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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich bin begeistert davon, wie offen Jesus Seine Karten auf den Tisch legt, wenn es um mein Christsein geht. Jesus wirbt nicht mit Lockvogel-Angeboten für sich, auf die man hereinfällt. Immer wieder soll ich kaufen, um zu sparen. Vor einigen Monaten brauchten wir eine neue Spülmaschine. Wir verglichen die Preise. Meine Bedingung für den Kauf der neuen Maschine war: Bringen, Aufstellen und Anschließen des Neugeräts sowie Ausbau und Mitnahme des defekten. Mit diesen Bedingungen war das eine Angebot gar nicht mehr so günstig. Mit dem günstigen Preis sollte ich zum Kauf verleitet werden – die Folgekosten wären später angefallen. So ist es: Meist ist es zu anstrengend, sich vorher genau zu informieren oder das Kleingedruckte zu lesen. Dann greift man zu … und hat sich vergriffen.
Nicht so, wenn Jesus mich dazu einlädt, mein Leben an Seiner Seite zu gestalten. Er macht klar: „Ich lade dich ein, mein Jünger zu werden. Du darfst dein Leben zusammen mit mir gestalten.“ Jesus jedoch sagt Seinen Nachfolgern, also Followern auch: „Wenn du mein/e Nachfolger/in wirst, hat das Konsequenzen: Du gehörst ab jetzt zu Mir. Du wirst dein Kreuz auf dich nehmen. Und wenn du dein Leben retten willst, wirst du es verlieren. Wenn du es für mich einsetzt, wirst du es gewinnen!“
Dies könnte bedeuten, dass mein Leben als „Jesu Follower“ nicht unbedingt luftig, locker und leicht daherkommt, wie es manch Werbeagentur „verkaufen, bewerben“ würde. Vielleicht wird mein Leben als Christ sogar zunächst schwieriger, weil ich meinen Lebensstil umstellen müsste. Natürlich würde auch die Gemeinde oder Kirche eine Rolle spielen. Ich will mein Leben in Verantwortung vor Jesus führen. Jesu Gebot, „Gott, sich selbst und den Nächsten zu lieben“ wird wichtig. Wer liebt, nimmt Rücksicht: auf Gott und Seine Schöpfung ebenso wie auf sich selbst und seine Mitmenschen. Ich werde meine Freiheit von der Freiheit meines Nächsten begrenzen lassen. All das ändert sich, sobald ich ein Christ, ein „Follower Jesu“ würde.
Aber ich weiß auch: Jesus, dem ich mich anvertraue, nimmt mich nie aus, gibt meine Daten nicht an Dritte weiter. Sondern dieser Jesus von Nazareth achtet darauf, dass mein Leben gelingt und ich am Ende dankbar auf meine Lebenszeit zurückschauen darf. Von dieser Hoffnung lebe ich – und ich weiß: Jesus lädt jeden Menschen zu dieser Hoffnung ein.

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Guten Morgen. Ich liebe es, wie Jesus mit seinen Mitarbeitern umgeht. Jesus war in seiner Heimat „bekannt wie ein bunter Hund". Er war in Galiläa zu Fuß unterwegs. Kreuzte er in den Orten mit seiner Jüngerschar auf, war ihm Aufmerksamkeit sicher. So war Jesus für seine Zeit in diesem begrenzten Bereich nicht nur ein B-, sondern ein A-Promi. Er war ein „Megastar". Doch so wie Er sich verhielt, bildeten sich auch rasch bestimmte Ansichten über ihn. Denn Jesus ging ja nicht von Ort zu Ort und sagte: „Gestatten, von Nazareth, Jesus von Nazareth!" Er zog auch nicht los, um Randale zu machen oder um alle Menschen zu heilen. Sondern Er lebte mit Seinen Zeitgenossen! Da, wo man Ihm zuhören oder sich jemand von Ihm heilen lassen wollte, sprach Er mit den Menschen oder brachte das Leben eines anderen zurecht.
Aber Jesus war auch neugierig. Er wollte wissen: „Was denken die Leute über mich?" Jesus fragte seine Begleiter und diese antworteten: „Die Leute halten dich für eine Kopie von Johannes dem Täufer. Andere halten dich für den Wiedergänger des Elia und wieder andere sehen in dir einen Propheten, einen, der die Gegenwart deutet und im Namen Gottes kritisch zur Sprache bringt..."
