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Ein kleines Kerzenlicht flackert in der dunklen Kirche. Kinder tragen es durch den Mittelgang hinein. Ganz vorsichtig, damit es ja nicht ausgeht. Denn dieses Licht hat einen weiten Weg hinter sich: Es kommt aus Betlehem. Genauer: Es wurde an der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Und eine Gruppe junger Menschen, allesamt Pfadfinder, sorgt dafür, dass das Licht aus Betlehem in viele Länder verteilt wird. So wird es morgen auch im Mainzer Dom und kurze Zeit später bei uns in Budenheim landen. Am Abend werden wir das Licht in der Kirche willkommen heißen und an die Leute verteilen. So wandert es durch unseren Ort. Und findet einen Platz in vielen Häusern, an Krippen oder Fenstern, im Seniorenheim, der Schule oder Kirche.
Die Aktion der Pfadfinderschaft gibt es schon seit über 30 Jahren. Das Licht steht für den Frieden, der sich unter allen Menschen ausbreiten soll. Deshalb wird es auch Friedenslicht genannt.
In diesem Jahr lautet das Motto der Aktion: Ein Funke Mut. Mut, ja den braucht es dringend in einer Welt, in der so viel Unsicherheit, so viel Angst sich breit machen. Wenn eine aufrechte Haltung nötig ist, wo gehetzt und verunglimpft wird. Wenn ein „Nein“ zu ungerechten Verhältnissen und Strukturen gefragt ist. Wenn wegschauen bequemer ist als hinschauen und handeln. Dann ist Mut gefragt, dem etwas entgegenzusetzen. Mut, mit dem jeder und jede kleine Lichtfunken verbreiten kann.
Wenn die Flamme morgen in unserer Kirche und dann durch unseren Ort weiter gereicht wird, dann hoffe ich auf ganz viele Lichtblicke, die um uns herum zu leuchten beginnen und zeigen: Manchmal braucht es nur einen Funken Mut, um die Welt trotz aller Dunkelheit ein bisschen besser und heller zu machen.
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Wenn ich diese Sendung mit meinem Namen beginne, dann wissen Sie, wer heute Morgen für die Kirche dran ist. Den Namen eines Menschen zu kennen, finde ich wichtig. Es interessiert mich, mit wem ich es zu tun habe, wenn ich Menschen begegne, mit ihnen spreche oder ihnen zuhöre. Der Name erleichtert mir oft, andere kennenzulernen. Und wenn ich gerufen werde, dann weiß ich: Ich bin gemeint mit all dem, was mich einmalig und unverwechselbar macht.
Meinen Namen habe ich diese Woche an die Dormitio Abtei in Jerusalem weitergegeben.
Die Mönche der Abtei gehen an Heiligabend zu Fuß nach Betlehem. Und das Besondere: Sie nehmen dabei eine große Schriftrolle mit, auf denen Namen stehen. Namen, die sie Monate vorher schon gesammelt haben. Und meiner ist dabei. In der Geburtsgrotte Jesu legen sie diese Schriftrolle ab. Im letzten Jahr waren darauf über 100 000 Namen.
Ich habe den Mönchen meinen Namen geschickt, weil es mich berührt, wenn mein Name nach Betlehem getragen wird und mit meinem Namen auch meine Geschichte. Wenn das, was mich ausmacht, was mich freut und mir Sorgen macht an Weihnachten in Betlehem landet. Für mich ist es ein Bild. Ein Bild, dass ich mit allem, was mich beschäftigt zu Jesus kommen kann. Mein Herz vor ihm ausschütten und ihn bitten kann, mir Kraft zu schenken für das, was das Leben von mir fordert. Mein Name in Betlehem lässt mich dann hier spüren: Jesus ist mir nah.
