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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Gipfeltreffen haben eine besondere Dynamik. Wer zu einem Gipfeltreffen kommt oder kommen darf, hat es geschafft! Der ist wer! Ein Gipfeltreffen besonderer Art erwartet uns im Sommer 2010, wenn in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Die Gruppen der Vorrunde sind ausgelost. Der Spielplan steht; ab dem 13. Juni, 20.30 Uhr wird man der deutschen Nationalelf die Daumen drücken. Dann beginnt für sie mit dem Spiel gegen Australien der Ernst der WM. Natürlich hoffen wir, dass „unser gesetztes Team“ möglichst lange im Wettbewerb bleibt. Wir wünschen uns von diesem Fußball-Gipfeltreffen schöne, spannende Spiele. Wir hoffen auf ein Fußballfest, das einer WM an-gemessen ist. Geschieht dies, sind wir auch bereit, zu feiern. Das wäre dann wieder ein fußballerisches „Sommermärchen“ wie weiland 2006. Das wäre für jeden Fußball-Fan ein Grund zu Freude und Jubel.
Zur Freude darf ich mich auch heute einladen lassen: „Es freue sich der Himmel und die Erde sei fröhlich, und man sage unter den Heiden, dass Gott regiert“ (1Chr 16,31). Die-ser Vers findet sich in der Bibel und entstammt einem Danklied, das dem König David zugeschrieben wird. Der Anlass für dieses Danklied war ein Gipfelfest ganz besonderer Art. David hatte den Ort der Anwesenheit Gottes, die sogenannte Bundeslade, die Israel auf ihrem 40jährigen Weg von Ägypten bis ins verheißene Land begleitet hat, nach Jeru-salem gebracht. Dafür hatte er extra ein Ausstellungszelt errichten lassen. Der König Is-raels freute sich so sehr über Gottes Dasein an seinem Regierungssitz, dass er einen ü-berschwänglichen Jubel anstimmte. Dieser Gipfeljubel über Gottes Anwesenheit um-schließt die gesamte Schöpfung. „Himmel und Erde sollen sich freuen und fröhlich sein. Alle Menschen sollen erfahren, dass Gott da ist und regiert!“
Wenn im Sommer 2010 die WM in Südafrika stattfindet, wünsche ich mir einen fröhli-chen Fußball-Gipfel, der friedlich und fair, ohne politisch-rassistische Unruhen und terro-ristische Anschläge verläuft. Dies wird nur möglich sein, wenn bei diesem Fußballfest auch die friedliche, Begeisterung auslösende Gegenwart Gottes wahrgenommen wird. Ich wünsche mir ein fußballerisches Gipfeltreffen, das friedenstiftend und völkerverbindend weiterwirkt. Ich wünsche mir Impulse für ein friedliches Zusammenleben, die von dieser Fußball-Weltmeisterschaft ausgehen könnten. Dann könnte man sogar feststellen und sagen: „Es freue sich der Himmel und die Erde sei fröhlich. Man sage unter den Völker: Gott, der Herr regiert“. Das wäre dann wirklich ein besonderes Ergebnis dieses fußballeri-schen Gipfeltreffens.

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Gipfeltreffen haben eine besondere Dynamik. Wer zu einem Gipfeltreffen kommt oder kommen darf, hat es geschafft! Der ist wer! Wie zufrieden und stolz ist man, wenn man nach großen Anstrengungen und eventuell gefährlichen Wegabschnitten oben am Gipfel-kreuz angekommen ist. Das müssen nicht unbedingt die Gipfel des Himalaya oder die höchsten Alpen-Gipfel sein. Da reichen auch schon 2.000 Meter, um sich am geschafften Aufstieg zu freuen. Ist man am Gipfelkreuz angekommen und trifft dort andere Men-schen, kommt es zu einem fröhlichen Gipfeltreffen. Man genießt die Fernsicht, den Über-blick. Man freut sich und jubelt.
