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19JUL2026
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„Ach, wär jeder Odem ein Gesang!“ So heißt es an einer Stelle in dem bekannten Kirchenlied „O dass ich tausend Zungen hätte!“ In jedem Atemzug, bei jeder Gelegenheit ein Lied!
Vor 200 Jahren tauschten sich zwei Geschwister ständig über die Lieder und anderen Stücke aus, die beide komponierten. Der Unterschied: Felix Mendelssohn wurde ein bekannter Komponist. Aber dass seine ältere und ebenso begabte Schwester Fanny die Musik zum Beruf machen könnte – das konnte sich außer ihr selbst niemand vorstellen. Das kam damals für eine Frau einfach nicht in Frage. Erst heute werden ihre Werke immer häufiger aufgeführt. Damals blieben ihr nur die Gelegenheiten, die Familie und Gesellschaft ihr einräumten.
So hat sie zum ersten Geburtstag ihres Sohnes aus dem alten Kirchenlied eine Arie gemacht:

Musik

Äußerlich passt hier alles in den biedermeierlichen Rahmen, den ihre Zeit Fanny Mendelssohn Hensel zugesteht. Eine junge Mutter besingt ihr Glück. Doch das Lied sprengt diesen engen Rahmen auch und bekommt, wo sie die Sonne besingt, plötzlich dramatische Tiefe. Die Sonne ist keine Deko fürs Familienfest – sie ist das beeindruckendste von Gottes Schöpfungswerken. Das Blut der Sängerin pulsiert von der Freude, die sie empfindet und voller Leidenschaft besingt.

Musik

Und nun verlässt die Sängerin sogar das Fest. Sie läuft allein in die Wälder und über die Felder, fordert Blumen und Blätter auf, in ihr Lob einzustimmen.
Das kleine familiäre Glück bietet den Anlass, aber nicht den Grund für das überschwängliche Gotteslob. Denn einfach alles weist auf Gottes Größe hin – auch die kleinsten Blumen und unscheinbarsten Blätter.

Musik

„O wäre jeder Puls ein Dank!“
So klingt ein Glaube, der nicht nur für den Sonntag oder fürs harmonische Familienfest taugt. Jede kleinste Lebensregung wird für Fanny Hensel zum Lob Gottes. Dabei kannte sie nicht nur Freude und Glück. Als Tochter einer jüdischen Familie hat sie auch Einschränkung und Verfolgung erlebt. Und als Frau wurde sie beständig zurückgesetzt und hatte nur wenig Gelegenheit, ihr großes Talent zu entfalten. Doch genutzt hat sie jede Gelegenheit! Täglich. Stündlich. Mit  jedem Atemzug. „Ach, wär jeder Odem ein Gesang!“

Musik

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Titel / Lied: „O dass ich tausend Zungen hätte“ (Lobgesang, Fanny Mendelssohn Hensel)

Komponist:
T: Johann Mentzer
M: Fanny Mendelssohn Hensel

Musikquellen

Musik: Nr. 4: O daß ich tausend Zungen hätte. Aria aus: Lobgesang – Kantate für Sopran, Chor und Orchester; Kantaten – Orgelwerke; Hensel, Fanny; Mentzer, Johannes; Krämer, Michaela; Kammerchor der Universität Dortmund; Florilegium Musicum; Gundlach, Willi

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12JUL2026
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Musik: Amsel aus „Chants doiseaux“

 

Singvögel haben den französischen Komponisten Olivier Messiaen so sehr fasziniert, dass sie in vielen seiner Werke auftauchen. Er war davon überzeugt: "Der Gesang der Amsel übertrifft an Fantasie die menschliche Einbildungskraft". In den „Chants d’oiseaux“ (also: den „Gesängen der Vögel“) hat er die Amsel neben drei anderen Vögeln an der Orgel dargestellt, hier in einer Aufnahme von ihm selbst gespielt:

 

Musik: Amsel Teil 2

 

Messiaen hat das Stück inmitten der Vögel im Wald geschrieben. Er sagt: „Ich verwende den Gesang der Vögel, weil für mich diese Tiere auf Erden die größten Komponisten sind – sehr viel größer als die Menschen. Die Vögel haben alles erfunden: […] den Gregorianischen Gesang, die Vierteltöne […], sogar die Kollektivimprovisation […]. Ich war immer der Auffassung, dass sie die größten Lehrmeister sind.“

Und so verbringt der Komponist viele Stunden im Wald, ein Aufnahmegerät und Notenpapier unterm Arm. Er hört ihnen zu und komponiert ihre Gesänge nach. Hier sein Rotkehlchen:

 

Musik: Rotkehlchen

 

Für Messiaen war der Gesang der Vögel mehr als nur eine faszinierende Abfolge von Tönen. Sie bringen Leichtigkeit in seine Lebenszeit, die Messiaen oft als müde und traurig empfindet. Vögel aber, sagt er, sind wie „unser Wunsch nach Licht, Sternen, Regenbögen und jubilierenden Vokalisen!"