Der Prophet Jesaja schenkt uns in der Bibel ein ganz ähnliches Bild von Gott, wenn er sagt: „Sieh her, ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben“. (Jes 49,16) Mein Name in Gottes Hand - Mein Name in der Geburtsgrotte in Betlehem: Diese Bilder nehme ich gerne mit in den Tag. Sie stärken mich und lassen mich spüren, dass Gott mich liebt und mein Leben begleitet.
https://dormitio.net/weihnachtsaktion
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Im Herbst war ich eine Woche lang in einem Kloster. In dieser Zeit konnte ich mich mit einigen Ordensschwestern unterhalten und mitbekommen, wie sie leben. Ich durfte auch an den Gebetszeiten teilnehmen. Und da staunte ich nicht schlecht, als im September eine große Futterkrippe wie ich sie von Weihnachten her kenne, in der Kirche stand. „Die sind aber früh dran“, dachte ich. Doch Schwester Beatrix erklärt mir: „An jedem 25. eines Monats und zu besonderen Festen unserer Gemeinschaft stellen wir eine Krippe auf.“ Also nicht nur zu Weihnachten am 25. Dezember, sondern auch am 25. Mai oder eben am 25. September. Jeden Monat!
Ich begegne in dieser Woche engagierten Ordensschwestern, denen jeder Mensch wichtig ist und die sich in unterschiedlichen Projekten für Frauen, die benachteiligt sind, einsetzen.
Kraft dazu schöpfen die Ordensschwestern aus ihrem christlichen Glauben, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist. Dass Jesus Kind war, so wie wir alle. Und die Krippe stellen sie auf, um immer wieder daran zu denken: Gott zeigt sich auch heute mitten in unserer Welt - oftmals ganz zart und schwach wie ein Kind.
Während der Gebetszeit wandert mein Blick immer wieder zur Krippe. Der Satz „Mach’s wie Gott, werde Mensch“ kommt mir dabei in den Sinn. Jesus hat uns gezeigt, wie das gehen kann und welcher Spur wir dabei folgen können. Zum Beispiel wenn wir für jene da sind, die in Not geraten sind. Wenn die Würde eines jeden Menschen geachtet wird. Wenn gerechte Strukturen und Lebensbedingungen geschaffen werden. Dann kommt ans Licht, was zutiefst menschlich und auch göttlich ist. Die Krippe stelle ich bei mir zuhause erst an Weihnachten auf. Aber das mit dem Menschwerden, das geht jeden Tag.
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Seit über 30 Jahren wohne ich nicht mehr in meinem Elternhaus im Westerwald. Und doch komme ich immer wieder gerne dahin. Was mich beeindruckt: Wie tief in mir steckt, was ich dort erlebt und erfahren habe. Ich meine damit nicht nur all das, was meine Eltern mir beigebracht und ermöglicht haben. Ich rieche, sehe und höre so vieles immer noch, was mich an diese ersten zwanzig Jahre meines Lebens erinnert: Der Geruch von frisch gebackenem Quetschekuchen. Das Tuckern vom alten Traktor meines Vaters. Der Franzbranntwein meiner Oma. Der Duft, die Geräusche, die Bilder. Sie haben sich tief eingeprägt und ich verbinde damit Heimat. Geborgenheit. Aufgehoben sein.
Davon hat auch der verstorbene Papst Franziskus in seinem Buch „Hoffe“ geschrieben: „Die Kindheitserinnerungen, die wir hüten, jene Bilder, die im Tresor unserer Erinnerungen zu schlafen scheinen und doch lebendig werden …, wenn wir nur einen bestimmten Duft riechen oder den Refrain eines alten Liedes wieder hören … dürfen (wir) nicht vergessen.“ Denn im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, schreibt der Papst, seien sie unersetzlich, wenn wir die menschliche Liebe und Poesie retten wollen.*
Ja, davon leben wir zutiefst. Die Erfahrungen aus frühen Kindheitstagen. Sie prägen uns ein Leben lang. Die schönen wie auch die schrecklichen. Ich hoffe sehr, dass jedes Kind so viele gute und schöne Erfahrungen machen kann wie möglich, und so wahre Schätze sammeln darf. Damit ein Duft, ein Geräusch oder ein Bild uns - auch als Erwachsene - mit dem verbindet, was uns Tag für Tag trägt und hält: Menschliche Liebe.