Eine ganz ähnliche Jubelstimmung hatte wohl auch jener biblische Autor im Blick, der dazu aufruft: „Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid“ (Jesaja 66,10). Wer jemals Israel und Jerusalem besucht hat, weiß: Der Weg hinauf nach Jerusalem ist steil und beschwerlich. 750 Meter hoch erhebt sich Jerusalem über den Jordangraben. Der Aufstieg zur Hauptstadt Israels kostete Kraft und benötigte Ausdauer. Ausdauer bewies auch die Stadt selbst! Sie gehört zu den wenigen Städten der Welt, die auf eine durch-gängige, mehrtausendjährige Geschichte zurückblicken kann. Jerusalem, die „Stadt des Friedens“ – in der immer noch und immer wieder Krieg herrscht – hat ein wechselvolles Schicksal. Glanzvolle Perioden stehen gegen Zeiten totaler Zerstörung. Doch noch immer pulsiert in dieser Stadt das Leben. Zudem hat Jerusalem eine große Zukunft – zumindest wenn ich den Zusagen Gottes vertraue, die ich in der Bibel lese. Gott entwickelt für diese Stadt eine Perspektive, die einen träumen lässt: „Niemand wird mehr weinen und klagen. Es gibt keine Kinder mehr, die nur ein paar Tage leben, und niemand der erwachsen ist, wird mitten aus dem Leben gerissen. … Wolf und Lamm werden dann gemeinsam wei-den, der Löwe frisst Häcksel wie das Rind und die Schlange nährt sich vom Staub der Erde… Auf dem Zion, meinem Heiligen Berg wird keiner mehr Böses tun und Unheil stif-ten“ (Jesaja 65,19bf.25).
Diese Vision eines Friedensgipfels ist etwas völlig anderes als die Weltuntergangsstim-mungen, die durch Filme wie „2012“ verbreitet werden. Noch ist der göttliche Friedens-gipfel nicht einberufen, doch die Bilder dieser Ankündigung eröffnen völlig neue Perspek-tiven. Sie malen mir ungewohnte, meine Phantasie beflügelnde Friedensbilder vor Augen. Und das Entscheidende ist: Die Zukunft der Welt liegt nicht in unserer Hand, sondern in der friedensstiftenden Hand Gottes. Doch ich darf mich heute bereits von der Vorfreude auf Gottes Friedensgipfel anreizen und anstecken lassen.
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Gipfeltreffen haben eine besondere Dynamik. Wer zu einem Gipfeltreffen kommt oder kommen darf, hat es geschafft! Die ist wer! Der gehört dann zu den Großen der Welt! Kameras und Mikrophone sind auf die Teilnehmer eines Gipfeltreffens gerichtet. Sie dür-fen Kluges, Wegweisendes oder Vernebelndes von sich geben.
So wie in dieser Woche. Da trafen sich Politiker aus 192 Nationen in Kopenhagen, um über die Zukunft des Weltklimas zu beraten und zu debattieren. Es stimmt: Man kann vor den klimatischen Veränderungen unserer Welt nicht länger die Augen verschließen. Die extremen Lebensräume werden knapp – für Tiere und Menschen in den kältesten Regio-nen unserer Erde. An anderen Orten zerstört menschliche Gier unberührte Landschaften – um aus Teersänden Öl zu raffinieren.
Wir in unseren gemäßigten Breitengraden hätten gern wieder verlässliche Jahreszeiten: einen „echten“ Winter, Frühling, Sommer, Herbst. Es wird Zeit, dass sich etwas in unse-rem Verhalten und Umgang mit der Natur ändert. Es besteht die Hoffnung, dass der Weltklimagipfel konkrete, gute Ergebnisse mit sich bringt.
Aber vielleicht müssen wir uns im Blick auf den Klimawandel und unseren „überflüssig-verschwenderischen“ Lebensstil auch einmal von Gott hinterfragen lassen. Er sitzt bei keinem Gipfeltreffen mit am Tisch sitzt, gehört aber dennoch zur höchsten Instanz über-haupt. Spricht Gott mit mir, lädt Er mich zum Gipfeltreffen ein, kann ich eigentlich nicht anders als vor Ihm zu erschrecken und Ihn respektvoll zu bitten: „Gott, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm“ (Ps 6,2).
Als Christ glaube ich, dass Gott diese Welt mit allem, was auf ihr zu finden ist, geschaffen hat. Ich glaube das – beweisen kann ich das nicht. Doch mein Glaube stellt mich auch in eine besondere Verantwortung hinein. Ich soll mein Leben und Handeln, meinen Umgang mit Gottes Schöpfung vor Gott verantworten. Wichtig ist dann diese Bitte: „Herr, strafe mich, strafe die Menschheit nicht in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm“. Ich bin davon überzeugt, dass diese Bitte bei meiner Kontaktaufnahme mit Gott dazu beitragen kann, dass wir unser Verhalten im Blick auf Natur und Schöpfung verän-dern lassen.