 

Musik: Rotkehlchen Teil 2

 

Olivier Messiaen hat gesagt, dass er gern aus zwei Büchern etwas über Gott liest: aus dem Buch der Bibel und aus dem Buch der Natur. In Psalm 148 kann man lesen, dass die Vögel mit ihren Stimmen Gott loben, und im Buch Hiob erzählen sie von Gottes Schöpfermacht. Messiaen ist so fasziniert von diesen Gedanken, dass er nach Israel reist, um dort die Vögel so zu hören, wie Jesus sie damals singen gehört haben mag, etwa so wie diese nachgeahmte Singdrossel:

 

Musik: Singdrossel

 

In der Bibel werden Vögel, die schützend ein Nest mit ihren Jungen umflattern, sogar zu einem Bild für Gott selbst, der sich um seine Menschen sorgt. Messiaen hat an den Vögeln, die eine solche Vielfalt an Klängen produzieren, abgelesen: Mindestens so kreativ ist der Schöpfergott selbst! Er schreibt: "Eine Amsel und eine einzelne Nachtigall improvisieren hoch oben in den Bäumen, umgeben von klingendem Blütenstaub und von einem Lichthof aus verlorenen Trillern. Übertragen Sie das auf die religiöse Ebene, und Sie werden die Stille der Himmelsharmonien vernehmen!"

 

Musik: Nachtigall

 

Wenn ich heute einen Sonntagsspaziergang mache, werde ich an diese Nachtigall von Messiaen denken und noch einmal viel tiefer hinhören auf den Gesang der Vögel. Ich will mich dabei mit meiner Sehnsucht verbinden: nach Licht, Sternen, Regenbögen und nach Gott selbst.

 

Musik: Nachtigall

Quelle:                                   Olivier Messiaen, Chants d‘oiseaux

CD Olivier Messiaen, Livre d’orgue 7 Stücke für Orgel, Olivier Messiaen, Nr. 4: Chants d'oiseaux. Modéré
ARD Archiv-Nr: M0060583

T: / M: Olivier Messiaen

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05JUL2026
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Noch bevor ich sie sehe, höre ich sie: die Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores. Dann sehe ich auch das glänzende Messing ihrer Instrumente durch das Grün der Blätter schimmern. Eine bunte Gottesdienstgemeinde aus Jungen und Alten hat sich unter dem schützenden Blätterdach mächtiger Buchen versammelt und feiert einen Gottesdienst im Grünen.

Mir gefällt es, draußen in der Natur unter freiem Himmel Gottesdienst zu feiern. Statt fester Kirchenbänke: bewegliche, wetterfeste Sitzplätze. Statt eines stabilen Daches über den Köpfen: ein Blätterdach aus belaubten Baumkronen. Ganz vorne: ein improvisierter Altar mit einem Holzkreuz und zwei Kerzen. Dazu der morgendliche Gesang der Vögel. Die sanfte Bewegung der Blätter. Die Kühle eines Sommermorgens...

Der Theologe und Autor Jörg Zink hat diese besondere Morgenstimmung in Worte gefasst. Die Melodie hatte er in einem alten Tanzlied aus Italien gefunden und sich vom Schwung der Melodie inspirieren lassen zu einer eigenen Textfassung. So ist aus dem poetischen Zusammenspiel der Worte und dem Dreivierteltakt der Melodie ein beschwingtes Morgenlied geworden.

Dich rühmt der Morgen. Leise, verborgen
singt die Schöpfung Dir, Gott, ihr Lied.
Es will erklingen in allen Dingen
und in allem, was heut geschieht.

Du füllst mit Freude der Erden Weite,
gehst zum Geleite an unsrer Seite,
bist wie der Tau um uns, wie Luft und Wind.
Sonnen erfüllen Dir Deinen Willen,
sie geh´n und preisen mit ihren Kreisen
der Weisheit Überfluss, aus dem sie sind.

Darf man in Zeiten des überall spürbaren Klimawandels so poetisch von der Schöpfung sprechen? Ich glaube, man muss es! Um immer wieder daran zu erinnern, dass Menschen den Auftrag haben, die Schöpfung zu schonen, nicht zu plündern. Nicht an den kurzfristigen Vorteil zu denken, sondern an die Generationen, die nach uns kommen. Das kalte Kalkül, mit dem die Natur lediglich als Ressource für wirtschaftlichen Gewinn gesehen wird, führt in der Konsequenz zu dem überhitzen Planeten, wie wir ihn dieser Tag erleben.

Gottes gutes Wort aber, von dem in der nächsten Strophe des Liedes die Rede ist, sein Segen, der Mensch und Tier versprochen ist, bewährt sich gerade dort, wo Menschen mit Respekt und Dankbarkeit mit dem umgehen, was ihnen gegeben und anvertraut ist. 

