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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Durch ein starkes Gewitter auf freiem Feld soll sich Martin Luther von Gott überrumpelt gefühlt haben. Dass er bewahrt blieb, veranlasste ihn zu dem Gelübde Mönch zu werden.

Zu jener Zeit verstanden die Menschen Naturereignisse oft als Reden Gottes. Heute wissen wir, Gewitter, entstehen wenn kalte und warme Luftmassen aufeinanderstoßen. Es baut sich eine Spannung auf, die sich im Blitz mit folgendem Donner entlädt. Mit Gott hat das zunächst nichts zu tun. Geschweige denn, dass Gott dadurch redet.

Für viele Phänomene, die die Menschen früher für ein direktes Einwirken Gottes hielten, haben die Wissenschaftler natürliche Erklärungen gefunden. Gott war also immer weniger nötig, um sich Unerklärliches zu erklären.

Und so meinen viele, dass mit fortschreitender Wissenschaft irgendwann nichts Unerklärliches mehr übrig bleibt und Gott dann wegerklärt ist. Schließlich verdoppelt sich das Wissen der Menschheit alle paar Jahre.

War Gott also nur ein Lückenbüßer für unser Nichtwissen? Oder ist es umgekehrt? Wenn unser Wissen sich immer schneller vermehrt, heißt das doch, dass das Nichtwissen viel größer ist als wir dachten. Konkret, wenn die Wissenschaftler ein Rätsel gelöst haben, stehen sie sofort vor einer Vielzahl neuer ungelöster Fragen. Somit vermehrt sich im Grunde das Nichtwissen in viel größerem Maße als das Wissen. Und je mehr wir wissen desto stärker ahnen wir, wie unerschöpflich das Meer des Wissens ist. Die Lücken unseres Wissens werden in Wirklichkeit nicht kleiner sondern größer.

Heute setzen wir Gott nicht wieder als Lückenbüßer ein. Eher fürchten wir uns bedroht durch die sogenannte künstliche Intelligenz der Computertechnik.

Dabei könnten uns die maßlosen Lücken unseres Wissens etwas bescheidener und zugleich vertrauensvoller machen. Sie können uns ahnen lassen, dass nur einer vollkommenes Wissen haben kann. Von Gott heißt es in der Bibel: Er zählt die Zahl der Sterne und nennt sie alle mit Namen. Groß ist unser Herr und reich an Macht; Sein Verstand ist unermesslich.

Der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg fasste es so zusammen:
„Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott“. Darauf könnte man anstoßen. Und ich sage nur „zum Wohl“.

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„Ich meine es heute gut mit dir!“ – das war lange Zeit das erste, was ich morgens zu sehen bekommen habe. Ich hatte mir einen Zettel an den Badezimmerspiegel gehängt: Ich meine es heute gut mit dir! Und darunter stand auch, wer es sagt: Gott.

Ich wollte mir damit auf die Sprünge helfen und die richtige Einstellung für den Tag gewinnen. Gar nicht so selten starte ich nämlich mit Gedanken, die die Stimmung schon morgens dämpfen. Und vor lauter düsteren Erwartungen würde ich am liebsten gleich wieder ins Bett gehen

Es gibt immer mal wieder Menschen, die es tatsächlich nicht gut mit mir meinen. Und ich erlebe Stresssituationen, wo ich mich frage: muss ich mir das antun? Aber mit einem hängenden Kopf in den Tag zu gehen, macht ihn nicht besser.
Darum habe ich mir den Zettel geschrieben. Er sollte mich daran erinnern, dass Gott da ist. Und dass er, der die Übersicht hat, es wirklich gut mit mir meint.

Bereits vor über zweieinhalb tausend Jahren hat Gott durch den Propheten Jeremia seinem Volk Israel zugesagt: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch Zukunft und Hoffnung gebe. Damals befanden sich die Juden in der Verbannung und die Aussichten waren eher düster. Hätte Gott nicht vieles verhindern und dem Volk ersparen können?

Auch ich meine manchmal zu wissen, was Gott alles hätte besser machen können. Und ich würde ihm viel leichter vertrauen, wenn er meine Erwartungen mehr erfüllen würde. Um meine Skepsis und das, was ich oft unnötig befürchte in Schach zu halten, lasse ich mich an die Zusage Gottes erinnern: Ich meine es heute gut mit dir.

Also wenn Gott es wirklich gut meint, was kann dann letztlich schief gehen? Die Befürchtung, dass etwas schief geht, oder ein Ohnmachtsgefühl, ist es ja oft, was einem so leicht den Tag vermiest.

Im zweiten Teil der Bibel heißt es: Wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein? Wer Gott an seiner Seite haben will, kann sich auf seine Seite stellen indem er der Zusage vertraut: Ich meine es heute gut mit dir.

Das eröffnet einen neuen Horizont. Es hält die Zuversicht wach, dass dieser Tag, und nicht nur dieser, ein gutes Ende nimmt. Darum der Zettel an meinem Badezimmerspiegel mit dem Gruß von Gott: Ich meine es heute gut mit dir!