Von Gott abhängig, Ihm verantwortlich zu sein, dieses Eingeständnis setzt das Gipfeltref-fen sofort ins rechte Verhältnis. Ich glaube, dass erst das rechte Verhältnis zu Gott mich zu einem verantwortlichen, bewahrenden Umgang mit Seiner Schöpfung anleitet. Dieser Verantwortung vor Gott soll ich mich stellen – heute und morgen und an jedem neuen Tag.
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Die Adventszeit soll still sein. Besinnlich. Das hoffen viele. Aber meistens hat man dafür zu viel zu tun. Die meisten Menschen sind damit beschäftigt, Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Sie gehen auf die eine oder andere Weihnachtsfeier. Sie bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor. Aber von Stille keine Spur. Viele bedauern das.
Deshalb gefällt mir, dass verschiedene Freikirchen und evangelische Einrichtungen 2010 zum Jahr der Stille ausgerufen haben. Denn ich muss es zugeben: Ich bin auch kein großer Held der Stille. Eigentlich sollten wir Pfarrerinnen und Pastoren das ja können: Aus der Stille leben. In der Stille uns auf Gott einlassen. Auf ihn hören. Von ihm her die Kraft und Gelassenheit empfangen, die wir für die Predigt und die Seelsorge brauchen. Aber mir gelingt das nicht sehr gut.
Lieber fange ich an und nehme die Dinge in die Hand. Ich weiß schon, wie das geht, denke ich oft. Und bin manchmal schon nach kurzer Zeit ausgelaugt und mutlos, weil es doch nicht so einfach ist und meine Kraft zu Ende geht.
Deshalb glaube ich, dass die Stille und darin das Hören auf Gott mir etwas geben könnte, was nicht einfach nur aus meinen Begabungen kommt, die Gott mir geschenkt hat. Ich ahne, dass die Stille eine Quelle der Kraft und Vollmacht sein könnte, die ich aus mir selber heraus nicht gewinnen kann. Ja, ich habe die Sehnsucht danach, dass Gott mich inspiriert und berührt, dass er mit mir redet und mir Dinge klar macht, für mich selber und für andere. Für mein Privat- und meine Berufsleben.
Und weil ich es von allein nicht so gut kann, brauche ich Anleitung zum still sein. Ich habe in dem Ideenheft vom Jahr der Stille ein paar ganz praktischen Anregungen gefunden:
Zum Beispiel mal Autofahren ohne Musik oder Radiountermalung. Oder ein Mittagschläfchen machen, wenn es geht. „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf steht ja schon in der Bibel. Eine Freundin von mir geht spazieren und betet dabei. Andere nutzen offene Kirchen in Städten, setzen sich für ein paar Minuten still auf einen Platz und sind offen für eine Begegnung mit Gott.
2010 als Jahr der Stille: Ich bin gespannt darauf was ich dabei entdecken werde. Wenn Sie auch zu denen gehören, die sich in diesem turbulenten Advent nach Stille sehnen und nach Besinnlichkeit: Vielleicht versuchen Sie es jetzt schon mit einem dieser Praxistipps. Damit die Adventszeit für Sie zu einer Quelle der Kraft wird.

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Ich kenne viele, die machen viele Worte und tun wenig. Manche sagen auch, bei uns Pastoren und Pfarrerinnen wäre das so. Es ist ja auch wahr – wir haben einen Beruf, in dem man viel reden muss: im Gottesdienst im Kirchlichen Unterricht, in der Seelsorge, bei Mitarbeiterge-sprächen und vielen mehr. Gerade deshalb unterhalte ich mich mit einem älteren Ehepaar die mich daran erinnern: „Das was du tust redet lauter, als das was du sagst. Aber lebe so, dass man dich nach deinen Überzeugungen fragt“.
Die beiden kommen aus der Landwirtschaft.
Sie haben zweimal für mehrere Jahre in einem afrikanischen Land gelebt. Sie haben dort eine Farm geleitet und ein landwirtschaftliches Pilotprojekt aufgebaut. Junge Männer konnten dort eine Ausbildung machen, damit sie mit ihrem landwirtschaftlichen Können ihre eigenen Famili-en ernähren konnten.
Die beiden Deutschen haben sich dort nie als die weißen Herren aufgespielt. Sie haben ver-sucht, „die afrikanische Seele“ zu verstehen. Sie haben sich auf die Menschen dort mit ihrer Mentalität eingelassen. Haben nicht versucht, das erstmal in Frage zu stellen, sondern die Menschen mit ihrer Haltung bewusst ernst genommen. Sie haben sich mit ihrem Wissen zur Verfügung gestellt und haben sehr oft auch ganz praktische Hilfe geleistet.
