, dass man mir was klaut, dann klaue ich auch nichts. Eigentlich ganz einfach.
Ja eigentlich. Und trotzdem funktioniert es nicht – jedenfalls nicht immer. Vielleicht, weil diese einfache Regel was mit Angst zu tun hat: Ich habe Angst, dass mich jemand schlägt – also schlage ich auch niemanden. Ich finde, das klingt sehr negativ. Und: Angst ist in meinen Augen keine gute Ratgeberin, wenn es darum geht, wie ich mich richtig verhalten soll.
Diese einfache Regel gibt es auch in der Bibel – nur genau andersrum, mit einer anderen Perspektive: Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen! Jesus hat das gesagt. In einer ganzen Reihe von anderen Regeln, die er wichtig findet, damit Menschen gut miteinander leben können.
Und mit dieser veränderten Perspektive gefällt mir diese Regel viel besser. Genauso, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen! Das ist positiv. Ich kann mir überlegen, was ich gerne möchte – und das kann und soll ich dann auch für meine Mitmenschen tun.
Dass ich z.B. bei ganz alltäglichen Sachen freundlich bleibe. Oder bei einem Stau an einer Kreuzung ein anderes Auto ganz bewusst reinfahren lasse. Oder vielleicht, wie ich jemandem sage, dass er einen Fehler gemacht hat. Nicht zur Schnecke machen. Sondern ruhig und sachlich gemeinsam nach einer Lösung suchen.
In der goldenen Regel geht es um mich und wie ich mich verhalten soll. Aber: in der ersten Fassung geht es um meine Angst und das zweite Mal darum, was mir und den anderen guttut. Ich kann wirklich was dafür tun. Ich kann positiv aktiv werden. Und vor allem: Ich denke damit nicht nur an mich selbst. Sondern habe auch die Menschen um mich herum im Blick. Und davon kann es in unserer Welt im Moment nicht genug geben.
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Ostern ist jetzt gerade so ziemlich genau einen Monat her. Und in zwei Wochen feiern wir dann Himmelfahrt: Jesus, der an Ostern von den Toten auferstanden ist, fährt auf zu seinem Vater in sein himmlisches Reich. Deshalb hat mich neulich bei einem Besuch jemand gefragt:
„Was hat Jesus eigentlich zwischen Ostern und Himmelfahrt gemacht?“ Gute Frage, oder? Die Bibel beantwortet sie so: „40 Tage lang erschien er seinen Freunden und sprach zu ihnen über das Reich Gottes.“
Seine Freunde haben ihn gesehen und gehört. Also auch noch Wochen nach seinem Tod am Karfreitag. Und nachdem sie an Ostern erlebt haben, dass er wieder lebt. Immer wieder war er dabei, wenn sie sich getroffen haben. Er ist auferstanden, haben sie deshalb gesagt. Er lebt.
Wie das möglich war? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Sie hatten ein ganz enges Verhältnis, Jesus und seine Freunde. Und das konnten sie nochmal ganz besonders erleben in ihrem Alltag nach Ostern.
Immerhin waren sie drei Jahre lang mit Jesus unterwegs gewesen. Für ihn hatten sie alles stehen und liegen lassen. Er hatte ihnen von Gott erzählt. Bei ihm haben sie Wunder gesehen – Er hat Menschen geheilt, einen Sturm gestillt, hat mit dem bisschen, was sie hatten, ganz viele Menschen sattbekommen. Das muss für seine Freunde doch ein Höhenflug gewesen sein.
Aber dann, dieses Ende. Ihr Lehrer und Freund gekreuzigt. Gestorben und begraben. Alles plötzlich vorbei. Nach diesem Höhenflug der tiefe Fall. Plötzlich waren seine Freunde unsicher. Hatten Angst um ihr eigenes Leben.
Und dann kam Ostern. Und die Freunde haben noch einmal eine intensive gemeinsame Zeit erleben dürfen. Sie konnten noch einmal verdauen, was alles geschehen war. Und sie haben erlebt: Er ist noch immer bei uns. Wo wir auch sind, was wir auch tun – er ist dabei. Vor allem, wenn wir zusammen sind und zusammenhalten – dann ist er mit dabei. Sie haben damals erlebt: Ja tatsächlich. Jesus lebt.
Jetzt hatten sie wieder Hoffnung. Jetzt war doch wieder alles gut für sie.
„40 Tage lang erschien er ihnen und sprach mit ihnen über das Reich Gottes.“ So ist deutlich geworden: Es ist kein Gerücht. Jesus ist auferstanden. Und man kann seine Nähe spüren. Und ich glaube, das gilt bis heute.
SWR4 Abendgedanken
Wenn man mit dem Hund unterwegs ist, dann findet man immer mal wieder ganz unterschiedliche Dinge:
Einen unglaublich spannenden Ameisenhaufen. Eine weggeworfene Fastfood-Tüte, in der dann fast der halbe Hund verschwindet. Verlorenes Spielzeug von anderen Hunden. Und manchmal auch Steine.
Kurz nach Ostern haben wir tatsächlich einen ganz besonderen Stein gefunden: Der war bemalt und es stand darauf geschrieben: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.
Keine Ahnung, wer den da hingelegt hat. Oder, wer ihn bemalt hat – vielleicht irgendeine Aktion mit Kindern bei einem Ostergottesdienst. Aber da lag er: am Rand des Waldwegs, auf dem wir gerade unterwegs waren. Er war plötzlich mittendrin in meinem Alltag. War einfach da auf meinem Weg von A nach B.
Wir laufen eigentlich ziemlich oft auf diesem Weg. Aber plötzlich war da dieser Stein – und genauso plötzlich hat sich meine Stimmung geändert. Einen Monat nach Ostern war ich mittlerweile wieder völlig in meinen Alltag gerutscht: Morgens mit dem Hund raus, dann die Kinder zur Schule schicken oder selber in die Schule gehen für die nächste Reli-Stunde. Derselbe Trott eben wie immer. Und den hat der schöne Stein auf meinem Weg durchbrochen. Das Gefühl von Ostern war wieder da: die Leichtigkeit – die Freude – die Zuversicht: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden…
Vielleicht hat mich deshalb dieser Stein so angesprochen. Weil mir da mitten in meinem Alltag so ganz ohne Vorwarnung, diese Osterbotschaft begegnet ist. Und das hat mich in diesem Moment ein Stück weit verändert.
Und vielleicht ist es genau das für mich: Ostern verändert meinen Blick auf die Welt.
Dabei geht es gar nicht um so große Wundergeschichten, wie sie in der Bibel stehen. Es braucht auch keine Himmelsleiter, auf denen die Engel auf- und abklettern.
Nein das ist: wenn ich mit diesem Osterblick ganz alltägliche Begegnungen anschaue. Wenn ein Mensch ganz selbstverständlich einem anderen hilft. Ohne einander zu kennen – einfach so. Wo sich zwei Menschen nach einem Streit die Hände geben. Oder man sich an der Natur erfreuen kann. Ich glaube, das kann ganz vieles sein. Auch in Ihrem Alltag. Wenn ich das mit meinem Osterblick sehe, dann fängt darin an etwas zu strahlen und zu leuchten.
Denn Ostern ist immer dann, wenn irgendwie Hoffnung entsteht. Sich eine Tür auftut oder was Neues beginnt. Und das aber nicht nur einmal im Jahr.
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