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Sonntagmorgen. Stopp vor einer roten Ampel auf der Höhe eines Nachtclubs. Dort rechts stehen um diese Zeit Gestalten, denen ich ansehe, dass sie die Nacht durchgemacht haben. Dazu noch Securityleute in schwarz. Wobei ich mich in deren Gegenwart wohl auch nicht sicherer fühlen würde. Sie wirken nicht gerade Vertrauen einflößend. Neben mir sitzt unsere erwachsene Tochter. Sie ist durch das Down-Syndrom behindert.

Mein Blick ist auf die Ampel gerichtet und wartet auf grün. Doch auf einmal bemerke ich rechts bei den Leuten Bewegung. Als ich hinüberschaue traue ich meinen Augen nicht. Aus offenen Gesichtern kommt ein freundliches Lächeln herüber. Dazu wird gewunken als hätten sich alte Bekannte wiedergetroffen. Ich schaue meine Tochter an. Sie grinst. Hast du denen gewunken, frage ich sie. Ja. Jetzt ist mir alles klar.

Sie hat es mal wieder geschafft. Kontakt herstellen, das Eis brechen, die Stimmung aufheitern. Mit einem Lachen und einem Winken. Sie verschenkt es anderen einfach von Herzen und ist völlig frei von Vorurteilen oder Befürchtungen.

Und die Reaktion dieser Partylöwen überrascht selbst mich, der ich ja schon manche Überraschung mit unserer Tochter erlebt habe. Diese verkaterten Typen so aus der Reserve zu locken, dass sie ein Maß an Freundlichkeit an den Tag legen, das ich ihnen niemals zugetraut hätte.

Sie wurden anders behandelt als sie es erwartet haben. Und sie haben anders reagiert als ich es erwartet habe. Der Apostel Paulus schreibt einmal: Eure Freundlichkeit lasst alle Menschen spüren. Und der Volksmund sagt, so wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

Menschen verhalten sich anders und können sich verändern, wenn man ihnen mit einer unbeschwerten Freundlichkeit begegnet. Dann fühlen sie sich frei von Vorurteilen oder Unterstellungen. Sie brauchen nichts zu befürchten und sich nicht mehr so zu schützen.

Freundlichkeit breit und unbegrenzt zu verteilen zeigt Wirkung. Meine Tochter hat so gehandelt, dass alle an diesem Sonntagmorgen etwas von Gottes Güte spüren konnten. Darum möchte ich von meiner behinderten Tochter lernen, unbefangener und großzügiger Freundlichkeit zu verschenken. Auch an die, bei denen ich vielleicht gar nicht mit einer freundlichen Reaktion rechne. Es warten dann sicher noch manche Überraschungen.

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Ich mag die Schwaben. Doch wirklich. Ich lebe ja auch schon seit vielen Jahren im Schwabenland. Aber eines finde ich überhaupt nicht gut, wenn die Schwaben sagen: „Nich gebruddelt is genug gelobt“.

Ich hatte einen Chef, der kam morgens ins Büro und sagte: „Dies oder jenes ist ja richtig gut gelaufen… Aber…“, es kam immer ein dickes Aber hinterher. Wenn er ins Zimmer kam, dann habe ich das Lob meist gar nicht richtig gehört – ich habe immer auf dieses Aber gewartet, denn dieses Aber hat alles Lob platt gemacht.

So richtig aufgefallen ist mir das erst, als ich einen neuen Chef bekam, einen echten Ostfriesen. Der kam auch morgens ins Büro. Er hat mich nicht immer gelobt, aber wenn, dann kam ein dickes, breites Lob – und schon war die Tür wieder zu! Ich saß dann da und starte die Türe an: hatte er nicht was vergessen? Kein Aber? Wie gesagt, er hat nicht nur gelobt – das kann ja auch nicht sein. Aber wenn er gelobt hat, dann richtig. Ohne dieses dumme Aber.

Heute ertappe ich mich selbst dabei, wie ich immer wieder ein Lob mit einem Aber versehe und es damit gleich wieder ein ganzes Stück zurücknehme. Dabei weiß ich doch, wie gut es mir tut, wenn mich jemand ehrlich lobt.

Im Buch Prediger, in der Bibel heißt es: „Alles Ding hat seine Zeit“ und dann kommt eine ganze Reihe von Dingen, die alle ihre Zeit haben. Es gibt die Zeit, wo ich einen Menschen einfach mal loben kann. Ohne ein Aber anzuhängen. Ein andermal kann ich auch sagen, was mir nicht gefällt. Aber alles Ding hat seine Zeit: Zeit zum Loben und Zeit zum Kritisieren. Ich muss nicht immer alles miteinander vermischen: etwas Lob und etwas Kritik – das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.

So überschwänglich wie mein ostfriesischer Chef, werde ich das mit dem Loben wahrscheinlich nie hinbekommen. Aber ich versuche wenigstens, dieses dumme „Aber“ immer öfter wegzulassen. Wenn ich jemanden lobe, dann richtig und ohne Aber.

