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„Geh aus, mein Herz, und suche Freud!“ So beginnt ein altes Sommerlied, das Pauls Oma ihm immer vorgesungen hat. Aber Paul mag den Sommer eigentlich nicht besonders. Ihm sind die Jahreszeiten lieber, in denen er seinen dunklen Kapuzenpullover tragen kann. Er setzt dann seine Kopfhörer auf, zieht die Kapuze über den Kopf und bleibt für sich. Er braucht dann nur sein Handy. Keine Menschen, die sind ihm oft zu viel.
Es geht ihm gut unter seiner Kapuze. Dort kommt die Welt ihm nicht so nah. Jetzt, im Sommer, da ist es zu warm für den Kapuzenpulli. Und Paul wird dauernd gefragt, ob er nicht was unternehmen will:
„Kommst Du mit an den Badesee, zur Grillhütte, zur Fahrradtour?“
Seine Freunde haben Paul überredet, ein bisschen Wandern zu gehen. Im Wald. Am Anfang ist das ungewohnt. Das Handy und die Kopfhörer steckenzulassen. Stattdessen auf die Wegmarken zu achten. Zu diskutieren, welcher Weg der richtige ist. Zum Glück muss er ansonsten nicht so viel reden.
Beim Wandern sieht Paul, was er lange nicht mehr gesehen hat; Tanzende Mückenschwärme. Baumrinde und Moos. Käfer und Ameisen.
Paul riecht, was er lange nicht mehr gerochen hat: Den Waldboden. Und das Gemisch aus Brezeln, Äpfeln und Landjägern, als er die Picknicktasche öffnet.
Und Paul spürt, was er lange nicht mehr gespürt hat: Die Baumwurzeln unter den Schuhsohlen. Die Geborgenheit unter den hohen Wipfeln und den Himmel darüber.
Es ist okay, denkt Paul. Es ist okay, sich eine Zeit lang zurückzuziehen, wenn einem die Welt zu viel ist. Und es ist auch okay, dann wieder ein bisschen herauszukommen. Sich ein wenig mehr zu öffnen für diese Welt. So schlimm sie ist, so schön ist sie auch. Jetzt im Sommer.
Und in seinem Kopf klingt leise die Melodie von dem alten Lied, das seine Oma so mochte: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud!“
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Simone ist erschöpft. In der letzten Zeit waren die Gedanken in ihrem Kopf besonders laut und besonders viel. Tausend Aufgaben, tausend Sorgen, tausend Entscheidungen, gefühlt jeden Tag.
Zum Glück ist Sommer. Und zum Glück weiß Simone, was ihr jetzt guttut. Sie blockiert einen halben Tag im Kalender nur für sich. Und sie verteidigt ihn entschlossen gegen alles, was sich wichtig macht auf ihrer To-Do-Liste.
Diesen halben Tag verbringt Simone am See. Sie leiht sich ein Stand-Up-Paddelboard und macht sich bereit. Geht barfuß über pieksige Steinchen ans Ufer, legt das Board auf die Wasseroberfläche und watet hinein in das kühle Nass. Sie kniet sich mit einem Bein auf das Brett und stößt sich ab. Unter sich entdeckt Simone einen Schwarm ganz kleiner silbriger Fische im Wasser.
Dann stellt sie sich aufrecht auf das Board. Erst fühlt sich das noch wackelig an. Aber mit der Zeit steht sie sicherer. Simone paddelt langsam. Sie hat keine Eile. Zum ersten Mal seit Tagen keine Eile.
Unter ihr zieht der Algenwald vorbei. Um sie herum die Wasseroberfläche. Das Schnattern der Gänse. Über ihr der weite Himmel.
Und endlich wird es leise in Simones Kopf. Der Druck lässt nach. Als die Gedanken langsamer werden, bemerkt Simone etwas. Hinter all ihren Aufgaben und Sorgen ist noch etwas anderes. Es war vielleicht die ganze Zeit da – nur überdeckt vom Lärm des Alltags. Ein Gefühl von Weite. Von Getragensein.
