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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wie kann ich Gott begegnen? Manche Menschen denken, sie müssten sich auf die Suche nach Gott machen, um ihn zu finden. Das ist natürlich auch o.k, denn ich meine schon, dass in uns eine Sehnsucht nach Gott, nach unserem Schöpfer, nach unserer Herkunft angelegt ist. Und Gott sagt ja auch in der Bibel: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, dann will ich mich von euch finden lassen. (Jeremia 29,13f)
Aber meine Erfahrung ist, dass die Hauptbewegung bei der Begegnung von Gott und mir von ihm ausgeht. Er sucht nach mir und möchte mich berühren. So, wie er in der Bibel einen Mose gesucht und berührt hat
Aber weil wir unterschiedliche Menschen sind, berührt er uns auch auf unterschiedliche Weise. Eine dieser Zugangsweisen Gottes zu uns läuft über das Gefühl. Ich habe das zu verschiedenen Gelegenheiten erlebt. Zuletzt beim Gospelkirchentag in Karlsruhe vor ein paar Wochen. Da habe ich bei vielen Gospelchören gespürt, mit welcher Leidenschaft, Professionalität und Ehrlichkeit sie singen. Und plötzlich fing mein Herz an, mitzuschwingen. Es zog so eine fröhliche Leichtigkeit ein. Meine Füße konnten nicht anders als mitzuwippen. Und mein Mund hat die Lieder mitgesungen, die er kannte.
Meine Gefühle werden ganz oft durch Musik berührt. Das kann aber auch bei Jazz sein oder bei Klassik wie z.B. dem große Halleluja aus Händels „Messias", oder dem Schluss-Chor aus Haydns „Schöpfung".
Die Musik bringt etwas in mir zum Klingen. Und oft habe ich den Eindruck, dass auch Gott mich durch Musik berührt. Manchmal hat mich Gott auch schon in meinem Gefühl berührt, indem er mich zum Weinen gebracht hat - mal bei einem Vortrag, mal bei einem Abendmahl, mal bei Fotos in einer Power-Point-Präsentation. Oder er hat mich angerührt, wenn ich sehr traurig war.
Meine Erfahrung ist, Gott berührt unser Gefühl dort, wo wir empfänglich sind.
Wenn Sie also ein Gefühlstyp sind, dann spüren Sie doch einfach mal hin, ob da nicht Gott in Ihrem Gefühl etwas zum Klingen bringt! Sei es Freude oder Trost oder Verliebtsein oder was auch immer.
Ich bin überzeugt, er kann sich Ihnen zeigen.

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Wie kann ich Gott erfahren? Oder andersrum gefragt: Wie begegnet mir Gott? Viele Leute suchen nach  ihm. Aber gerade dabei geht man leicht an ihm vorbei.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott nach mir sucht. Dass Gott die Initiative ergreift und mit mir in Beziehung kommen will. Mich berühren will. Und das sieht für jeden anders aus.
Ich glaube, weil Gott uns Menschen unterschiedlich geschaffen hat, geht er auch unterschiedliche Zugangswege zu uns. Einer davon ist z.B. über den Verstand.
Mir geht es z.B. so, dass Gott mir begegnet, wenn ich Bücher lese. Oft, wenn ich in der Bibel lese. Dann wird mir etwas über Gott klar. Dann beginnen die Worte lebendig zu werden. Weil sie etwas mit meinem Leben zu tun haben. Dann fällt mir etwas auf und beginne mehr von Gott zu verstehen. Oder von dem, wie er sich unser Leben vorgestellt hat. Oft sind es auch andere Bücher. Vor zwei, drei Jahren habe ich wieder mehr begonnen, Romane zu lesen. Und die müssen gar nicht mal unbedingt fromm sein, wie z.B. „Die Hütte", die ich gerade angefangen habe. Auch bei ganz normaler Belletristik geht es mir manchmal so, dass mir da plötzlich was von Gottes Wesen aufgeht.
Vor anderthalb Jahren habe ich mal eine Begegnung mit Gott bei einer Podiumsdiskussion gehabt. Da hat eine Kollegin ein paar kluge Dinge gesagt. Und ich hatte den Eindruck: Ja, durch sie hat mir Gott etwas deutlicher und klarer vor Augen gestellt.
Überhaupt, finde ich, sind Diskussionen oder Gespräche gute Möglichkeiten, dass Gott mir über den Verstand begegnet. Ich gehe oft ohne fertige Meinung in Diskussionen. Das heißt: meine Meinung entsteht, indem ich zuhöre und abwäge, sie mit eigenen Erfahrungen und Überlegungen in Verbindung bringe. Dann erst merke ich im Gespräch mit anderen, was ich wirklich dazu denke und gut und richtig finde. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass Gott mir durch Gesprächbeiträge von anderen zu einer weisen Erkenntnis verhilft.
Wenn Sie eher ein Verstandestyp sind, dann hören Sie demnächst doch mal genauer hin, ob Sie Gott  nicht in einem Gespräch reden hören. Oder vielleicht springt Sie ja ein Satz oder eine Passage in einem Buch an.
Manchmal begegnet Gott einem über den Verstand. Oft im Gespräch mit anderen. Und der andere kann auch ein Buch sein oder eine Zeitung. Davon bin ich überzeugt.