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Wie wird man eigentlich glücklich? Dazu gibt es unendlich viele Bücher und Ratschläge. Das eine oder andere Buch habe ich auch schon in die Hand genommen, aber jedes Mal denke ich: Es hat noch keiner hat einen Weg gefunden, der wirklich und für jeden funktioniert.“ Liegt das vielleicht daran, dass es gar nicht funktionieren kann, mich selbst glücklich zu machen?

Ist das nicht genau so, als wenn ich im Bett liege und versuche einzuschlafen? Je mehr ich das versuche, desto weniger funktioniert es. Da hat ja jeder so seine Tricks, die mehr oder weniger funktionieren. Allen gemein ist sicher, dass wir das Einschlafen nicht erzwingen können.

Auch das Glücklichsein kann ich nicht erzwingen. Vielleicht muss ich es wirklich ganz anders anpacken? Genau das schlägt ein Mönch unserer Tage vor, wenn er sagt: „Wer dankbar ist, der kann nicht unglücklich sein“. David Steindl-Rast, so heißt der Mönch, ist der Meinung, dass wir dem Glücklichsein gar nicht nachzulaufen brauchen. Wir sollten stattdessen anfangen, dankbar zu sein, denn: „Wer dankbar ist, der kann gar nicht unglücklich sein.“

Aber wofür sollte ich dankbar sein? Heute, jetzt? Für die Menschen, die es mit mir aushalten? Für meine - mehr oder weniger – Gesundheit? Ich selber versuche, jeden Morgen mit einem Gebet zu beginnen: Kurz die Augen schließen, innenhalten und Gott danken für diesen Tag der vor mir liegt. Für all die Menschen die mir begegnen und die Situationen, die ich erleben werde. Manchmal sage ich Gott auch nur ganz einfach: „Danke. Danke, dass du mich begleitest, dass du bei mir bist.“

Das ist für mich ein kleiner Anfang von Dankbarkeit. Meist fällt es mir dann auch leichter, im Laufe des Tages anderen Danke zu sagen oder dankbar wahrzunehmen, was sie für mich tun. In solchen Momenten spüre ich, dass dieser Mönch Recht hat: „Wer dankbar ist, der kann nicht unglücklich sein.“

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Jetzt musste ich mir doch eine neue Taschenlampe kaufen. Leider, denn meine alte Taschenlampe war auf einmal weg. Na, ja. Taschenlampen gibt es ja wie Sand am Meer. Dachte ich. Aber in der richtigen Größe mit einem simplen Ein- und Ausschalter? Fünf Funktionen haben die neuen Lampen inzwischen und wenn man nicht aufpasst, dann blinkt die Taschenlampe SOS statt den Weg zu beleuchten.

Warum muss eine simple Taschenlampe so kompliziert sein? Ich habe nichts gegen moderne Technik und kenne mich mit meinem Handy ganz gut aus. Aber es nervt, wenn man schon für eine Taschenlampe eine Bedienungsanleitung brauch.

Ich muss dabei an einen Satz denken, den Jesus mal gesagt hat: „Eure Rede sei Ja, Ja oder Nein, Nein, alles Weitere ist von übel.“ So wünsche ich mir meine Welt. Einfach und klar. Dabei klappt das ja nicht einmal bei mir selbst! Wie oft sage ich jemanden „ja. Vielleicht“ – und bin mir fast sicher, dass ich das nicht machen werde. Oder: „mal sehen“, obwohl ich eigentlich besser gleich nein sagen sollte? Wie oft stimme ich einem Vorschlag zu, obwohl ich es nur sehr halbherzig tue?

Oft mache ich das aus Höflichkeit - ich will ja niemanden weh tun. Aber am Ende ist es einfach nur unehrlich. Lieber mal ein klares: Nein. Als immer dieses drum-herum-eiern um eine ehrliche Antwort.

Aber Gott sei Dank, kennen auch Menschen, die Ja sagen und Ja meinen oder Nein sagen und dann auch dazu stehen. Was mir an ihnen schon aufgefallen ist: Sie lassen sich mit ihrer Antwort Zeit. Sie sagen: „Du, das muss ich mir erst mal überlegen“, oder „ich weiß nicht, das bespreche ich erst mit meiner Frau“. Als Fragesteller ist man dann im Moment enttäuscht, dass man nicht gleich eine Antwort bekommt. Aber eigentlich ist es viel besser so, denn auf die spätere Antwort kann ich mich dann auch verlassen. Sich etwas Zeit lassen mit meiner Antwort, nochmals darüber nachdenken, eine Nacht darüber schlafen. Das ist vielleicht wirklich besser.

An meine neue Taschenlampe habe ich mich inzwischen gewöhnt. Ist doch gar nicht so kompliziert. An das klare Ja, Ja und Nein, Nein im Umgang mit Anderen muss ich mich noch mehr gewöhnen.

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