Jesus war mit diesen Antworten nicht unbedingt zufrieden. So fragt er Seine Begleiter: „Wer bin ich in euren Augen?" Da antwortete einer aus diesem Kreis: „Du bist der Christus!" Das war eine steile Ansage, denn der „Christus" war ein von Gott gesandter Mensch. Dieser sollte die Verhältnisse in Israel ändern und die Menschen neu mit dem Willen Gottes vertraut machen. So hoch hatte noch niemand gegriffen, um Jesu Wirken zu beschreiben. Jesus ließ sich diese Äußerung gefallen und stellte sie nicht in Abrede. Aber Jesus nutzt seine Prominenz nicht so, dass Er sich selbst bereichert. Er will nicht für sich selbst einen guten Schnitt machen. Sondern Er will helfen. Dabei weiß er genau, dass ihn Seine Prominenz sogar das Leben kosten wird, weil es auch Menschen gibt, die Sein Auftreten nicht mögen und gutheißen.
Obwohl Jesus dies weiß, bleibt Er Seiner Linie treu. Er setzt sich für Seine Mitmenschen ein. Er hilft ihnen, heilt sie, bringt sie zurecht. Er ist nicht auf seinen Vorteil bedacht, sondern darauf, dass die Menschen, die Ihm vertrauen, wieder mit ihrem Leben zurechtkommen. Mich begeistert diese Form der Prominenz. Ich freue mich darüber, dass selbst ich heute noch darauf hoffen darf, dass Jesus mir dabei hilft, mit meinem Leben zurechtzukommen. Er lässt mich nicht allein dahin wurschteln, sondern fragt mich als Sohn Gottes, ob Er mir in meinem Leben helfen darf. Diese Frage steht im Raum - und jede/r darf für sich die tragfähige Antwort finden.

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Guten Morgen. Ich liebe es, wie Jesus mit den Menschen umgeht, die nicht richtig sehen können. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich finde mich ohne Brille kaum noch zurecht. Ich bewege mich zwar in meiner gewohnten Umgebung noch einigermaßen sicher und finde auch noch ohne Brille ins Bad. Aber sobald ich etwas genauer anschaue oder die Zeitung beim Frühstück lesen möchte, brauche ich meine Sehhilfe. Und es tut nicht mehr nur die „normale Brille", sondern ich brauche eine mit Gleitsichtgläsern. Nur mit dieser gelingt es mir, sowohl gut in die Ferne zu schauen als auch im Nahbereich die Zeitung zu lesen.
Doch zurück zu Jesus. Jesus traf im Lauf seines Erdenlebens ebenfalls Menschen, die nicht recht sehen konnten. Davon berichtet das Neue Testament. Einmal wurde ein solcher Mensch zu Ihm gebracht. Damit war die Bitte verbunden, dass Jesus diesen Menschen anrühren möge. Jesus tut dies - jedoch nicht vor den Augen all derer, die ein Wunder erleben wollten, sondern: Er nimmt ihn ein wenig zur Seite. Dort macht er einen Feuchtverband, streicht ihm diesen auf die Augen, legt dann seine Finger auf dessen Augen und fragt: „Siehst du was?" Der so Gefragte antwortet: „Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen!"
Jesus bessert nach. Danach kann er wieder deutlich sehen. Dieses Ergebnis begeistert mich. Deshalb liebe ich es, wie Jesus mit Menschen umgeht, die nicht richtig sehen können. Denn oftmals habe ich den Eindruck, dass Menschen alles Mögliche tun, um die Wirklichkeit nicht so wahrzunehmen, wie sie ist. Man betäubt seine Wahrnehmung oder redet Problematisches schön. „Es wird alles schon nicht so schlimm werden", heißt es. Mit solchen Sätzen will man scheinbar elegant eine ungute Situation umfahren. Die harte Realität wird ausgeblendet, weil man sie nicht ertragen könnte.
Da freue ich mich über Jesu Verhalten. Er legt bewusst Seine Finger in die offenen Wunden und auf die kranken Stellen. Aber wenn Jesus Seine Finger in meine Wunden legt, hat Er nur ein Ziel: Er möchte, dass ich geheilt werde.
Und Heilung kann schon damit zu tun haben, dass ich endlich beginne, mein Leben so wahrzunehmen, wie es ist: mit all seiner Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit, mit all seinen Schwierigkeiten; aber auch mit all seinen schönen Momenten und Ereignissen. Doch wenn ich meine Gegenwart klarer, weniger rosarot sehe, werde ich mir helfen lassen - von Jesus oder von anderen Menschen. Hilfe zu erhalten, die die Not wendet, tut nämlich gut!