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„Wie soll ich wissen, ob es Gott gibt. Ich habe ihn noch nie persönlich erfahren", hat mir vor ein paar Wochen jemand im Gespräch gesagt. „Er hat sich mir noch nicht gezeigt."
Ich kann mir vorstellen, dass es vielen ähnlich geht. Trotzdem glaube ich, dass Gott sich auf irgendeine Weise zu erkennen gibt. Nur so kann Glauben entstehen. Ich kann den Glauben in mir nicht selber machen. Ich bin überzeugt, der Glaube an Gott ist vor allem etwas, was von Gott selber ausgeht. Wenn jemand zum Glauben an Gott findet, dann bewirkt das Gott selbst.
Und weil wir Menschen unterschiedlich sind, ist meine Erfahrung, dass Gott auch unterschiedliche Zugangsweisen zu Menschen sucht.
Eine Art, sich Menschen zu zeigen ist zum Beispiel über die Sinne. Wenn ich an der Nordsee stehe und das weite, bewegte Meer sehe, die salzhaltige Luft rieche und der Wind meine Haare zerzaust, dann offenbart sich mir etwas von Gottes Schöpfung.
Einen ähnlichen Eindruck erleben Bergwanderer, wenn sie an einem herrlichen Tag neben einem Gipfelkreuz stehen und einen wunderbaren Blick auf die umliegenden Berge haben.
Wieder andere spüren etwas von Gottes Schöpfung, wenn sie im Wald spazieren gehen, die Vielfalt der Pflanzen bewundern, über das Moos streicheln, den würzige Tannenduft einatmen und ein leckeres Vesperbrot in der Pause essen.
Dies alles sind schöpferische Hinweise, die manche Menschen an Gott denken lassen und ihm gegenüber Dankbarkeit empfinden. Die Schönheit an Gottes Schöpfung kann ich mit meinen Sinnen wahrnehmen. Und wer ein feines Gespür dafür hat, kann in Ihnen Gott selbst entdecken.
Probieren Sie es doch mal aus, wenn Sie das nächste Mal auf einen Berg steigen, eine Waldwanderung machen oder im Meer schwimmen.
Vielleicht begegnen Sie ja dabei Gott!
Und wenn's nicht so ist, dann hat Gott bestimmt andere Zugangsweisen zu Ihnen als über die Sinne.

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Der Oktober ist Erntedankzeit. Das weiß man nicht erst seit jenem Gedicht über den „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland", das man einst in der Schule auswendig lernte. Dieser Herr verschenkte gern eine seiner leuchtend-gelben  Birnen und nahm sogar noch eine Birne mit ins Grab. Dass der Oktober Erntedankzeit ist, weiß man auch deshalb, weil Erntedankfeste gefeiert werden.

Um ernten zu können, braucht es das Zusammenspiel unterschiedlichster „Kräfte". Äcker, Bäume und Sträucher sollen Früchte tragen. Wachstumsgrundlagen müssen vorhanden sein! Früchte wachsen nicht im luftleeren Raum. Sie brauchen die Umgebung, in der sie reifen, wachsen, gedeihen können.  

Und Früchte brauchen auch den Menschen, der die Lebensgrundlagen bearbeitet. Wer einmal gesehen hat, wieviel Arbeit ein Landwirt in seine Äcker und Obstwiesen oder ein Winzer in seinen Weinberg investiert, kann sich nur dankbar über deren Arbeit freuen. Bäume, Sträucher und Reben müssen gehegt und gepflegt, beschnitten und veredelt werden, um ein gutes Ernteergebnis zu erzielen. Böden müssen gepflügt, geeggt, gedüngt und eingesät werden, bevor Pflanzen treiben und wachsen. Ein oft schwierig-zeitintensives Geschäft legt die Grundlage für unsere Erntedankfeiern.