Du hast das Leben allen gegeben,
gib uns heute Dein gutes Wort.
So geht Dein Segen auf unsern Wegen,
bis die Sonne sinkt, mit uns for.t
Du bist der Anfang, dem wir vertrauen,
Du bist das Ende, auf das wir schauen,
was immer kommen mag, Du bist uns nah. 
Wir aber gehen, von Dir gesehen,
in Dir geborgen, durch Nacht und Morgen
und singen ewig Dir: Halleluja

Unter einem Baum habe ich mir ein schattiges Plätzchen gesucht. Und habe mich mitnehmen lassen vom Schwung dieses Morgenliedes: „Leise, verborgen singt die Schöpfung Dir, Gott, ihr Lied. Es will erklingen in allen Dingen und in allem, was heut geschieht.“

Das wünsche ich Ihnen an diesem Sonntagmorgen, dass das Lied der Schöpfung Sie zuversichtlich hineintanzen lässt in die neue Woche.

CD: genesis brass, Choralfantasien, Track 14, In dir ist Freude, Gerth Medien 2009, LC13743
„Dich rühmt der Morgen“, Aufnahme beim Chorfest in Ettlingen, Achim Plagge

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28JUN2026
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Jedes Jahr um diese Zeit habe ich einen Ohrwurm. Allerdings keiner, der mich nervt, sondern einer von der angenehmen Sorte. Einer, der mich gern durch diese Tage begleiten darf.

Musik 1

Diese Melodie gibt es schon seit 450 Jahren. Ganz zu Beginn war es ein Liebeslied, das mit den Worten „Mit Lieb bin ich umfangen“ anfing. Und andere kennen das Lied vermutlich mit dem Text „Wie lieblich ist der Maien.“

Wenn ich diese Melodie als Ohrwurm im Kopf habe, dann mit den Worten des evangelischen Pfarrers Detlev Block. Vor knapp fünfzig Jahren hat er seine Fassung gedichtet und mit dem Titel „Lied im Mittsommer“ überschrieben. Bei ihm heißt die erste Strophe so:

Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut,
Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn.
Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.

Musik 2

Detlev Block war begeisterter Sternengucker. Und so taucht in seinem Mittsommer-Lied ein Sternbild auf: nämlich die große Waage. Ich stelle mir vor, wie er in einer der kurzen Juninächte in den Himmel schaut, die Sterne der Waage entdeckt und für einen Augenblick ganz von dem Gefühl erfüllt ist, dass scheinbar alles zur Ruhe kommt. Die große Waage ruht. Mitten im Jahr wirkt die Zeit wie aufgehoben. Fast so, als gäbe es nur noch diesen einen Moment.

Doch bei dieser Leichtigkeit bleibt es nicht. Nichts bleibt stehen. Die Sterne nicht und auch nicht der Sommer auf seinem Höhepunkt. Schon jetzt beginnt das Licht wieder abzunehmen. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger.
Im Lied bekommt deshalb alles Lebendige auch die Vergänglichkeit an die Seite. Zum Glücklich-sein kommt der Schmerz, zum Hellen das Dunkle. Das Jahr lehrt Abschied nehmen – und das mitten im Sommer. Es erinnert daran, dass alles vergänglich ist, und wir nichts festhalten können – so schön es auch sein mag.

Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

Musik 3

Ich bin vergänglich. Vieles, was ich tue, vergeht. Umso wichtiger sind mir die Augenblicke, wenn die Zeit stillzustehen scheint. Vielleicht draußen, unter dem Sternenhimmel. Vielleicht in einem Moment der Stille, in dem ich ganz bei mir bin. Dann bricht ein wenig Ewigkeit in meine Endlichkeit hinein. Und ich ahne, dass hinter dem sichtbaren Himmel mehr steht: ein Ziel, ein Gegenüber. Gott selbst.

Musik 1

Als ich im letzten Jahr meinen 40. Geburtstag gefeiert habe, haben mir Freunde auf diese Melodie ein Ständchen gedichtet. Sie wissen, wie sehr ich dieses Lied mag. Und in den Wochen danach habe ich gemerkt: Dieses Lied passt nicht nur in die Mitte des Jahres, sondern auch in die Mitte meines Lebens.

Da ist vieles, was gewachsen ist. Freundschaften, die tragen. Erfahrungen, die Sicherheit geben. Die Fähigkeit, manches gelassener zu sehen als früher. Und die Freude an kleinen Dingen: einem farbenfrohen Blumenstrauß oder einem freien Nachmittag.

Gleichzeitig wird mir bewusster, dass Zeit kostbar ist. Dass das Leben nicht unbegrenzt vor mir liegt. Dass Menschen, die mich lange begleitet haben, älter werden. Und dass jeder Abschnitt seine eigenen Aufgaben mit sich bringt.

Vielleicht begleitet mich die Melodie deshalb jedes Jahr aufs Neue. Sie erinnert mich daran, dass ich die schönen Tage nicht festhalten muss. Dass ich genießen darf, was jetzt ist. Und dass ich dem Kommenden vertrauen kann.

So wird dieser Ohrwurm für mich zu einem kleinen Gebet. Zu einer Bitte für die Mitte des Jahres und die Mitte meines Lebens: Herr, schenk mir deine Nähe und mach die Mitte gut.