* Papst Franziskus: Hoffe. Die Autobiographie. Kösel-Verlag München 2025, 366/367.
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In diesem Sommer durfte ich erleben, wie schön und einzigartig Norwegen ist. Tiefblaue Fjorde, rechts und links steile Berge. Auf einer Zugfahrt komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Mitten auf der Strecke hält der Zug an. Damit alle, die möchten, den nahen Wasserfall bewundern können. Nach ein paar Minuten geht es weiter. Alle steigen wieder ein. Die Klamotten durchnässt von den Spritzern des Wassers und beeindruckt und begeistert von dem, was wir gerade so hautnah erlebt und gesehen haben. Kaum jemand spricht ein Wort. Wir alle strahlen und staunen immer noch. Staunen gemeinsam. Und ich habe das starke Gefühl: Das verbindet mich in diesem Moment mit den Menschen, die mit mir im Zug sitzen und diese Landschaft so großartig und wundervoll finden wie ich.
Staunen heißt: Ich nehme all das, was ich erlebe und sehe nicht für selbstverständlich. Die Schönheit der Natur. Die Kraft des Wassers. Das Licht der Sonne. Ich staune und blicke beim Staunen über meine kleine Welt hinaus und nehme wahr, wie groß, wunderbar und unglaublich die Schöpfung ist. Gleichzeitig empfinde ich eine große Dankbarkeit und Demut. Ich bin dankbar, dass ich diese Momente erleben darf. Und demütig, weil mir in diesen Momenten immer auch Gott nahekommt. Weil ich inmitten seiner wunderbaren Schöpfung leben und sein darf. Da kommt mir leicht ein Vers aus einem Psalm über die Lippen: „Staunenswert sind deine Werke, Gott!“ (Ps 139,14)
Momente, die mich staunen lassen, die gibt es nicht nur im Urlaub. Die gibt es immer dann, wenn ich mich packen lasse von den kleinen und großen Wundern dieser Welt.
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Wie würde Jesus heute mit den Leuten reden? Mit welchen Beispielen würde er seine Botschaft unter’s Volk bringen? Mit Jugendlichen habe ich darüber diskutiert. Zunächst will niemand was sagen. Bis eine sich traut und anfängt. Erst ganz zögerlich, aber dann erzählt sie einfach, wie sie sich das vorstellt und andere mischen sich ein: Wie dieser Jesus mitten in ihrem Alltag dabei ist. Auf dem Schulhof. Im Bus. Beim Training. Und wie Jesus dafür sorgt, dass es gerecht und fair zugeht. Keiner auf der Strecke bleibt. Sich einsetzt, damit das Mobbing aufhört. Sich niemand schämen muss, wenn er nicht die Schuhe trägt, die gerade angesagt sind. Niemand ausgelacht wird. Und dann, so war mein Eindruck, wird dieser Jesus irgendwie einer von uns. Wie der beste Kumpel überhaupt. Wie die beste Freundin forever.
Die Jugendlichen haben kurze Szenen aus ihrem Alltag aufgeschrieben. Manche haben ein Rollenspiel daraus gemacht und damit ganz wesentliche Aussagen von Jesus ins Heute, in ihre Welt übersetzt.
Und während die Jugendlichen noch überlegen, was denn Jesus heute für Klamotten anhätte, kommt mir die ein oder andere biblische Erzählung in den Sinn. Wie Jesus einen Streit mit einer Ehebrecherin löst. Oder Menschen vom Rand der Gesellschaft in die Mitte holt. Und damit zeigt, wie Gottes Reich schon mitten im Alltag wachsen kann.