Dennoch liegt es nicht nur am Einsatz des Landeswirts oder Winzers, ob seine Arbeit Früchte trägt. Niemand kann von sich aus Früchte wachsen lassen. Dazu reicht unser Wollen nicht aus. Jeder Landwirt ist immer auch davon abhängig, ob das Wetter das Wachstum fördert. Die „Arbeiter in Gottes freier Natur" sind von Faktoren abhängig, die sie nicht selbst in der Hand haben. Wer so lebt, muss sich und seinen Lebenserfolg aus der Hand geben können.

Dieses Abgeben-Können ist auch ein Symbol für mein Leben. Auch da kann ich nicht alles selbst regeln. Ich kann nicht für jede einzelne Situation meinen Lebenserfolg vorausplanen. Ich bin abhängig von Wohlwollen oder Missgunst anderer. Ich bin manchmal in Umständen gefangen, die mir nicht gut tun; ich erlebe aber auch Situationen, die mich schier übermütig werden lassen.

Um hier realistisch und bescheiden zu bleiben, ist es sinnvoll, Gott in die eigene Lebensplanung mit einzubeziehen. Gott ist dabei kein Wunscherfüllungsautomat. Gott ist vielmehr jemand, der mich immer wieder - manchmal sehr bestimmt - darauf hinweist, dass ich mein Leben mit allem, was ich bin und habe aus Seiner Hand empfange. Er kann mein Leben in sagenhaft-unglaublicher Weise gelingen lassen - und ich hoffe, dass ich nicht übermütig werde. Es kann aber auch sein, dass mein Leben von einer Not in die nächste schlittert; auch da lässt Gott mich nicht allein. In der größten Not hält Er zu mir und bleibt an meiner Seite. Besser noch: Er hält Seine geöffnete Hand unter mein Leben - fallend kann ich dessen gewiss sein, dass ich nicht tiefer als in Gottes Hand hinein falle

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Der Oktober ist Erntedankzeit. Das weiß man nicht erst seit jenem Gedicht über den „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland", das man einst in der Schule auswendig lernte. Dieser Herr verschenkte gern eine seiner leuchtend-gelben  Birnen und nahm sogar noch eine Birne mit ins Grab. Dass der Oktober Erntedankzeit ist, weiß man auch deshalb, weil Erntedankfeste gefeiert werden.

Nun werden Bäume und Sträucher von ihren frisch-fruchtigen Lasten befreit. Man freut sich über voll hängende Obstbäume und Gemüsestauden. Alles trägt eine wunderbar-schmackhafte Last. Ernten wir die Früchte nicht, fallen diese „Lasten" von selbst herab. Dann verrotten sie auf dem Boden und ergeben als Fallobst einen guten Saft oder einen noch besseren „Moschd".

Apropos „Last": Diese trägt man in der Regel nicht gern. Belastungen will man möglichst rasch loswerden und abwerfen. Heute soll das Leben leicht und unbeschwert sein. Das führt einem die Werbeindustrie ständig vor Augen. Ob es sich um Lebens- oder Putzmittel, um Urlaube oder Flatrates handelt: „Alles - aber günstig" soll der Urlaub sein. „Alles - aber leicht" lautet die heutige Lebensmaxime.

Doch kaum bereitet mich darauf vor, dass das Leben auch hart sein kann. Kaum jemand sagt mir, dass ich nicht „alles für nichts" haben kann. Weil alles im Überfluss da ist, meint jeder, er müsste auch selbst ständig am Überfluss teilhaben. „Ich will alles - sofort" ist das unterschwellige Motto der Gegenwart. „Sehen - Haben-wollen - kaufen" Bedürfnisse werden geweckt und sofort gestillt. Mit „drei ... zwei ... eins ... meins" ersteigert man sich seine Träume.