Simone betet nicht oft. Doch hier und jetzt, wo plötzlich Raum in ihr ist, kann sie nicht für sich behalten, was sie fühlt. Sie sagt „Danke“.
Dafür, dass es sie gibt. Dass sie hier ist, auf dem Wasser, in dieser wunderbaren Welt. Dass sie Kraft hat für ihre Aufgaben, für ihre Lieben und auch für sich selbst. Und dafür, dass sie getragen wird.
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Ein Mann sitzt mit seiner Gitarre im Nashorngehege und singt. Einfach so. Er macht das öfter, für Tiere singen. Ob Wolf oder Waschbär, Kakadu und Krokodil, Lama oder Löwe. Auf Youtube kann man kleine Videos ansehen, in denen der französische Sänger Plumes für Tiere singt.
Er setzt sich mit größerem Abstand zu den Tieren auf einen Hocker, beginnt die Gitarre zu zupfen und zu singen. Oft sind es Lieder, die von Liebe oder Freundschaft handeln. Und so klingt es auch, eher leise, freundlich, leicht.
Egal ob Raubkatze, Reptil oder Fluchttier – die Tiere kommen zu ihm. Manche lassen sich direkt vor ihm nieder, so wie die Krokodile. Sie scheinen still zuzuhören.
Andere wollen es genauer wissen: die Pferde beschnuppern ausgiebig Gitarre und Gesicht, die Lemuren interessieren sich besonders für seine Finger und der Elefant macht seinen Rüssel ganz lang, um das Mikrofon zu ertasten.
Manchmal passiert es sogar, dass eines der Tiere den Mund aufmacht als ob es mitsingen will: Ein Faultier zum Beispiel, oder ein Affe. Ganz zu schweigen von den Graupapageien.
Die kleinen Videos von Plumes bei den Tieren berühren auf eigenartige Weise mein Herz. Als würden sie verstehen, dass er sein Lied von Freundschaft und Liebe für sie singt. Sie zeigen weder Angst noch Aggressionen, wenn sie näher kommen. Als würde die Musik Mensch und Tier dabei helfen, einander freundlich zu begegnen.
So ähnlich stelle ich mir das Paradies vor, von dem in der Bibel erzählt wird:
Der Mensch begegnet der Natur freundlich und zart. Unbewaffnet lebt er mit den Tieren zusammen und fürchtet sich nicht davor, verletzt zu werden. Mensch und Tier teilen das Leben, ohne Angst.
Und ich frage mich, ob sich in unserer Welt etwas ändern würde, wenn es mehr Menschen gäbe wie Plumes. Vielleicht kämen wir dem Paradies dann ein Stück näher.
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Meine Familie liebt Fruchtgummis. Und beim Discounter sind gerade alle unsere Lieblingssorten im Angebot. Also stelle ich mich mit zehn Packungen Fruchtgummis in den Händen an der Kasse an. Das ist mir ein bisschen peinlich. Was denken die Leute wohl von mir, wenn ich so viele Süßigkeiten kaufe?
Vor mir in der Schlange steht eine alte Frau. Der graue Mantel über ihren gebeugten Schultern ist ziemlich verschlissen. Sie dreht sich zu mir um, schaut auf die Packungen in meinen Händen und meint „Gehen Sie ruhig vor. Bei mir dauerts länger.“
Der Korb an ihrem Rollator ist vollgepackt bis obenhin. Brot und Käse, Nudeln, Kaffee, ganz unten ein Sechserpack Wasserflaschen. Sie winkt mich vorbei, und auch noch den Mann, der hinter mir steht.