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Guten Morgen
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Glück und Unglück? Ist das immer so einfach zu unterscheiden? Ich habe da so meine Zweifel, denn oft sehen wir nur einen einzigen Moment und nicht das Ganze - so wie in dieser alten Geschichte:
Es war einmal ein Bauer, der hatte nur ein einziges Pferd und das lief ihm eines Tages weg. Seine Nachbarn klagten: „So ein Unglück. Der arme Mann." Der Bauer aber sagte: „Wer weiß, ob es ein Unglück ist?"
Als einige Tage später das Pferd durch das Hoftor trabte, brachte es ein Wildpferd mit - da hatte der Bauer auf einmal zwei Pferde. „Was für ein Glück", riefen alle Nachbarn. Aber der Bauer sagte nur: „Wer weiß, ob es ein Glück ist?"
Am nächsten Tag wollte der Sohn des Bauern das Wildpferd einreiten. Doch er fiel runter und brach sich ein Bein. Wieder kamen alle Nachbarn und meinten: „So ein Unglück, nein!" Doch der Bauer sagte nur: „Wer weiß, ob es ein Unglück ist?"
In dem Land brach ein Krieg aus. Und alle jungen Männer mussten zur Armee. Nur der Sohn des Bauern nicht, weil der sich ja ein Bein gebrochen hatte. Und wieder kamen alle Nachbarn und freuten sich mit ihm: „So ein Glück!" Aber der Bauer sagte wieder nur: „Wer weiß, ob es ein Glück ist?"
Da endet die Geschichte, an der so viel Wahres ist:  So manches, was uns im Moment als großes Glück erscheint, ist es gar nicht. Und anderes, das uns zunächst als Unglück erscheint, entwickelt sich später ganz anders.
Eine ältere Dame aus meiner Kirchengemeinde hat das ganz ähnlich erlebt. Sie hatte wirklich kein leichtes Leben. Ich würde sagen, ein Unglück jagte das andere. Aber trotzdem hat sie eine unglaubliche Ausstrahlung: Sie ist mit ihrem Leben zufrieden, scheint einfach glücklich zu sein.
Ich habe sie danach gefragt und sie meinte nur: „Man muss Gott immer dankbar sein". Die schweren Zeiten in ihrem Leben, so sagt sie, „waren schwer, aber ich habe sie ertragen, weil ich sie aus Gottes Hand genommen habe, gerade die Dinge, die ich nicht begreifen konnte. Glücklich wird man nicht, wenn alles im Leben glatt läuft. Glücklich wird man, wenn man in schweren Zeiten seine Lebenssituation annehmen kann."
Ich bewundere diese alte Dame. Und dieses tiefe Gottvertrauen nehme ich ihr ab. Es sei gewachsen, erklärt sie mir, aber sie habe immer wieder darum ringen müssen, auch das Unglück aus Gottes Hand anzunehmen.
Man kann ein solches Verhalten als naiv bezeichnen. Aber ich denke, diese Dame hat in ihrem Leben erlebt, was Psalm 23 so plastisch ausdrückt: „Und muss ich auch durchs finstere Tal - ich fürchte kein Unheil! Du, Herr, bist ja bei mir; du schützt mich und du führst mich, das macht mir Mut."

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Guten Morgen
Glück kann verdammt gefährlich sein - sagt Mary Thomson, die vor einigen Jahren riesiges Glück hatte: Sie gewann in England den Jackpot mit über 5 Millionen Pfund! Heute sagt sie: „Das war der schwärzeste Tag meines Lebens. Mein Mann hat sich das Leben genommen und meine Kinder prozessieren mit mir wegen dem Geld. Seit diesem Tag ist alles schiefgegangen, ich wünschte, ich hätte diesen Lottoschein nie ausgefüllt."
Glück als Gefahr? Mary Thomson sagt: „das war der schwärzeste Tag meines Lebens". Das Geld hat ihr Leben und das ihrer ganzen Familie zunichte gemacht.
Dabei würden die meisten Menschen sicher sagen: „Das kann mir nicht passieren. Im Geld zu schwimmen - was kann es Schöneres geben?"
Das Problem ist nicht, Geld zu haben, sondern: welche Rolle es in meinem Leben spielt. Im Leben von Mary Thomson und ihrer Familie wurde Geld auf einmal wichtiger als alles andere - und hat so alles zerstört.
Vielleicht liegt das daran, dass wir den gefährlichen Sog des Geldes unterschätzen, das leicht zum Wichtigsten in einem Leben werden kann. Dann aber wird es gefährlich - so wie bei Mary Thomson.
Ich muss an ein Wort von Jesus Christus denken. Der hat einmal gesagt: „Wer sein Leben gewinnen will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen."