Wer jedoch mit nachdenklicheren Menschen spricht, hört, dass das Leben nicht immer nur „locker-flockig-leicht" verläuft. Manche Menschen müssen Situationen durchstehen,  die ihre scheinbar so sichere Lebensplanung durchkreuzen: Da muss man plötzlich mit Krankheit oder Tod klarkommen; oder man verliert den sicher geglaubten Arbeitsplatz; Beziehungen zwischen Ehepartnern, sogar zwischen Eltern und Kindern zerbrechen. Dann fällt man in ein ‚tiefes Loch'. Die Lebensernte erscheint unsicher. Was dann? Wie soll man hier heraus- und weiterkommen?

Die Bibel gibt einen wertvollen Hinweis für solche Situationen. Er lautet: „Einer trage des Andern Last!" Es geht um Solidarität. Es geht darum, dass ein Mensch, der in ein Loch fällt, Menschen an seiner Seite braucht, die ihm heraushelfen, ihn unterstützen; ihr zuhören, sie tragen. Für Christen gibt es zudem die Möglichkeit, sich an Gott zu wenden. Im Gebet darf ich Gott um Kraft bitten, um die manchmal schwere Lebenslast zu tragen. Im Gebet darf ich Gott bitten - für mich und für andere. Wie einem Hilfe und Ent-Lastung zuteil wird, kann niemand im Vorhinein genau sagen. Aber so viel ist gewiss: Lasten zu teilen hilft! Dann ist eine (mit)geteilte Last auch nur noch halb so schwer. Diese entlastende Erfahrung mit Gott und Mitmenschen wünsche ich Ihnen

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Der Oktober ist Erntedankzeit. Das weiß man nicht erst seit jenem Gedicht über den „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland", das man einst in der Schule auswendig lernte. Dieser Herr verschenkte gern eine seiner leuchtend-gelben  Birnen und nahm sogar noch eine Birne mit ins Grab. Dass der Oktober Erntedankzeit ist, weiß man auch deshalb, weil Erntedankfeste gefeiert werden.

Früchte sind geworden - und das oft ohne unser Zutun. Früchte reiften in den letzten Monaten heran. Diese Früchte können lecker-schmackhaft oder faulig-wurmstichig sein. Das ist auch im Leben so. Es gibt Lebensfrüchte, die nicht sonderlich gut schmecken. Solche Früchte sind „Neid, Eifersucht, Streitsucht". Das sind ungute gesellschaftliche oder persönliche Eigenschaften.

Aber es gibt auch positiv-angenehme, menschlich-soziale Eigenschaften: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Zufriedenheit" gehören dazu. Ein biblischer Autor nannte sie „Früchte des Gottesgeistes". Das bedeutet: Positive Eigenschaften entwickeln sich Schritt für Schritt. Aus einem Menschen, der an Gott glaubt, wird über Nacht kein christlicher Superstar. „Superchristen" sind nicht zu ‚casten'. Selbst ‚ideale Christen' können stolpern oder das Falsche tun.

Doch das ist das Geheimnis der Früchte, die wir auf Feldern und in Gärten sehen; ebenso wie der Früchte, die wir im eigenen Leben ernten: Früchte wachsen und brauchen Zeit! Früchte brauchen zudem die ständige Verbindung zu ihrem ‚Ernährer'. Der Apfel braucht den Baum, die Traube den Weinstock, die Ähren Ackerboden und Halm. Früchte gedeihen nur an ihrer ernährenden Quelle. Nur dann reifen sie und erfreuen nach der Ernte den Menschen.

Auch ich brauche einen Nährboden, der mich zu einem positiv-begabten Menschen werden lässt. Ich brauche in meinem Umfeld Menschen, die mir hilfreiche Lebenswerte vermitteln. Ich brauche Mitmenschen, die mich fordern und fördern. Es ist gut, Menschen an der Seite zu haben, die Positives verstärken und Schwächen annehmbar-freundlich ansprechen.

Und es ist wichtig an Gott glauben zu können. Ist mein Leben in Gott verwurzelt und verankert; spüre ich, dass Gott mir meinen Selbstwert gibt, kann ich zufrieden leben. Der Glaube bewirkt, dass Menschen zufrieden werden. Zufrieden-Sein meint einen Lebensstil, der darin gründet, dass der Friede mit Gott auf meine Beziehung zu mir selbst ebenso ausstrahlt wie auf meine Beziehung zu anderen. Wer erfahren hat, dass Gott ihn liebt, geht nicht zerstörerisch und lieblos mit anderen Menschen um, sondern lebt im Alltag die Früchte des Gottesgeistes aus: „Liebe, Friede, Freude, Geduld und Freundlichkeit" (nach Gal 5,16-26).

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