Der sieht mir ein bisschen unheimlich aus. Arme und Hals sind unsauber tätowiert, die Haare strähnig. Und er riecht nach Zigarettenrauch. Er legt seine Sachen hinter meinen Fruchtgummis aufs Band: Energydrinks, Dosenbier und eine Packung Fertig-Currywurst. Na, denke ich, du lebst ja auch nicht gerade gesund.
Da höre ich, wie der Mann die alte Frau anspricht: „Sagen Sie mal, was haben Sie denn da alles eingepackt? Da müssen Sie aber schwer heben, wenn Sie das alles aufs Band legen wollen. Ich helf Ihnen mal, wenn’s recht ist!“ Und das tut er dann auch. Bückt sich und räumt den Einkauf der alten Frau aufs Kassenband.
Ich schäme mich. Und mir fällt ein Vers aus der Bibel ein: Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. (1. Sam 16,7)
Ich mache mir Sorgen, was die Leute über meine Süßigkeiten denken – und habe selber diesen Mann völlig falsch eingeschätzt. Wegen dem, was ich vor Augen hatte: Seine Tätowierungen, sein ungesunder Einkauf. Aber entscheidend ist doch das Herz eines Menschen. Und das kann viel schöner sein, als man von außen denken würde. Das will ich mir zu Herzen nehmen.
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Neulich war ich mit einer Freundin zusammen in einer ehemaligen Kirche. Statt Orgelklängen gibt es da am Freitagabend jetzt laute Popmusik. Statt Kirchenbänken eine große Tanzfläche, über der sich eine Discokugel dreht.
Eigentlich hatte ich gar keine Lust, herzukommen. Die Woche war lang, ich bin müde. Und Tanzen in einer Kirche? Muss das sein? Aber meine Freundin hat keine Ausrede gelten lassen: „Schau es Dir doch wenigstens mal an!“ Als wir ankommen, wummert aus großen Boxen der Bass.
Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr Tanzen. Und bisher habe ich in Kirchen nur Gottesdienste gefeiert. Aber jetzt, wo wir schonmal hier sind... Okay. Ich lasse mich von meiner Freundin auf die Tanzfläche ziehen. Am Anfang ist es mir unangenehm. Ich glaube, meine Bewegungen sehen etwas albern aus. Aber zum Glück kenne ich hier ja niemanden. Ich schließe die Augen und versuche, mich nur auf die Musik zu konzentrieren. Und es dauert gar nicht lange, da finde ich in den Rhythmus.
Später am Abend bin ich immer noch auf der Tanzfläche. Aber mit offenen Augen. Ich sehe mich um und wundere mich. Hunderte Menschen, die sich nicht kennen, in einem Raum. Wippen im Takt, als wären sie unsichtbar miteinander verbunden. Manche bewegen sich, als wären sie ganz in sich selbst versunken und doch gut aufgehoben in der Menge. Andere halten Blickkontakt zu ihren Freunden, hüpfen im Kreis und singen laut mit. Eine tritt dem anderen aus Versehen auf den Fuß, aber der lacht sie an, und beide tanzen einfach weiter.
Meine Müdigkeit ist weg. Meine Zweifel auch. Die Musik, die Bewegung und diese eigenartige Gemeinschaft mit Menschen, die ich gar nicht kenne, tun mir gut. So viel positive Energie an einem Freitagabend – damit hatte ich nicht gerechnet.
In der ehemaligen Kirche, die jetzt ein Tanzhaus ist, werden keine Gottesdienste mehr gefeiert. Aber ein klitzekleines Gebet wippt jetzt doch durch meinen Kopf: Gott, Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Ps 30,12)
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Über Lehrer wird ja oft geschimpft. Und über Schüler auch.Diese Lehrerin ist zu streng, jener Lehrer zu lasch, alle nicht engagiert genug. Und Jugendliche sind sowieso faul und interessieren sich nur für TikTok.