Musik 2

Komponist

T: Detlev Block 1978/2012

M: Johann Steuerlein 1575, geistlich Nürnberg 1581

 

Aufnahmen

 

Musik 1:

Titel: „Mit Lieb bin ich umfangen“

aus: Liebeslieder – Liedersingprojekt Carus-Verlag mit CD zum Mitsingen

Track: Nr. 6

ISBN 978-3-89948-266-9

Interpreten: Götz Payer, Klavier, und Christine Busch, Violine

LC 3989

Carus 2.408/97

 

Musik 2:

Titel: „Wie lieblich ist der Maien“

Interpreten: The Playfords

M0478713(AMS)

 

Musik 3:

Titel: „Das Jahr steht auf der Höhe“

Interpreten: 1585 consort, Leitung: Michael Braatz-Tempel

M0745716(AMS)

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21JUN2026
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Titel: Jetzt ist Sommer

Teaser: 

Pippi Langstrumpf und ich planen einen Ausflug zum Sommeranfang. Mit ihrem Pferd „Kleiner Onkel“.

Was machen wir, wenn’s schüttet, frage ich. Haben wir einen Plan B? Nö, sagt Pippi. Den brauchen wir nicht. Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Ist das Optimismus oder Verdrängung? Gelassenheit oder Realitätsverweigerung? Schließlich könnte es regnen und wir könnten vom Pferd fallen. Von beiden Seiten. Womöglich steckt sie mich damit an – mit dem sogenannten Pippi-Langstrumpf-Syndrom: sie leugnet die Fakten, sie will einfach nicht wahrhaben, dass es im Juni auch mal regnet.

Die Wise Guys kommen übrigens auch mit, unterbricht Pippi meine Gedanken. Du weißt schon, die coolen Jungs aus Köln mit ihrem Sommerhit. Wir sind auf jeden Fall dabei, haben sie geschrieben. Egal, bei welchem Wetter.

Sonnenbrille auf und ab ins Café
Wo ich die schönen Frau'n auf der Straße seh'
Dann Sprung mitten rein in den kalten Pool
Und 'n Caipirinha, ziemlich cool
Sonnenmilch drauf und ab zur Liegewiese
Wo ich für mich und Liese eine Liege lease
Wir lassen uns geh'n und wir lassen uns braten
Alles andre kann ne Weile warten
Und wenn nix draus wird wegen sieben Grad
Dann kippen wir zuhaus zwei Säcke Sand ins Bad
Im Radio spielen sie den Sommerhit
Wir singen in der Badewanne mit

Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer, ich hab' das klar gemacht
Sommer ist, wenn man trotzdem lacht
Es ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer …

Sommer ist, was in deinem Kopf passiert. Ist das nun das Pippi-Langstrumpf-Syndrom oder die nötige Portion Gelassenheit? Für mich ist es irgendwas dazwischen. Und eine gute Beschreibung meines christlichen Glaubens: Ich vertraue darauf, dass da mehr ist als das, was gerade im Vordergrund steht. Ich akzeptiere die Fakten, aber ich entdecke, was hinter den Fakten ist. Was eigentlich ist: Es sind sieben Grad, aber eigentlich ist Sommer. Es ist Krieg, aber eigentlich ist da die Möglichkeit von Frieden. Es ist Tod, aber eigentlich ist da Leben. Und auf dieses Eigentliche zu vertrauen, stimmt mich sommerlich-leicht und sommerlich-trotzig. Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.

Ich bin sauer, wenn mir irgendwer mein Fahrrad klaut
Ich bin sauer, wenn mir einer auf die Fresse haut
Ich bin sauer, wenn ein andrer meine Traumfrau kriegt
Und am Pool mit dieser Frau auf meinem Handtuch liegt
Doch sonst nehm' ich alles ziemlich locker hin
Weil ich mental ein absoluter Zocker bin
Ich drücke einfach auf den kleinen grünen Knopf
Und die Sonne geht an in meinem Kopf

Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer, ab ins Gummiboot
Der Winter hat ab sofort Hausverbot
Es ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer, ich hab' das klar gemacht
Sommer ist, wenn man trotzdem lacht

Weil ich mental ein absoluter Zocker bin, singen die Wise Guys. So kann ich mein Gottvertrauen auch nennen: Mentales Zocken. Heute, am Sommeranfang, gefällt mir dieser Gedanke besonders gut. Ich sitze hinter Pippi auf dem Pferd und wir fliegen durch die Landschaft. Die Wise Guys kommen mit dem Cabrio hinterher. Es ist Sommer. Egal, ob man schwitzt oder friert. Es ist Leben, egal was dazwischenkommt. Und ich nehme diese Zockermentalität mit auf meinen Ritt durch die nächsten Monate. Falls ich vom Pferd falle, dann auf der richtigen Seite: bei Optimismus und Gelassenheit. Wenn sich anderes in den Vordergrund spielt, drücke ich auf den kleinen grünen Knopf und halte mich an das, was da eigentlich ist. Da ist Sommer und Sonne und Wärme. Da sind Menschen wie Pippi, mutig und kreativ. Mit dem Blick für das Wesentliche. Da ist unsere bunte blühende Welt, in der Frieden möglich ist. Da ist fröhliches, trotziges Lachen. Da ist Gottes Liebe, die niemals aufhört.