Jesus selbst zeigt mit Beispielen aus dem ganz konkreten Leben der Menschen seiner Zeit, wie diese Welt besser, ja göttlicher werden kann. Nicht unbedingt, indem er ständig über Gott redet, sondern vielmehr in einer Haltung, die dem Leben dient. So haben das dann auch die Jugendlichen vorgeführt. Mit einem Rollenspiel über eine Party: Ein Mädchen, das sich nicht traute zu tanzen, haben sie mit einem berührenden Kompliment in ihre Mitte geholt. Die strahlenden Gesichter der jungen Leute haben gezeigt: Ja, so kann’s gehen! So spielt die Botschaft Jesu im Hier und Jetzt eine Rolle.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42873SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
Im Mainzer Dom ist seit einigen Wochen eine Bibel-Leseecke eingerichtet. Ein Plakat mit der Frage: „Welcher Bibel-Typ bist du?“ hat mich in diese Ecke gelockt. Viele verschiedene Bibeln liegen dort aus. Und spannend sind die Vorschläge, wie ich herausfinden kann, was oder wie mich die Bibel anspricht. Also, welcher Bibel-Typ ich bin. Mag ich eher spontan einfach mal eine Bibel in die Hand nehmen und darin blättern und bleibe eher zufällig an einer Erzählung oder einem Vers hängen? Oder suche ich bewusst schöne Botschaften und Worte, die mir Mut machen? Oder forsche ich lieber und finde die Zusammenhänge bestimmter biblischer Abschnitte heraus?
Und dann bin ich auf eine Anregung gestoßen, die „Bibelatmen“ heißt. Das ist eine Meditationsform, die den eigenen Atem mit einem Bibelwort verbindet. Ich soll so spüren, welche Kraft die Worte der Bibel verströmen können. „Zur Freiheit berufen“ (Gal 5,13) – stand auf einer Karte. Ein Satz des Apostels Paulus. Und der Hinweis einzuatmen mit dem Gedanken „Zur Freiheit“ und auszuatmen zum Wort „berufen“. Das hab ich gerne ausprobiert. Und mit dem Ein- und Ausatmen konnten sich die Worte mehr und mehr entfalten und die Gedanken einsickern. Der kurze Vers des Apostels Paulus ist so in mir hängen geblieben, - auch als ich schon längst zuhause war. Zur Freiheit berufen. Eine wunderbare Zusage, um durch den Tag zu gehen. Und mit dem Atem spüren, was mich frei macht und aufatmen lässt.
Ob ich jetzt der Typ „Bibelatmen“ bin, weiß ich nicht. Aber der Bibel immer mal wieder auf ganz neue Art und Weise auf die Spur zu kommen, das finde ich spannend.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42872Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Wer suchet, der findet!“ Dieser Spruch kommt mir leicht über die Lippen. Zuletzt erst, als meine Kollegin verzweifelt ihren Schlüssel gesucht hat. Wenn ich allerdings selbst alles auf den Kopf stelle und einen Ohrring oder was auch immer suche, dann sieht das schon ganz anders aus. Dann bin ich oft sehr verbissen, angespannt. Genervt. Ich sehe das verlorene Stück genau vor mir, kann es beschreiben, weiß wann und wo ich es das letzte Mal in den Händen hatte. Und verstehe nicht, warum ich es nicht finde. Den Spruch „Wer suchet, der findet“ höre ich dann gar nicht gern. Das klingt dann für mich so, als ob ich nur zu faul bin oder nicht gründlich genug suche.
Da gefällt mir ein Satz, der dem Künstler Pablo Picasso zugeschrieben wird, schon wesentlich besser: „Ich suche nicht – ich finde.“ Das klingt in meinen Ohren erst mal total entspannt. Ich suche nicht. Weder verkrampft noch mühsam, sondern kann gelassen und offen sein, für das, was kommt. Was mir begegnet. Was mir quasi in die Hände oder vor die Füße fällt. Ich stelle mir dabei nichts Konkretes vor; bin einfach offen für Unbekanntes und Neues. Und ich vertraue darauf, dass ich schon finden werde, was für mein Leben wichtig ist. Was ich brauche. Was mir guttut.
Ich suche nicht – ich finde. Mit den Worten und der Haltung starte ich gerne in den neuen Tag, - gelassen und neugierig auf das, was ich heute finden werde. Wer weiß? Vielleicht sogar ganz überraschend und ohne Stress den Ohrring, der mir abhandengekommen ist.
