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SWR2 Lied zum Sonntag

03JUL2022
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Musik 1: 1. Strophe

Gott, der nach seinem Bilde aus Staub den Menschen macht,
hat euch seit je zur Freude einander zugedacht.
Er fügt euch nun zusammen, lässt Mann und Frau euch sein,
einander Wort und Treue, einander Brot und Wein.

Das Lied heute Morgen hat die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau zum Thema. Das ist schon etwas Besonderes für ein Kirchenlied. Der Text stammt von dem holländischen Dichterpfarrer Huub Osterhuis, dem wir viele moderne Kirchenlieder verdanken. Ein Lied wie gemacht für einen Traugottesdienst.

„Gott fügt euch jetzt zusammen“, so heißt es in dem Lied. Wenn ein Paar heiratet und sich gegenseitig die Treue verspricht, dann ist Gott mit von der Partie. So sieht das jedenfalls die Bibel.  Denn Gott hat uns Menschen als Beziehungswesen füreinander geschaffen. Darin sind wir Menschen Gott ähnlich, wir sind Abbild seines Wesens. Gott ist Liebe. Er ist in sich Beziehung und vereinigt in sich Männliches und Weibliches. Wenn zwei sich zueinander hingezogen fühlen und sich lustvoll begehren, wenn sie spüren: wir gehören zusammen und wollen unser Leben miteinander teilen – dann ist darin Gott zu entdecken.

Im Lied heißt es weiter: Ihr werdet „einander Wort und Treue, einander Brot und Wein.“  Osterhuis umschreibt damit die sakramentale Dimension der Ehe, die nach katholischem Verständnis ein Zeichen für Gottes Liebe zu den Menschen ist. Im Jawort , das das Paar sich ohne jede Einschränkung gibt, schwingt auch das Ja mit, das Gott zu jedem Menschen sagt.

Es berührt mich immer, wenn ich bei einer Trauung diesen feierlichen Moment des Jaworts erlebe, der mich an meine eigene Hochzeit erinnert – und an die vielen kleinen und großen Momente, wo sich dieses Wort mit Leben erfüllt hat. Liebe kann satt machen und den tiefen Hunger danach stillen, gewollt zu sein.

Musik 2: 2.Strophe

Und wie der Mensch die Antwort von Anfang an entbehrt,
solange er nicht Liebe des anderen erfährt,
so sollt auch ihr von nun an in nichts mehr ganz allein,
vereint an Leib und Herzen, einander Antwort sein.

Der Mensch ist sich selbst nicht genug. Er braucht ein Gegenüber. Es ist ein tiefes Glück, wenn wir „vereint an Leib und Herzen“ sind, wenn wir einen anderen Menschen gefunden haben, der uns entspricht. Wo ich spüren kann: Du verstehst mich. Dir kann ich mich zeigen, so wie ich bin. Solche Erfahrungen von Nähe und Intimität sind ein Geschenk, aber sie sind auch in einer Ehe nicht selbstverständlich. Es braucht immer wieder das Bemühen umeinander. Die Bereitschaft, sich ehrlich mitzuteilen und einander zuzuhören, einander Wort und Antwort sein – wie es in dem Lied heißt. Liebe verkümmert, wenn wir nicht miteinander im Dialog sind.

Ehe ist ein Weg, und Paare können die Herausforderungen dieses Weges eher meistern, wenn sie nicht allein unterwegs sind. Andere Menschen können wichtige Wegbegleiter sein. Und Gott, der die Menschen füreinander geschaffen hat, sagt ihnen zu, dass er bei ihnen ist und mit ihnen geht.

Musik 3: 3. Strophe

Und wie zu zwei und zweien der Mensch den Weg durchmisst,
wenn er zum Ende wandert und Gott ihm nahe ist,
so wird er bei euch bleiben im Leben und im Tod;
denn groß ist das Geheimnis, und er ist Wein und Brot.

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Musikquelle:

Gott der nach seinem Bilde GL 499
Text: Huub Osterhuis, Übersetzung :Nikolaus Greitemann und Peter Pawlowsky, Melodie: Melchior Teschner
Chor: (ehemalige) Studierende der Hochschule für Kirchenmusik Regensburg https://www.trau-dich-kirchlich.de/die-trauung/musik-fuer-die-trauung/chor

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35694