Jetzt ist Sommer egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer, ab ins Gummiboot
Der Winter hat ab sofort Hausverbot
Es ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer, ich hab' das klar gemacht
Sommer ist, wenn man trotzdem lacht
Scheiß aufs Wetter, egal ob man friert
Sommer ist was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer, ab ins Gummiboot
Der Winter hat ab sofort Hausverbot
Es ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert …

Musikangaben

Text und Musik: Daniel Dickopf

Aufnahme: Wise Guys, Jetzt ist Sommer, Pavement Records CDP 80056 (2001)

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14JUN2026
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Unser heutiges Lied zum Sonntag ist ein Lied aus den 30er Jahren, das hier von Max Raabe gesungen wird. Es heißt „Irgendwo auf der Welt“.

Musik 1:
 
Max Raabe – „Irgendwo auf der Welt“ (Album Übers Meer, 2010 Palast Musik GmbH)

Irgendwo, auf der Welt, gibt's ein kleines bisschen Glück
 Und ich träum davon in jedem Augenblick

 Irgendwo, auf der Welt, gibt's ein bisschen Seligkeit

 Und ich träum davon schon lange, lange Zeit

Anfang der 1930er-Jahre steckt Deutschland mitten in einer tiefen Wirtschaftskrise. Sehr viele Menschen haben ihre Arbeit verloren, ihre Ersparnisse, und auch ihre Zukunftspläne. Das berauschende Freiheitsversprechen der jungen Weimarer Republik zerbricht, und die Nationalsozialisten greifen nach der Macht. Die Filme dieser Zeit sollen davon ablenken. Sie bieten den Menschen die Möglichkeit, der düsteren Realität kurz zu entkommen.

So wird der Film „Ein blonder Traum“ aus dem Jahr 1932 zu einem der erfolgreichsten Filme der Weimarer Republik überhaupt. Gleich am Anfang des Films besingt die Hauptfigur Jou-Jou ihren Traum vom Leben mit dem schlichten und anrührenden Lied aus der Feder von Robert Gilbert und Werner Richard Heymann. Wir hören die Originalversion des Liedes aus dem Film, gesungen von Schauspielerin Lilian Harvey. 

Musik 2:
 
Lilian Harvey 1932 – „Irgendwo auf der Welt“ 

Ich hab so Sehnsucht, ich träum so oft
 Bald wird das Glück mir nah sein

 Ich
hab so Sehnsucht, ich hab gehofft
 Bald wird die Stunde da sein

 Tage und Nächte wart ich darauf

 Ich
geb die Hoffnung niemals auf

Es ist ein leichtes, fast naives Liedchen darüber, dass jemand auf ein bisschen Glück hofft. In den folgenden Jahren entwickelt sich das Lied jedoch zum tragischen Soundtrack für so viele, die Deutschland verlassen mussten. Auch die Komponisten unseres Liedes müssen in den 30er Jahren vor den Nationalsozialisten fliehen. Die ursprüngliche Leichtigkeit des Liedes ist verschwunden.

Besonders bewegend war für mich vor einem Jahr die Trauerfeier für Margot Friedländer. Max Raabe hat auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin genau dieses Lied gesungen. Sie hat als Jüdin den Terror der Nationalsozialisten überlebt. Eine Frau, die allen Grund gehabt hätte, an der Menschheit zu verzweifeln, wünscht sich ein Lied, das von Hoffnung singt.

Das beeindruckt mich. Wenn jemand hofft, ist das nicht naiv. Denn Hoffnung heißt nicht, dass alles gut war oder gut ist. Hoffnung heißt: Ich glaube trotzdem daran, dass irgendwo noch ein kleines bisschen Glück auf mich wartet.

Vielleicht brauchen wir genau das heute wieder mehr. Nicht die großen Versprechen. Nicht die perfekte Welt. Sondern die leise Hoffnung, dass unser Weg nicht ins Dunkle führt und dort endet.

Und vielleicht steckt in dieser Hoffnung selbst schon ein Stück Himmel auf Erden.

Musik 1: Max Raabe – „Irgendwo auf der Welt“ (Album Übers Meer, 2010 Palast Musik GmbH)

Irgendwo, auf der Welt, fängt mein Weg zum Himmel an
 Irgendwo, irgendwie, irgendwann

 Irgendwo, irgendwie, irgendwann

 

Komponist: M: Werner Richard Heymann, T: Robert Gilbert
 

Musikquellen:

  • Musik 1: Max Raabe, Album Übers Meer, 2013, Track B5 „Irgendwo auf der Welt“ LC 00171,
  • Musik 2: Lilian Harvey, „Irgendwo auf der Welt“, 1932 – Parlophon B. 49 078-I
     
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44631
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07JUN2026
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Das Lied zum Sonntag fängt heute mit einer großen Enttäuschung an. Enttäuscht werden ausgerechnet diejenigen, die in gut biblischer Tradition ihre Hilfe seit tausenden von Jahren auf Gott setzen. Sie sollen nicht mehr mit seinem Eingreifen ins Weltgeschehen rechnen oder auf himmlische Boten warten. Das klingt dann so:

Kein Engel steigt herab, der Feuerwerk entfacht,
der Schmerzen schnell mal stillt,
aus Kriegen Frieden macht.
Vielmehr hängt es an mir, bewegt von Gottes Geist,
dass wahr wird, sich erfüllt,
was wahres Leben heißt.