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Ich mag Freundebücher. Bücher, die an Freundinnen und Freunde weitergegeben werden, damit sie reinschreiben, was sie mögen, gut können oder auch schrecklich finden. Nach der Lieblingsfarbe oder dem Lieblingsessen wird oft gefragt. Nach Hobbies oder was einen ärgert. In den Grundschulen machen diese Freundebücher oft die Runde.
Und Lisa, die Tochter einer Freundin, hat gerade so ein Buch aus dem Ranzen geholt, als ich mich mit ihrer Mama auf einen Kaffee getroffen habe.
Die ersten Fragen kann sie ganz flott ausfüllen. Alter, Augenfarbe, Größe. Aber bei den nächsten Zeilen stockt sie. Als ihre Mama fragt, warum sie so lange braucht, sagt Lisa: „Ich bin halt was Besonderes.“ Ich muss schmunzeln. Die Antwort finde ich klasse. Was sie damit sagen will: Ihr ist wichtig, dass ihre Antworten besonders sind. Ausgefallen. Dass die Antworten sich von denen der anderen im Buch unterscheiden. Das wäre sonst nämlich total langweilig, meint Lisa. „Ich bin halt was Besonderes.“ Und darum können unmöglich solche 08/15-Antworten aufs Papier gebracht werden. Lisa nimmt sich Zeit, um wirklich das aufzuschreiben, was ihr Ding ist, was sie so unverwechselbar macht.
Abends zuhause habe ich mich in das alte Kinderzimmer unserer erwachsenen Töchter verkrochen und mir ihre Freundebücher von früher angeschaut. Die stehen da nämlich noch. Herrlich, was ich da alles lesen konnte. Und wie originell die meisten Antworten waren. Wenn sich auch so mancher Berufswunsch von damals nicht erfüllt hat, eins ist mir klar geworden: Jede und jeder ist etwas ganz Besonderes! Und über so manche Frage lohnt es sich auch als Erwachsene mal wieder nachzudenken und eine ehrliche und passende Antwort zu finden. An einer Frage bin ich besonders hängen geblieben: „Was macht dich glücklich?“ Sie beschäftigt mich. Auch heute.
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Montags gibt es bei uns meistens Reste. Essensreste vom Wochenende. Und manchmal ist sogar noch ein Stück vom Hefezopf übrig, der oft am Wochenende bei uns gebacken wird. Den mögen wir alle und beim Backen denke ich mir oft: Von so einem Hefeteig kann ich einiges lernen. Etwas, das mir auch im Alltag helfen kann.
Es sind ja nur wenige Zutaten, die ich benötige: Mehl, Butter, Zucker, Eier, Milch, Hefe. Und: -das scheint mir das Wichtigste zu sein- Zeit! Das geht nicht mal so rasch nebenbei. Da ist nix mit schnell schnell. Der Teig bringt mir bei, geduldig zu sein. Denn der Teig muss ruhen. Muss gehen. Aufgehen. Und ich muss ihn gehen lassen. An einem warmen, geschützten Ort. Das Wichtigste geschieht ohne mein Zutun. Klar, das ist nicht bei allem so. Aber manches reift und gelingt eben nur, wenn ich der Sache Zeit und Geduld schenke.
Ich denke dabei an Paul, das Kind meiner Bekannten. Paul wollte einfach im Kindergarten nicht sprechen. Er hat alles mitbekommen und verstanden, nur selbst sprechen, das wollte er nicht. Paul brauchte seine Zeit. Bis er so weit war. Und jetzt? Jetzt plappert er freudestrahlend und erzählt, was ihm durch den Kopf geht.
Oder wenn ich einfach nicht weiß, wie ein Problem anzupacken ist. Dann muss es halt auch mal liegen bleiben. Dann brauche ich und auch andere Geduld, bis es so weit ist, dass es gelöst werden kann.
Eine Sache einfach auch mal gehen lassen. Ruhen lassen – bis sie soweit ist und bearbeitet werden kann. Das fällt mir nicht gerade leicht. Aber vom Hefeteig kann ich es lernen.
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