Und sonntags sind sie ganz selbstverständlich in die nächstgelegene Kirche gegangen. Sie ha-ben niemanden versucht zu missionieren. Aber irgendwann haben ihre afrikanischen Mitarbei-ter sie gefragt, warum sie das machen? Und dann haben sie von ihrem Glauben an Jesus Christus erzählt. Und davon, dass Jesus auf die Welt gekommen ist, um uns Menschen zu hel-fen, uns zur Seite zu stehen und unser Leid und unsere Not zu wenden. Einige der Afrikaner sind dann auch mit in ihre Kirche gekommen. Und heute, wo die beiden schon lange wieder in Europa leben, sind sie immer noch in Kontakt mit manchen ihrer afrikanischen Freunde.
Und auch hier spürt man ihnen ab, dass es ihnen wichtig ist, dass ihr Glaube in ihren Taten spürbar werden muss. Sie kümmern sich viel um ihre alt gewordenen Nachbarn, deren Kinder weit weg wohnen. Sie sind insgesamt sehr hilfsbereit. Und viele in Ihrer Umgebung wissen, dass die beiden an Gott glauben. Manchmal kommen sie dann sogar mit in die Kirche.
Als Wortmensch möchte ich mir von meinem älteren Ehepaar deshalb immer wieder ins Ge-dächtnis rufen lassen, dass meinen Worten auch Taten folgen müssen, damit ich glaubwürdig bin.
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„Das was du tust, redet lauter als das was du sagst.“ Der Heilige Nikolaus hat diesen Satz zwar noch nicht gekannt. Aber gehandelt hat er danach. An ihn haben wir uns gestern am Nikolaus-tag erinnert. Nikolaus war im 3. Jahrhundert Bischof der Hafenstadt Myra in der heutigen Tür-kei. In einem Winter geriet diese Stadt in eine Hungersnot. Im Hafen aber lagerten Schiffe, die Korn für den Kaiser in Byzanz geladen hatten. Nikolaus bat die Kapitäne, die Stadt von dem Korn zu versorgen. Die lehnten ab. Das Korn sei genau abgewogen und es dürfe nichts davon fehlen. Nikolaus versprach Ihnen, dass Ihnen nichts passieren würde und so stimmten sie zu. Als die Kapitäne später das Korn in der Hauptstadt anlieferten, stellen sie erstaunt fest, dass kein einziges Kilogramm fehlte. Die Stadt Myra aber wurde zwei Jahre mit dem Korn versorgt und hatte sogar noch etwas übrig für Aussaat.
„Das was du tust, redet lauter als das was du sagst.“ Nikolaus hat beides getan. Geredet und gehandelt. Als Bischof hat er in der Kirche in Myra über seinen Glauben an Jesus Christus ge-predigt. Aber er hat seinen Worten immer auch Taten folgen lassen. Für ihn war es wichtig, dass sein Glaube Hand und Fuß bekam. Dass Reden und Handeln zusammen passen – einan-der ergänzen.
Glaubwürdig sind Christen immer dann, wenn sie sich auch so verhalten wie sie reden. Wenn sie sich zum Beispiel für Klimaschutz einsetzen und dann auch einen emissionsarmen Kleinwa-gen fahren, oder noch besser: meist öffentliche Verkehrsmittel benutzen.
Glaubwürdig sind Christen dann, wenn sie Nächstenliebe predigen und sich dann auch tatsäch-lich um ihre Nachbarn kümmern.
Der Heilige Nikolaus ist für mich ein Vorbild dass beides zusammengehört: Reden und Han-deln. Er ist für mich ein Vorbild dafür, dass das Evangelium auch eine soziale Seite hat. Glaube spielt sich eben nicht nur in meinem Inneren ab. Sondern er wirkt sich nach außen aus, wenn er die von Gott erfahrene Liebe auch an andere weiter gibt. Ganz handfest und praktisch im Alltag.
Nikolaustag ist deshalb mehr als ein netter Brauch für Kinder und ein Vorgeschmack auf Weih-nachten.
Nikolaus von Myra erinnert bis heute daran: Das was wir als Christen sagen, sollen wir auch tun. Denn das, was wir tun redet lauter als das was wir sagen. Nikolaus ist dafür ein Beispiel – nicht bloß an dem einen Tag im Jahr.
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