Kein Engel steigt herab, kein Wunder geschieht, kein Gott greift ein in auswegloser Lage.
Vielmehr liegt es an mir, singt das Lied, dass auf der Erde passiert, worum ich Gott täglich bitte. In seiner radikalen Diesseitigkeit erinnert mich das Lied an einen oft zitierten Text unbekannter Herkunft: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.“

Vielmehr hängt es an mir, bewegt von Gottes Geist,
dass wahr wird, sich erfüllt,
was wahres Leben heißt.
Vielmehr hängt es an mir, bewegt von Gottes Geist,
dass wahr wird, sich erfüllt,
was wahres Leben heißt.

Das Lied stammt ursprünglich aus Kuba. Aus seinen Worten spricht die Haltung der lateinamerikanischer Befreiungstheologie. Die hat biblische Geschichten bewusst einseitig interpretiert. Mit einer klaren Parteinahme für die Armen. Und gefordert, dass die Kirche sich nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch für Unterdrückte und für soziale Gerechtigkeit einsetzen soll. Dazu passt dann auch das Bekenntnis am Anfang des Liedes:  

Ich kenne Gottes Ruf und bin dazu bereit,
mit ihm an seiner Welt der Liebe mitzubaun.
Kein Engel steigt herab, der Feuerwerk entfacht,
der Schmerzen schnell mal stillt,
aus Kriegen Frieden macht.
Vielmehr hängt es an mir, bewegt von Gottes Geist,
dass wahr wird, sich erfüllt,
was wahres Leben heißt.

Eugen Eckert hat das Lied aus dem Spanischen übersetzt und mit seiner Band Habakuk eingespielt. Aber auch im Original höre ich die große Aufbruchstimmung:

Llamado soy de Dios, mis manos listas están,
a construir con El un mundo fraternal.
Los ángeles no son enviados a cambiar
el mundo de dolor por und mundo de paz:
Me ha tocado a mi hacerlo realidad.
Ayuda me, Senor, a hacer tu voluntad.

Anders als im Deutschen endet die spanische Version mit einer Bitte: „Hilf mir, Gott, deinen Willen zu erfüllen.“ Das gefällt mir, denn ich glaube nicht, dass Gott nur unsere Hände und Füße hat, um in dieser Welt Gutes zu bewirken. Ich glaube aber, dass wir, bewegt von seinem Geist, tatsächlich viel mehr verändern können als wir immer so denken.

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Musikangaben:
Spanischer Text und Musik: José Aguir (Iglesia Christiana Pentecostal de Cuba) Deutsche Übertragung: Eugen Eckert
Aufnahme: CD Einfach so – Habakuk (LC 3244), Strube Verlag München

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44546
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31MAI2026
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Immer wieder sagen mir Menschen, dass es ihnen schwerfällt zu beten. Gerade die, die sich selbst als gläubig bezeichnen. Sie beklagen, dass ihnen die passenden Worte fehlen, um mit Gott zu sprechen. Oder dass sie es für überflüssig halten. Gott weiß doch, was sie brauchen. Sie fühlen sich ihm auch nicht fern. Was sollen sie ihm dann noch sagen.

Mir geht es ähnlich. Es liegt nicht daran, dass ich an Gott zweifeln würde, oder beten für unsinnig halte. Ich weiß nur manchmal nicht, warum ich viele und große Worte machen soll. Dann sage ich einfach: „Oh, lieber Gott, erbarme Dich über meine Freundin, die eine so schwere Zeit durchmacht“. Oder: „Du willst doch, dass es Frieden gibt, Gott. Also hilf mit!“

Oder – und das geht bei mir immer: Ich bete das Vaterunser.

 

Notre père qui est aux cieux

que ton nom soit sanctifié …

 

Viele Komponisten haben das Vaterunser vertont. Auf die Version, die ich heute als Lied zum Sonntag vorstelle, bin ich zufällig in einem Konzert gestoßen. Es wurde 1992 von Pierre Villette komponiert – und trägt den Titel: Notre Père d’Aix. Es heißt so, weil es einer volkstümlichen Melodie nachempfunden ist, die im südfranzösischen Aix-en-Provence beheimatet ist. Dorthin, ins warme Klima, zog der Komponist Villette, weil ihm ein Lungenflügel entfernt werden musste.

Vor meinem inneren Auge sehe ich bei seiner Musik die Lavendelfelder der Provence und ich ahne das Mittelmeer, das nicht mehr weit ist. Es sind zarte Klänge in romantischen Harmonien, die aufsteigen bis in den Himmel: Dein Wille geschehe – und hier vertauscht interessanterweise der französische Text die Reihenfolge – wie auf Erden so im Himmel. Wie passend.

 

… que ton règne vienne,

que ta volonté soit faite

sur la terre comme au ciel.