Wer so redet, war noch nie auf einem Schulkonzert. Ich habe neulich eins besucht, und es war musikalisch viel besser als ich erwartet hätte. Aber noch beeindruckender als die Qualität der Musik war das, was vor, auf und hinter der Bühne zwischen den Menschen passiert ist.
Da sind Jugendliche, mitten in der Pubertät, die den Mut aufbringen, sich auf einer Bühne zu zeigen mit dem, was sie können und was ihnen etwas bedeutet: Sie singen, sie musizieren, sie moderieren den Abend.
Da ist dieser Lehrer, der seine Big Band mit so viel Enthusiasmus dirigiert, dass er alle im Saal ansteckt. Da ist der Chor, der den Mitschüler feiert, der ein Solo gesungen hat. Da sind Lehrkräfte, die im Unterricht als streng gelten, aber als Dirigentin, als Mitglied des Orchesters oder als Bühnenmitarbeiter andere Facetten von sich zeigen: nahbar, engagiert, begeisterungsfähig. Da sind junge Menschen, die aufeinander Acht geben, umsichtig auf kleinstem Raum ihre Notenständer positionieren, einander konzentriert zunicken. Und da ist ein respektvolles Publikum, das mitfiebert, das den Mut und den Fleiß der Musizierenden mit Applaus belohnt und wackelige Töne wohlwollend wegschmunzelt.
An diesem Abend habe ich eine Gemeinschaft erlebt, die meiner Vorstellung vom Himmel auf Erden schon ziemlich nah kommt:
So könnte es doch überall sein, wenn wir uns gegenseitig ermutigen und anfeuern und einander gute Momente gönnen. Wenn wir anerkennen, was jemand von sich zeigt, anstatt noch den kleinsten Fehler zu suchen. Wenn wir aufeinander achtgeben, zusammenrücken, helfen, anstatt nur an uns selbst zu denken. Das wäre doch himmlisch!
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Eigentlich wollte Katrin nur den Müll rausbringen. Aber jetzt steht sie seit zehn Minuten draußen bei den Tonnen in der Kälte und quatscht mit ihrer Nachbarin. Die beiden kennen sich eigentlich nicht besonders gut. Aber sie haben sich immer gleich was zu erzählen, wenn sie sich zufällig begegnen. Katrin findet: Das ist echt eine Nette, ihre Nachbarin.
Draußen bei den Mülltonnen wird es den beiden jetzt langsam zu kalt. Katrin zögert. Sie hat ihre Nachbarin noch nie zu sich in die Wohnung eingeladen. Sie will nicht übergriffig wirken. Und sie ist auch überhaupt nicht auf Besuch eingestellt. Aber dann gibt sie sich einen Ruck und sagt: „Du, wenn es dir nichts ausmacht, dass bei mir nicht aufgeräumt ist, könnten wir eine Tasse Tee zusammen trinken.“ Und ihre Nachbarin sagt ja.
Als die beiden Katrins Wohnung betreten, ist es Katrin dann doch furchtbar peinlich. „Tut mir leid, hier liegt alles rum, ich bin noch gar nicht zum Aufräumen gekommen“, murmelt sie, und stellt schnell ihr benutztes Geschirr in die Spüle. Es liegen auch noch Krümel vom Frühstück auf dem Tisch. Und auf dem Boden auch, zusammen mit relativ viel Staub. Aber Katrins Nachbarin grinst nur und sagt: „Entspann dich, bei mir zu Hause hätten wir erst über meinen Wäscheberg klettern müssen, um überhaupt in die Küche zu kommen.“ Und Katrin entspannt sich. Während sie den Tee aufgießt, erzählen sich die beiden von ihren größten Haushaltskatastrophen. Sie einigen sich darauf, dass hinter jeder perfekten Fassade irgendwo Staub und Krümel liegen. Und sie versprechen einander, sich in Zukunft nicht zu stressen, wenn die andere spontan vorbeikommt.