„Das Leben gewinnen wollen" - meint das nicht diese endlose Jagd nach immer mehr Geld, Erfolg und Ansehen? Wer so durch sein Leben jagt, der wird sein Leben verlieren.
Es bleibt einfach keine Zeit mehr für die Menschen um einen herum. Viel zu viele Beziehungen sind schon zerbrochen, weil alle Zeit und Kraft für Arbeit und Karriere draufging.
„Mein Leben um seinetwillen zu verlieren", ist ein kleines Wortspiel: Auf der Suche nach Glück zählt bei uns meist nur das ganz große Ziel: der 5 Millionen-Jackpot, der Traumpartner, die ganz große Karriere.
Bei Jesus ist das Leben aber mehr als ein Wettlauf.
Wer immer nur der Jackpot hinterherjagt, der wird das Glück in seinem Leben leicht verlieren.
Es sind meist die kleinen Dinge, die ich dann übersehe, die aber so wichtig sind für unser Glück. Wenn ich zum Beispiel teile, statt alles für mich alleine zu behalten, dann erlebe ich auf einmal diesen kleinen Glücksmoment, über meinen eigenen Schatten gesprungen zu sein.
Oder, wenn ich mich für meine Beziehung entscheide, statt für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. OK, das mag auf den ersten Blick als Verlust erscheinen. Aber entscheidend ist, was am Ende bleibt. Wir alle wollen glücklich sein, aber braucht es dazu wirklich den Jackpot?
Glücklich wird meist nicht, wer atemlos dem ganz großen Ziel nachjagt.
Unser Glück ist uns oftmals näher als wir es meinen: Es sind die Menschen in meinem Leben. Es sind die kleinen, unscheinbaren Dinge und Gesten, die mich Stück für Stück glücklicher machen.

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Guten Morgen
Putzen macht glücklich! Doch, ganz ehrlich, habe ich jetzt erst in der Zeitung gelesen: Fensterputzen macht glücklich - so haben es Wissenschaftler herausgefunden.
Glücklich werden wir, wenn wir endlich etwas fertig bekommen, was wir schon lange vor uns herschieben - wie zum Beispiel Fensterputzen.
Sind Fensterputzer dann die glücklichsten Menschen? Nicht unbedingt. Aber vielleicht hat jeder von uns so seine dreckigen Scheiben im Leben, Dinge, die wir schon viel zu lange vor uns herschieben und die uns zu schaffen machen. Dinge, die unserem Glück irgendwie im Wege stehen.
Ich muss an ein Wort von Jesus Christus denken. Ich habe es lange nicht verstanden, bis mir jemand erklärte, dass er sehr viel mit unserer Suche nach Glück zu tun hat.
Jesus sagt: "Wer mir nachfolgen will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen".
Anscheinend gab es zurzeit Jesu viele Menschen, die leben wollten wie er. Für sie war seine Art zu Leben der Inbegriff eines befreiten und glücklichen Lebens. Auf seinen Spuren wollten sie wandeln, glücklich und befreit  - aber wie?
Drei Dinge, sagt Jesus, machen unser Leben glücklich: Erstens: „Du brauchst dich nicht immer in den Mittelpunkt zu stellen".
Es ist es total anstrengend, wenn ich mich selbst immer ins beste Licht rücken muss.
Warum muss ich das? Jesus macht mir Mut, ehrlich mit mir selbst umzugehen. Ich bin auch so ein wertvoller Mensch.
Zweitens: „Du musst dein Kreuz auf dich nehmen". OK, das hat auf den ersten Blick nicht viel mit Glück zu tun. Aber ist meine Lebenssituation nicht oftmals wie ein Kreuz, das ich nicht einfach abschütteln kann?
Selbst wenn ich will - ich kann mein Leben nicht einfach ändern. Jesus sagt: Nimm es zunächst einmal an. Aber brich unter diesem Kreuz nicht zusammen, sondern nimm es auf deine Schultern.
Und dann: Bleibe in deinem Leben nicht stehen. „Nimm dein Kreuz und dann folge mir nach", sagt Jesus. Du kannst dein Leben nicht von heute auf Morgen völlig ändern, aber du wirst glücklich, wenn du nicht stehen bleibst."
Ich kann mich jeden Tag über meine dreckigen Fensterscheiben ärgern. Oder, ich fange heute an, eine Scheibe nach der anderen zu putzen.
Und ich kann mir schon jetzt vorstellen, wie ich mich fühle, wenn ich dann durch saubere Fenster blicke: einfach etwas glücklicher.

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