 

Beim Vaterunser muss ich nicht lange überlegen, was ich sage oder wie ich’s sage. Ich kann es seit Kindertagen auswendig und habe es tausende Male gebetet. Die Worte, die von Jesus stammen, passen bei jedem Anlass und zu jeder Zeit. Das Vaterunser ist einfach und umfassend zugleich und es geht mit seinen schlichten Worten unmittelbar in die Tiefe. Das Gebet besteht aus sieben Bitten und berührt die großen Themen der menschlichen Existenz: dass der Mensch Grenzen hat und mit ihnen leben muss; dass wir Schuld auf uns laden und darauf angewiesen sind, dass andere uns vergeben; dass wir tun, was wir nicht sollten, obwohl wir es besser wissen. Vor allem aber geht es darum, mich nicht an mein Leben zu klammern, sondern es in Gottes Hand zu legen: Vater unser im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Wille geschehe!

 

Donne-nous aujourd’hui notre pain de ce jour.

Pardonne-nous nos offenses,

Comme nous pardonnons aussi à ceux qui nous ont offensés.

 

 

CALENS heißt das Vokalensemble aus Stuttgart, das hier singt. Calens bedeutet übersetzt: „leidenschaftlich brennend“. Und das tun sie, die acht jungen Leute, die mich mit ihrem schönen Ton und der spürbaren Freundlichkeit sofort in ihren Bann gezogen haben. Als ich ihnen sagte, wie schön ich diese Vertonung des Vaterunsers finde und dass ich sie gern hier in SWR Kultur vorstellen will, haben sie gleich diese Aufnahme für mich gemacht.

Das Vaterunser ist das Gebet, in dem alles Beten zusammengefasst wird. Meine oft so kleinen egoistischen Bitten müssen da hineinpassen. Was ich mir wünsche, was ich brauche. Wie das Leben und die Welt zu sein hat. Wir meinen, es genau zu wissen. Aber wir wissen es nicht. Weil nur der EINE es weiß, dessen Macht am Ende des Vaterunsers betont wird: à toi la puissance et la gloire - dein ist die Macht und die Herrlichkeit.

 

Et ne nous soumets pas à la tentation,

Mais délivre-nous du mal.

A toi, le règne, à toi la puissance et la gloire

Pour les siècles des siècles !

Amen.

 

 

 

 

Eigenproduktion

Pierre Villette (1926 - 1998)

NOTRE PERE D'AIX motet pour quatre voix mixtes a cappella op.75, 1992

©2025 Calens Vocalenbsemble, Stuttgart

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44453
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24MAI2026
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Wenn mein vierjähriger Sohn „Komm, Papa!“ sagt, dann ist das unmissverständlich. Dann will er, dass ich JETZT komme, um mit ihm ein neues Lego-Haus zu bauen, um eine Rakete zu basteln oder um Fußball zu spielen. Jetzt. Nicht erst in einer halben Stunde. Später ist für ihn keine Option. Dieses „Komm“ ist kein Vorschlag, es ist eine dringende Einladung, den gegenwärtigen Moment auszukosten. Es duldet keinen Aufschub, weil jetzt gerade die Energie da ist, etwas Neues zu erschaffen.

Komm, Heiliger Geist, Herre Gott,
erfüll mit deiner Gnaden Gut
deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn.

Dieser Pfingst-Choral fängt mit derselben Dringlichkeit an: „Komm!“ Komm jetzt! Auch die lateinische Vorlage beginnt mit der Aufforderung „Veni, Sancte Spiritus! Komm, Heiliger Geist!“ Martin Luther übernimmt diese dringliche Aufforderung für seine Liedfassung. Gott möge kommen, JETZT, auf der Stelle, und uns ganz ausfüllen: Herz, Mut und Sinn. Wie mein Sohn, der mich auch mit allen Sinnen für sein Spiel beansprucht, so bittet dieses Lied: Besetze unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Tatkraft, JETZT, in diesem Augenblick. Wir brauchen diesen Geist nicht als gedankliche Theorie, sondern als Motor für das, was wir heute tun.

Dein brünstig Lieb entzünd in ihn´.

„Dein brünstig Lieb entzünd in ihnen.“ Ein starkes Bild; so stark, vielleicht auch so anstößig, dass im Evangelischen Gesangbuch nur von der „brennend Lieb“ die Rede ist. Die „brünstig Lieb“, hier lodert die Leidenschaft! Oft fühlt sich unser Alltag ja eher wie kalte Asche an: Routine, Pflichten, das Funktionieren-Müssen. Da ist keine Glut mehr. Das Lied bittet um den göttlichen Funken, der uns wieder für das Leben begeistert. Um eine Liebe, die nicht nur vor sich hinplätschert, sondern die brennt, die uns antreibt, uns einzumischen, zu helfen und die Welt ein Stück heller zu machen.

O Herr, durch deines Lichtes Glanz
zum Glauben du versammelt hast
das Volk aus aller Welt Zungen.