Katrin ist froh, dass sie über ihren Schatten gesprungen ist. Sie hat das Gefühl, dass eine neue Nähe entstanden ist zwischen ihr und ihrer Nachbarin. Und das geht eben nur, wenn man jemanden hinter die eigene Fassade schauen lässt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43649Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Mein Auto hat einen eingebauten Sicherheitsassistenten.
Das heißt: Immer, wenn ich mich nicht ganz genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung halte, gibt das Auto einen ziemlich schrillen Warnton von sich. Zuerst habe ich mich jedes Mal total erschreckt. Dann hat es mich genervt. Denn mein Auto ist extrem pingelig und piepst andauernd. Dabei gehöre ich wirklich nicht zu den Raserinnen. Aber offensichtlich fahre ich häufig so einen kleinen Tick zu schnell. Und dann wird jede Unterhaltung mit dem Beifahrer immer wieder durch den unangenehmen Warnton unterbrochen. „Betreutes Fahren“, brummelt mein Mann auf dem Beifahrersitz dann, während ich anfange, mit dem Auto zu schimpfen.
Glücklicherweise haben wir irgendwann herausgefunden, dass man diese Funktion auch anders einstellen kann. Jetzt ist der Ton nicht mehr so schrill, sondern eher ein freundliches „Pling“. Seitdem schimpfe ich nicht mehr mit dem Auto. Denn es macht nicht mehr jedes Gespräch kaputt. Oft denke ich sogar „Du hast ja recht“ und nehme den Fuß vom Gaspedal. Im Grunde weiß ich ja, dass es um meine eigene Sicherheit geht und um die der anderen Verkehrsteilnehmer.
An der Sache hat sich dabei eigentlich nichts geändert. Nur am Ton. Und trotzdem fällt es mir jetzt leichter, die Kritik an meinem Fahrstil anzunehmen. Der Ton macht eben die Musik.
In der Bibel werden die Menschen immer mal wieder dazu aufgefordert, aufeinander acht zu geben. Da heißt es dann manchmal sogar, man soll sich gegenseitig ermahnen, wenn jemand sich nicht gut verhält. Ich habe mich damit immer schwergetan. Ich möchte mir nicht anmaßen, andere zu beurteilen oder zu kritisieren.
Andererseits ist es richtig, den Menschen, die mir wichtig sind, zu sagen, wenn ich mir um sie Sorgen mache. Wenn mir zum Beispiel etwas an ihrem Verhalten aufgefallen ist, von dem ich glaube, dass es ihnen oder anderen nicht guttut. Wenn ich so etwas ansprechen will, ist es unheimlich wichtig, den richtigen Ton zu treffen.
Von meinem Auto habe ich gelernt: Ein penetranter, schriller Besserwisser-Ton wird jede Einsicht kaputt machen. Am besten versuche ich es wohl mit einem freundlichen „Pling“.
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Wenn ich morgens aufstehe, ist es draußen noch dunkel. Und wenn ich abends von der Arbeit komme, dann ist es wieder dunkel. Für meinen Körper ist das eine Herausforderung. Und auch für die Seele: Mich macht es so müde, dass das Sonnenlicht fehlt, und irgendwann schlägt das dann auch aufs Gemüt.
Die amerikanische Psychologin Kari Leibowitz wollte wissen, wie die Menschen in Norwegen mit der Dunkelheit umgehen. Denn in Norwegen ist der Winter noch länger als bei uns. Von Mitte November bis Ende Januar gibt es dort kaum Tageslicht. Sie hat herausgefunden, dass die Norweger gute Strategien haben, um mit der dunklen Jahreszeit besser zurechtzukommen. Ich habe mir drei von ihren Tipps gemerkt.
Der erste lautet: Man muss ernst nehmen, dass die dunkle Jahreszeit Kraft kostet. Der Körper verbraucht mehr Energie. Manche Tiere halten ja sogar Winterschlaf. Und auch manchen Menschen tut es gut, sich etwas mehr Schlaf zu gönnen. Es ist okay, einfach mal früher ins Bett zu gehen.