An Pfingsten feiern wir, dass dieser Heilige Geist Menschen verbindet – über alle Grenzen und Sprachen hinweg. „Aus aller Welt Zungen“ – das ist heute so aktuell wie nie. In einer Zeit, in der Worte oft als Waffen benutzt werden, bittet das Lied um einen Geist, der uns zusammenführt. Einen Geist, der uns hilft, einander zuzuhören, auch wenn wir verschiedene Sprachen sprechen oder verschiedene Meinungen haben. Es ist die Hoffnung, dass aus vielen Einzelteilen – genauso wie bei den Lego-Steinen meines Sohnes – am Ende ein großes, gemeinsames Zuhause entsteht, in dem alle ihren Platz haben können.

Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen.
Halleluja, Halleluja.

Ich wünsche Ihnen ein geistreiches und spielfreudiges Pfingstfest!

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Angaben zur Musik:

Text: Ebersberg um 1480 (nach der Antiphon „Veni, Sancte Spiritus „aus dem 11. Jahrhundert
Melodie: Ebersberg 1480
Aufnahme: Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (Singer Pur)
Archivnummer: M0598737(AMS)

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17MAI2026
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Ich liebe den Sonntagmorgen, wenn alles noch ruhig ist und nur die Vögel singen. Diese Stimmung ist in dem Lied eingefangen, dass ich heute morgen für Sie ausgewählt habe: „Dich rühmt der Morgen; leise, verborgen / singt die Schöpfung dir, Gott, ihr Lied.“

So beginnt es, beschwingt und fröhlich wie ein Tanzlied. 

Musik: 1. Strophe „Dich rühmt der Morgen“

Dich rühmt der Morgen; leise, verborgen/ singt die Schöpfung dir, Gott, ihr Lied./

Es will erklingen in allen Dingen/ und in allem, was heut geschieht./

Du füllst mit Freude der Erde Weite,/ gehst zum Geleite an unsrer Seite,/

bist wie der Tau um uns, wie Luft und Wind./ Sonnen erfüllen dir deinen Willen;/

sie gehn und preisen mit ihren Kreisen/ der Weisheit Überfluss, aus dem sie sind.

 

Hier singt nicht ein Mensch, sondern die Schöpfung als Ganzes. So wie ein Ton den Atem hörbar macht, lässt uns ihr Morgenlied Gottes schöpferischen Atem erlauschen. Christen glauben ja, dass die Welt ihren Ursprung in Gott hat und dass seine schöpferische Geistkraft alles mit Leben erfüllt. So kann ich Gott in der Schöpfung auch sinnenhaft erahnen: im morgendlichen Vogelgezwitscher, in den wärmenden Sonnenstrahlen, und in der frischen Luft.

Der Text zu diesem Lied stammt von dem evangelischen Pfarrer Jörg Zink. Vielen Älteren dürfte er als Wort-zum-Sonntag-Sprecher in der ARD noch gut bekannt sein. Als Melodie hat er dabei auf ein Tanzlied aus der Zeit der Renaissance zurückgegriffen:

Musik: Gastoldi: Alieta vita  (instrumental)

Dieses Madrigal von Gastoldi, das auch heute noch in vielen Chören gesungen wird, ist Lebensfreude pur: tanzen, springen, singen, lachen, sich draußen vergnügen und am Leben freuen. Das passt in den Wonnemonat Mai. Und diese Sinneslust greift Jörg Zink auf und verbindet sie mit dem Glauben an Gott.  „Du füllst mit Freude der Erden Weite, gehst zum Geleite an unsrer Seite.“ Gott tanzt mit uns in Luft und Wind.

Mir gefällt das. Und ich finde es wichtig, dass diese Leichtigkeit zum Glauben gehört. Nicht nur das Ernste und Schwere. Jörg Zink hat Beides gekannt. 1922 geboren und früh verwaist musste er als Soldat in den Zweiten Weltkrieg ziehen, wo er unmittelbar mit Tod und Zerstörung konfrontiert war. Von seinem ganzen Geschwader von 400 Mann haben nur er und zwei weitere Piloten überlebt.

Vielleicht haben auch diese Erfahrungen dazu beigetragen, dass Jörg Zink gelernt hat, das Leben zu schätzen. Nicht nur das menschliche Leben, sondern das Ganze der Schöpfung. Früh schon hat er sich – etwa auf Kirchentagen für die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. Auch politisch. Hat dafür sensibilisiert, dass die Natur und die Tiere ein Eigenleben und einen eigenen Wert haben – und nicht nur benutzt und oder gar ausgebeutet werden dürfen. Die lebendige Schöpfung war für ihn nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk von Gott, in dem wir seinen Segen erfahren. So heißt es in der zweiten Strophe:

Du hast das Leben allen gegeben;/ gib uns heute dein gutes Wort!

So geht dein Segen auf unsern Wegen,/ bis die Sonne sinkt, mit uns fort.

Du bist der Anfang, dem wir vertrauen;/ du bist das Ende, auf das wir schauen;/

was immer kommen mag, du bist uns nah./ Wir aber gehen von dir gesehen,/

in dir geborgen durch Nacht und Morgen/ und singen ewig dir. Halleluja!

 

Musik 2. Strophe „Dich rühmt der Morgen“

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