Der zweite Rat lautet: Kopf und Körper müssen die Chance haben, sich auf den Winter einzustellen. Viele Norweger gehen mindestens 20 Minuten am Tag raus, bei jedem Wetter, und auch wenn es dunkel ist. So kann die innere Uhr verstehen, was jahreszeitlich gerade dran ist.
Und der dritte Tipp hat mir besonders gut gefallen: Die Menschen in Norwegen geben sich Mühe, ihr Zuhause schön einzurichten. In Skandinavien gibt es sogar ein Wort dafür: hygge. Es beschreibt eine gemütliche Einrichtung mit sanften Farben, weichen Stoffen und indirektem Licht. Ein Zuhause, das der Seele gut tut.
Was Kari Leibowitz herausgefunden hat, hilft mir. Ich lerne: Es ist keine Schwäche, wenn ich im Winter manchmal müder oder trauriger bin als sonst. Es ist ganz natürlich in dieser Zeit. Und es könnte klug sein, das nicht einfach zu ignorieren. Wir sind schließlich keine Maschinen. Sondern Menschen.
In der Bibel heißt es einmal: „Alles hat seine Zeit“ (Prediger 3) – und dass man das, was die Zeit mit sich bringt, annehmen soll. Ich glaube, jetzt im Winter ist es Zeit, auf die eigenen Kräfte achtzugeben. Und auf das, was die Seele so braucht.
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Heute Morgen hat Olli noch zweimal die Schlummertaste gedrückt. Erst dann ist er aufgestanden und ins Bad geschlurft. Jetzt sitzt er am Küchentisch, die Kaffeetasse in der einen Hand und sein Handy in der anderen. Normalerweise würde er jetzt Zeitung lesen. Aber Olli zögert kurz und öffnet stattdessen lieber ein Spiel auf dem Handy.
Er kann sich das einfach nicht mehr geben, jeden Morgen diese Nachrichten. Jeden Morgen Krieg und Leid und Streit, jeden Morgen die Probleme dieser Welt in seiner Hand, in seinem Kopf, in seinem Herzen. „Das tut mir echt nicht gut“, denkt Olli. Lieber ein bisschen am Handy daddeln zur Ablenkung.
Aber das fühlt sich auch nicht richtig an. Denn die Probleme dieser Welt sind ja trotzdem da – und einfach wegschauen und so tun, als würde es einen nichts angehen, das entspricht eigentlich nicht Ollis Einstellung.
Ich glaube, es geht vielen so wie Olli. Mir auch. Ich kann es nur schwer aushalten, was alles gerade nicht gut ist. Ich könnte mir ununterbrochen Sorgen machen um alles mögliche, was in die falsche Richtung läuft, und was so schwer zu ändern ist. Das kann einen richtig runterziehen.
Ich finde es wichtig, die Augen nicht zu verschließen. Aber genauso wichtig ist es, sich selbst vor Hoffnungslosigkeit und Resignation zu schützen. Denn davon wird die Welt auch nicht besser. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ich kann den Nachrichtenkonsum einschränken und sagen: Ich muss nicht immer online sein. Es reicht, einmal am Tag die Nachrichten zu hören.
Es gibt auch eine Internetseite, auf der die guten Nachrichten des Tages zusammengestellt werden. Sie heißt „Good News“, und es gibt sie auch als App.
Die gefällt mir. Denn es gibt beides in dieser Welt. Das, was mich traurig und verzweifelt macht. Und das, was mir Mut macht, was Probleme löst und Dinge besser macht. Ich habe immer die Wahl und kann entscheiden, worauf ich schaue. Und kann bewusst nach dem Ausschau halten, was mir Hoffnung gibt.
In der Bibel steht: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. Und ich glaube, das fängt in unseren Köpfen an.
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